Robert Pattinson – Stoische Noir-Eleganz im postmodernen Schimmer

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Robert Pattinson, das Phänomen des 21. Jahrhunderts. Es haben nur wenige andere Schauspieler – auch seine ehemalige Flamme und Kollegin Kristen Stewart – in letzter Zeit für dermaßen viel Diskussionsstoff unter Filmfans gesorgt wie der gebürtige Londoner. Es war eben noch nie einfach für Jungstars, nachdem sie eine Romanze als Karrierestart genutzt haben. Man denke nur an die Zeiten zurück, als viele Leonardo DiCaprio nach seinem Auftritt im sträflich unterschätzten Liebesepos Titanic eine unrosige Zukunft vorhersagt haben. Wie soll aus einem Schönling wie ihm schon ein großer Schauspieler werden? Eine unverdiente Nominierung für die goldene Himbeere und eine noch unverdientere Verleihung dieses belanglosesten Filmpreises der Welt waren die Folge, und freilich nichtssagend, wie so viele Entscheidungen in Hollywood.

Auch Robert Pattinson kann von diesem hanebüchenen Unsinn ein Lied singen. Derweil wird allerdings übersehen, dass, wie schon damals Leonardo DiCaprio in Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa, auch Robert Pattinson bereits gezeigt hat, dass er es auch anders kann. Wieso hätte auch Regielegende David Cronenberg, der schon anderen Schauspielern wie Viggo Mortensen (A History of Violence) zum Durchbruch als Charakterdarsteller verholfen hat, Robert Pattinson für Cosmopolis casten sollen, wenn er in ihm kein Potential gesehen hätte.

“Really, I’m telling you. He’s a great actor. It’s obvious in the movie. It’s not like maybe yes, maybe no. It’s obvious.” – David Cronenberg

Tatsächlich konnte Robert Pattinson dann in Cosmopolis erstmals sein vielseitiges schauspielerisches Talent zeigen, als ob es schon immer seine Bestimmung gewesen wäre, als eiskalter Engel der Finanzwelt Schauspiellegende Alain Delon ebenso Konkurrenz zu machen wie dem Meister schlechthin unter den Ganzkörperakteuren, Steve McQueen. Es ist dermaßen elegant wie sich Robert Pattinson in Cosmopolis durch eine Gasse bewegt, eine Seltenheit unter Jungdarstellern, vor allem wenn man dazu im Vergleich sieht, wie peinlich sich seine Twilight-Kollegen verkaufen. Zudem zeigt Robert Pattinson auf eindrucksvolle Weise, dass er nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch die führende Kraft eines Films sein kann. Szenen wie die Prostata-Untersuchung würden mit einem anderen Schauspieler schlichtweg nicht funktionieren. Und diesem Schauspiel könnte ich ohne Bedenken Stunden lang zusehen. Der Meinung waren dann glücklicherweise auch genügend Kritiker, die seine Darstellung in Cosmopolis fast ausnahmslos mit Worten wie „Pattinson ist gleichsam feinsinnig wie spektakulär“ lobten.

Doch bereits vor Cosmopolis bewies Pattinson seine Vielseitigkeit – egal ob Kostümdrama (Bel Ami) oder klassiches Hollywoodmelodram (Wasser für die Elefanten) – und verdeutlichte, dass er im Angesicht von Oscargewinnern wie Reese Witherspoon und Christoph Waltz nicht vor der Kamera klein zu kriegen ist. Was man jedoch konstatieren muss, ist, dass Robert Pattinson, mit der Ausnahme von Cosmopolis, bisher kaum qualitativ hochwertige Filme vergönnt waren. Doch das dürfte sich in nächster Zeit ändern, da er im Krimi- bzw. Thriller-Genre momentan so gefragt ist wie einst Alain Delon oder Humphrey Bogart. Zudem müssen sich Regiegrößen um Robert Pattinson reißen, damit sie ihre ambivalenten Figuren mit einer passenden, ausdrucksstarken Charaktermime besetzt kriegen. Nicht nur wird Robert Pattinson in Königin der Wüste von Werner Herzog in die Fußstapfen von Peter O’Toole treten und den jungen T.E. Lawrence verkörpern, auch stand er bereits ein weiteres Mal für David Cronenbergs Maps to the Stars vor der Kamera; Seite an Seite mit der Hoffnungsträgerin Mia Wasikowska und der gestandenen Hollywoodgröße Julianne Moore.

Ich warte also gespannt auf den Tag, an dem Robert Pattinson Bogart-Like in weißem Anzug alle anderen Schauspieler allein mit seiner Anwesenheit in Grund und Boden spielt und endgültig sein „Twilight“-Image ablegt, so wie heute kaum noch jemand über Leonardo DiCaprios Post-Titanic-Phase sinniert. Es wird keine einfache Arbeit für Robert Pattinson, sich gegen die ganzen Skeptiker dort draußen durchzusetzen, gegen all diese Leute, die sich schon ihre Meinung gebildet hatten, bevor sie überhaupt einen der „Twilight“-Filme gesehen hatten. Robert Pattinson ist auf dem richtigen Weg und es steht ihm trotz des Medienrummels und der übertriebenen Antihaltung der Kritiker und des Publikums eine Karriere bevor, die ihn eines Tages zu den ganz großen seines Fachs machen wird. Ich prognostiziere: Robert Pattinson ist der Mann, den in 20 Jahre alle Filmfans schätzen werden, wie auch immer sie heute zu ihm stehen mögen.

Dieser von mir geschriebene Text erschien erstmalig am 26.08.2013 unter der Aktion Lieblingsstar auf Moviepilot. Mittlerweile, 7 Jahre und zig erinnerungswürdige Rollen später (u.a. Der Leuchturm, Good Time, High Life, Tenet und The Batman) kann man durchaus konstatieren, dass der Text Robert Pattinsons aussichtsreiche Karriere vorausgenommen hat.

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