Kritik von Michael Gasch

Social Media Parodie à la Verbinski: Good Luck, Have Fun, Don’t Die
Das Werk Gore Verbinskis könnte nicht diverser ausfallen. Vom Fantasy-Abenteuer-Blockbuster (Fluch der Karibik) über existenzialistische Dramen (The Weather Man) bis hin zum Western (The Lone Ranger) und dem Horrorfilm (The Ring, A Cure for Wellness) finden sich die unterschiedlichsten Genres und Motive. Nun ist er mit Good Luck, Have Fun, Don’t Die im Science-Fiction-Comedy-Genre angekommen. Ein Mann (Sam Rockwell) verkündet dabei in einem Diner in Los Angeles: Er ist aus der Zukunft und auf der Suche nach einer Gruppe von Menschen, um die Welt zu retten. Was sich im ersten Moment nach dem nächsten Terminator-Verschnitt anhört, entpuppt sich als Film mit doppeltem und dreifachem Boden über unsere aktuelle und zukünftige Zeit im modernen Informationszeitalter.
Dass Menschen heutzutage kaum noch vom Smartphone wegkommen, ist keine neue Erkenntnis, schließlich ist „Smombie“ als das Jugendwort von 2015 mittlerweile mehr als zehn Jahre alt. Damals noch lustig, heute erschreckende Realität, beschreibt das Kofferwort aus „Smartphone“ und „Zombie“ dabei Personen, die so sehr auf ihr Handy fokussiert sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. Eben jene Menschen finden sich in dem Diner, dem Ort, an dem alles beginnt, wieder. Doomscrolling, Brainrot und die generelle Flucht in Social Media sind so normal wie atmen geworden, über potentielle Risiken spricht in dieser Welt schon lange niemand mehr.
Doch dann erscheint ein angeblicher Erlöser in Form eines Menschen, noch dazu in einem seltsamen Anzug, von dem man nicht ganz sicher ist, ob es sich um einen Verrückten oder eine Art Jesus-Figur handelt. Beides liegt im Bereich des Möglichen, doch genau da, wo manch anderer Film ein Spiel mit der Unsicherheit vornehmen würde (Miracle Mile ist im Bereich von Untergangsfilmen vermutlich der allerbeste Film, den man hier erwähnten könnte), gibt sich Good Luck, Have Fun, Don’t Die sehr eindeutig: Ohne Wenn und Aber – ja, die Figur kommt tatsächlich aus der Zukunft, womit die Grundpfeiler der Science-Fiction abgesteckt werden.

„Mindfucks. Never-ending Mindfucks.“
In dieses Genre wird fortan ein wilder Mix – ebenbürtig wie im Falle von Everything Everywhere All at Once – injiziert: Es findet sich schwarzer Humor, Hommagen, popkulturelle Referenzen, die Themen der aktuellen Zeit – natürlich bitterböse aufbereitet – bis hin zur aberwitzigen Skurrilität alles wieder. Das Ziel ist ein vom Diner abgelegenes Haus – der Ort, an dem die mächtigste Künstliche Intelligenz erschaffen werden soll. Auf dem Weg dorthin wird die Frage der Stunde gestellt, die sich wie ein roter Faden durch den Film zieht: Wie konnte es so weit kommen, dass wir in einer solchen Zeit, voller medialer Ablenkung und Verdummungspotential, gelandet sind? Verbinski hat keine Antwort darauf – und will auch keine präsentieren, sondern hat nur noch Zynismus für die aktuelle Zeit übrig. Das hat den großen Vorteil, dass es nie zu ernst wird, obgleich durchaus wichtige Themen verhandelt werden.
So oft wie in dem Film Smartphones als technologische Schnittstelle gerahmt werden, versteht sich auch der gesamte Film als Schnittstelle. Beispielsweise zwischen der Black Mirror-Folge Common People und Steven Spielbergs Ready Player One, die auf ihre ganz eigene Art und Weise einen Beitrag zum Verhältnis zwischen dem Menschen und der Technologie lieferten. Good Luck, Have Fun, Don’t Die geht dabei noch einen Schritt weiter in Richtung Soziologie und versucht Ursachenforschung zu betreiben. Warum hängen wir so stark vor dem Smartphone? – dies ist nur eine mögliche Frage, die hier zwischen den Zeilen schlummert. Als Antwort wird die Sprache aus der Videospielindustrie genutzt: „constant distraction, memorable characters, challenges and obstacles to overcome, exiting stakes that matter and a satisfying ending“.
Was sich dahinter verbirgt, ist für Geistes- als auch Naturwissenschaftler vermutlich offensichtlich: Serotoninausschüttung am laufenden Band. All solche kleinen Beobachtungen werden dabei immer nur angedeutet, nie ganz ausformuliert, so wie auch die Lesung des Smartphones mehr als Spielzeug und weniger als Werkzeug nie vollständig ausformuliert wird. Gelungen auf den Punkt gebracht, sorgen diese ideologischen „Beats“ immer wieder für eine nickende Geste im Sinne einer Zustimmung: Vieles, was wir hier sehen, könnte glatt aus unserem eigenen Leben entstammen. Weiterführende Gedanken in Richtung Pädagogik (Stichwort Medienkompetenz) als auch der Psychologie bieten sich dabei an, womit der Film auch nach seinem Ende noch tangiert.
Bei all den Themen, die darüber hinaus auch das marode Bildungssystem, intensivierende Gewaltspiralen, das „Aufwachen“ (mehrfach werden Erinnerungen an Matrix wach) und den generellen Eskapismus umfassen, findet die Science-Fiction-Komödie genug Freistellen, die mit popkulturellen Referenzen und Satire gefüllt werden. Überraschend wie The Cabin in the Woods, am Puls der Zeit wie Black Mirror und doch unterhaltsam mit einem ganz eigenen skurrilen Humor bietet Good Luck, Have Fun, Don’t Die gleichermaßen genug Diskussionspotenzial und Momente zum Mitlachen.
Kinostart: 12. März 2026
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: u.a. mit Sam Rockwell, Juno Temple und Haley Lu Richardson
FSK-Freigabe: ab 16
Dt. Verleih: Constantin Film Verleih
Laufzeit: 2 St. 15 Min.
★★★★★★☆☆
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