Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

Klassiker-Tipp der Woche "Vertigo" (USA 1958) Kritik – Das Reich der Toten

"Einer allein fährt manchmal ohne Ziel herum. Zwei zusammen haben meistens ein Ziel." 'Vertigo' aus dem Jahre 1958 von Meisterregisseur Hitchcock zählt zu recht zu den größten und besten Film-Klassikern aller Zeiten. Denn Hitchcock inszeniert einen Film, den der Zuschauer im Laufe seines Lebens immer mit anderen Sichtweisen aufnehmen kann und so nie losgelassen wird. In 'Vertigo' stimmt einfach alles. Kamera, Schnitt und Musik sind grandios. Vor allem die geniale Kameraarbeit von Robert Burks fängt großartige Bilder vom San Francisco der 50er Jahre ein. Ebenso der punktgenaue Schnitt von George Tomasini und der bedrückende Score von Bernard Herrmann machen 'Vertigo' zu einem Zeitlosen Klassiker der einmaligen Sorte. Wie gesagt, in 'Vertigo' fehlt es an nichts. So auch nicht an schausp...
Filmkritiken

"Shame" (GB 2011) Kritik – Im Schatten der Sucht

Autor: Pascal Reis „We're not bad people. We just come from a bad place.“ Immer wieder hat er, Brandon (Michael Fassbender), es seiner Schwester, Sissy (Carey Mulligan) versprochen, zu einem ihrer Auftritte zu kommen – Und immer wieder hat er sie enttäuschen müssen. Nicht jedoch diesen Abend, hat sich seine Schwester doch nach einigen unbeantworteten Nachrichten auf dem Anrufbeantworter in einem Appartement einquartiert. Zusammen mit seinem Kumpel und Chef David (James Badge Dales), der es mit der Treue nicht ganz so eng sieht, frequentiert er die Bar, in der seine Sissy eine faszinierende Neuinterpretation des Frank Sinatra Klassiker „New York, New York“ zum Besten gibt. Fragiler hat man die Zeilen dieses Liedes noch über keine Lippen kommen hören, und wie uns „Shame“ später v...
Filmkritiken

"Bitter Moon" (FR, GB 1992) Kritik – Polanski und der Sumpf aus Rache und Perversionen

"Ich kenne dich ja gar nicht Nigel, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass du haargenau der Zuhörer bist den ich gesucht habe. Ich hoffe, meine Geschichte wird dich interessieren." Die Filme von Roman Polanski wurden schon immer mit geteilten Meinungen aufgenommen. Auf der einen Seite missverstanden und zerrissen, auf der anderen hingegen gefeiert und hochgelobt. 'Bitter Moon' war 1992 wieder einer der Fälle, bei dem Polanski von seinen Kritikern reichlich Gegenwind zu spüren bekam. Zu Unrecht wie ich finde, denn Polanski setzt sich hier mit dem Beziehungsthema viel komplexer auseinander, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Atmosphäre spielt bei 'Bitter Moon' eine große Rolle. Und wie von Polanski gewohnt besitzt der Film eine enorm Dichte. Das Kreuzfahrschiff, ein Ort oh...
Filmkritiken

Klassiker-Tipp der Woche "Uhrwerk Orange" (USA 1971) Kritik – Kubricks Oper der Gewalt

"Der Durango 95 schnurrte nur so los, richtig Horrorshow, und ein warmes Vibrato verbreitete sich in unserem Bauch. Und bald, meine Brüder gab's überhaupt nur noch Bäume und Dunkelheit, die im Schwarz der Landnacht zusammenflossen." Stanley Kubrick. Ein Name der aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken wäre. Ein Regie-Titan der die Filmwelt mit seinen Filmen nicht nur bereicherte sondern auch ungemein prägte. Er hat uns kunstreiche und philosophische Welten eröffnet die uns heute noch berühren und beeindrucken wie am ersten Tag. Mit seiner visionären Gewalt-Odyssee 'Uhrwerk Orange' von 1971 erschuf Kubrick eine meisterhafte, brutale und zeitlose Zukunftsvision aktueller denn je. Alex stiehlt, schändet und mordet wie ein gewissenloses Raubtier. Man verhaftet ihn und sperrt ihn ein. Er wi...
Filmkritiken

"Colombiana" (USA 2011) Kritik – Eiskalte Killerin gefangen in gähnender Langeweile

Ich will eine Killerin sein. Kannst du mir helfen? Das Action-Kino bietet kaum noch etwas Neues. Natürlich kann das Genre dennoch hin und wieder durch spektakulär inszenierte und/oder handgemachte Action unterhalten und im besten Fall sogar begeistern. Der Rache-Action-Thriller 'Colombiana' von Olivier Megaton aus dem Jahre 2011, produziert von Luc Besson, setzt leider keinerlei neue Impulse. Denn weder die Action wurde stark inszeniert, noch bewegen sich die Charaktere aus dem Standardmuster heraus. Schnelle Schnitte, klare Bilder und ein genretypischer Soundtrack machen 'Colombiana' aus. Kameramann Romain Lacourbas fängt das Geschehen zwar in kraftvollen und satten Bildern ein, kann dem Zuschauer jedoch in keiner Weise irgendetwas Besonderes bieten. Es gibt keine erinnerungswürdige Kam...
Filmkritiken

"Frantic" (US, FR 1988) Kritik – Harrison Ford erlebt seinen schlimmsten Urlaub

"Das ist doch reiner Unfug! Warum sollte meine Frau nicht wollen, dass ich weiß wo sie ist?!" Wir schreiben das Jahr 1988. Roman Polanskis letzter Kinofilm 'Piraten' von 1986 war ein derber Flop. Der Name Polanski verlor, nicht nur allein durch 'Piraten', langsam an glänzendem Schimmer und lockte kaum noch jemanden an. Seine Karriere stand am Scheidepunkt und Polanski musste endlich wieder die Kritiker und das Publikum von seinem Können überzeugen. Mit dem Thriller 'Frantic' inszeniert er einen Film der an die großen Hitchcock-Zeiten erinnert und Polanski hatte sein persönliches Comeback. Zum ganz großen Meisterwerk reicht er jedoch auch noch nicht ganz. An einem mangelte es Polanskis Filmen noch nicht: an der visuellen Klasse. Polanskis treuer Kameramann Sobociński leistet exzellente ...
Filmkritiken

"Insidious" (USA 2010) Kritik – Nichts Neues aus dem Hause Wan

"Nicht das Haus ist von Geistern besessen, sondern ihr Sohn." Nach den Folterorgien wie 'Saw' und 'Hostel' überschwemmt ein neues Übel unsere geliebte Filmlandschaft: die Poltergeister. Mit der 'Paranormal Activity'-Reihe und co werden die Zuschauer wieder angelockt und die Kinosäle gefüllt. Im Jahr 2010 hat es dann auch 'Insidious' in die Kinos geschafft und Regisseur Wan, auch für den ersten Teil von 'Saw' verantwortlich, will neue Grusel-Maßstäbe setze, entlockt mir jedoch nur ein müdes Kopfschütteln und lautes gähnen. 'Insidious' spielt zu 90% in finsteren Zimmer und dunklen Fluren. Das allein kann natürlich keine stimmige Grusel-Atmosphäre erzeugen. Der Film ist halt einfach nur dunkel. Mit Handkamera bewaffnet ruckelt sich der Film von Anfang bis Ende über den Bildschirm Das soll...
Filmkritiken

"The Ides of March" (USA 2011) Kritik – Die eiskalten Schattenseiten der Politik

"Mir ist Vertrauen wichtiger als Können. Und dir vertraue ich eben nicht mehr." Die Politik ist ein gefühlloses Unterfangen voller Korruption, Gier und Verrat. Polit-Thriller, die diese Bereiche beleuchten, gibt es zu Genüge. Immer wieder hochkarätig besetzt und gleichermaßen mitreißend kommen sie jedes Jahr aufs Neue in die Kinos. Der jüngste Genre-Vertreter 'The Ides of March' von Hollywood-Superstar George Clooney lässt sich genau in diese erwähnte Sparte drücken. Durchgehend packend, hervorragend besetzt, aber etwas neues bietet der Film Storytechnisch trotzdem nicht. An erster Stelle kann 'The Ides of March' durch seine stimmigen Bilder überzeugen. Kühl, elegant und teilweise düster. Kameramann Papamichael leistet ganze Arbeit und kann mit starken Einstellungen der gnadenlosen Pol...
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"State of Mind" (USA 2003) Kritik – Die Geschichte eines außergewöhnlichen Mörders

"Es gibt zwei Möglichkeiten wie man die Welt sehen kann. Entweder man sieht die Traurigkeit, die hinter den Fassaden der Leute steckt, oder man beschließt, sie nicht an sich ranzulassen. Das Herz kann einem nicht gebrochen werden, wenn man nicht zulässt dass die Welt einen berührt." Und wieder widme ich mich einem Film der wieder einmal völlig an mir vorbeigegangen ist. Wie ich dann trotzdem auf den Film gestoßen bin? Durch seinen Hauptdarsteller, wer könnte es bei mir zurzeit auch anderes sein, Ryan Gosling. Mit dem unscheinbaren Indie-Drama 'State of Mind' von 2003 inszeniert Regisseur Matthey Ryan Hoge einen zwar durchaus hochwertigen aber unaufdringlichen Einblick in das Seelenleben eines Mörders. Und genau das ist auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt des Films. Das 'State of M...
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"Blue Valentine" (USA 2010) Kritik – Eine bittere Erkenntnis

"Ich meine, die verbringen ihr Leben damit nach dem Traummann zu suchen und dann nehmen sie den Kerl der n' guten Job hat und nicht abhaut." Hach ja, wie kommen mir doch diese schrecklich schmalzigen RomComs mit ihrer Friede, Freude, Eierkuchen, am Ende sind wir ewig zusammen-Stimmung inzwischen aus den Ohren. Seit geraumer Zeit überschwemmen sie unaufhaltsam die Kinos und finden dazu noch ihr Publikum. Ich hab diesem Genre jedenfalls schon lange den Rücken zugedreht und doch wird man immer wieder damit konfrontiert. Umso erfrischender ist es, wenn Filme gedreht werden die eine Beziehung endlich realistisch beleuchten. Deren Cianfrances 'Blue Valentine' ist so ein Fall. Cianfrance schafft es ein herzzerreißendes Meisterwerk über die Höhen, aber vor allem über die Tiefen einer Beziehung ...