Drama

Kritik zu „Alpha“: Der neue Filmrausch von Julia Ducournau
Drama, DVD & Bluray, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film

Kritik zu „Alpha“: Der neue Filmrausch von Julia Ducournau

Kritik von Hendrik Warnke – erstmals zu lesen am 16. Januar 2026. Unmögliche Aufarbeitung: Alpha von Julia Ducournau Alpha ist ein Flop, so weit kann man wohl schon gehen. Einerseits finanziell: Mit rund 820.000 Euro Einspielererlös an den französischen Kinokassen hinkt er nicht nur Julia Ducournaus hervorragendem Debüt Raw hinterher, er schafft es  auch gerade einmal auf rund ein Drittel des Einspielergebnisses von Ducournaus letztem Film, dem Palme d’Or-Gewinner Titane. Und andererseits auch in der öffentlichen Meinung: Eine 5,9 auf IMDb, 6,4 auf Letterboxd, 56 % auf Rotten Tomatoes und unter den größten Enttäuschungen des Jahres vieler Kritiker*innen. „Mit Abstand ihr schlechtester Film. […] Ständig dreht sie sich im Kreis, bis das letzte bisschen Publikumsinteresse aus dem Kino ged...
Kritik zu „Die Odyssee“: Christopher Nolans Irrfahrt
Abenteuer, Action, Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino

Kritik zu „Die Odyssee“: Christopher Nolans Irrfahrt

Kritik von Philippe Paturel "Promise me you will come back." Es ist Penelope (Anne Hathaway), die diesen Satz zu ihrem Mann Odysseus (Matt Damon) sagt, sein Gesicht in ihre Hände genommen, kurz bevor er in den Trojanischen Krieg zieht. Wenige Sätze fassen den emotionalen Kern von Homers Jahrtausende altem Literaturepos so knapp zusammen wie dieser, auch wenn die Odyssee eigentlich um weit mehr kreist als nur um das Versprechen der Wiederkehr. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus zehn Jahren Krieg kommt und erst noch einmal zehn weitere Jahre braucht, um überhaupt wieder nach Hause zu finden – nicht nur geografisch, sondern auch als Mensch, der lernen muss, jemand anderes zu sein als der Krieger, der Troja in Schutt legte....
Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama
Aktuelle Filmnews, Demnächst im Kino, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film

Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama

Kritik von Michael Gasch – gesehen im Rahmen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Würde ich dich anlügen? - Gentle Monster von Marie Kreutzer Wenn ein Film mit dem musikalischen Klassiker "Would I Lie To You?" von Charles & Eddie beginnt, könnte man das entweder als Zeichen einer zynischen Romanze oder eines zwischenmenschlichen Dramas deuten. Gentle Monster verortet sich im zweiten Kontext und rahmt diese Fangfrage über Vertrauen in ein familienpsychologisches Porträt, in dem der Vorwurf der Kinderpornographie im Raum steht. Zwar wird dieser Begriff den Algorithmen im Internet gar nicht gefallen und doch muss unbedingt über diesen Film gesprochen werden. Nicht nur geht es um eine Familie, die von einem Tag auf den anderen in Trümmern liegt, sondern auch um die große ...
Kritik zu „Manhunter – Roter Drache“: Die Geburt einer Bildsprache
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Il Cinema Ritrovato Bologna, Krimi, Thriller

Kritik zu „Manhunter – Roter Drache“: Die Geburt einer Bildsprache

Kritik von Marc Trappendreher - gesehen beim Festival Il Cinema Ritrovato Bologna Michael Manns Manhunter in 4K – Die Geburt einer Bildsprache Bologna 2026: Wenn am späten Abend die Piazza Maggiore langsam dunkel wird und sich das Publikum vor der gewaltigen Leinwand unter freiem Himmel versammelt, entsteht beim Il Cinema Ritrovato jedes Jahr aufs Neue jener seltene Moment, in dem Filmgeschichte zur Gegenwart wird. In den Kinosälen der gesamten Stadt, zwischen restaurierten Stummfilmen, wiederentdeckten Klassikern und aufwendig rekonstruierten Archivfassungen, wird das Kino hier lebendig gehalten. Zu den besonderen Wiederbegegnungen der diesjährigen Ausgabe gehört Michael Manns Manhunter (1986), der in einer neuen 4K-Restauration präsentiert wird. Fast vier Jahrzehnte nach seiner Entst...
Kritik zu „Nouvelle Vague“: Richard Linklaters Godard-Film
Biografie, Drama, DVD & Bluray, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film, Komödie

Kritik zu „Nouvelle Vague“: Richard Linklaters Godard-Film

Kritik von Philippe Paturel – erstmals zu lesen am 18. Mai 2025, gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. "Zum Glück liebt die Kamera die beiden." Die Magie des künstlerischen Austauschs zu beobachten, wenn Agnès Varda bei einer Tasse Kaffee mit Jean-Luc Godard plaudert; mitzuerleben, wie Godard aus dem Pariser Kino Le Champo kommt; oder zu sehen, wie die Kameraarbeit im Guerrilla-Stil zur Anwendung kam; oder, oder, oder… Nouvelle Vague ist wirklich ein purer nostalgischer Kinogenuss. Und wer hätte die 20 Drehtage von Außer Atem mit mehr Spontaneität, Lebendigkeit und Authentizität nachstellen können als Richard Linklater? Der US-amerikanische Regisseur ist bekannt für dialoglastige Werke wie die Before-Trilogie, mit denen er sein Gespür für...
Kritik zu „Ein Kuchen für den Präsidenten“: mit bittersüßem Geschmack
Asiatischer Film, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken

Kritik zu „Ein Kuchen für den Präsidenten“: mit bittersüßem Geschmack

Kritik von Margarita Eliseeva – erstmals zu lesen am 27. Oktober 2025, gesehen im Rahmen des Filmfests Hamburg 2025. Der Kuchen mit bittersüßem Geschmack: Ein Kuchen für den Präsidenten von Hasan Hadi Kino aus dem Irak – wer rechnet schon mit einem solchen Unikat? Doch bei der Quinzaine des cinéastes, der Parallelsektion zum Festival de Cannes, lief zum ersten Mal in der Festivalgeschichte ein Film aus diesem Land: The President´s Cake, auf Deutsch Ein Kuchen für den Präsidenten. Das auch mit großem Erfolg. Denn nicht nur der Publikumspreis der entsprechenden Sektion in Cannes ging an den Film – auch der begehrte Preis für das beste Debüt, die Caméra d’Or, ging in den Irak. Der Regisseur von Ein Kuchen für den Präsidenten, Hasan Hadi, wollte schon seit seiner Kindheit Filmemacher wer...
Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt
Action, Aktuelle Filmnews, Demnächst im Kino, Drama, Filmkritiken

Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt

Kritik von Julian Bonsu Eine etwas andere Neuinterpretation: The Death of Robin Hood von Michael Sarnoski Fast seit der Geburt des Kinos ist Robin Hood eine Schlüsselfigur der Leinwand. Über die Jahre schlüpften schon Größen wie Errol Flynn, Sean Connery, Kevin Costner und Russell Crowe in die Rolle des gutherzigen Banditen und Bogenschützen. Mit dem diesjährigen Film, The Death of Robin Hood, hat Michael Sarnoski (A Quiet Place: Tag Eins) erneut einen Lebensabschnitt der berühmten Legende für die Leinwand adaptiert – dieses Mal mit Hugh Jackman als Held. Interessanterweise wird dieses berühmte Heldentum hier infrage gestellt, und Robin Hoods finales Kapitel wird mit einer ernsten, weitaus düsteren Wendung erzählt. Für diese Dekonstruktion der Ikone ließ sich Sarnoski von einer englis...
Kritik zu „Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid
Aktuelle Filmnews, Demnächst im Kino, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Komödie

Kritik zu „Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid

Kritik von Julian Bonsu Zurück in Madrid: Bitteres Fest von Pedro Almodóvar Keine zwei Jahre nach seinem englischsprachigen Spielfilmdebüt, The Room Next Door, kehrt Pedro Almodóvar mit seinem neuen Film, Bitteres Fest (Amarga Navidad), in die Kinos zurück - dieses Mal wieder in seiner Muttersprache Spanisch. Für Fans von Almodóvars skurriler, gefühlvoller und bunter Welt ist Bitteres Fest wortwörtlich ein Fest für die Sinne. Endlich kann man für circa zwei Stunden wieder in das sinnliche Madrid seiner Filmwelt eintauchen, in kraftvollem Rot baden und in Alberto Iglesias wunderbar opulenter Filmmusik schwelgen. In der Tat sind diese Eigenschaften, zusammen mit der Darstellung von tiefem Drama in Kombination mit komischem Humor, schon seit Jahrzehnten zu Erkennungsmerkmalen eines Almod...
Kritik zu „Leaving Las Vegas“: Bilder des langsamen Abstiegs
Aktuelle Filmnews, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken

Kritik zu „Leaving Las Vegas“: Bilder des langsamen Abstiegs

Kritik von Marc Trappendreher Bilder des langsamen Abstiegs: Leaving Las Vegas neu auf 4K Blu-ray Leaving Las Vegas ist ein Werk von nahezu asketischer Konsequenz, das jede Form von Trost verweigert und sich stattdessen der schonungslosen Darstellung eines selbstgewählten Abstiegs verschreibt. Mike Figgis’ Film aus dem Jahr 1995 ist die Erzählung eines langsamen, unaufhaltsamen Verlöschens – ein filmisches Requiem, das den Zuschauer nicht loslässt, weil es keine einfachen Antworten kennt und keine Rettung verspricht. Im Zentrum steht die radikale Selbstzerstörung des Protagonisten Ben Sanderson, der beschließt, in Las Vegas zu trinken, bis er stirbt. Dieses Vorhaben wird weder psychologisch erklärt noch moralisch kommentiert. Figgis verzichtet auf dramatische Zuspitzungen im konventio...
Kritik zu „Blue Moon“: Ethan Hawke am Broadway
Berlinale, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken, Musical

Kritik zu „Blue Moon“: Ethan Hawke am Broadway

Kritik von Hendrik Warnke – erstmals zu lesen am 18. Februar 2025, gesehen im Rahmen der 75. Berlinale. Richard Linklater (zuletzt A Killer Romance) ist schon wieder mit einem neuen Film zurück. Mal wieder im Doppelpack mit Ethan Hawke (Before-Trilogie, Boyhood), mal wieder als kontinuierliche Handlung innerhalb von ein paar Stunden, aber dafür erstmals in den Vierzigern. Genauer gesagt ist es der 31. März 1943. Das Musical Oklahoma! von Richard Rodgers und Oscars Hammerstein hat gerade seine Premiere im legendären St. James Theatre in New York hinter sich und steht am Anfang seines Erfolgs. Einige Straßen weiter in Sardi’s Bar sitzt Rodgers’ alter Partner Lorenz Hart und sinniert über die Liebe, das Leben und die Kunst. Welcher Satz ist der schlechteste in Casablanca? War das Leben...