Schlagwort: 2009

Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Public Enemies (USA 2009)

"Wie lange brauchen Sie für eine Bank? – Etwa 1 Minute und 40 Sekunden, nüchtern." John Dillinger (Johnny Depp) war der erste Public Enemy Amerikas, der zur Zeit der großen Depression in den USA mit seiner Gang zahlreiche Banken überfiel. Das FBI und ihr strahlender Special Agent Melvin Purvis (Christian Bale) waren auf der Jagd nach ihm. Die Videoästhetik der Bilder stellt sich als geringeres Übel heraus als erwartet. Es ist doch so, dass gerade der Gedanke ein Period Picture mithilfe moderner Kameratechnik zu filmen, um es, so zu sagen, in die heutige Zeit zu holen, sich als der innovativste Kniff dieses Gangsterepos herausstellt. Die Atmosphäre stimmt, ja gerade die Handkamera, die so mutig ist, dem Zuschauer auch mal eine Form der Orientierung vorzuenthalten, z.B. bei den Ausbruch...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Splice – Das Genexperiment (USA 2009)

"Was sollen wir tun? Sie vor der Welt wegsperren?" Den beiden genialen Chemikern Clive (Adrien Brody) und Elsa (Sarah Polley) gelingt im Zuge ihrer Genforschungen das Undenkbare: Die Erschaffung eines geklonten, menschen-ähnlichen Hybrid-Wesens. Eigentlich ein guter Grund zum Feiern, doch Gefahr droht, nicht nur von legaler Seite. Ihr geheimer Schützling entwickelt sich schneller und ganz anders als erwartet Vincenzo Natalis Familiendrama "Splice" ist ein Experiment wie viele seiner Filme. Äußerlich auf den Pfaden des Sci-Fi-Kinos wandelnd, kristallisiert sich mit zunehmender Filmdauer eine Vielzahl von Strömungen heraus und ähnlich wie bei David Cronenberg werden diese unterschiedlichen Stimmungen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern sie tragen zum Gesamt-Ton bei. So verwundert es...
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Kritik: Moon (GB 2009)

"Vielleicht hast du dir ja was eingebildet." In nicht allzu ferner Zukunft wird der Mond nach Rohstoffen ausgebeutet. Die automatischen Stationen werden von jeweils einem Astronauten betreut. Einer dieser Astronauten ist Sam Bell. 3 Jahre hat er fast um. Kurz bevor er zur Erde zurückkehren kann, stolpert er jedoch über einen bewußtlosen Astronauten, der genauso aussieht wie er. Allein das Poster von "Moon" beschwört alte Zeiten herauf, für einen Science-Fiction-Film doch recht unerwartet. Nur betrachtet man das Plakat genauer, entpuppt sich das Nostalgie-Element mehr als lässige Retroness. Duncan Jones setzt diesen Aspekt auch filmisch um, aber inwieweit man hier von Retroness sprechen kann ist fraglich. Viel eher ist dieser "alte" Charme der langen Abstinenz guter Genre-Beiträge gesc...
Kritiken

"Drag me to Hell" (USA 2009) Kritik – Sam Raimi kehrt zurück zu seinen Wurzeln

"Sie haben mich beschämt!" Schon als 23 jähriger Jüngling setzte der amerikaner Sam Raimi einen Film in die Welt, der ihn bis heute zu einem der Kultregisseure in der Geschichte des Horrorfilms macht. Mit wenigen Mitteln und einigen Freunden zauberte er die Trash-Perle 'Tanz der Teufel', die heute noch genauso für Spaß sorgt, wie im Jahr 1981. Auch die treuen Fans stehen heute noch hinter dem Filmemacher mit polnischen Wurzeln und nehmen jedes neues Projekt mit Freude auf. Wenn wir jedoch mal über die 'Tanz der Teufel'-Trilogie hinausblicken, hat Sam Raimi noch etwas ganz anderes großes geschaffen. Im Jahr 2002 wurde ihm die Ehre zuteil, die extrem beliebte Comicfigur Spider-Man zu verfilmen und auf die Leinwände du bringen. Raimi zeigte, das er ein Könner ist und nicht nur 'Spider-Man'...
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Kritik: I Love You Phillip Morris (USA/FR 2009)

"Das Schwulsein und diese Gaunereien, hat das irgendwas miteinander zu tun?" Der unauffällige Geschäftsmann Steven Russell führt ein geregeltes Leben mit Frau, Kind, Haus und sonntäglichem Gesang im Kirchenchor. Bis ein Autounfall ihm zu einer profunden Erkenntnis verhilft: Er ist schwul. Fortan lässt er keine Party, kein exklusives Restaurant und keinen knackigen Kerl mehr aus. Das pralle Leben erweist sich als kostspielig, aber Steven beweist ungemein viel Phantasie in der regelmäßigen Beschaffung der notwendigen Finanzmittel. Natürlich geht das nicht lange gut und er landet im Knast. Dort lernt Steven seine große Liebe, den zurückhaltenden Phillip Morris, kennen. Und damit fangen die Probleme für Steven überhaupt erst so richtig an. "Brokeback Mountain trifft auf Catch me if you can...
Kritiken

"500 Days of Summer" (USA 2009) Kritik – So ist die Liebe

"Weißt du was scheiße ist? Wenn einem klar wird, dass das woran man geglaubt hat alles totaler Schwachsinn ist. Das ist scheiße." Das unabhängige Independent-Kino ist schon eine ziemlich feine Sache. Gerade wenn sich dieser Bereich der Liebe annimmt, denn anders als das Mainstream- und Hollywoodkino, dürfen sich die Regisseuren jeden Konventionen entziehen und müssen sich nicht den streifen Gesetzen der Traumfabrik beugen, wie jede Jennifer Aniston-RomCom. Man kann seine eigenen Ideen durchziehen, muss sich nicht anpassen, auch wenn man dem breiten Publikum damit nicht unbedingt gefallen wird. Vor allem Zach Braff bewies mit 'Garden State' zu welchen Höhenflügen das Indie-Kino in der Lage sein kann und inszenierte nicht nur einen einzigartigen Liebesfilm, sondern auch einen der besten a...
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Kritik: Antichrist (DE, DK 2009)

"Wovor fürchtest dun dich im Wald?" Ein trauerndes Ehepaar zieht sich in ihre einsame Hütte, “Eden”, in den Wäldern zurück. Dort hoffen sie, ihre gebrochenen Herzen heilen und ihre kriselnde Ehe retten zu können. Aber die Natur verschafft sich ihr Recht, und die Situation kann nur schlimmer werden. --- Prolog: Natürlich schwirrten mir etliche Fragen im Hirn herum, doch eine stand über allem. "War der Skandal um Antichrist nun gerechtfertigt?" Nein, es ist sogar überaus enttäuschend wie sich das Feuilleton hier aufgespielt hat, als hätte es was zu sagen. Ich bezweifle auch, dass Lars von Trier das geplant hat. Er wusste zwar, was er dem Publikum da zumutet, aber einen Skandal braucht der Film nicht. Denkt man allein an die anderen Cannes-Skandale der letzten Jahre, wie "Trouble Every Da...
Kritik: Avatar – Aufbruch nach Pandora (USA 2009)
Abenteuer, Action, Kritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Avatar – Aufbruch nach Pandora (USA 2009)

Ich gehöre jetzt zu dir, Jake. Wir sind vereint für's Leben. Im Jahr 2154 sind die Rohstoffe der Erde erschöpft und die Menschheit sucht in fernen Welten weiter. Pandora, ein erdenähnlicher Mond, ist reich am begehrten Rohstoff Unobtanium, doch um es abzubauen gefährden die Menschen den Lebensraum der Na'vi, die Ureinwohner Pandoras. Als ich das erste mal von Avatar gehört habe, war ich euphorisch. Nicht nur, dass James Cameron wieder dreht, nein, er dreht sogar einen Science-Fiction-Film, eines meiner Lieblingsgenres. Dazu kam die Ankündigung eines Opus Magnum des 3D-Kinos, einer "Revolution des Kinos", wie James Cameron es selbst beschrieb. Das schürt Erwartungen, die bei zwei Jahren Wartezeit gut gedeihen konnten. James Camerons Kino ist für Science-Fiction gemacht. Seine beste...
Kritiken

"Source Code" (2011) Kritik

Colter Stevens: What would you do if you knew you only had one minute to live? Christina Warren: I'd make those seconds count. Colter Stevens: I'd kiss you again. Wie süß! Ein Zitat, welches genauso gut aus der letzten Aniston/Kutcher Liebeskomödie stammen könnte. Und damit ist nun doch das eingetreten, mit dem ich am allerwenigsten gerechnet hatte. 'Source Code' ist eine große Enttäuschung. Erscheint der Film anfangs noch sehr spannend und außergewöhnlich, so verliert er sich recht bald in seiner eigenen Prämisse, Komplexität und Gedankenkino zu bieten. Zunächst glaubte ich, ich würde jetzt von 'Moon'-Regisseur Duncan Jones erneut einen kleinen, fein durchdachten Genre-Beitrag spendiert bekommen. Sicherlich versteht Jones sein Handwerk, denn was wir effekttechnisch für ein Budget vo...