Kritik: Der Grinch (USA 2018)

Der Grinch 2018 Film Kritik Review

„Heute werden wir gemeine Dinge tun.“

1957 wurde Dr.Seuss‘ Kinderbuch Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat veröffentlicht. 1966 folgte ein animierter Kurzfilm von Chuck Jones, der mit dafür verantwortlich war, dass die Looney Tunes aus dem Hause Warner zum Kult wurden. Dieser Kurzfilm gilt vor allem in den Vereinigten Staaten als absoluter Weihnachtsklassiker, der auch heute noch gerne zitiert wird und immer noch über eine popkulturelle Referenz verfügt, die im Jahr 2000 durch Der Grinch von Rush-Regisseur Ron Howard und mit Jim Carrey in der Hauptrolle noch einmal unter Beweis gestellt wurde. Nun bringen Illumination, die Macher der Minions, eine weitere Verfilmung in die Kinos, die in den USA bereits äußerst erfolgreich gestartet ist.

Die Grundgeschichte ist immer noch die gleiche wie 1957, 1966 oder 2000. Der grüne, pelzige Grinch ist ein echter Miesepeter, der auf einem Berg in der Nähe der Stadt Whoville wohnt, gemeinsam mit seinem Hund Max. Wie jedes Jahr feiern die Bewohner von Whowille das Weihnachtsfest in Saus und Braus. Bunte Lichter, pompöse Dekorationen und vor allem diese penetrante, gute Laune nerven den Grinch so sehr, dass er den Entschluss fasst, den Whos ihr Weihnachtsfest zu stehlen. Ein diabolischer Plan, der gute Vorbereitung und eine professionelle Ausführung erfordert.

Dr. Seuss, aus dessen Feder auch bekannte Werke wie Der Lorax oder Ein Kater macht Theater stammen, kritisierte mit seiner Kurzgeschichte die Kommerzialisierung von Weihnachten. Ein Aspekt der Handlung, der bereits bei Ron Howards Version nur wenig Bestand hatte und nun bei Illumination auch nur stiefmütterlich behandelt wird. Der Animationsfilm von Yarrow Chenow und Scott Mosier zielt auf das kindliche Publikum ab, füttert es mit satten Farben, einer einfachen Dramaturgie und verständlichen Pointen. Es geht um Spaß, knuddelige Figuren und Kurzweil. Da ist leider kein Raum für eine Reflexion über das Fest der Feste in unserer heutigen Zeit.

Für ältere Semester fällt der neue Grinch damit wohl deutlich ab, da der Biss und die Häme von Dr. Seuss teils schmerzlich fehlt. Darüber hinaus verläuft die Story des Films die meiste Zeit auf zwei Bahnen. Zum einen gibt es den Titelschurken und dann ist da noch die junge Cindy, die versuchen will Santa Clause zu fangen, um ihn darum zu bitten ihrer alleinerziehende Mutter zu helfen. Diese zwei Storylines laufen parallel zueinander, unterstützen sich dadurch aber nicht. Größtenteils wirkt es, als ob Illumination zwei Weihnachtsfilme in einen gestopft hat. Dabei erfüllt jeder Strang bestimmte Aufgaben: Beim Grinch steht vor allem die Komik in Zentrum, bei Cindy setzen die Macher hingegen voll und ganz auf Niedlichkeits-Faktor. Beide Attribute werden leider immens geschröpft, sodass es rasch zu einer Übersättigung kommt. Nach 86 Minuten Der Grinch fühlt man sich beinah so, als ob man bei Mutti an Weihnachten zu viel Braten und Klöße verspeist hat und jetzt noch aus Höflichkeit ein großes Stück Sahnetorte herunterwürgt.

Kinder dürfte das wohl nicht stören und genau für die ist dieser Animationsfilm auch gemacht und geeignet. Die dürften sich wohl auch nicht daran stören, dass die Qualität der Animation, wie immer bei Illumination, zwar ganz gut, aber eben auch weit entfernt ist von dem Standard des großen Konkurrenten Disney Pixar. Auch sollte den jungen Zuschauern es wohl herzlich egal sein, dass in der deutschen Fassung Ur-Komiker Otto Waalkes den Grinch spricht.

Tatsächlich ist das gar nicht mal so schlimm. Otto Waalkes bleibt zwar Waalkes, aber zumindest bleiben wir von größeren Nervereien des Ostfriesen verschont. Da waren andere Animationsfilme mit seiner Stimme (ja, gemeint sind die Ice Age-Filme) wesentlich schlimmer. Dennoch stellt sich die Frage, warum Universal Deutschland ihn wählt, immerhin wird der grüne Grantler im Original von Sherlock– und Doctor Strange-Darsteller Benedict Cumberbatch gesprochen. Wohl der stimmlich zweitbeste Grinch nach Horror-Legende Boris Karloff aus dem Jahre 1966. Die Wahl von Otto Waalkes lässt sich wohl mit seiner Bekanntheit und Beliebtheit bei Kindern erklären. Egal ob Weihnachten oder Filme, es geht halt immer um Kommerz. Dr. Seuss hätte mit diesem Grinch wohl nur wenig Freude.

Der Grinch startet am 29. November 2018 deutschlandweit in den Kinos.

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