Drama

Kritik zu „Possible Love“: Lee Chang-dong und die Macht der Kamera
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Kritik zu „Possible Love“: Lee Chang-dong und die Macht der Kamera

Kritik von Philippe Paturel  - gesehen beim Festival Lumière Lyon 2026 Wer die Kamera hält, hält die Wahrheit - Possible Love von Lee Chang-dong „Bin ich legitimiert, diese Geschichte zu erzählen?“ – „Bin ich nah genug dran?“ – Diese Fragen habe er sich immer wieder gestellt, sagte Lee Chang-dong nach der gestrigen Vorführung von Possible Love beim Festival Lumière in Lyon. Es sind keine Floskeln eines bescheidenen Regisseurs. Es sind die Fragen, um die sein ganzer Film kreist. Acht Jahre nach Burning kehrt der südkoreanische Regisseur mit einer Geschichte zurück, die auf einer offenen Wunde seines Landes beruht. 2009 entließ der Autobauer SsangYong Motor im Zuge einer Umstrukturierung mehr als 2.000 Beschäftigte. Die Arbeiter besetzten das Werk 77 Tage lang. Am Ende stürmte die Poliz...
Kritik zu „The Wolf of Wall Street“: erstmals auf 4K Blu-ray
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Kritik zu „The Wolf of Wall Street“: erstmals auf 4K Blu-ray

Kritik von Marc Trappendreher Martin Scorsese und die Anziehungskraft des Geldes – The Wolf of Wall Street erstmals auf 4K Blu-ray Es gibt nur wenige Filme des amerikanischen Gegenwartskinos, die so häufig missverstanden wurden wie Martin Scorseses The Wolf of Wall Street. Kaum ein anderer Film der vergangenen Dekade musste sich den Vorwurf gefallen lassen, die moralische Verwahrlosung seines Protagonisten zu verherrlichen. Dabei verkennt dieser Einwand den eigentlichen Kunstgriff der Inszenierung. Scorsese urteilt nicht über Jordan Belfort – er liefert den Zuschauer zunächst vollständig dessen Welt aus. Er macht die Mechanismen der Verführung nicht sichtbar, indem er sie von außen kommentiert, sondern indem er sie erfahrbar macht. Die außergewöhnliche Qualität dieses Films liegt darin...
Kritik zu „Wild Horse Nine“: Zwei CIA-Agenten auf der Osterinsel
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Kritik zu „Wild Horse Nine“: Zwei CIA-Agenten auf der Osterinsel

Kritik von Julian Bonsu In Topform, was auch sonst: Wild Horse Nine von Martin McDonagh Martin McDonagh ist bekannt für seine beißfreudigen schwarzen Komödien, die zugleich als Kritik an politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Problemen und Verwerfungen dienen. In seinem letzten Film The Banshees of Inisherin (2022) schilderte er die wehmütige Auflösung einer Freundschaft, die an verletztem Stolz zerbricht. Dieser Film lässt sich als Allegorie für den irischen Bürgerkrieg lesen, der das Land in den 1920er-Jahren zerspaltete. Und sein Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri aus dem Jahr 2017 kommentiert die Ungerechtigkeiten (Polizeiversagen, Korruption) im Umgang mit der Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau im ländlichen Missouri. Mit seinem neuesten Werk Wild...
Kritik zu „Tangles – Durcheinander“: Demenz in Schwarz-Weiß
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Kritik zu „Tangles – Durcheinander“: Demenz in Schwarz-Weiß

Kritik von Michael Gasch – gesehen im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig Sentimentalität in Schwarz-Weiß - Tangles von Leah Nelson Wir schreiben das Jahr 1999: Sarah (Stimme im Original: Abbi Jacobson) kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter (Stimme: Julia Louis-Dreyfus) beizustehen. In einem schwarz-weißen Animationsstil, der an Graphitzeichnungen erinnert, erzählt der Film fortan Alltagsgeschichten und taucht dabei tief in Kindheitserinnerungen ein, ganz im Stil des Slice-of-Life-Genres, das unspektakuläre Momente des gewöhnlichen Lebens in den Mittelpunkt stellt. Damit wäre Tangles konzeptionell wie auch narrativ bereits ausreichend festgehalten. Und doch gibt es noch mehr über diese liebevolle, zuweilen aber auch recht sentimental erzählte Geschicht...
Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt
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Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt

Kritik von Julian Bonsu – erstmals zu lesen am 12. Juni 2026. Eine etwas andere Neuinterpretation: The Death of Robin Hood von Michael Sarnoski Fast seit der Geburt des Kinos ist Robin Hood eine Schlüsselfigur der Leinwand. Über die Jahre schlüpften schon Größen wie Errol Flynn, Sean Connery, Kevin Costner und Russell Crowe in die Rolle des gutherzigen Banditen und Bogenschützen. Mit dem diesjährigen Film, The Death of Robin Hood, hat Michael Sarnoski (A Quiet Place: Tag Eins) erneut einen Lebensabschnitt der berühmten Legende für die Leinwand adaptiert – dieses Mal mit Hugh Jackman als Held. Interessanterweise wird dieses berühmte Heldentum hier infrage gestellt, und Robin Hoods finales Kapitel wird mit einer ernsten, weitaus düsteren Wendung erzählt. Für diese Dekonstruktion der Iko...
Kritik zu „Geister“: Fatih Akin zurück in Hamburg
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Kritik zu „Geister“: Fatih Akin zurück in Hamburg

Kritik von Julian Bonsu Zurück in der Heimatstadt Hamburg: Geister von Fatih Akin “Nicht umdrehen, sonst weinen euch die Geister nach.” Mit diesen Worten leitet Fatih Akin seinen neusten Film, die gespenstische Liebesgeschichte Geister, ein. Diese erste Szene, die eine trauernde Familie an einem Hamburger Friedhof zeigt, ist wie in vielen Filmen von Fatih Akin, sehr verheißungsvoll. Nach den beschaulichen Stranddünen und der eher konventionellen Handlung seines letzten Films, dem Coming-of-Age-Drama Amrum (2025), ist dieser Auftakt eine vielversprechende und willkommene Rückkehr zu seinen einzigarten künstlerischen Wurzeln. Auch die Prämisse ist mitreisend: Geister handelt von einer jungen Liebe, die durch eine Tragödie auseinandergerissen wird, und von den Toten, die vierzig Tage lang...
Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama
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Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 22. Mai 2026, gesehen im Rahmen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Würde ich dich anlügen? - Gentle Monster von Marie Kreutzer Wenn ein Film mit dem musikalischen Klassiker "Would I Lie To You?" von Charles & Eddie beginnt, könnte man das entweder als Zeichen einer zynischen Romanze oder eines zwischenmenschlichen Dramas deuten. Gentle Monster verortet sich im zweiten Kontext und rahmt diese Fangfrage über Vertrauen in ein familienpsychologisches Porträt, in dem der Vorwurf der Kinderpornographie im Raum steht. Zwar wird dieser Begriff den Algorithmen im Internet gar nicht gefallen und doch muss unbedingt über diesen Film gesprochen werden. Nicht nur geht es um eine Familie, die von einem Tag auf den anderen in Trümmer...
Kritik zu „Wie ein wilder Stier“: Der beste Boxerfilm neu in 4K
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Kritik zu „Wie ein wilder Stier“: Der beste Boxerfilm neu in 4K

Kritik von Marc Trappendreher Der beste Boxerfilm aller Zeiten – Martin Scorseses Wie ein wilder Stier erstmals auf 4K Blu-ray Ein Boxring ist ein seltsamer Ort. Er ist Bühne und Schlachthaus zugleich, ein Raum, in dem jede Bewegung beobachtet wird und jeder Treffer ein Gewaltakt ist. Schweiß, Blut und Blitzlicht verschmelzen zu einem Schauspiel, dessen Brutalität sich nicht allein in den Schlägen offenbart, sondern in den Gesichtern der Menschen, die sie austeilen und ertragen. Martin Scorseses Wie ein wilder Stier (Raging Bull, 1980) beginnt genau dort, wo andere Boxerfilme enden: nicht mit dem Triumph eines Helden, sondern mit der Einsamkeit eines Mannes, der sich längst selbst zum härtesten Gegner geworden ist. Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Premiere erscheint dieses außergew...
Kritik zu „Wege zum Ruhm“: Der Antikriegsklassiker neu in 4K
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Kritik zu „Wege zum Ruhm“: Der Antikriegsklassiker neu in 4K

Kritik von Marc Trappendreher Stanley Kubricks kompromisslose Anklage gegen den Krieg – Wege zum Ruhm erstmals auf 4K Blu-ray Ein Schützengraben trennt Leben und Tod oft nur durch wenige Meter Erde. Über den Köpfen schlagen Granaten ein, unter den Füßen verwandelt sich der Boden in Schlamm, Blut und Angst. Wer hier überlebt, verdankt es selten Mut oder strategischer Überlegenheit, sondern meist dem Zufall. Der Krieg kennt keine Gerechtigkeit – nur Hierarchien. Kriege werden von Generälen geplant, aber von Soldaten bezahlt. Kaum ein Film hat diese einfache Wahrheit mit größerer Klarheit formuliert als Stanley Kubricks Wege zum Ruhm (Paths of Glory, 1957). Nicht der Kampf gegen den Feind steht hier im Mittelpunkt, sondern die erbarmungslose Logik eines Systems, das seine eigenen Soldaten...
Kritik zu „Everytime“: Der Überraschungsfilm des Jahres
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Kritik zu „Everytime“: Der Überraschungsfilm des Jahres

Kritik von Julian Bonsu Der bisherige Überraschungsfilm des Jahres: Everytime von Sandra Wollner Nach dem tragischen Tod ihrer jugendlichen Tochter Jessie leidet Ella unter unvorstellbarer Trauer. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Kind Melli und Jessies Freund Lux schlägt sie sich durch das Leben in Berlin und später im Urlaub auf den Kanarischen Inseln, wobei alle drei auf ihre eigene Weise versuchen, ihren Verlust zu bewältigen. Sie versuchen nach vorne zu blicken, wollen aber auch die Vergangenheit nicht loslassen. Die Zeit verschwimmt und nimmt allmählich die Form einer Gespenstergeschichte an. Eine Geschichte, so traurig und schön, dass sie noch lange nach dem Abspann nachwirkt. Mit Everytime hat Sandra Wollner den vielleicht eindringlichsten Film des Jahres geschaffen. „Ist das das g...