Schlagwort: David Lynch

Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Der Vorhang fällt
Amazon Prime, Drama, Kritiken

Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Der Vorhang fällt

Hey, pretty girl, time to wake up. 1999 standen die verwirrten Fragezeichen mal wieder über den Köpfen des Zuschauers. Wenn man nun noch die Information erhält, dass es sich in diesem Jahr um einen Film von Regisseur David Lynch handelte, dann sollte der Groschen gefallen sein, doch dieses Mal war es vollkommen anders. Mit seinem Road-Movie-Drama The Straight Story, in dem David Lynch Richard Farnsworth einen großen Auftritt schenkte, ging der Filmemacher einen sensiblen und philosophischen Weg, der über das Leben und das Alter erzählte und in jeder Szene pures Gefühl übertragen konnte. Seltsam daran ist auf den ersten Blick natürlich gar nichts und auch dieser Film ist bis heute ein besonderes Stück Kino, doch betrachtet man die gesamte Filmografie von Mr. Lynch, dann ist die Überrasch...
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Klassiker-Tipp der Woche "Der Elefantenmensch" (USA/GB 1980) Kritik – Die Geschichte einer endlosen Sehnsucht

"Ich bin kein Monster! Ich bin ein menschliches Wesen!" Inzwischen sollte bei jedem interessierten Filmfan angekommen sein, dass David Lynch nicht nur für verstörenden und unerklärlichen Surrealismus steht, sondern, dass er auch die leisen und unaufdringlichen Töne toll beherrscht. Zuletzt bewies er das 1999, mit dem schönen Drama 'The Straight Story'. Aber auch schon im Jahre 1980 inszenierte Lynch mit 'Der Elefantenmensch' einen sensiblen und gefühlvollen Film. Natürlich hatte David Lynch in diesem Jahr noch nicht ansatzweise den Bekanntheitsgrad wie heute und war nach einigen Kurzfilmen und seinem ersten Spielfilm 'Eraserhead' noch im Dunkeln geblieben. Ausgerechnet Spaßvogel Mel Brooks nahm sich Lynch an und half ihm dabei, sein Drama zu verwirklichen, mit dem David Lynch voll und g...
Filme, Kritiken, Retro

"Eraserhead" (USA 1977) Kritik – Mitternachtskino voller Angst und verschwommener Realität

"I’m losing my mind." David Lynch hat sich schon früh einen Namen machen können. Mit seinen Kurzfilmen wie 'The Alphabet', die in jedem Fall sehr experimentell und eigen waren, wies er uns in die Richtung, in die wir später noch einige Male mit ihm zusammen beschreiten würden. Die Zeit für den ersten großen Spielfilm musste natürlich auch kommen und sollte im Jahr 1977 seinen Weg an die Öffentlichkeit finden. 'Eraserhead' ist das genaue Bindeglied zwischen Lynchs Kurzfilmen und den darauffolgenden Meisterwerken. Lynch zeigte uns dieses Mal in knapp 90 Minuten genau das, was schon bei 'The Alphabet' für Kopfzerbrechen gesorgt hatte: düsterster Surrealismus in Reinform. Henrys Leben gleicht einem trostlosen Trümmerhaufen. Das einzige was ihm vorerst noch bleibt ist seine schwangere Freu...
Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm "The Alphabet" (USA 1968) – David Lynchs erster Alptraum

A B C. A B C. A B C. A B C. A B C. A B C. A B C. Eine richtige Handlung besitzt 'The Alphabet' nicht. Den Gerüchten zufolge, soll David Lynch seine Schwester darum gebeten haben, ihm ihren schlimmsten Alptraum zu schildern. Nach seinem ersten sehr stumpfen Kurzfilm 'Six Men Getting Sick', weist uns David Lynch mit seinem zweiten Kurzfilm schon indirekt den Weg auf das, was wir später noch des Öfteren von ihm erleben werden. Erklären kann man das Ganze hier sicher nicht, man kann es versuchen. Man kann interpretieren, philosophieren und große Sprüche reißen. Doch am Ende geht es uns allen gleich und die Frage nach dem wahren Inhalt oder gar einer Aussage, weiß, wenn überhaupt, nur Lynch selber. In drei Minuten zieht uns Lynch direkt in seine eigene Welt. Wir werden von Kinderstimmen ein...
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"The Straight Story" (USA 1999) Kritik – Der Weg ist das Ziel

"Das Schlimmste am Altwerden ist die Erinnerung an die Jugend." David Lynch hat sich schon längst seinen ganz eigenen Ruf gemacht. Mit "normalen" Filmen hat es der gute Mann nicht unbedingt und spaltet Publikum wie Kritiker immer wieder aufs Neue. Die Ausnahme bildet das Drama 'Der Elefantenmensch', der wohl Lynchs zugänglichsten Film darstellt. Die Rede ist eher von Sachen wie 'Eraserhead', 'Blue Velvet' und 'Lost Highway', bei denen Lynch die Zuschauer an die eigenen Grenzen führte und den Surrealismus in einer unnachahmlichen Komplexität ausreizte. Im Klartext: entweder man liebt Lynch, oder man hasst ihn und seine extremen Verwirrspiele. 1999 schlug er wieder einen anderen Weg ein und hat sich an ein Projekt gewagt, mit vollkommen chronologischem Verlauf und dazu auch noch familient...
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"Wild at Heart" (USA 1990) Kritik – Eine unsterbliche Liebe und grenzenlose Abgründe

"Die Welt hat ein wildes Herz und ist total verrückt geworden!" Das Jahr 1990 war ein ganz besonderer Höhepunkt im Schaffen von David Lynch. Bei den Filmfestspielen von Cannes konnte er für seine Road-Movie-Romanze 'Wild at Heart' die begehrte goldene Palme entgegen nehmen. Lynch war 1990 schon ein bekanntes und umstrittenes Gesicht in der Welt und mit Filmen wie 'Der Elefantenmensch' und 'Blue Velvet' schrieb er zuvor schon Geschichte. 'Wild at Heart' kann dieser vorherigen Qualität zwar nicht ganz standhalten und Lynch inszeniert einen wilden wie abgründigen Film, kann aber über einige Längen nicht hinwegsehen wirkt gelegentlich zu unausgegoren. Visuell spielt der Film natürlich in der ersten Liga. Die groben, trockenen und gerne auch düsteren Bilder passen sich der Grundstimmung des...
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"Blue Velvet" (USA 1986) Kritik – Das Grauen der Vorstadt

"Es ist eine fremde, seltsame Welt, was?" David Lynch ist in der großen, weiten Filmwelt einer der außergewöhnlichsten Regisseure überhaupt. Nicht selten lässt er sein Publikum mit großen Fragezeichen über dem Kopf und verärgert vor dem Bildschirm zurück. Im Gegensatz zu seinen treuen Anhängern, die genau diese unglaubliche Verwirrung lieben und bei jeder erneuten Filmsichtung einen versteckten Denkwinkel und Interpretationsansatz entdecken. Lynch gibt uns in jedem Fall genügend Diskussionsstoff. Mit 'Blue Velvet' aus dem Jahr 1986 inszeniert der Meister des Surrealen zwar keinen derartigen Schädeltritt wie mit 'Lost Highway' oder 'Mulholland Drive', füttert seine Fangemeinde aber mit einem alptraumhaften Ritt quer durch unsere schwarzen Seelen. Wir schwanken zwischen der glänzend-schi...
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"Lost Highway" (USA 1997) Kritik – David Lynch im Zenit seines Schaffens

Fred Madison: Andy, who is that guy? Andy: I don't know his name. He's a friend of Dick Laurent's, I think. Fred Madison: Dick Laurent? Andy: Yeah, I believe so. Fred Madison: But Dick Laurent is dead, isn't he? Höllisch unheimlich, verdammt aufwühlend, albtraumhaft, spannend über die Grenze des Erträglichen hinaus und ein Mensch der verloren ist. Ich weiss gerade nicht, was ich sagen soll. Eines aber ist klar, David Lynch hat mich mit seinem wohl am schwersten verdaubaren Film 'Lost Highway' erneut in eine Stimmung gebracht, die sonst keiner aufzubauen vermag. Ich habe geschwitzt, ich hatte panische Angst und das ist nur einer Tatsache zu verdanken. 'Lost Highway' erlaubt sich keine Fehler, denn würde Lynch nur an einer Ecke einen Tick falsch agieren, der Film würde nicht mehr wirken. ...