Kritik: Der Mieter (FR 1976)

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Selbstmord werde ich nie verstehen, dass man so was macht finde ich unbegreiflich. Ich kann es mir nicht vorstellen.

Thema Okkultismus mit all seinen Facetten und dunklen Geheimnissen war schon immer ein Thema im Leben von Roman Polanski. Mit Filmen wie Rosemary’s Baby, Ekel und Die neun Pforten hat er das mehrere Male gezeigt. Doch auch in seinem Privatleben wurde seine Frau Sharon Tate von der satanistischen Manson Family kaltblütig und hochschwanger ermordet. Mit diesem tragischen Ereignis wird Roman Polanski bis an sein Lebensende in Verbindung bleiben und unweigerlich auch ein dramatisches Stück dieser dunklen Magie sein. Die drei genannten Meisterwerke sind jedoch nicht Roman Polanskis einzige Ausflüge in das Okkult-Genre. 1976 inszenierte er den Film Der Mieter, ein heute viel zu unbekanntes Werk, und brachte damit den Abschluss seiner ganz eigenen „Mieter“-Trilogie heraus.

Der sensible und schüchterne Trelkovsky zieht in eine Pariser Mietswohnung, in dem die Vormieterin aus dem Fenster gesprungen ist und nun ihre letzten Stunden in einer Klinik verbringt. Trelkosky mag die Wohnung und darf sie schließlich auch beziehen. Doch er gerät immer weiter unter den Verdacht, dass die weiteren Mieter ihn in die Rolle der weiblichen Vormieterin drängen wollen.

Dass Roman Polanski ein guter Schauspieler ist, hat er auch schon vorher in der Komödie Tanz der Vampire als Alfred bewiesen. In Der Mieter übernahm Roman Polanski erneut eine Rolle in einem eigenen Film, die des unauffälligen Trelkovsky, eine Idealbesetzung. Mit zaghaftem und unaufdringlichem Schauspiel füllt Roman Polanksi den introvertierten Charakter des jungen Mannes problemlos aus. Und auch die verzweifelten Ausbrüche, die sich erst im letzten Drittel des Films einschleichen, spielt er stark aus. In starken Nebenrollen ist unter anderem die brillante Isabelle Adjani (Possession) zu sehen.

Die Mieter-Trilogie dürfte wohl nur Polanski- oder Genre-Fans wirklich ein Begriff sein. Da die drei Filme auch nicht wirklich zusammenhängen, sondern nur im Kern auf die gleichen Punkte zielen, könnte man im ersten Moment auch kaum diesen Gedanken hegen. Bestehen tut diese besagte Trilogie aus der Reihenfolge nach aus Ekel, Rosemary’s Baby und Der Mieter. Mindestens Rosemary’s Baby sollte wirklich jedem Filmfreund ein Begriff sein, denn damit hat Roman Polanski einen der größten Meilensteine der Filmgeschichte geschaffen. Mit Der Mieter schnitt er also wieder ein mehr oder weniger ähnliches Thema an. Wir lernen Trelkovsky kennen. Ein junger Mann, zurückhaltend, schüchtern und freundlich. Einer von den Menschen, die uns täglich über den Weg laufen und kaum auffallen, einfach weil ihre innere Melancholie sie langsam immer mehr aus der Welt nimmt. Ein blasser Jedermann, dem Selbstvertrauen und der richtige Biss im Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen fehlt. Man hat schnell Mitleid mit Trelkovsky und wünscht ihm einfach ein ruhiges Leben in der neuen Wohnung. Genau das macht den wichtigen Punkt in Der Mieter aus, denn wir fühlen uns in unseren Protagonisten und sind, wie schon in Rosemary’s Baby, mal wieder kein Stück schlauer als der Protagonist selbst und befinden uns quasi in der gleichen Haut.

Roman Polanski lässt uns bis zum Schluss im Dunkeln tappen. Und selbst das Ende gibt uns keine wirkliche Antwort, sondern lässt uns mit weiteren Interpretationsansätzen zurück. Der Wohnblock wird immer unheimlicher, vor allem das Treppenhaus lässt einem einen Schauer über den Rücken laufen. Die Nachbarn werden seltsamer, alles spannt sich zunehmend an. Roman Polanski versteckt Andeutungen zwischen den Zeilen, immer wieder gibt es stille Hinweise auf die Wahrheit. Der Mieter zieht uns in eine Welt, in der wir Halluzinationen und Realität im schizophrenen Zwang vermischen. Genau wie Trelkovsky, werden wir auch in Anbetracht der Lage immer paranoider. Sind wir mitten in einer Verschwörung? Verfällt unser Protagonist langsam dem Wahnsinn und verzweifelt an sich selbst? Oder ist alles nur eine zwanghafte und manipulative Illusion? Zweifel an allem und ganz besonders an sich selbst sind durchgehend gegeben. Ein derart atmosphärisches Suspense-Grusel-Drama bekommt man heute nicht mehr zu sehen. Polanski zeigte uns mit bedrängenden, ruhigen und tragischen Mitteln, wie sich Menschen verändern können und Der Mieter wird so sicher noch viele Stunden nach seinem Ende in den Köpfen der Zuschauer bleiben.

Fazit: Mit Der Mieter gelang Roman Polanski ein weiterer starker Film, welcher heute zu den besten Horrordramen überhaupt zählt. Sicherlich ist der Film durch seine langsame Erzählweise an einigen Stellen aus heutiger Sicht etwas ungewohnt, doch schaden tut das dem Film nicht. Der 70er Jahre Stil, der unheimliche Score von Philippe Sarde, die unheimlich dichte Atmosphäre, die tollen Darsteller und natürlich Roman Polanskis wie immer ausgezeichnete Inszenierung machen Der Mieter zu einem klaren Highlight, welches man zwar nie ganz verstehen, aber deren Reizen man schnell unterliegen wird.

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1 Comment

  • Ihr sprecht immer von Okkultismus, als währe das etwas böses! Da kommt mir „Ekel“(Achtung Wortspiel)!

    Lsst euch nicht verarschen! Die Kirche fürchtet den Okkultismus, weil er mächtiger ist als ihr Gott!

    Zitat: „Der Wunsch ist immer stärker als der Zwang“

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