Kritik: Pixars Luca (USA 2021) – Ein sommerliches Abenteuer

Eine Gastkritik von Jan Benz

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© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Obwohl die großen Kinoketten am 1. Juli wieder ihre Pforten öffnen, erscheint der neue Pixar-Film Luca ausschließlich auf Disney+. Das ist insofern schade, als dass Black Widow am 8. Juli parallel im Kino und auf Disney+ zu sehen ist. Pixar-Fans bleibt somit leider die Möglichkeit verwehrt, Luca im Kino zu erleben. Gute Nachrichten gibt es dennoch: Nachdem Raya und der letzte Drache lange Zeit nur mit VIP-Zugang verfügbar war, ist Luca ohne zusätzliche Kosten und somit frei für alle Abonnenten des Streaming-Anbieters erhältlich. Ein Angebot, welches all jene auch annehmen sollten, denn Luca katapultiert die sommerliche Atmosphäre von draußen auch ins heimische Wohnzimmer. Dabei verzichtet die Animationsschmiede auf ein erneutes Gedankenexperiment à la Soul und liefert stattdessen ein kurzweiliges Abenteuer für die ganze Familie ab.

This is gonna be the best summer ever! We’ll ride down every road, see the whole world together! It’ll be amazing! But there’s just one thing no one can find out…

Die beiden Jungen Luca Paguro und Alberto Scorfano stürzen sich in einen aufregenden Sommer an der italienischen Riviera. Um sich den Traum von einer Vespa zu erfüllen, nehmen die beiden, gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Giulia, an einem Triathlon-Wettbewerb in der Küstenstadt teil. Doch Luca und Alberto hüten ein großes Geheimnis, denn normalerweise leben sie als kleine Seeungeheuer unterhalb der Wasseroberfläche und jede Berührung mit Wasser verwandelt sie in ihre ursprüngliche Lebensform zurück.

Der neue Pixar-Film dreht sich also nicht um die Seele und erweckt auch keine Gefühle zum Leben (Inside Out). Die Story von Luca ist deutlich simpler gehalten und lebt von seiner witzigen Grundidee zweier Jungen, die unter Wasser die Form eines Meeresbewohners und an Land die eines Menschen annehmen können. Das sorgt selbstredend für einige chaotische und aberwitzige Szenen an Land, denn da die Einwohner der Küstenstadt nicht gerade gut auf die Seeungeheuer zu sprechen sind, darf das Geheimnis der beiden Freunde natürlich nicht ans Licht kommen. Bis es zu diesem großen Spaß kommt, vergeht allerdings etwas zu viel Zeit. Sicher reden wir hier nur von 15-20 Minuten, bei einem lediglich 95-minütigen Film macht dieser Zeitraum aber doch etwas aus.

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Der Start des Films unter Wasser, der Lucas ängstliche Familie und sein eintöniges Leben vorstellt, sowie das Kennenlernen zwischen Luca und Alberto wirkt etwas angestrengt und kann nicht wirklich für Interesse sorgen. Dazu sind die Traumsequenzen von Luca nicht sonderlich spannend und wirken bisweilen so, als bräuchte man noch ein paar Minuten extra, damit der Film nicht zu kurz ausfällt. Sobald die beiden jedoch in der Stadt der Menschen ankommen, entwickelt sich ein rasantes Abenteuer, welches dann auch die üblichen Pixar-Stärken vereint und animationstechnisch, im Gegensatz zur Exposition, wieder zu überzeugen vermag.  Die beiden treffen auf die aufgeweckte Giulia, Bösewicht Ercole Visconti wird eingeführt und gerade das erste Abendessen bei Guilias Vater ist brüllend komisch. Von hier an begeistert Luca mit einer Menge Humor und trotz der einfachen und vorhersehbaren Geschichte, schafft es Pixar am Ende wieder für reichlich Emotionen zu sorgen. Auch Luca hat das Animationsherz wieder am rechten Fleck und die gewohnte Pixar-Formel funktioniert hervorragend, für die Kleinen wahrscheinlich sogar besser als für die Erwachsenen.

Für den italienischen Regisseur Enrico Casarosa ist Luca derweil der erste Pixar-Spielfilm. Der langjährige Mitarbeiter arbeitete im Art Department bei Filmen wie Ratatouille mit und war mit seinem Pixar-Kurzfilm La Luna im Jahr 2012 für einen Oscar nominiert. Sein Debüt gelingt Casarosa sehr gut, da er die Atmosphäre des italienischen Sommergefühls gekonnt einfängt und dabei bisweilen sogar an Call Me by Your Name erinnert. Luca ist in warme Farben gehüllt und die Qualität der Animationen ist Pixar-typisch größtenteils auf höchstem Niveau. Dazu liefern die deutschen Synchronsprecher gute Arbeit ab (im Original leihen unter anderem Jacob Tremblay und Maya Rudolph den Charakteren ihre Stimmen) und auch der Soundtrack, welcher italienischsprachige Songs enthält, ist gelungen und begleitet das Coming-of-Age-Abenteuer passend.

Fazit: Santa Mozzarella, was für ein Spaß! Der Animationsfilm Luca bringt den Sommer auf Disney+ und sorgt für jede Menge gute Laune. Das neue Pixar-Abenteuer hat das Herz am rechten Fleck, ist verdammt witzig und liefert wunderschöne Animationen. Luca ist jedoch kein zweites Soul und kommt in Sachen Story deutlich einfach gestrickter daher. Daher braucht der ansonsten kurzweilige Film etwas, um in die Gänge zu kommen und die Traumsequenzen hätte man sich zudem getrost sparen können. Am Ende ist es aber auch nicht nötig, dass jeder Pixar-Film ein kreatives Gedankenexperiment  bietet und da Luca ansonsten die üblichen Pixar-Qualitäten in sich vereint, ist das launige Animationsabenteuer auch wieder richtig sehenswert geworden.

Hier geht es zum Trailer auf Youtube.

Luca könnt ihr im Abo von Disney+ streamen. Bereits für den 9. September 2021 ist der Film zudem als Blu-ray-Release geplant.*

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