Schlagwort: Dokumentation

Doku-Tipp: I Am Not Your Negro (USA 2016)
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Doku-Tipp: I Am Not Your Negro (USA 2016)

 The story of the Negro in America is the story of America, and it is not a pretty story. Es fällt schwer, dieser außergewöhnlichen Dokumentation in nur wenigen Worten gerecht zu werden. Über I Am Not Your Negro könnten ganze Bücher geschrieben werden und doch wäre nicht alles gesagt. Raoul Peck hat 2016, basierend auf einem Manuskript des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin*, ein dringend erforderliches Werk geschaffen, welches sich spannend wie ein Thriller und gleichzeitig mit der nötigen Distanz der Geschichte des Rassismus in den USA annimmt. Raoul Peck konfrontiert den Zuschauer mit vielen unbequemen, universellen Fragen und gibt auf diese dankenswerterweise keine trivialen Antworten. Stattdessen hat der Zuschauer gar keine andere Möglichkeit, als sich beispiels...
Filmkritiken zu „Hyena Road“, „Barça“ und „The Dressmaker“
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Filmkritiken zu „Hyena Road“, „Barça“ und „The Dressmaker“

Der April steht bei Ascot Elite mal wieder ganz im Zeichen der Vielfältigkeit. Mit „Hyena Road“, „Barça – Der Traum vom perfekten Spiel“ sowie „The Dressmaker – Die Schneiderin“ bekommen die hiesigen Heimkino-Regale erneut interessantes Futter geboten, mit dem man sich durchaus auseinandersetzen darf. Erwarten wird einen hierbei Enttäuschendes, Absehbares und, nicht zuletzt, Überraschendes. Aber dazu mehr in den jeweiligen Einzelbesprechungen. Hyena Road (CA, 2015) von Paul Gross, u.a. mit Paul Gross, Rossif Sutherland und Allan Hawco Provinz Kandahar. Südafghanistan, Geburtsort der Taliban und ein sich über 450.000 Quadratkilometer erstreckendes Terrain, dominiert von brutalen Aufständen, gegensätzlichen Ansichten, Stammesrivalitäten und Blutfehden. Hier findet sich die Operationsz...
Kritik: Im Strahl der Sonne (KP/RU 2015)
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Kritik: Im Strahl der Sonne (KP/RU 2015)

Eine Dokumentation im Theaterstaat Nordkorea Der russisch-ukrainische Dokumentarfilmer Vitaly Mansky hat mit seinem Team ein Jahr lang die achtjährige Zin-Mi und ihre Eltern aus Pyŏngyang begleitet und eine Dokumentation über das Leben in Nordkorea gedreht. Das besondere: Mansky bekam eine offizielle Drehgenehmigung, um Zin-Mi und ihre Familie zu porträtieren: Wie sie mit ihren Eltern frühstückt, wie sie in die Schule geht, wie sie am Geburtstag von Kim Jong-Il bei den jungen Pionieren aufgenommen wird, wie ihre Eltern ihren Berufen nachgehen, wie sie mit dem Tanzunterricht beginnt und für ihren großen Auftritt am Ende des Films trainiert. Doch diese Dokumentation hat ein festes Drehbuch: In der Tat werden im Abspann die Genossen Kim, Park, Cha und – noch einmal – Kim als Drehbuchautor...
Kritik: Cartel Land (MX/US 2015)
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Kritik: Cartel Land (MX/US 2015)

„Würden wir auf unser Herz hören, wären wir am Arsch.“ Natürlich schwingt in diesem florierenden Geschäft viel Sozialdarwinismus mit, gerade wenn man sich die ökonomischen Verhältnisse anschaut, die im Grenzland zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko vorherrschen: Der Drogenhandel ist für viele Ansässige oftmals der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern können, um mit ihren Familien irgendwie über die Runden zu kommen. Die Dokumentation „Cartel Land“ von Matthew Heineman (unter anderem namhaft produziert von „Zero Dark Thirty“-Regisseurin Kathryn Bigelow) aber beleuchtet nicht die Beweggründe, warum sich Menschen dazu entscheiden, sich in barbarischen Fänge der hiesigen Drogenkartelle zu wagen. Vielmehr interessiert man sich für das soziale Echo, welches man entlang der Gr...
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"Going Clear" (US 2015) Kritik – Dysfunktionale Beziehungen als Geschäftsmodell

Autor: Levin Günther "Dianetics, Hayakawa noted, was neither science nor fiction, but something else: “fictional science.”" Diese Kritik zu der Scientology-Dokumentation ist besonders. Wenn man nämlich weiß, wie die „Kirche“ mit Mitgliedern, Ex-Mitgliedern und Kritikern umgeht, wird man auf einmal hellhörig und aufmerksam bei dem, was man schreibt. Darauf wird später noch weiter eingegangen. Die Produktion dieser Dokumentation hat der Freund aller Serienfans übernommen: HBO. Im Voraus haben sie sich mit 160 Anwälten ausgerüstet, die alles prüfen und sich gegen einen Sturm von Klagen vorbereiten sollten, was gar nicht so dumm ist, weil die Organisation eben jene Taktik schon einmal benutzt hat, um das Steueramt der Vereinigten Staaten von Amerika in die Knie zu zwingen. Brisanz gehört sch...
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"The Act of Killing" (DK/GB/NO 2012) Kritik – Eine Expedition ins dunkle Herz der Menschlichkeit

Autor: Pascal Reis "I believe even God has secrets." Ein Straftat jeder Art beginnt immer mit einer akzidentiellen Variation der folgenschweren Entwendung: Ob es der konkrete Diebstahl ist, der Eigentumsdelikt, in dem das Hab und Gut einer Person gezielt geraubt wird, der unsittliche Voyeurismus, in dem die Privatsphäre eines Menschen miss- und verachtet wird und natürlich der Extremfall Mord, in dem das Leben, alles, was ein Individuum von Grund auf besitzen durfte, zerschlagen und beendet wird. Und hierbei spielt es keine Rolle, von welchen Seiten ein solch radikales Verbrechen legitimiert ab, ob aus politischer, religiöser oder emotionaler Sicht, egal wie affektiert und nachvollziehbar dieser Schritt aus dem menschlichen Blickwinkel auch gewesen sein mag, ein Mord bleibt immer ein Mor...
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Regisseure im Fokus: Einsamkeit, Sehnsucht und Gesellschaftskritik – Drei Werke des Ulrich Seidl

Autor: Pascal Reis Unangenehm und unverstellt. Zwei flüchtige Adjektive, die sich hervorragend für eine saloppe Beschreibung der gesamten Œuvre von Ulrich Seidl eignen. Warum aber berühren die Outputs des antizipierten Österreichers den Betrachter in einem solch schmerzhaften Ausmaß? Warum schafft Seidl es immer wieder in leibeigener Perfektion, den Zuschauer in seinem charakteristischen Fasson bis an die Grenzen zu führen? Die Brandmarkung „schwierig“ ist in Bezug auf seine Werke natürlich von äußerst bequemer Beschaffenheit zu wählen, um aber bis zum tatsächlichen Kern vordringen zu können, benötigt der Zuschauer nicht nur willensstarkes Durchhaltevermögen, er benötigt auch die autorisierte Fähigkeit zur gesellschaftlichen Selbstreflexion, die sich eben auch direkt vor und hinter der ...
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"Marley" (USA 2012) Kritik – Das Leben einer unsterblichen Legende

"My heart can be hard as stone and yet soft as water" Es gibt immer wieder Künstler, die einen unsterblichen Status auf der Welt genießen dürfen. Bis in alle Ewigkeit wird man ihre Namen kennen, mit Situationen und Gefühlen in Verbindung bringen und ebenso in den schönen wie schweren Erinnerungen schwelgen. Es sind diese Künstler, die ganze Generationen beeinflusst, unzählige Menschen durch ihr Leben begleitet und sich auch gerne als letzter Halt in grauen Tagen erwiesen haben. Ein solcher Künstler ist auch der Jamaikaner Bob Marley, der wirklich jedem Menschen namentlich ein Begriff sein müsste, auch wenn man selber nicht genau weiß, was es nun mit diesem Menschen wirklich auf sich hat. Was natürlich auch in der heutigen Zeit also nicht fehlen darf, sind Dokumentationen über solche mus...
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"Jonas" (DE 2012) Kritik – Christian Ulmen muss die Schulbank drücken

"Wir sind hier nicht im Kasperle Theater!" „Streng dich in der Schule an, damit später mal was aus dir wird!“ Den Spruch werden wir sicher alle kennen, denn wie oft haben unsere Eltern oder Großeltern uns diesen Satz eingetrichtert, wenn man mal wieder keine Lust auf die Schule hatte, oder mit einer schlechten Note nach Hause kam. Mit dem heutigen Wissen werden wir wohl alle zugeben, dass sie natürlich Recht hatten, was natürlich auch eine Frage der Lebenserfahrung ist, nur als Kind oder Jugendlicher will man so was nicht hören und auch ganz bestimmt nicht einsehen. Mit Angst und Schrecken würde wahrscheinlich dennoch jeder Erwachsene reagieren, der gesagt bekäme, er müsse die Schulbank nochmal drücken. Nicht jeder. Christian Ulmen ist die Ausnahme, doch das dieser Mann keinerlei Schamgr...