Schlagwort: 2003

Kritiken

"Bad Boys II" (USA 2003) Kritik – Michael Bay im Tal der Geschmacklosigkeiten

Autor: Pascal Reis "We ride together, we die together. Bad Boys for life." Das wesentliche Defizit von „Bad Boys“ war schlicht und ergreifend die aufgesetzte Figurenzeichnung der ungleichen Hauptdarsteller, die sich redlich darum bemühten, den Thron der kinematographischen Coolness komplett für sich in Anspruch zu nehmen. Die charakterlichen Gegensätze evozierten aber durchaus Momente, in denen nicht nur die Mundwinkel zaghaft nach oben gingen, sondern auch ein herzhafter Lacher ausgestoßen werden konnte (Hauptsächlich dank Martin Lawrence), doch den Eindruck von nonchalanter, wie aus dem Leben gegriffener Lässigkeit konnte Michael Bay nicht gänzlich verfestigen. Flackerndes Prunkstück von Bays Einstieg in die Filmwelt waren die enthemmten, fast organischen Actionsequenzen, in denen sich...
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"Dogville" (SE/NL/IT/FR/DE/US/NO/JP/GB/FI/DK 2003) Kritik – Willkommen im Dorf der Hunde

"All I see is a beautiful little town in the midst of magnificent mountains. A place where people have hopes and dreams even under the hardest conditions." Lars von Trier empfängt den Zuschauer mit einer mehr als kargen und ungewöhnlichen Theaterkulisse, die sich lediglich durch Kreidestriche als Trennlinien auf dem Boden, einigen Einrichtungsgegenständen und den Türen zusammensetzt. Das wir es hier mit einem ganz besonderen Film zu tun bekommen, der mit exzellenter Konsequenz und ohne jede Scheu die verstaubten Sehgewohnheiten auf interessante Weise zerbricht, ist für jeden Betrachter schnell klar. Was Regisseur von Trier dem Zuschauer dann in den folgenden 180 Minuten serviert, ist eine Geschichte über den Menschen und über sein Benehmen und die charakterliche Verwandlung. Im Fokus s...
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"Lost in Translation" (USA 2003) Kritik – Bill Murray und Scarlett Johansson sind Seelenverwandte

"Je mehr man über sich selbst und über das, was man will, weiß, desto weniger lässt man an sich ran." Inzwischen sollte allen anspruchsvollen Kinogängern vollkommen bewusst sein, dass es nie wirklich die angepriesenen High-Budget-Produktionen sind, die wirklich für alle Ewigkeit im Gedächtnis bleiben, denn dafür liefern diese Filme einfach zu wenig Bleibendes und von positiven Nährstoffen kann auch nur selten die Rede sein. "The Avengers" und "Planet der Affen: Prevolution" sind zum Beispiel zwei dieser Ausnahmen, die Blockbuster-Kino packend und ansprechend umgesetzt haben und sich vom dem platten Standard problemlos abgehen können. Doch wenn wir noch ehrlicher sind, dann beeindrucken uns die kleinen, unscheinbaren Werke immer deutlich mehr, weil sie es in beeindruckender Art und Weise...
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"Hollywood Cops" (USA 2003) Kritik – Diese Cops kann man vergessen

"I don't wanna be a cop anymore." Joe Gavilan und K.C. Calden sind beides Polizisten und Partner. Ihr Arbeitsgebiet: Hollywood, Los Angeles. Da wo die Stars und Sternchen residieren, die Sonne aus allen Portemonnaies strahlt und sich eine Villa an die nächste prachtvolle Villa reiht. Aber natürlich geht es in dieser glamourösen Ecke auch nicht immer sorgenfrei her, denn das Verbrechen kennt auch dort keine Gnade und zieht seine Wellen. Eine Rapgruppe kommt bei einem Attentat schrecklich ums Leben und Joe und K.C. müssen die Drahtzieher ausfindig machen, doch das ist gar nicht so einfach, denn die beiden unterschiedlichen Cops haben auch noch Nebenjobs, bei denen sie auch immer ansprechbar sein müssen: Joe ist Immobilienmakler und K.C. verdient nebenbei noch Geld als Yogatrainer, möchte ...
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"Elephant" (USA 2003) Kritik – Kontrollverlust in der Alltäglichkeit

"Hier ist gleich die Hölle los." Immer wieder wird die Welt durch neue und unvorhergesehene Amokläufe in den verschiedensten Ländern erschüttert. Menschen verschiedensten Alters, vom Schüler bis zum erfolgreichen Geschäftsmann, greifen zur Waffe und verwandelt einen belieben Ort in wenigen Minuten in einen Platz von Blut und Schrecken. Familien werden zerstört, Menschen bis an ihr Lebensende traumatisiert und der Ort des Geschehens, wird für die Ewigkeit mit den grauenhaften Vorfällen in Verbindung gebracht werden. Man denke nur an die Amokläufe von Erfurt, Littleton, Utøya und zuletzt in Aurora, in dem der 24jährige James Holmes bei der "The Dark Knight Rises"-Premiere ein Kino gnadenlos stürmte. Sind Filme über so ein brisantes, aktuelles und schockierendes Thema nun von Nöten, oder e...
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"Tatsächlich… Liebe" (GB 2003) Kritik – All you need is Love

"Weißt du, ich habe gemerkt, dass ich mich irgendwie... zu dir hingezogen fühle." - "Unglaublich. Zwei Minuten bei Elton John und du bist schwul wie zehn Friseure. Und wieder einmal sind wir bei dem elendigen Thema der romantischen Komödien angekommen, die sich für Dates sicher eignen, doch darüber hinaus rein gar nichts abliefern. Jedoch muss man zwischen den verhassten „RomComs“ und den Filmen über die Liebe klar unterscheiden, und damit sind jetzt nicht mal Sachen wie "Blue Valentine" oder "500 Days of Summer" gemeint, die sowohl die Vorteile und schönen Dinge in einer Beziehung zeigen, als auch die Schattenseiten beleuchten, "Blue Valentine" natürlich einige Ecken konsequenter und zermürbender. Ein interessanter Mann aus dem RomCom-Bereich, der dennoch nicht in der nervigen Liga spi...
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"School of Rock" (USA 2003) Kritik – Jack Black in seinem Element

"Die Sache ist so: Ich hab einen dicken Kopf. Wer weiß was das bedeutet?" - "Dass Sie betrunken sind?" - "Nein. Das bedeutet, ich WAR gestern betrunken." - "Es bedeutet, dass Sie ein Alkoholiker sind." - "Falsch." - "Sie würden nicht mit einem Kater zur Arbeit kommen, wenn Sie kein Alkoholiker wären. Sie sind echt krank." Wenn man heute nach dem Musikgeschmack gefragt wird und diese Frage mit Rock beantwortet, dann spielen sich inzwischen bei zu vielen Leuten die folgenden Bilder im Kopf ab: Lautes, aussageloses Geschrei, verzerrte Gitarrenriffs und Drums, die keinen Halt kennen, aber eigentlich kein Stück zum „Gesang“ oder der Melodie passt. Im Klartext: Hauptsache die Musik hämmert, aber einen tieferen Sinn erkennen die Außenstehenden und Desinteressierten nicht. Das ist natürlich vol...
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"Fluch der Karibik" (USA 2003) Kritik – Johnny Depp torkelt über die Meere

"Ihr werdet diesen Tag nie vergessen, an dem ihr Captain Jack Sparrow beinahe geschnappt hättet." Heutzutage wird der Begriff „Blockbuster“ schon als etwas negatives abgetan. Dabei muss das gar nicht immer der Fall sein, denn wenn man sich auf lockere Unterhaltung eingestellt hat und einfach einen entspannten wie spaßigen Abend in lustiger Runde erleben will, dann ist man mit einem solchen Blockbuster gar nicht falsch bedient. Wer sich nun noch fragt, was sich hinter diesem inzwischen eigentlich allseits bekannten Begriff versteckt, dem sei es noch einmal kurz erklärt: Blockbuster zielen ganz klar in den Bereich der Unterhaltung und des großen Publikums, die sich einen Film anschauen, ohne wirklich nachdenken zu müssen oder sich nach dem Ende des Films schlecht zu fühlen. Ganz einfach ...
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"Good Bye, Lenin!" (DE 2003) Kritik – Der Osten lebt!

"Der Wind der Veränderung blies bis in die Ruinen unserer Republik. Der Sommer kam und Berlin war der schönste Platz auf Erden. Wir hatten das Gefühl im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Dort wo sich endlich was bewegte. Und wir bewegten uns mit." Wer sagt, das deutsche Kino hätte keine Sternstunden mehr und die Highlights liegen vergraben in der Vergangenheit, der lügt. Die Menschen, die die deutschen Filme ohne Ausnahmen meiden, haben in ihren Kernaussagen mit Sicherheit Recht. Die hochwertige Klasse der vergangenen Tage, und damit ist ganz besonders die Zeit von 1920 bis zum Ende der 80er Jahre gemeint, sind nicht mehr vertreten. Prachtvolle Namen, die mit ihrem Auftreten Respekt einflößen und einen modernen Klassiker nach dem anderen inszenierten, gibt es in diesem Ausmaß schon lange ...
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"Last Samurai" (USA/NZ 2003) Kritik – Ehre, wem Ehre gebührt

"Ich behaupte, Japan entstand durch eine Handvoll mutiger Männer. Krieger, die bereit waren, ihr Leben für etwas zu opfern, das heute in Vergessenheit geraten zu sein scheint... Ehre." Edward Zwick dürfte vielen Filmfreunden kein richtiger Begriff sein, eben weil seine Person einfach nie populär in den Medien vertreten war, aber Zwick hat in seiner Karriere schon mehr als einmal bewiesen, dass er nicht nur ein guter Regisseur ist, sondern auch unbedingt im Gedächtnis beim Zuschauer bleiben sollte, denn seine inszenatorischen Stärken sind zumeist unverkennbar. Dabei teilt sich die Filmografie von Zwick jedoch in zwei Teile auf, die auch den qualitativen Unterschied von Zwicks Arbeiten immer verdeutlichen. Auf der einen Seite stehen Filme wie 'Glory' mit Denzel Washington, 'Legenden der L...