Kritik: Saw – Spiral (USA 2021)

Eine Gastkritik von Jan Benz

Saw-Spiral-2021-Chris-Rock
© StudioCanal

Whoever did this has another motive – they’re targeting cops.

Knappe vier Monate nach dem US-Kinostart, kommen nun endlich auch die deutschen Kinobesucher in den Genuss von Saw: Spiral. Ursprünglich sollte die Folterhorrorreihe im Jahr 2010 mit dem siebten Teil Saw 3D – Vollendung zu Ende gehen, doch das erfolgreichste Horrorfranchise nach Conjuring lässt man bei Lionsgate eben ungern ruhen. 2017 folgte mit dem wenig gelungenen Ableger Jigsaw eine ebenso unblutige wie langweilige Fortsetzung und nun ein Spin-off, welches zeitlich nach den bisherigen Teilen spielt. Trotzdem ist Saw: Spiral der interessanteste Teil seit langem, immerhin kam US-Comedian Chris Rock mit einer eigenen Idee auf Lionsgate zu und wir haben es dank ihm, Max Minghella und Samuel L. Jackson mit dem namhaftesten Cast der Reihe zu tun. Die Hoffnung war also durchaus da, dass die Saw-Reihe mit dem neunten Ableger endlich wieder zur alten Stärke der ersten beiden Teile zurückkehren könnte. Eine Hoffnung, die leider vergebens war, denn unter der Oberfläche steckt ein lausiges Drehbuch, welches den Film, trotz guter Ansätze, nicht nur in der Mittelmäßigkeit versumpfen lässt.

Saw: Spiral dreht sich um den New Yorker Polizisten Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock) und seinen Rekruten William Schenk (Max Minghella), die gemeinsam in einer Mordserie ermitteln. Der Täter ermordet Polizisten auf eine perfide Art und scheint ein Nachahmer des lange verstorbenen Jigsaw-Killers John Kramer zu sein. Doch wer steckt diesmal hinter der Schweinsmaske?

„Im Saw-Universum nichts Neues“, so oder so ähnlich könnte man die Inhaltsangabe auch beschreiben. Immerhin haben wir es bereits seit Saw IV mit Nachahmern von Jigsaw zu tun. Seitdem hat die Reihe massiv an Interesse eingebüßt, da es letzten Endes nur noch darum ging, die Opfer in möglichst kreativen und blutigen Fallen hinzurichten. Das war in den hierzulande indizierten Unrated-Fassungen zwar immer ganz unterhaltsam, die herausragenden Wendungen von Saw 1 & 2 konnten die Teile jedoch nicht wiederholen. Entsprechend groß war meine Hoffnung, dass Chris Rocks Idee daran wieder anknüpfen kann und tatsächlich bietet der Film einige gelungene Ansätze. Mehr denn je stehen bei Saw: Spiral die Ermittlungen im Vordergrund. Die korrupte Polizeieinheit ist Zeke nicht wirklich wohlgesinnt, da er einen ihrer dreckigen Kollegen ans Messer geliefert hat. Dieser muss sich nicht nur mit seinen feindseligen Kollegen rumschlagen, sondern bekommt mit dem Rekruten William auch noch einen Partner zugeteilt, was dem eigenbrötlerischen Ermittler so gar nicht gefällt. Und dann steht Zeke auch noch wegen der ermordeten Kollegen unter großem Druck, da es vermehrt auch Freunde des erfahrenen Ermittlers trifft. Dieser Teil ist insgesamt der stärkste Aspekt von Saw: Spiral, da mir der Krimiaspekt ganz gut gefallen hat. Die Konflikte innerhalb der Einheit und die Ermittlungen an sich, sind ganz gut gelungen und sorgen zumindest für Interesse. Zwei Probleme gibt es dabei aber doch. Zum einen nimmt sich Saw: Spiral nicht genügend Zeit für seine Charaktere. Etwas mehr Tiefe bei den Charakteren und der Story hätten dem Film gut getan, weshalb Saw: Spiral einer der ganz seltenen Filme ist, den ich mir tatsächlich länger gewünscht hätte. Durch die kurze Laufzeit von 93 Minuten steht sich der Film manchmal selbst im Weg. Das andere Problem betrifft die Vorhersehbarkeit des Twists. Von Anfang an ist klar, dass eigentlich nur zwei Charaktere als Jigsaw-Nachahmer in Frage kommen und spätestens nach der Hälfte dürfte jeder problemlos auf das Geheimnis kommen. Der finalen Wendung fehlt es entsprechend völlig am nötigen Punch, was durch das abrupte Ende nur noch verstärkt wird. Kaum ist die uninspirierte Wendung erklärt, läuft auch schon der Abspann, was zu einem sehr unbefriedigenden und abstrusen Ende führt. Meine Hoffnungen auf ein starkes Finale wurden also jäh enttäuscht, stattdessen ist das Ende sogar das schlechteste am ganzen Film.

Dafür verantwortlich zeichnen sich die beiden Jigsaw-Drehbuchautoren Josh Stolberg und Pete Goldfinger, denen erneut kein gelungenes Skript präsentieren. Auch von Chris Rocks Idee war ich letzten Endes enttäuscht, denn über einige spannende Ansätze kommt die Idee einfach nicht hinaus. Als Schauspieler konnte mich Chris Rock schon eher überzeugen, allerdings bleibt der Comedian ziemlich blass. Vielleicht hat man noch mehr Schwierigkeiten damit ihn ernst zu nehmen, wenn man Rock als Stand-Up-Comedian kennt, da ich bisher jedoch nur seine Oscar-Moderation gesehen habe, war seine Comedian-Vergangenheit nichts, was die Glaubwürdigkeit seines Charakters geschmälert hätte. Neben Chris Rock geben Chris Minghella (The Handmaid’s Tale) als Rocks neuer Partner sowie Samuel L. Jackson als Rocks Vater und ehemaliger Polizeipräsident eine unauffällige Vorstellung ab. Beide bekommen nicht allzu viel zu tun, gerade bei Jackson muss man sich doch stark wundern, warum er die Rolle überhaupt angenommen hat.

Inszeniert wird das Ganze von Saw-Veteran Darren Lynn Bousman, der zuvor bereits bei den Teilen 2 – 4 auf dem Regiestuhl Platz nahm. Während der Film in einem ungewohnt warmen Farbton daherkommt, verzichtet Bousman nicht auf die Saw-typischen Spielereien in den Folterszenen. Womit wir beim letzten und für viele wichtigsten Punkt eines Saw-Filmes wären: Die Folterszenen sind nicht gerade zahlreich, vielmehr haben es nicht einmal eine Handvoll in den Film geschafft. Eine Szene musste laut Bousman sogar aus dem Film geschnitten werden, da ansonsten das R-Rating nicht eingehalten werden konnte. Eine Praktik die wir bereits aus früheren Teilen kennen, dafür waren die Unrated-Fassungen teils 15 Minuten länger und unglaublich brutal. Wie bereits bei Jigsaw, wird Saw: Spiral aber leider keine Unrated-Version erhalten. Zwar ist der Film wieder etwas blutiger als der harmlose Vorgänger, es zeigt sich aber, dass ein Saw-Filme in der R-Rated-Version nur noch weniger zu bieten hat. Solange Lionsgate keine Unrated-Fassungen mehr produziert, locken die Folterszenen wohl niemanden mehr hinter dem Ofen vor.

Fazit: Lionsgate wird einer erneuten Fortsetzung der erfolgreichen Saw-Reihe wohl nicht allzu abgeneigt gewesen sein, das würde zumindest erklären, wieso man Comedian Chris Rock mit seiner uninspirierten Idee 20 Millionen Dollar in die Hand drückte, was den Film zum Teuersten der ganzen Reihe macht. Saw: Spiral besitzt zwar interessante Ansätze und mir haben die Ermittlungen in der korrupten Polizeibehörde ganz gut gefallen, leider scheitert der Film jedoch an seinem vorhersehbaren Twist und einem viel zu abrupten Ende. Etwas mehr Zeit für die Story und Charaktere hätten dem Film gut getan. Dazu sind die Folterszenen zwar wieder etwas blutiger als bei Jigsaw, im Vergleich zu den knallharten Unrated-Fassungen der früheren Teile aber immer noch viel zu harmlos. Entsprechend ist auch Saw: Spiral nichts anderes als uninteressant (wie alle Franchise-Vertreter seit Teil IV). Dies ist angesichts des namhaften Casts wirklich nur enttäuschend.

Saw: Spiral startet am 16. September 2021 deutschlandweit in den Kinos.

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