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Kritik: Tag der Rache (DK 1943)

"Ich höre ihre Schreie andauernd." Nachdem Dreyer über zehn Jahre wieder als Journalist arbeiten musste, ohne einen einzigen Film zu drehen, bekam er Anfang der 40er endlich wieder die Chance. Das historische Drama "Tag der Rache" ist eigentlich Dreyers erster Tonfilm, lässt man seinen vorherigen Film "Vampyr" (1932) außer Acht, der zwar schon als Tonfilm gilt, praktisch aber auf jeden Dialog verzichtet. Eigenartig an "Tag der Rache" ist, dass Dreyer seine stilistischen Stärken eher missachetet. Anstatt den inhaltlich todernsten Film mit konstanter Vehemenz in statische Tableaus zu fassen, experimentiert der Film mit den Möglichkeiten von Kamerafahrten, die von Dreyers Seite aus für Lebendigkeit sorgen sollen, leider aber enorme Brüche erzeugen und wie eine schlechte Anlehnung an den d...
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"30 Days of Night" (USA 2007) Kritik – Josh Hartnett im Kampf gegen Vampire

"Ich will nicht mehr mit dem hier spielen. Wollt ihr vielleicht mit mir spielen?" Vergleicht man den Mythos Vampir zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, dann wird man die klaren Unterschiede mit Leichtigkeit erkennen können. Zusammengefasst könnte man sagen, der Vampir ist inzwischen Salonfähig geworden und hat s einiges von seiner unvergleichlichen Aura und dem bissigen Schrecken verloren. Heute sind es Filme wie 'Twilight', in denen die Vampire bis zum Anschlag ausgeschlachtet werden und Mädchen sich nicht mehr von ihnen fürchten, sondern sie sogar süß finden und am liebsten einen ganz eigenen Untoten als Freund hätten. Auch Sachen wie 'Van Helsing' oder 'Blade: Trinity', in denen der berüchtigte Graf Dracula gleich zweimal mit schrecklich seelenlosen Darstellungen entehrt und...
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Kritik: Reise ins Herz der Finsternis (USA 1991)

"The Horror! The Horror!" Die legendären Dreharbeiten zu "Apocalypse Now" gebährten eine ebenso legendäre Dokumentation, die in aller Ausführlichkeit, aber unterbewusst, das Kino an sich in Frage stellt. Der in “Apocalypse Now” thematisierte Wahnsinn des Krieges wurde wohl durch den Wahnsinn der Dreharbeiten für diesen Film noch übertroffen. “Hearts of Darkness” ist eine Making-of-Dokumentation über Francis Ford Coppolas bahnbrechendes Werk. Es scheint vielleicht ungewöhlich das "Making-Of" eines Films höher zu bewerten als den eigentlichen Film. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist "Hearts of Darkness" weit mehr als ein bloßes Making-Of, zum anderen bedingen sich die Existenzen beider Filme gegenseitig, weshalb man keinen der beiden objektiv schlechter oder besser einschätzen kön...
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Kritik: Die Duellisten (GB/USA 1977)

"Ich fordere eine Entschuldigung." Die Geschichte einer Männerfeindschaft zur Zeit der Napoleonischen Kriege, aus eher nichtigen Gründen werden die beiden Husarenoffiziere d’Hubert (Keith Carradine) und Feraud (Harvey Keitel) zu erbitterten Gegnern. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege und jedesmal kommt es dabei zum Duell auf Leben und Tod. Ridley Scott gehört ohne Zweifel zu den interessantesten Hollywood-Regisseuren, eben weil er auch ein auteur ist. Seine Filme kann man allerdings schwerlich katalogisieren und thematisch einordnen. Noch stärker als Spielberg hat es Scott darauf angelegt, möglichst viele unterschiedliche Filme zu drehen. Das war schließlich auch der Grund warum er sich für "Alien" entschied. Nach "The Duellists" bot man ihm einen weiteren Kostümfilm an. Er lehnte ab ...
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Kritik: Black Out – Anatomie einer Leidenschaft (GB 1980)

"Don't use ever that word love again!" Die Amerikanerin Milena (Theresa Russell) trifft auf den Wiener Psychoanalytiker Alex Linden (Art Garfunkel). Beide steigern in eine obsessive Amour Fou, an deren Ende Inspektor Netusil (Harvey Keitel) ein Verbrechen aufzuklären hat. "A sick film made by sick people for sick people." Was auf den ersten Blick, wie ein Filmzitat anmutet, war in Wahrheit der Satz eines Produzenten nachdem er Nicolas Roegs „Bad Timing“ gesehen hatte. Leider war das erst der Anfang. Der Schock der britischen Verleihfirma war ebenfalls groß, so groß, dass sie sich kurzerhand dazu entschlossen auf ihr Logo in den Kinokopien zu verzichten. Auch das Publikum wollte den Film nicht sehen und unter den Kritikern hielten sich Verriss und Belobigung die Waage. Ein Kritiker rühm...
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Kritik: eXistenZ (CA/GB 1999)

"Es macht noch mehr Spaß, wenn es sich echter als echt anfühlt." In der Zukunft sind die Designer interaktiver Spiele an der Macht. Spieler messen sich in einer VR-Welt, die von der realen Welt kaum noch zu unterscheiden ist. Eine Game-Community trifft sich in einer abgelegenen Kirche, um das neueste Spiel von Designerin Allegra Geller (Jennifer Jason Leigh) zu testen. Doch dann versucht jemand die berühmte Spieledesignerin zu töten. Sie flieht zusammen mit dem unerfahrenen Marketingpraktikanten Ted Pikul (Jude Law). Man sollte schon mal ein Videospiel gespielt haben, um den Detailreichtum in „eXistenZ“ überhaupt überblicken zu können. Cronenbergs langjährige Production Designerin Carol Spier hatte sichtlich Spaß an diesem Film und schuf bizarre Welten, Level und Räume. Jude Laws Figur...
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Klassiker-Tipp der Woche "Der Elefantenmensch" (USA/GB 1980) Kritik – Die Geschichte einer endlosen Sehnsucht

"Ich bin kein Monster! Ich bin ein menschliches Wesen!" Inzwischen sollte bei jedem interessierten Filmfan angekommen sein, dass David Lynch nicht nur für verstörenden und unerklärlichen Surrealismus steht, sondern, dass er auch die leisen und unaufdringlichen Töne toll beherrscht. Zuletzt bewies er das 1999, mit dem schönen Drama 'The Straight Story'. Aber auch schon im Jahre 1980 inszenierte Lynch mit 'Der Elefantenmensch' einen sensiblen und gefühlvollen Film. Natürlich hatte David Lynch in diesem Jahr noch nicht ansatzweise den Bekanntheitsgrad wie heute und war nach einigen Kurzfilmen und seinem ersten Spielfilm 'Eraserhead' noch im Dunkeln geblieben. Ausgerechnet Spaßvogel Mel Brooks nahm sich Lynch an und half ihm dabei, sein Drama zu verwirklichen, mit dem David Lynch voll und g...
Klassiker-Kritik: Halloween (USA 1978) – Die Nacht des Grauens
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Klassiker-Kritik: Halloween (USA 1978) – Die Nacht des Grauens

Der leibhaftige Tod ist in Ihre Stadt gekommen, Sheriff. Sie können ihn ignorieren oder mir helfen ihn aufzuhalten. Die goldenen Zeiten des John Carpenter liegen weit zurück in staubiger Vergangenheit. Seinen letzten annehmbaren Film lieferte er mit 'Vampire' 1998, mit einem ultracoolen James Woods in der Hauptrolle. Heute ist Carpenter allerdings nur noch ein grauer Schatten seiner selbst und der einst so hochwertige Name hat viel von seinem Glanz einbüßen müssen. Diesmal gehen wir allerdings zurück in die glorreichen Tage und widmen uns seinem wohl bekanntesten, wegweisendsten Film aus seiner inzwischen durchwachsenen Karriere. Die Rede ist von einem Horror-Meisterwerk, das Carpenter noch vor seinen Meilensteinen 'The Fog', 'Das Ding aus einer anderen Welt' und 'Die Klapperschlange' i...
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"Eraserhead" (USA 1977) Kritik – Mitternachtskino voller Angst und verschwommener Realität

"I’m losing my mind." David Lynch hat sich schon früh einen Namen machen können. Mit seinen Kurzfilmen wie 'The Alphabet', die in jedem Fall sehr experimentell und eigen waren, wies er uns in die Richtung, in die wir später noch einige Male mit ihm zusammen beschreiten würden. Die Zeit für den ersten großen Spielfilm musste natürlich auch kommen und sollte im Jahr 1977 seinen Weg an die Öffentlichkeit finden. 'Eraserhead' ist das genaue Bindeglied zwischen Lynchs Kurzfilmen und den darauffolgenden Meisterwerken. Lynch zeigte uns dieses Mal in knapp 90 Minuten genau das, was schon bei 'The Alphabet' für Kopfzerbrechen gesorgt hatte: düsterster Surrealismus in Reinform. Henrys Leben gleicht einem trostlosen Trümmerhaufen. Das einzige was ihm vorerst noch bleibt ist seine schwangere Freu...
Kritik: Catch Me If You Can (USA 2002)
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Kritik: Catch Me If You Can (USA 2002)

Frank, look. Nobody's chasing you. Man hatte die Hoffnungen ja schon irgendwie aufgegeben, dass Steven Spielberg mal wieder Interesse daran zeigt, das Herz der Zuschauer in den Sälen der Lichtspielhäuser in den höchsten Tönen schlagen zu lassen. Sein Eskapismus war nicht mehr locker-leicht konzipiert, er war von einer entsättigten Düsternis gezeichnet, die den Kleinen der Familie konsequent den Riegel vorschob: Auf „Schindlers Liste“ folge das Sklaven-Drama „Amistad“, nach „Der Soldat James Ryan“ kam die hervorragende Dystopie „Minority Report“. Zwischendurch durfte zwar „A.I. - Künstliche Intelligenz“ noch einmal etwas Magie versprühen, doch von dem federleichten Gestus eines „E.T. - Der Außerirdische“, „Jurassic Park“ oder der „Indiana Jones“-Trilogie waren seine Werke bis zum Jah...