Die besten Filme des Jahres 2021 – Philippe stellt seine Lieblinge vor

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Die-besten-Filme-des-Kinojahres-2021

Auch 2021 war alles andere als ein gewöhnliches, einfaches Jahr. Die Pandemie hat auch dieses Filmjahr geprägt und so war bei Filmschaffenden, Verleihern und Kinobetreibern weiterhin viel Einfallsreichtum, Spontaneität und Umdenken gefragt, um all die Filmproduktionen, welche sich aufgrund der Corona-Krise monatelang angesammelt hatten, noch möglichst profitreich ans Publikum zu bringen. Wo die Kinos in der ersten Jahreshälfte noch geschlossen bleiben mussten und man sich hauptsächlich mit vergessenswürdigen Streaming-Produktionen bei Netflix und Co. die Zeit vertreiben durfte, entwickelte sich hingegen die zweite Jahreshälfte wieder zur Kinozeit – und was für einer! Dies ist vor allem den maßgebenden Entscheidungen diverser Filmfestivals wie Cannes oder Venedig zu verdanken, die alles in ihrer Macht stehende taten, um nach langer Zeit wieder Filmfans aus aller Welt zusammenbringen zu können. Daher überrascht es wenig, dass die herausragendsten Produktionen des Jahres fast allesamt dort ihre Weltpremieren gefeiert haben.

Was sich hingegen in diesem Zusammenhang nach wie vor leider nicht geändert hat, ist die mäßige Veröffentlichungspolitik der deutschen Filmverleiher, von welcher ich daher ab diesem Jahr nicht mehr meinen Jahreslisten abhängig machen werde. Aus diesem Grund befinden sich, so leid es mir tut, einige Filme unter meinen Best Ofs des Jahres, welche erst im kommenden Jahr bundesweit im Kino starten werden. Doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, insofern wünsche ich euch nun viel Spaß beim Entdecken meiner Jahreshighlights.

Lobenswerte Erwähnungen:
The Last Duel (Ridley Scott / gesehen bei Disney+)
Der Rausch (Thomas Vinterberg / gesehen im Kino / bereits für das Heimkino erhältlich*)
– Be Natural – Sei du selbst
(Pamela B. Green / seit 10.12. für das Heimkino erhältlich*)
Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Dominik Graf / bereits für das Heimkino erhältlich*)
– Prayers for the Stolen (Tatiana Huezo / Netflix-Original)
– Alles ist gut gegangen (François Ozon / gesehen in Cannes / Kinostart 14.04.22)
– Red Rocket (Sean Baker / gesehen in Cannes / Kinostart 14.04.22)
– A Hero
(Ashgar Farhadi/ gesehen in Cannes / Kinostart 21.01.22) 
– Malcolm & Marie (Sam Levinson / Netflix-Original)
– The Hand of God (Paolo Sorrentino / gesehen in Venedig / bereits bei Netflix)
– First Cow (Kelly Reichardt / bei Mubi streamen*)
– The Mitchells vs. The Machines (Michael Rianda / Netflix-Original)
Pig (Michael Sarnoski / Amazon Prime & Blu-ray*)
Scenes from a Marriage (Hagai Levi / gesehen in Venedig / bei Sky Ticket im Abo enthalten oder bei Amazon Prime leihen*)
In the Heights (John M. Chu / gesehen im Kino / bereits für das Heimkino erhältlich*)
The Card Counter (Paul Schrader / gesehen in Venedig / Kinostart 03.03.22)

Die größten Enttäuschungen:
Dune (Denis Villeneuve / gesehen in Venedig / lief bereits im Kino)
– France (Bruno Dumont / gesehen in Cannes / Kinostart 02.06.22)
– Parallele Mütter (Pedro Almodóvar / gesehen in Venedig / Kinostart 03.03.22)
Annette (Leos Carax / gesehen in Cannes / lief bereits im Kino)
– The Woman in the Window (Joe Wright / Netflix-Original)
West Side Story (Steven Spielberg / lief bereits im Kino)
House of Gucci (Ridley Scott / lief bereits im Kino)

Die schlimmsten Filme des Jahres:
Flag Day (Sean Penn), Sundown (Michel Franco), Prisoners of the Ghostland* (Sion Sono), Free Guy* (Shawn Levy), Beckett (Ferdinando Cito Filomarino), Infinite – Lebe unendlich* (Antoine Fuqua), Voyagers* (Neil Burger), Eternals (Chloé Zhao), Halloween Kills (David Gordon Green) und Army of the Dead (Zack Snyder)

Leider noch nicht gesehen:
Schachnovelle (Philipp Stölzl), Ammonite (Francis Lee) und Spider-Man: No Way Home (Jon Watts)

2022 – meine meisterwarteten Filme:
Licorice Pizza (Paul Thomas Anderson), Scream 5 (Matt Bettinelli-Olpin), The Batman (Matt Reeves), Elvis Presley Biopic (Baz Luhrmann), Decision to Leave (Park Chan-wook), Blonde (Andrew Dominik), Crimes of the Future (David Cronenberg), Babylon (Damien Chazelle), Poor Things (Yorgos Lanthimos) und Killers of the Flower Moon (Martin Scorsese)

Weitere heißerwartete Veröffentlichungen findet ihr im Filmkalender.

Hier geht es zu meinen Lieblingsfilmen der letzten Jahre: 2020, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013

Und hier nun meine Top 10 Lieblingsfilme des Jahres 2021:

10 | Promising Young Woman

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von Emerald Fennell mit Carey Mulligan und Alison Brie (Kinostart 19.08.21, bereits für das Heimkono erhältlich*)

Can you guess what every woman’s worst nightmare is?

Ein Regiedebüt, welches es wirklich in sich und welches mich bis zum Ende in seinen Bann gezogen hat, obwohl der Film tatsächlich ein paar Minuten früher hätte enden können (so wie es Sascha in seiner Kritik beschreibt). Emerald Fennell ist mit Promising Young Woman ein wirklich komplexes Rape and Revenge Drama gelungen – so diskussionswürdig wie unterhaltsam, ebenso stylisch wie provokant inszeniert, und dabei mit einer Leichtigkeit von Carey Mulligan getragen, dass es eine wahre Freude ist. Emerald Fennell ist in der Tat eine vielversprechende Regisseurin, von der wir in Zukunft noch einiges erwarten dürfen.

9 | Keine Zeit zu sterben

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von Cary Joji Fukunaga mit Daniel Craig und Léa Seydoux (Kinostart 30.09.21, bereits für das Heimkino erhältlich*)

The function of man is to live, not to exist

Der fünfundzwanzigste Film der James Bond-Reihe ist ein ebenso emotionaler sowie radikaler Abschluss der Daniel Craig Ära, welche mich seit Casino Royale nicht wirklich begeistern konnte. Doch hier ist nun Keine Zeit zu sterben und nur selten war das Franchise so angreifbar, diskutabel und zeitgemäß erzählt. Der Titel könnte auch Leben und sterben lassen lauten. Die Corona-Pandemie bedeutete zunächst, dass der Kinostart immer wieder verschoben wurde. Doch die Ironie an der ganzen Sache ist, dass Keine Zeit zu sterben der Corona-Blockbuster schlechthin ist – nicht nur wegen der sich überschneidenden Virusthematik. Gefilmt ist das alles in unvergesslichen Action Set Pieces, Daniel Craig wird körperlich und seelisch noch mal alles abverlangt und die Laufzeit beträgt fast epische drei Stunden. Langeweile kommt dabei zu keiner Sekunde auf. Wie kann man also ausgerechnet diesen triumphalen Bond-Film nicht mögen? [Komplette Kritik]

8 | The Worst Person in the World

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von Joachim Trier mit Renate Reinsve und Anders Danielsen Lie (gesehen in Cannes / Kinostart 10.03.22)

If you have feelings for me, love me, we’ll sort out all the other stuff.

Der norwegische Regisseur Joachim Trier wird wirklich von Film zu Film immer reifer. Schon das Coming-of-Age-Drama Thelma* fand 2017 einen Platz in meinem Herzen, seine neueste Regiearbeit, erzählt in zwölf Kapiteln, steht dem in nichts nach. Im Prolog stellt uns der Film die Anfang 30-jährige Julie (Renate Reinsve) vor, eine Medizinstudentin, die sich inmitten ihrer ständigen beruflichen Veränderungen selbst verliert. Vom Studium vollzieht sie erst einen Wechsel zur Fotografie, später landet sie als Verkäuferin in einer Buchhandlung. Ebenso sprunghaft gestaltet sich ihr Beziehungsleben. The Worst Person in the World schildert brillant, wie sich Julie zwischen gesellschaftlichen Rollenerwartungen und individuellen Lebensentwürfen immer weiter von sich selbst entfernt. Renate Reinsve entpuppt sich dabei mit jedem weiteren Kapitel immer mehr als eine der schauspielerischen Entdeckungen des Jahres. [Trailer]

7 | Last Night in Soho

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von Edgar Wright, mit Thomasin McKenzie und Anya Taylor-Joy (gesehen in Venedig, Kinostart 11.11.21, ab 27.01.22 für das Heimkino erhältlich*)

When the past lets you in, the truth will come out.

Träume, Geister und Zeitsprünge: Last Night in Soho ist dank seiner inszenatorischen Klasse, aber auch dank der beiden talentierten Hauptdarstellerinnen Edgar Wrights bisher visuell und auch thematisch reichhaltigster Film. Gekonnt bringt der Brite mit seiner rauschhaften Liebeserklärung den Giallo in das 21. Jahrhundert und lässt gleichzeitig das London der Swinging Sixties in Form eines Psychothrillers wiederaufleben. Insgesamt erreicht Last Night in Soho hierbei zwar nicht ganz die Klasse seiner Vorbilder, kommt nicht ganz so gewalttätig wie diese daher, dennoch sorgt der Horrorthriller für außergewöhnlich packende sowie kurzweilige Unterhaltung. [Komplette Kritik]

6 | Wo in Paris die Sonne aufgeht

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von Jacques Audiard mit Lucie Zhang und Noémie Merlant (gesehen in Cannes / Kinostart unbekannt)

What’s the weirdest, most humiliating thing, you’ve experienced?

Der neue Film von Meister Jacques Audiard (Ein Prophet) begeistert ab der ersten Sekunde: Aus der Luftperspektive führt uns die Kamera in das multikulturelle 13. Pariser Arrondissement ein, es ist eine spektakuläre Momentaufnahme, welche an die Eröffnungsszenen von Ridley Scotts Blade Runner und Woody Allens Manhattan erinnert. Les Olympiades ist bis zum Ende ein in famose schwarz-weiß-Bilder gehülltes Drama voller inszenatorischer Raffinessen und erzählt dabei ganz leichtfüßig von drei jungen Erwachsenen auf der Suche nach sich selbst. Bereits in Der Geschmack von Rost und Knochen widmete sich der französische Regisseur zwei verlorenen Seelen (Marion Cotillard und Matthias Schoenaerts), die nur gemeinsam wieder zurück ins Leben gefunden haben. In Les Olympiades verhält es sich ähnlich. Wie können wir in unserer modernen, schnelllebigen Welt noch bedeutungsvolle Beziehungen aufbauen? Das ist nur eine vieler Fragen, welchen sich Jacques Audiard einfühlsam widmet. [Trailer]

5 | Benedetta

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von Paul Verhoeven, mit Virginie Efira und Daphne Patakia (gesehen in Cannes / Kinostart 02.12.21 / ab dem 24.02.22 für das Heimkino erhältlich*)

Extraordinary accusations require extraordinary evidence.

Wie gut kann ein Film schon sein, der mit pupsenden Nonnen in einem mittelalterlichen Kloster startet, die sich obendrein gegenseitig mit einem Dildo verwöhnen, der in eine hölzerne Madonnafigur geschnitzt ist? Das ist selbstverständlich vulgär. trashig und ein ziemlich unsubtiler Giftpfeil gegen religiöse Alltagsstrukturen. Doch in der neusten Regiearbeit des niederländischen Enfant Terrible Paul Verhoeven (Starship TroopersRobocop*) sind das eigentlich nur Randnotizen, welche beim Publkum für schallendes Gelächter sorgen. Hinter all den Obszönitäten und der überspitzten Gewalt, die in Benedetta dargeboten wird, steckt jedoch wieder einmal eine unglaublich präzise inszenierte und gespielte Satire, welche man definitiv mehrmals gesehen haben muss, damit diese vollkommen greifbar wird. Der diskutabelste Film des Jahres – selbst mit seinen stolzen 82 Jahren weiß Paul Verhoeven nach wie vor unvergleichbar intelligent zu unterhalten. [Komplette Kritik]

4 | Titane

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von Julia Ducournau, mit Agathe Rousselle und Vincent Lindon (gesehen in Cannes / Kinostart 07.10.21 / ab dem 27.01.22 für das Heimkino erhältlich*)

Not what anybody is expecting.

Solch einen Film habt ihr noch nicht gesehen! Julia Ducournaus erst zweite Regiearbeit fühlt sich wirklich auf brillante Weise an, als hätte David Cronenberg Laurence Anyways gedreht. Mit einem geschätzten Budget von gerade einmal sechs Millionen Euro brachte die Raw-Regisseurin einen der unvergesslichsten, cleversten Filmrausche des Jahres in die Kinos. Inklusive einer hervorragenden Debütperformance von Agathe Rousselle. [Komplette Kritik] Ans Herz legen möchte ich euch an dieser Stelle auch den Projektionen Podcast, welcher sich in dieser Folge mehr als nur qualifiziert mit Titane auseianandersetzt.

3 | Spencer

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von Pablo Larraín, mit Kristen Stewart und Sally Hawkins (gesehen in Venedig / Kinostart 13.01.22)

Will they kill me, do you think?

Ähnlich wie Pablo Larrains früherer Blick auf eine Frau, die in einem dynastischen Kult gefangen ist (damit gemeint ist natürlich Jackie), nur noch besser. Spencer ist ein von Anfang bis Ende visuell betörendes, ungewöhnlich märchenhaft erzähltes Historienspektakel mit der fantastischen Kristen Stewart auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Wieso können Biopics nicht immer so geistreich und originell sein? [Komplette Kritik]

2 | Vortex / Lux Aeterna

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von Gaspar Noé, mit Dario Argento und Françoise Lebrun (gesehen in Cannes / Kinostart 28.04.22)

Dedicated to those whose brains decompose before their hearts do.

Das Großartige an Weltpremieren ist ja immer, dass man vorher so gut wie gar nichts über einen Film weiß. Im Falle von Vortex, dem neuen Film des Skandalregisseurs Gaspar Noé (Climax, Irreversibel), fanden vor der Premiere in Cannes gerade mal ein Foto und ein kurzer Clip ihren Weg ins Internet. Mehr sollte man vorab auch definitiv nicht gesehen haben. Nur so viel sei verraten: Gaspar Noé revolutioniert das Kinoerlebnis wie niemand sonst dieses Jahr. Das ist 100% gewöhnungsbedürftig, von Unterhaltsamkeit kann hier keine Rede sein. Mit dabei ist Dario Argento. In einem unglaublich herzzerreißenden Horrorfilm über das Altern, der eigentlich kein Horrorfilm ist. Denjenigen, die erahnen möchten, was sie mit Vortex erwartet, lege ich vorab Noés 51-minütigen Experimentalfilm Lvx Æterna (2019) ans Herz, welcher in Deutschland erst dieses Jahr erstmals in einem limitierten, schön gestalteten Mediabook* veröffentlicht wurde.

1 | Nomadland

Nomadland-2021-Frances-McDormand

von Chloé Zhao, mit Frances McDormand und David Strathairn (Kinostart 01.07.22 / bereits für das Heimkino erhältllich*)

One of the things I love most about this life is that there’s no final goodbye.

Als im Juli der Kinobetrieb wieder Fahrt aufnahm, stand ein Film ganz oben auf meiner Watchlist: Chloé Zhaos dreifacher Oscar-Gewinner Nomadland. Immerhin hatte mich die Regisseurin bereits 2017 mit The Rider begeistert. Dass das Aussteigerdrama mich jedoch tatsächlich dermaßen sprachlos zurücklassen würde, wie es von allen Seiten versprochen wurde, damit hatte ich nicht gerechnet. Die poetische, sensible Kraft, welche dieser Film (hierbei vor allem Frances McDormand) ausstrahlt, hat mich, trotz allem, was ich vorher über den Film gehört habe, vollkommen unerwartet getroffen. In diesem Sinne: See you down the road. [Komplette Kritik]

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