Schlagwort: 2012

Kritiken

"The Place Beyond the Pines" (USA 2012) Kritik – Ryan Gosling und die väterliche Pflicht

Autor: Pascal Reis "I want to do something with him that's his first time. I'm going to look in his face when he tries ice cream. Every time he has ice cream for the rest of his life, he's going to see my fucking face." Seit dem Jahre 2010 ist der Name Derek Cianfrance dem indieaffinen Publikum zu Recht kein Unbekannter mehr. Sein Beziehungs-Drama „Blue Valentine“ erblickte das Licht der Kinolandschaft, heimste unzählige Festivalpreise ein und durfte sogar dank Michelle Williams aufopferungsvoller Darstellung im Oscar-Rennen ein kleines Wörtchen mitsprechen. Cianfrance verdeutlichte dabei, das er nicht unbedingt der Regisseur ist, der dem Zuschauer etwas vollkommen Neues bieten und eine explosive Vielfalt an Kreativität evozieren möchte, sondern sich einem universellen Thema annimmt, we...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: I, Anna (FR,DE,GB 2012)

Autor: Conrad Mildner "Also ich glaube diese aufmerksamen Augen gehören einem Mann, der mit Leidenschaft die Wahrheit sucht." Bald ist ja wieder Muttertag und wie man auch zu diesem Anlass stehen mag, der ohnehin schon in seinem historischen Kontext kritisch beäugt werden sollte, so ist es doch logisch, dass man seiner Mutter ab und zu etwas gutes tun sollte, schließlich tut sie ja auch oft genug etwas für einen selbst. Charlotte Rampling ist nicht nur eine grandiose Schauspielerin, sondern scheint auch eine ebenso gute Mutter zu sein. So übernahm sie kurzerhand die Hauptrolle im Regiedebüt ihres Sohnes Barnaby Southcombe und verhalf dem Film damit zu genügend Aufmerksamkeit. Im Gegenzug möchte Southcombe mit seinem Film Rampling zur Übermutter schlechthin stilisieren, vergisst dabei a...
Kritiken

"Smashed" (USA 2012) Kritik – Mary Elizabeth Winstead sagt dem Alkohol den Kampf an

Autor: Pascal Reis "Well, you peed on me, so I guess we're even." Der unbändige Alkoholkonsum ist nicht nur in ausgewählten Ländern ein Problem. Wenn wir uns über die immensen Auswirkungen des Alkoholismus austauschen, dann sprechen wir von einer globalen Causa, dessen Ursprung nicht vor einigen Jahren gelegt wurde, doch den kontrollierenden Boden Verbrauch schon vor langer Zeit unter den Füßen verloren hat. Sieht man die Zahlen der Toten, die alljährlich an den Folgen ihrer Konsumation dahinscheiden, dann wird klar, in welchen Sphären wir schweben: In Deutschland stehen wir bei knapp 75.000 Toten, weltweit bei 2.500.000 Opfern. Wir haben es also mit einem aktuellen wie wichtigen Thema zu tun, welches natürlich auch in der Filmwelt immer wieder in verschiedener Art und Weise angesprochen...
Kritiken

"Alexandre Ajas Maniac" (FR/US 2012) Kritik – Elijah Wood und sein unstillbares Verlangen

Autor: Pascal Reis "Lauf nur, ich weiß wo du wohnst, Judy. Wir sehen uns später..." Frank ist ein Einzelgänger und Betreiber eines urigen Ladens für Schaufensterpuppen. Er führt das Geschäft seiner Familie fort und der Name seiner Mutter ist auch noch lange nach ihrem Tod als Besitzer eingetragen. Allerdings ist das keine Schlamperei, sondern steht symptomatisch für die Beziehung zwischen Frank und seiner Mutter, die durch ihr schlechtes Verhalten ihren Sohn zunehmend traumatisierte und ihn mehr und mehr beziehungsunfähig machte. Seitdem ist Frank ein Jäger, der nachts durch die Straßen streift und sich junge Frauen aussucht, um sie zu töten und ihre Haare zur Vollendung seiner Puppen zu verwenden. Als er die Französin Anna kennenlernt, versucht er, sein Leben krampfhaft zu kontrollieren...
Kritiken

"Charlies Welt – Wirklich nichts ist wirklich" (USA 2012) Kritik – Charlie Sheen und die Schmerzen einer verflossenen Liebe

Autor: Pascal Reis "I don't need some guy in wingtips to tell me I'm suffering!" Der Fall Charlie Sheen wird für die Filmwelt wohl nie ad acta gelegt, dafür ist er einfach zu herausfordernd und populär. Eigentlich hätte man damit rechnen müssen, dass Sheen nach seinem lauten Rauswurf aus der Hit-Sitcom „Two and a Half Men“ keine Angebote mehr an Land ziehen könnte, denn seine privaten Eskapaden konnten nun wirklich nie geheim gehalten werden und die exzessiven Partykatastrophen, angetrieben von Drogen, Alkohol und Prostituierten, die sich seit seinen legendären Ausflügen in die Playboy Villa zutragen, in der Sheen den Pool als leibeigene Spielwiese gebrauchte, wanderten seit jeher breitgrinsend und mit weit geöffneter Hose durch die Medien. Ja, Charlie Sheen ist ein Chaot, der viel zu ...
Kritiken

"Kiss the Coach" (USA 2012) Kritik – Gerard Butler kämpft um seinen Platz in der Familie

Autor: Pascal Reis "How do you get to meet so many hot women? – I have an ascent." Redet man vom zeitgenössischen RomCom-Sujet, dann sind die obligatorischen Stigmatisierungen immer in greifbarer Nähe: Charakter-Klischees, unglaubwürdige Entwicklungen und der ewig gleiche Handlungsverlauf, der auf sein einförmiges Happy End hinausläuft. Aus filmhistorischer Sicht sind diese kitschigen Machwerke zumeist vollkommen unbrauchbar und auch genauso schnell in den Untiefen der kinematographischen Belanglosigkeit versunken. Als Notlösung für den Einstieg in einen romantischen Abend mit der Auserwählten, kann man sich vielleicht noch einmal für einen Streifen mit Jennifer Aniston und Konsorten hinreißen lassen, immerhin treffen diese rosaroten Thematiken doch beim weiblichen Geschlecht gerne die r...
Kritiken

"Immer Ärger mit 40" (USA 2012) Kritik – Paul Rudd und Leslie Mann im Ehestress

Autor: Pascal Reis "I don't want a turbo penis. I like your medium soft one." Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Humor spielt im eigenen Geschmacksempfinden natürlich eine ganz zentrale Rolle und es liegt nun an jedem Menschen selbst, ob er seinen Spaß an pechschwarzen Humor Made in Britain hat, oder sich doch von derbem Slapstick à la Stooges belustigen lassen kann. So schön das gemeinsame Lachen auch sein kann, manchmal stoßen doch zwei divergente Welten aufeinander, die das reziproke Humorzentrum des anderen nur mit unverständlichem Stirnrunzeln betrachten können und während bei Person A bereits Tränen aufgrund der Zwerchfellerschütterung kullern, sitzt Person B regungslos im Nebensitz und schnauft enthemmt genervt durch den Saal. Ausnahmen sind da nur die ikonischen U...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Die Jagd (DK 2012)

Autor: Conrad Mildner „Ich glaube den Kindern. Die sagen immer die Wahrheit.“ Kaum zu glauben, dass Dogma-Shooting-Star anno 1998 Thomas Vinterberg nach vierzehn Jahren das große Comeback gelingt. Sein Cannes-Gewinner „Das Fest“ zählt noch heute zum Besten aller Dogmafilme. Danach ging es bergab, trotz gewagter Hollywood-Experimente („It's All About Love“) und ergiebiger Genreversuche („Dear Wendy“). Der Tiefpunkt schien mit seinem Berlinale-Film „Submarino“ erreicht, der von der Kritik nur noch geteert und gefedert wurde. Doch dann, das Wunder, ungläubig rieb man sich die Augen angesichts des letztjährigen Cannes-Lineups. Vinterbergs neuer Film ist im Wettbewerb und die Hauptrolle spielt Dänemarks Export-Schlager Mads Mikkelsen. Ist da was großes im Anmarsch? Als die ersten überschwän...
Kritiken

"Get the Gringo" (USA 2012) Kritik – Mel Gibsons Sommerferien im mexikanischen Gefängnis

Autor: Pascal Reis "Is this a prison, or the world's shittiest mall?" Wenn man das gegenwärtige Action-Genre etwas genauer unter die Lupe nimmt, dann ist der angestrebte Fasson mehr als überdeutlich zu erspähen: Alter vor Schönheit. Das Zepter im sogenannten „Männerkino“ dürften heute erneut die Helden der Vergangenheit gen Himmel strecken und erleben so ihren zweiten Frühling, in dem sie wieder an dem Punkt angekommen sind, der auch schon den Karrierestartschuss in den frühen 80er Jahren gegeben hat. Arnold Schwarzenegger ist mit „The Last Stand“ als grimmiger Sheriff zurück in die Kinos gekehrt, Bruce Willis darf als John McLane in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ zum fünften Mal die Welt retten und die große Seniorenzusammenkunft mit fulminanten Kalibern und eminenten Stic...
Kritiken

"Les Misérables" (GB 2012) Kritik – Hugh Jackman zwischen Leidenschaft und Revolution

Autor: Pascal Reis "Reform is a discredited fantasy. Modern science tells us that people are by nature, law breakers or law abiders. A wolf could wear sheep's clothing but he's still a wolf." Als der französische Schriftsteller Victor Hugo 1862 seinen Roman „Die Elenden“ (Original: „Les Misérables“) im Hauteville House auf Guernsey in der romantischen Zeitepoche beendete, hätte er sich wohl nicht erträumen lassen, welch maßgebliches Werk er dort auf 1500 Seiten verfasst hat und welch beeinflussende Auswirkungen sein Buch in der Zukunft noch tragen wird. In erster Linie ist „Les Misérables“ eines der mit Abstand erfolgreichsten Broadway-Musicals in Manhatten und wird seit seiner dortigen Uraufführung im Jahre 1987 nach wie vor in aller Regelmäßigkeit vorgetragen. Genauso ist die Geschicht...