Schlagwort: Französischer Film

Kritiken

"Die purpurnen Flüsse" (FR 2000) Kritik – Ein eiskalter Thriller

"Nicht vor Hunden muss man Angst haben, sondern vor den Besitzern." Der französische Regisseur Mathieu Kassovitz verfügt nicht nur über einen klangvollen Namen, sondern hat auch mit seinem Erstling 'La Haine' einen richtig starken Genrefilm abgeliefert, der mit Lob von allen Seiten regelrecht eingedeckt wurde. Im Jahr 2000 kehrte Kassovitz nach seinem gescheiterten zweiten Film 'Assassin(s)' zurück in die Kinos. Dieses Mal nahm er sich der Romanvorlage "Die purpurnen Flüsse" von Jean-Christophe Grangé an. Die Frage, die sich nun stellen musste war, ob Kassovitz dem düsteren und verstrickten Krimi gerecht werden könnte. Die Antwort erwies sich als eine gespaltene, denn 'Die purpurnen Flüsse' ist mit Sicherheit ein spannender Thriller, doch gerade das Ende bietet ein böses Erwachen. Insp...
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"MR73" (FR 2008) Kritik – Düstere Langeweile

"Gott ist ein Drecksack. Irgendwann bring ich ihn um." Vier Jahre nach seinem kommerziellen, aber enttäuschenden Erfolg '36 – Tödliche Rivalen', meldete sich Olivier Marchal wieder zurück. Mit dem Rückenwind seines letzten Films, der reichlich, wenn auch oft unverständliches, Lob nach sich ziehen konnte, inszenierte Marchal seinen nächsten Polizistenfilm. Er blieb seinem Genre also treu und besetzte die Hauptrollen ebenfalls wieder mit Daniel Auteuil. Mit dem düsteren Thriller 'MR73' machte er allerdings nicht wirklich etwas besser und verliert im Gesamteindruck sogar noch gegen '36 – Tödliche Rivalen'. Schneider war einmal einer der besten Elite-Cops der Pariser Mordkommission. Durch einige Schicksalsschläge und der Härte seines Berufs hat er den direkten Boden unter sich verloren. We...
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Klassiker-Tipp der Woche "Die Verachtung" (FR 1963) Kritik – Godards geschliffener Scherbenhaufen

"Zu wissen, was man nicht weiß, ist die Gabe des höheren Geistes." Jean-Luc Godard ist eines der prägendsten Gesichter der Filmgeschichte, und das nicht nur in Bezug auf das französische Kino. Nicht wenige Menschen halten ihn für die Speerspitze der Filmkunst. Nachvollziehbar und verständlich, wobei Godard in jedem Fall absolute Geschmackssache ist und nicht selten mehrere Anläufe braucht. Eine Sache ist jedoch unumstritten und glasklar: seine Filme sind immer etwas ganz besonderes und absolut einzigartig. Dieses Mal geht es in das Jahr 1963 und zu seinem vierten Langfilm 'Die Verachtung'. Jean-Luc Godard inszenierte ein künstlerisches Drama und zeigt darin seine Leidenschaft zum Kino und offenbart die Kraft des mächtigsten, aber auch brüchigsten Gefühls: der Liebe. Filmproduzent Jerem...
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"36 – Tödliche Rivalen" (FR 2004) Kritik – Ein zwiespältiges Duell

"Wer gibt dir das Recht mich so zu behandeln, Leo? Außer diesem Beruf hab ich nichts, verstehst du?" Olivier Marchal ist auch nach seinem Debütfilm 'Gangsters' aus dem Jahr 2002 eine kleine und unbekannte Nummer geblieben. Zwei Jahre später war das mit seinem zweiten Film '36 - Tödliche Rivalen' schon ganz anders. Sein Krimi mit französischer Topbesetzung wurde von allen Seiten gefeiert und auch der Titel „europäischer Heat“ wurde dem Film nicht nur einmal aufgelegt. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, die Enttäuschung im Nachhinein allerdings auch. '36 - Tödliche Rivalen' ist mit Sicherheit kein schlechter Krimi, allerdings ist der Film in seiner Qualität so weit entfernt von 'Heat', wie Marchal von der inszenatorischen Klasse eines Jean-Pierre Melville. Fahndungschef Leo Vrin...
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"Intimate Enemies" (FR 2007) Kurzkritik – Die französische Kriegshölle

Mit ruhigem Tempo und der richtigen Portionierung von Action und Brutalität erzählt "L'Ennemi intime" ein Stück französischer Kriegsgeschichte. Dabei wird auf Charakterentwicklung (genial Benoît Magimel), aber auch auf Authenzität, sehr viel Wert gelegt. Das Kamerateam rund um Regisseur Siri hat eine tolle Arbeit geleistet, denn die vielen düster schönen Landschaftsaufnahmen spiegeln perfekt die Kaltblütigkeit und Atmosphäre des Algerienkrieges wieder. Begleitet wird all das von Alexandre Desplats grandios dezentem Score. Zudem wird bravourös gezeigt, dass es im Krieg kein Gut und kein Böse gibt, denn mit der Zeit werden alle zu unkalkulierbaren Bestien. "L'Ennemi intime" wurde auch schon des öfteren mit "das französische Platoon" betitelt. Diesem Namen wird das Werk ohne Zweifel mehr al...
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"Enter the Void" (FR 2009) Kritik – Gaspar Noés spiritueller Rausch durch die Zeit

"Ich bin kein Junkie..." Die Jahre vergingen und es wurde still um Skandalregisseur Gaspar Noé. Nach 'Menschenfeind' und 'Irreversibel' hat Noé seinen Standpunkt in der Filmwelt deutlich klargemacht. Provokant, schonungslos und doch mitreißend. 2009, 7 Jahre nach 'Irreversibel', klopft Noé wieder an die Tür und hat seinen neusten Film 'Enter the Void' mit im Gepäck. 'Enter the Void' ist ein intensiver Drogenrausch, der den Zuschauer unaufhaltsam in seinen Sog zieht, allerdings einige schwere Längen mit sich bringt. Oscar und Linda waren lange Zeit getrennt, nun leben die Geschwister zusammen in Tokio. Sie strippt und er vertickt Drogen. Einer der Deals geht gehörig schief und Oscar wird auf einem versifften Klo erschossen. Sein Körper stirbt, doch sein Geist bleibt und schwebt durch di...
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"Der Chef" (FR 1972) Kritik – Ein letztes Wiedersehen mit Jean-Pierre Melville

"Ich warte 10 Sekunden. Wenn Sie mich dann nicht verstehen, werde ich andere Saiten aufziehen." Irgendwann kommt für jeden die Zeit der Trennung. Leider fragt das Schicksal dabei niemanden, ob man mit dieser Trennung einverstanden ist oder nicht. Aber wer würde diese Frage schon mit "Ja" beantworten? Vor allem wenn es um das geniale Duo Jean-Pierre Melville und Alain Delon geht? Niemand. Zwei Jahre nach dem Krimi-Meisterwerk 'Vier im roten Kreis' erleben wir 1972 in 'Der Chef' die letzte Zusammenarbeit der französischen Legenden. Melville inszeniert einen gewohnt hochspannenden Krimi, mit einem verboten coolen Alain Delon in der Hauptrolle. Wie man es von einem Film von Jean-Pierre Melville gewohnt ist, ist 'Der Chef' optisch perfekt. Trostlose und frostige Bilder mit feinem Blauton u...
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"Der Swimmingpool" (FR 1969) Kritik – In der Hitze der Nacht

Wenn echte Paare einen Film zusammen drehen, dann kann das in die verschiedensten Richtungen gehen. Da wären die unbeschreiblich peinlichen Vertreter ('Gigli', 'Swept Away') oder auch die großen Meisterwerke ('Eyes Wide Shut', 'Fargo'). Es liegt aber nicht immer an den Schauspielern allein, natürlich spielt auch der Regisseur eine große Rolle. Mit Jacques Deray hat 'Der Swimmingpool' von 1969 zwar keinen Meisterregisseur auf dem Stuhl sitzen, aber durchaus einen Könner. Dazu die Megastars und das damalige Liebespaar Alain Delon und Romy Schneider in der Hauptrolle und fertig ist ein atmosphärischer Thriller voller Erotik und brennender Hitze. Marianne und Jean-Paul verbringen ihren Liebesurlaub in einer Villa an der Côte d'Azur. Mit dem Besuch eines alten Freundes Henry und dessen frühr...
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"Endstation Schafott" (FR 1973) Kritik – Die Frage nach Gerechtigkeit

"Schießen, schießen! Weiter könnt ihr wohl nichts! Warum sprecht ihr nicht mit ihnen?!" Nicht nur die Unterhaltung sollte in Filmen zählen, sondern auch die Aussage. Der perfekte Film wäre natürlich ein unterhaltsamer mit ebenso nachhaltiger Wirkung durch seine Eindringlichkeit und Tiefe. Einer der Filme, die man mit Fug und Recht als unterhaltsam und aussagekräftig bezeichnen kann, ist José Giovannis Todesstrafen/Sozial-Drama 'Endstation Schafott' aus dem Jahre 1972. Besetzt mit den französischen Superstars Alain Delon und Jean Gabin inszenierte Giovanni eines der größten und wichtigsten Meisterwerke überhaupt. Grobe Bilder, mit all ihren Ecken und Kanten bestimmten 'Endstation Schafott'. Jean-Jacques Tarbet zeichnet ein durch und durch kaltes und graues Bild der fragwürdigen Gerechti...
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"Vier im roten Kreis" (FR 1970) Kritik – Das unaufhaltsame Schicksal

Autor: Pascal Reis "Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber sie bleiben es nicht." Heute war es wieder soweit. Ich habe mich auf die Reise direkt in das Jahr 1970 begeben. Alleine war ich zum Glück nicht. Ich hatte gute alte Bekannte dabei. Bekannte, auf die ich mich immer verlassen konnte. Bekannte, die es immer wieder schaffen, mich glücklich zu machen und restlos zu begeistern: Jean-Pierre Melville und Alain Delon. Zwei prägende Gesichter der französischen Filmkunst und zwei der besten in ihrem Fach. Wie erwähnt, begab ich mich ins Jahr 1970 und damit ist klar, dass die Rede vom Thriller 'Vier im roten Kreis' ist. Und wenn Melville und Delon einen Film zusammen machen, kommt dabei, wie könnte es anders sein, nichts Geringeres als ein großartiges Stück Filmgeschichte raus. Durch eine...