Kritik: Halloween Kills (USA 2021)

Eine Gastkritik von Jan Benz

Halloween-Kills-Jamie-Lee-Curtis
© Universal Pictures International

Bei einem Produktionsbudget von circa zehn Millionen und einem Einspielergebnis von 255 Millionen Dollar an den weltweiten Kinokassen ist es kein Wunder, dass das Halloween-Franchise in die nächste Runde geht. Der Erfolg von David Gordon Greens Halloween-Film aus dem Jahr 2018, der die Sequels außer Acht ließ und als direkte Fortsetzung zum Original von 1978 diente, kam dabei definitiv überraschend. Obwohl Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis im Badass-Modus zurückkehrte, war der Film qualitativ gesehen nämlich keine Granate. Dem mäßigen ersten Teil lässt man nun gleich zwei Fortsetzungen folgen: Halloween Kills und Halloween Ends, die zusammen gedreht wurden und im Abstand von einem Jahr veröffentlicht werden. Lust auf den Abschluss der neuen Halloween-Trilogie habe ich jedoch nicht, dafür ist der zweite Teil ein viel zu unausgereifter Film geworden, der als Mittelteil in einer Trilogie, die eigentlich nichts zu erzählen hat, vollkommen uninteressant ist.

Nachdem zwischen dem Original und der 2018er Variante von Halloween 40 Jahre vergingen, setzt Halloween Kills nur wenige Minuten nach dem Ende des Vorgängers ein. Während Laurie (Jamie Lee Curtis) mit zahlreichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wird, entledigt sich Michael Myers den heraneilenden Feuerwehrleuten (aller „Let him burn!“-Rufe von Laurie zum Trotz) und tritt aus dem in Flammen stehenden Haus. Und dann trifft Halloween Kills eine ungewöhnliche Entscheidung, indem Laurie als Hauptcharakter des Films ersetzt wird. Denn während sich Jamie Lee Curtis Charakter über weite Strecken des 106-minütigen Streifens im Krankenbett erholt, macht die halbe Stadt Jagd auf den gefährlichen Serienkiller. Und diese Entscheidung bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Zum einen fehlt es Halloween Kills an einer sympathischen Hauptfigur, da zahlreiche unwichtige Charaktere aus dem Original zurückkehren und nun plötzlich den Film anführen sollen. Das funktioniert allerdings überhaupt nicht, da sämtliche Charaktere uninteressant charakterisiert sind und sich das Niveau der Dialoge auf Soap-Niveau befindet. Zum anderen versucht der Film mit seiner Lynchmob-Thematik auch gesellschaftskritische Themen anzusprechen, die allerdings dermaßen plakativ zur Schau gestellt werden, dass es schlicht nur beim Versuch bleibt, dem Drehbuch Tiefe zu verleihen. Und als wäre das noch nicht genug, wirken die Stadtbewohner ohnehin nur wie Kanonenfutter für Michael Myers, der mit den Bewohnern leichtes Spiel hat, da sich die Charaktere selbst für Horror-Verhältnisse dermaßen dämlich anstellen, dass es wehtut.

Wenn die Charaktere und die Story so schwach sind wie bei Halloween Kills, verschiebt sich der Fokus schnell auf die Inszenierung. Die besitzt zwar einige ordentliche Rückblenden zum Original, sieht ansonsten aber verdammt trostlos aus. Man kann beispielsweise von Malignant, James Wans kontroversem Horrorfilm aus diesem Jahr, halten was man will, immerhin hat James Wan es wenigstens versucht, seinen Killer kreativ in Szene zu setzen und mit dem knallharten Gemetzel in einer Polizeistation hatte der Film wenigstens spannende Ideen zu bieten. Halloween Kills ist hingegen ein absoluter Film von der Stange, dem auch die Brutalität nicht wirklich weiterhilft. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Film nicht länger ab 16, sondern ab 18 Jahren freigegeben, was selbstredend zu einigen blutigen Kills führt. Dabei geht Michael Myers nicht mehr nur noch mit dem Messer zu Werke, sondern entledigt sich den Stadtbewohnern auch mal mit Hilfe eines Treppengeländers oder einer Leuchtstoffröhre. Der Film wird dabei zumindest seinem Titel gerecht, denn der Killcount ist unglaublich hoch. Myers metzelt sich einmal quer durch die Stadt und tötet jeden, der ihm gerade über den Weg läuft. Praktisch also, dass die Stadtbewohner (natürlich in Kleingruppen) Jagd auf ihn machen und quasi freiwillig in sein Messer laufen. Kreativ sind diese Kills jedoch nie in Szene gesetzt und auch aufgrund der dämlichen Charaktere erreicht der Film nicht einmal ansatzweiße die Spannungsmomente des Originals, der im Jahr 1978 nur drei Menschen töten musste und trotzdem beängstigender und spannender ist, als diese völlig uninspirierten 106 Minuten nach Schema F. Dazu wirkt auch die übernatürliche Stärke von Myers lächerlich, insbesondere in den letzten Minuten des Films. Hier steht Halloween Ends in der Pflicht vielleicht auch mal ein paar Erklärungen zu liefern und hoffentlich das Franchise endgültig und zumindest noch einigermaßen zufriedenstellend zu beenden.

Fazit: Vielleicht werden Fans des mäßigen Vorgängers aus dem Jahr 2018 noch ihre Freude an Halloween Kills finden, für alle anderen ist der Horrorfilm uninteressant. Der Mittelteil der neuen Trilogie erzählt quasi keine Geschichte und „ohne“ Jamie Lee Curtis als Hauptcharakter funktioniert der Film zu keinem Zeitpunkt. Die Stadtbewohner sind allesamt unsympathisch, benehmen sich selbst für Genreverhältnisse ausgesprochen dämlich und Michael Myers sorgt zwar für einen extrem hohen Bodycount, dieser spricht durch die uninspirierte Inszenierung allerdings kaum an. Spannung oder Grusel habe ich jedenfalls in keiner einzigen Minute verspürt – Halloween Kills ist wirklich ein völlig enttäuschender, durchweg uninteressanter Horrorfilm von der Stange.

Halloween Kills startet am 21. Oktober 2021 bundesweit im Kino.

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