Im Kino

Kritik zu „Die Odyssee“: Christopher Nolans Irrfahrt
Abenteuer, Action, Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino

Kritik zu „Die Odyssee“: Christopher Nolans Irrfahrt

Kritik von Philippe Paturel "Promise me you will come back." Es ist Penelope (Anne Hathaway), die diesen Satz zu ihrem Mann Odysseus (Matt Damon) sagt, sein Gesicht in ihre Hände genommen, kurz bevor er in den Trojanischen Krieg zieht. Wenige Sätze fassen den emotionalen Kern von Homers Jahrtausende altem Literaturepos so knapp zusammen wie dieser, auch wenn die Odyssee eigentlich um weit mehr kreist als nur um das Versprechen der Wiederkehr. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus zehn Jahren Krieg kommt und erst noch einmal zehn weitere Jahre braucht, um überhaupt wieder nach Hause zu finden – nicht nur geografisch, sondern auch als Mensch, der lernen muss, jemand anderes zu sein als der Krieger, der Troja in Schutt legte....
Kritik zu „Project Hail Mary?“: Ryan Gosling ist wieder der Astronaut
Abenteuer, Aktuelle Filmnews, Filmkritiken, Im Kino, Science Fiction / Fantasy

Kritik zu „Project Hail Mary?“: Ryan Gosling ist wieder der Astronaut

Kritik von Michael Gasch Ryan Gosling zurück im All: Project Hail Mary von Phil Lord und Christopher Miller Es wäre vermutlich nicht übertrieben zu sagen, dass sich Der Astronaut - Project Hail Mary unter den am heißesten erwarteten Blockbustern dieses Jahres wiederfindet. Christopher Nolans Die Odyssee, Denis Villeneuves Dune 3, Steven Spielbergs Disclosure Day und eben auch dieser Science-Fiction-Film vereinen das Opulente gleich mehrfach: große Namen - in diesem Fall Ryan Gosling (an dem - nach Aufbruch zum Mond - erneut das Schicksal der Menschheit im All hängt) und Sandra Hüller als Protagonisten -, große Bilder, ein großes Budget von knapp 248 Millionen Dollar, große Marketingkampagnen, schlichtweg große Versprechen, einen Kinoabend mit Nachhall zu erleben. Als zweite Romanverfil...
Kritik zu „Is This Thing On?“: Stand-up-Comedy als Selbsttherapie
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino, Komödie

Kritik zu „Is This Thing On?“: Stand-up-Comedy als Selbsttherapie

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 15. Februar 2026. Stand-up-Comedy als Selbsttherapie: Is This Thing On? von Bradley Cooper In den Regiearbeiten von Bradley Cooper sind stets zwei Symboliken erkennbar. Auf der einen Seite findet sich im gefeierten Regiedebut A Star Is Born als auch in dem Nachfolgewerk Maestro der „Funke“ im Menschen, der entweder hell leuchtet oder im Begriff ist, zu erlöschen. Das Symbol des Sterns, gleichermaßen ein Zeichen von Distanz, Größe und Projektion, steht dem kleinen Individuum dabei entgegen. In großer Distanz schwebend wird Bezug genommen auf Themen wie Leidenschaftlichkeit und den Drang, etwas Großes zu erschaffen. Passend heißt es da auch im Oscar-prämierten Song „Shallow“: Tell me something, girl. Are you happy in this modern world? Or d...
Kritik zu „The Testament of Ann Lee“: Dieser Film spaltete Venedig
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino, La Biennale di Venezia, Musical

Kritik zu „The Testament of Ann Lee“: Dieser Film spaltete Venedig

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 1. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Kontrovers: The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold „Gott würfelt nicht“, soll Albert Einstein einst bemerkt haben. Gemeint war die Ablehnung des Zufalls - eine Haltung, die sich dieser Tage auch auf die Filmfestspiele von Venedig übertragen lässt. Denn reiner Zufall war es wohl nicht, dass Regisseurin Mona Fastvold exakt denselben Premierenslot (Sala Darsena um 19:15 Uhr) erhielt, den im Vorjahr ihr Ehemann und kreativer Partner Brady Corbet mit The Brutalist bespielte. Seit über einem Jahrzehnt arbeiten die beiden nun schon zusammen und durchweg alle ihrer jüngsten Werke feierten ihre Weltpremieren in Venedig. Der Umstand, dass Corbets Werk als monumental r...
Kritik zu „Sorry, Baby“: Ein Film wie ein guter Freund
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino

Kritik zu „Sorry, Baby“: Ein Film wie ein guter Freund

Kritik von Hendrik Warnke Ein Film wie ein guter Freund: Sorry, Baby von Eva Victor Es gibt diese Filme, da weiß man gar nicht so recht, wie man in einem Kritikformat wie diesem hier über sie sprechen soll. Nicht, weil man nichts mit ihnen anfangen könnte, sondern eher das Gegenteil. Weil sie wahnsinnig reichhaltig sind und man eigentlich viel detaillierter über einzelne Szenen und Momente sprechen müsste, um den Text nicht mit Plattitüden und leeren Adjektiven wie „bewegend“, „tragikomisch“ oder „empathisch“ zu füllen. All diese Adjektive treffen natürlich auf Sorry, Baby, das beim diesjährigen Sundance Film Festival mit dem Drehbuchpreis prämierte Debüt von Eva Victor, zu. Und trotzdem können sie kaum umfassen, was den Film ausmacht. Gleichzeitig sind ausführliche Sze...
Kritik zu „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: Eine Liebeserklärung an Wahlfamilien
Aktuelle Filmnews, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Im Kino

Kritik zu „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: Eine Liebeserklärung an Wahlfamilien

Kritik von Margarita Eliseeva, gesehen im Rahmen des Brussels International Film Festival 2025. Eine Liebeserklärung an alle (queeren) Wahlfamilien: Der geheimnisvolle Blick des Flamingos von Diego Cespedes Gebirge, Sand und eine graue, nur teils asphaltierte Straße ohne Ende. Hier und da stehen einzelne Holzhäuser, ganz einsam und schäbig – sie wirken fast vernachlässigt. Das Jahr ist 1982 und wir befinden uns in der tiefsten chilenischen Wüste. Die einzelnen Häuser gehören zu einem kleinen Bergarbeiterdorf, in dem aber nicht viel los ist. Diejenigen, die es schaffen, gehen lieber in die Großstadt, und die Verbliebenen müssen mit dem monotonen Alltag klarkommen. So könnte der Beginn eines sozialen Arbeiterdramas aussehen, doch La misteriosa mirada del flamenco, auf Deu...
Kritik zu „Zone 3“: KI-Dystopie in Paris
Action, Aktuelle Filmnews, Filmkritiken, Französischer Film, Im Kino, La Biennale di Venezia, Science Fiction / Fantasy

Kritik zu „Zone 3“: KI-Dystopie in Paris

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 6. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. KI-Thriller in Paris: Zone 3 von Cédric Jimenez Gilles Lellouches letztes Werk, Beating Hearts, war einer der Höhepunkte des vergangenen Kinojahrs. Nun kehrt er zurück – allerdings nicht als Regisseur, sondern als Protagonist im Science-Fiction-Thriller Zone 3 (Chien 51) von Cédric Jimenez (November), der auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte. Im Zentrum steht die KI Alma, welche die gesamte Gesellschaft kontrolliert. Als der Entwickler der KI ermordet wird, geraten die Ermittler Zem (Lellouche) und Salia (Adèle Exarchopoulos) in ein gefährliches Netz aus Vertuschung. Zone 3 bildet den Schlusspunkt des diesjährigen Filmfestivals in V...
Kritik zu „Frankenstein“: Guillermo del Toros Netflix-Verfilmung
Abenteuer, Aktuelle Filmnews, Filmkritiken, Horror, Im Kino, La Biennale di Venezia, Netflix, Science Fiction / Fantasy

Kritik zu „Frankenstein“: Guillermo del Toros Netflix-Verfilmung

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 30. August 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Neuverfilmung von Mary Shelleys Literaturklassiker: Frankenstein von Guillermo del Toro Als ein Symbol über Menschenversuche und Kontrollverlust begleiten Frankenstein und die von ihm erschaffene Kreatur schon gefühlt seit Ewigkeiten die Welt - immerhin erschien Mary Shelleys Literaturklassiker bereits vor 207 Jahren. 1910 entstand die erste gleichnamige Kurzverfilmung - der erste Versuch, den Stoff erzählerisch anzupassen und stilistisch zu gestalten. 1931 folgte James Whales erste große Kinoversion, die sich im kollektiven Bewusstsein fest verankerte. Noch nachhaltiger wirkte jedoch die Fortsetzung vier Jahre später, ebenfalls unter seiner Regie: Frankensteins B...
Kritik zu „Kontinental ’25“: inklusive Interview mit Eszter Tompa
Aktuelle Filmnews, Berlinale, Drama, Filmkritiken, Im Kino, Interviews, Komödie

Kritik zu „Kontinental ’25“: inklusive Interview mit Eszter Tompa

Hendrik Warnke hat im Rahmen der Berlinale 2025 mit Eszter Tompa gesprochen und diese Kritik verfasst. Vier Jahre nach dem Gewinn des Goldenen Bären ist Radu Jude zurück auf der Berlinale. Wie eigentlich immer bei ihm ist auch Kontinental ’25 ein großer Rundumschlag gegen den gesellschaftlichen Status Quo, insbesondere in Rumänien. Soziale Ungerechtigkeit, Nationalismus und moralischer Relativismus sind nur einige Themen, die dabei angesprochen werden. Aber der Reihe nach. Der Film folgt vor allem Orsolya, einer Gerichtsvollzieherin in Cluj-Napoca, der größten Stadt Transsylvaniens. Ihr Leben stellt sich auf den Kopf, als es bei einer Hausräumung, die sie verantwortet, zu einer Tragödie kommt. Von Schuld geplagt, versucht Orsolya auf verschiedene Weisen ihr Gewissen zu beruhigen und...
Kritik: Blutgericht in Texas (USA 1974) – The Texas Chainsaw Massacre
Aktuelle Filmnews, Filmkritiken, Horror, Im Kino

Kritik: Blutgericht in Texas (USA 1974) – The Texas Chainsaw Massacre

Eine Gastkritik von Marc Trappendreher "The film which you are about to see is an account of the tragedy which befell a group of five youths, in particular Sally Hardesty and her invalid brother, Franklin. It is all the more tragic in that they were young." „A vile piece of sick crap” – so beschrieb das Harper’s Magazine Tobe Hoopers berühmten Horrorfilm The Texas Chainsaw Massacre (1974, dt. Titel "Blutgericht in Texas"), der doch im eigentlichen Sinne kein Gore-Film ist: Der im Dokumentarstil gehaltene Film versetzt fünf Jugendliche, die in Texas unterwegs sind, in einen schrecklichen Albtraum. Die Gruppe von Freunden, die auf dem Weg zu einem Familienbesuch sind, stößt auf eine grausame Familie, die scheinbar grundlos Jagd auf sie macht und von dem berüchtigten Mörder Leatherface an...