Kritik: James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben (GB, USA 2021)

Eine Gastkritik von Jan Benz

© Universal Pictures International

59 Jahre, 25 Filme, 6 Darsteller. Das James Bond-Franchise gehört zu den langlebigsten und vor allem renommiertesten Franchises der Filmgeschichte und nun endet mit Keine Zeit zu sterben auch die Ära von Daniel Craig. Der Brite wurde bei seiner Ankündigung noch verschmäht, spielte sich jedoch im fantastischen Auftakt Casino Royale in die Herzen der Zuschauer. Nach Ein Quantum Trost toppte man mit Skyfall erstmals die magische eine Milliarde Dollar Marke an den Kinokassen und nahezu endlose sechs Jahre nach Spectre kommt nun das Finale der Craig-Bonds in die Kinos. Dass wir auf diesen Abschied zwei Jahre länger warten mussten, als geplant, liegt an zahlreichen Verschiebungen und der Corona-Pandemie. Jetzt scheint Keine Zeit zu sterben aber der Straßenfeger zu werden, auf den gerade die Kinos seit der Pandemie gewartet haben. Jedenfalls habe ich seit Avengers: Endgame mein Kino nicht mehr so voll gesehen. Und allen gemischten Kritiken zum Trotz, werden die meisten wohl nicht enttäuscht den Kinosaal verlassen, denn Keine Zeit zu sterben mag vielleicht nicht alles richtig machen, entpuppt sich jedoch als ein fantastischer Abschied für Daniel Craig.

Keine Zeit zu sterben setzt da ein, wo Spectre aufgehört hat. James Bond (Daniel Craig) genießt mit Madeleine Swann (Léa Seydoux) seinen Ruhestand, doch der bleibt dem Ex-Geheimagenten nicht lange vergönnt. Die zweite Eröffnungssequenz des Films erinnert dabei unweigerlich an das Ende von Casino Royale, wo sich Bond mit Vesper Lynd (Eva Green) im Urlaubsparadies vergnügte, ehe das tragische Finale der wohl besten Liebesgeschichte der Bond-Historie ein Ende setzte. Die erste Opening-Scene, in der Bösewicht Safin (Rami Malek) Jagd auf eine Familie in einem abgelegenen Haus macht, erinnert hingegen an Skyfall, Es wird in diesen Minuten klar, dass sich mit den Craig-Bonds einiges geändert hat. Während frühere Teile der Reihe stets für sich standen, erzählen die fünf Craig-Teile eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte. Entsprechend werden im abschließenden Film auch fleißig sämtliche Vorgänger zitiert, zahlreiche bekannte Namen fallen und alles hängt irgendwie zusammen. Obwohl ich diese Art des Geschichtenerzählens bevorzuge, bietet sie dennoch Raum für Probleme, gerade wenn man einen Vorgänger wie Spectre besitzt. Und so lassen sich auch die Probleme von Keine Zeit zu sterben größtenteils auf den Vorgänger abwälzen. Der vierte Film hat es nun mal versäumt, eine glaubwürdige Liebesgeschichte zwischen Craig und Léa Seydoux zu etablieren, der es im Vergleich zur Beziehung mit Vesper Lynd einfach an Chemie fehlt. Auch in Sachen Antagonist hat Spectre zu viel Potenzial liegen gelassen, obwohl man mit Ausnahmeschauspieler Christoph Waltz einen exzellenten Darsteller für die legendäre Rolle des Ernst Stavro Blofeld gewinnen konnte. Diese Probleme verfolgen nun auch Keine Zeit zu sterben, gerade was die Liebesbeziehung angeht, die erneut im Zentrum der Handlung steht und zumindest in der ersten Hälfte des Films einfach nicht sonderlich gut funktioniert. Später kommt allerdings ein sehr gelungenes neues Element dazu, dass die Beziehung der beiden deutlich verbessert und dieser mehr Tragweite verleiht. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Trotzdem ist es schade, dass es der Liebesgeschichte etwas an Gravitas fehlt, da sie einen entscheidenden Anteil an der Story hat. Léa Seydouxs Charakter bleibt ein Problem, was später auch der Autritt von Ana de Armas umso deutlicher macht – die Spanierin macht eine exzellente Figur als Bond-Girl und hat in ihren wenigen Minuten Leinwandzeit mehr Chemie mit Daniel Craig, als Seydoux in zwei Filmen. Und um die Probleme von Keine Zeit zu sterben abzuschließen, mache ich direkt mit dem Bösewicht weiter. Während Christoph Waltz einen kurzen und durchaus gelungenen Auftritt hinlegt, steht dieses Mal Rami Malek im Fokus. Und ähnlich wie Christoph Waltz, wird auch dieser Oscar-Preisträger ziemlich verschenkt. Safin ist ein geradezu comichafter Bösewicht (eine Begleitung meinte, er sei eine Mischung aus Freddie Mercury und Michael Jackson), dem es leider völlig an einer Hintergrundgeschichte mangelt. Er besitzt zwar eine Vergangenheit mit Madelaine Swan, ansonsten bleiben seine Beweggründe und seine Vergangenheit aber hauptsächlich im Dunkeln. Schade, dass die Bond-Reihe nun schon zum zweiten Mal in Folge bei seinem Bösewicht so viel Potenzial liegen lässt.

Von diesen beiden Punkten einmal abgesehen, habe ich jedoch kaum etwas zu kritisieren. Keine Zeit zu sterben hat mich vielmehr richtig überrascht und mir eine 163-minütige Abschiedsvorstellung von Daniel Craig spendiert, wie ich es mir gewünscht hatte. Nach dem knallharten Einstieg der Craig-Bonds, bildet Keine Zeit zu sterben den emotionalen Höhepunkt der Reihe. Daniel Craig steht im Mittelpunkt des Films, die Geschichte um virusähnliche Nanobots, die sich auf dem Globus verteilen (Corona lässt grüßen), ist gelungen und bildet die Basis für einen wirklich mitreißenden Film. Der längste Bond aller Zeiten Keine Zeit zu sterben durchgehend ohne Längen zu unterhalten. Tatsächlich hat mich seit Casino Royale kein Bond-Film mehr so mitgenommen wie dieser. Das liegt jedoch nicht nur an der sehr persönlichen Geschichte, die der Film inzwischen des Weltuntergangszenarios erzählt, sondern auch an seinen Charakteren. Das tolle Zusammenspiel zwischen Ana de Armas und Daniel Craig habe ich bereits erwähnt, richtig überrascht war ich von der weiblichen MI6-Agentin Lashana Lynch. Natürlich hoffe ich, dass sie nicht der neue James Bond werden wird, da der Charakter einfach ein Mann bleiben muss, als Nebencharakter passt sie jedoch hervorragend an die Seite von Daniel Craig. Gerade die anfänglichen Kabbeleien der beiden machen Spaß und Lynch ist insgesamt eine gelungene Ergänzung für den Cast. Sämtliche anderen Cast-Mitglieder sind natürlich ebenfalls zurück. Gefreut habe ich mich über Ralph Fiennes, der als M endlich mal was zu tun bekommt und über Jeffrey Wright als Felix Leiter, der ebenfalls toll verabschiedet wird. Und Daniel Craig selbst, hat nach seinem lustlosen Auftritt in Spectre wieder sichtlich Spaß an der Rolle. Sein Abschied ist dann auch der überragende Höhepunkt des Films, der mich zu Tränen gerührt hat und Daniel Craig ein wohlverdientes Ende bereitet.

Keine-Zeit-zu-sterben-Daniel-Craig
© Universal Pictures International

Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack des Films. Zum Release von Billie Eilishs Bond-Song zeigten sich noch viele unbeeindruckt, zur fertigen Titelsequenz und zur vorangegangenen Szene passt der getragene Song jedoch wie die Faust aufs Auge. Ich hatte die gesamte Sequenz über Gänsehaut und dank des Soundtracks von Hans Zimmer, setzte sich das auch später noch fort. Sein Soundtrack mag auch nicht die beste Arbeit seiner Karriere sein, aber er zitiert wundervoll frühere Scores des Bond-Franchises und sogar seine eigene Batman-Vergangenheit (The Dark Knight lässt grüßen), was ingesamt zu einem stimmungsvollen Soundtrack führt, sowohl in den emotionalen, als auch in den actionreichen Momenten des Films. Die Actionszenen sind natürlich auch bei Keine Zeit zu sterben ein wichtiger Bestandteil. Zwar hat die Mission: Impossible-Reihe mit ihren atemberaubenden Stunts dem Bond-Franchise längst den Rang abgelaufen, dass im 60 Jahre alten Franchise trotzdem noch Energie steckt, zeigt Regisseur Cary Joji Fukunaga eindrucksvoll. Der Actionanteil fällt gegenüber Spectre nicht nur deutlich höher aus, der Film startet allein mit drei Actionszenen hintereinander, sondern ist auch wertiger gefilmt. Egal ob es die Verfolgungsjagd im klassischen Aston Martin DB-5 ist (einer der Wiederkehrer neben dem Heineken-Bier und dem Wodka-Martini – nur daran, dass Bond jetzt ein Nokia-Handy nutzt, kann ich mich nicht wirklich gewöhnen) oder eine sehr sehenswerte Szene in einem nebligen Wald: Die Action sieht klasse aus, ist übersichtlich gefilmt und besitzt die nötige Schlagkraft. All das sorgt für ein intensives Filmerlebnis, über das ich jetzt aber auch noch kurz spoilern muss.

Spoiler Anfang (unbedingt überspringen, falls ihr den Film noch nicht gesehen habt) Einen Spoilerpart in meinen Kritiken gibt es nur äußerst selten, ich möchte jedoch nicht die beiden Bond-Premieren des Films unerwähnt lassen. Zum einen wird Bond erstmals Vater, was ich (wie bereits angedeutet) mehr als gelungen finde. Dass das nach 60 Jahren und unzähligen Liebschaften das erste Mal ist, ist ohnehin verwunderlich, es hilft der wackeligen Beziehung zwischen Seydoux und Craig jedoch enorm. Bond bekommt dadurch eine besser nachvollziehbare Motivation und diesen einst so knallharten Charakter als Vater zu sehen, hat mir sehr gut gefallen. Zumal sein Kind auch der zweiten Premiere mehr Tragik verleiht: Seinem Ableben. Als erster Bond überhaupt endet Keine Zeit zu sterben also mit James Bonds Leinwandtod, genau dem Ereignis, was ich mir seit Jahren für Daniel Craig gewünscht habe. Nicht, dass ich Bond gerne Tod sehen würde, es ist hätte jedoch einfach kein passenderes Ende für diese Bond-Ära geben können, die so vieles anders gemacht hat, als alle Bond-Filme zuvor. Sein Tod hat mich dann auch sehr berührt und mir ist mehr als nur eine Träne die Wange heruntergekullert. Daniel Craig ist und bleibt einfach der Bond meiner Generation. Spoiler Ende

Fazit: Was hat mich Keine Zeit zu sterben am Ende überrascht! Ich will nicht sagen, dass ich meine Erwartungen nach den gemischten Stimmen gesenkt habe, vielmehr war ich von vorneherein skeptisch, ob es den Machern nach dem enttäuschenden Spectre gelingen würde, Daniel Craig einen wohlverdienten Abschied zu spendieren. Bekommen habe ich mehr als das. Keine Zeit zu sterben ist ein mitreißendes Actiondrama geworden, welches trotz der langen Laufzeit nie Langeweile aufkommen lässt. Die Action wurde stimmungsvoll an verschiedensten Schauplätzen von Kuba bis Norwegen auf hohem Niveau inszeniert, Lashana Lynch funktioniert hervorragend an Bonds Seite und Daniel Craig selbst hatte wieder sichtbar Lust auf die Rolle. Dass bei Bösewicht Rami Malek erneut Potenzial liegen gelassen wird, ist hingegen schade. Ebenso funktioniert die Liebesgeschichte zwischen Daniel Craig und Léa Seydoux nur bedingt. Doch ansonsten war ich begeistert. Keine Zeit zu sterben ist nach Casino Royale der beste Film der Craig-Ära, einer der stärksten Filme des Jahres, welcher am Ende sogar zu Tränen rührt.

James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben startet am 30. September 2021 bundesweit im Kino.

1 Comment

  • Hallo,
    ich bin ein Fun von James Bond 007 Filme. Nach sehr lange Wartezeit hat sich wieder gelohnt so ein guten Film von James Bond 007 anzuschauen. Action ist hier nicht mehr das beste, da in den alten Filmen war es noch besser gewesen. Aber ich finde, dass der Schauspieler immer gut zur dieses Film passt.

    Beste Grüße

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