Kritik von Michael Gasch
„Du willst nicht frühzeitig in Rente. Du spielst nicht den Verrückten, du bist wirklich verrückt.”
Die Wurzeln des guten und bösen Cops im Film reichen bis in die 60er und 70er Jahre, in ersten Ansätzen sogar bis in den klassischen Film noir zurück. Obwohl In der Hitze der Nacht (1967) als frühes Beispiel des klassischen ‚Good Cop, Bad Cop‘-Genres gelten kann, war es letztlich vor allem Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (1987), der das Subgenre des Actionfilms maßgeblich prägte. Während The French Connection (1971) realistischer und düster im Tenor ist, war es Lethal Weapon, der eben jenes Motiv als feste Genre-Zutat populär machte und fortan als Inspirationsquelle diente: Tango & Cash (1989), Bad Boys (1995) oder Rush Hour (1998) – es sind nur drei Beispiele unter diversen.
Während der Klassiker am 26. Juni 2025 in neuem Glanz auf 4K UHD erscheint und für viele damit eine Neusichtung Pflicht ist, habe ich persönlich noch keinen einzigen Film der Actionreihe gesehen. Vielleicht ist jetzt – 38 Jahre nach dem Kinostart – der ideale Zeitpunkt, ganz unvoreingenommen einen Blick darauf zu werfen und herauszufinden, ob der Kultfilm auch heute noch funktioniert.
Obgleich Stirb Langsam mit Bruce Willis ein Jahr nach Lethal Weapon herauskam, ist es schon verblüffend, wie ähnlich die Intros sind. Beide Filme sind in der Weihnachtszeit angesiedelt und suggerieren auf den ersten Blick ein cineastisches Erlebnis für die ganze Familie. Bilder von nackten Brüsten, Koks und einem depressiven Cop, der seinem Leben mit einem Kopfschuss ein Ende setzen möchte, deuten allerdings sehr schnell auf das Gegenteil hin. Trotz des düsteren, fatalistischen Tons ist Regisseur Richard Donner jedoch weit davon entfernt, ein reines Sozialdrama abzuliefern – das zeigt sich immer wieder in der Bildsprache. Es sind keine Bilder über die Scheußlichkeit des Todes, wenn eine Frau in den ersten Minuten Selbstmord begeht – im Gegenteil: Ästhetisch schön drapiert, liegt sie bewegungslos auf dem Dach eines Autos vor einem Hotel. Das Hoteldesign, irgendwo zwischen kubrickschen Monolithen und einem phallischen Symbol, gibt Aufschluss darüber, mit was für einem Film wir es zu tun haben.
Weder ist es ein eindeutig rauer, unverfälschter Filmstil, noch dominiert eine Hochglanzästhetik. Das Ganze lässt sich nach Belieben in symbolischer und cineastischer Hinsicht fortführen. Es ist kein Film des Auteur-Kinos, mit stark persönlicher Handschrift des Regisseurs, wie man es beispielsweise von einem Martin Scorsese kennt. Ebenso wenig haben wir es mit eindeutigem Blockbuster-Kino (Superman, ebenfalls von Donner) zu tun, welches von Popcorn-Unterhaltung und klaren Heldenfiguren lebt. Schon gleich nicht mit Reagan-(Action)kino (Rambo, Rocky), welches Männerwelten nach rein biologischen Gegebenheiten kontextualisiert – für den Mann als Kampfmaschine zählt einzig und allein die Menge des Testosterons. Schlussendlich: Wenn Beverly Hills Cop (1984) mit seiner Lockerheit das eine Extrem darstellt und The Untouchables (1987) mit Symbolkraft und visuellen Allegorien das andere, findet Lethal Weapon einen blinden Fleck – obgleich er sich freilich aus charakteristischen Elementen all dieser Filme zusammensetzt.
Nicht zuletzt erinnert er auch an Spielbergs High-Concept-Filme aus den 70er-Jahren (Der weiße Hai, Unheimliche Begegnung der dritten Art). Ähnlich wie bei diesen Filmen lässt sich auch das Konzept von Lethal Weapon schnell und prägnant in Worte fassen: Er versteht sich nicht nur als ein Produkt seiner Zeit, sondern auch als Anfang von etwas Neuem. Wenn Eine verhängnisvolle Affäre (ebenfalls 1987) Auslöser für die Welle der Erotischen Thriller in den 90ern war, so war wohl Lethal Weapon Auslöser für das Buddy-Cop-Actionkino. Eben jene Stellung, irgendwo zwischen nie zu cool, nie zu düster, nie zu konventionell (oder unkonventionell) macht ihn auch heutzutage noch interessant.
Neben all der Action und dem theatralischen Ekzess gen Ende hin, zeigt sich Lethal Weapon wohlwissend über den damaligen Zeitgeist. Es ist ein Zeitgeist, in dem die Männer sich ihrer eigenen Zerbrechlichkeit durchaus bewusst werden. Ein Zeitgeist, der schon fast die Nase voll von übertriebenem Patriotismus hat. Ein Zeitgeist, der die Zeit überwunden hat, in der jeder mit einem Funken Wahnsinn in der Geschlossenen landet. „Selbstmordgefährdet“ heißt es da immer wieder – und fast könnte man sagen, dass sich die Idee der Tabula Rasa durch den gesamten Film zieht: Entweder entsprechen die Figuren diesem Konzept oder sie laufen ihm komplett zuwider. Vermutlich findet sich noch sehr viel mehr Psychologisierung, die mal subtil, mal ganz konkret beim Namen, genannt wird.
Ein Beispiel: „Die harten Typen sind nicht mehr gefragt. Jetzt ist sensibel Mode.”, womit Donner etwas progressiven Charakter in das damalige Kino einbringt. Doch auch hier zeigt sich – nie wird es zu sehr intellektuell. Somit bietet sich eine filmische Lesart im Konztext des Ockhamschen Rasiermessers an: Auf Sparsamkeit wird gesetzt, was sich auf jedes einzelne Element, angefangen von den ersten Themen bis hin zur Anzahl von Explosionen, anwenden lässt. Dies ist kein Over-the-Top-Filmemachen, sondern kompromissbereites und gut ausbalanciertes Kino.
Beispielsweise dann, wenn ein extradiegetisches Saxophonspiel ertönt und Gefühle von Verlust, unerfüllter Liebe und Einsamkeit mit Motiven wie Coolness und Resilienz vereint werden. Auch dann, wenn das bedächtige, urbanisierte Familienleben auf die Hollywoodisierung mit klaren Gut-Böse-Schemata, starken emotionalen Bögen und einem optimistischen, heldenhaften Ende trifft. In der Gesamtheit findet sich hier also sehr viel zwischen den Bildern und Zeilen, womit Lethal Weapon auch heute noch, nach fast 40 Jahren, erstaunlich gut funktioniert. Nicht zuletzt auch aufgrund der zeitlosen Leinwandchemie zwischen Mel Gibson und Danny Glover.
Kinostart: 10. September 1987
Release 4K Blu-ray: 26. Juni 2025
Verleih 4K Blu-ray: Warner Bros (Universal Pictures)
Regie: Richard Donner
Darsteller: u.a. mit Mel Gibson und Danny Glover
FSK-Freigabe: ab 18
Laufzeit: 1 St. 50 Min.
★★★★★★★☆
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