Kritik: Wonder Woman 1984 (USA 2020)

Eine Gastkritik von Jan Benz

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© Warner Bros.

Dass das DC Extended Universe einen schweren Start hatte, ist längst kein Geheimnis mehr. Immerhin wurde das Franchise nach dem gigantischen Erfolg des MCU vorschnell in die Wege geleitet und heraus kamen Filme wie „Batman v Superman“, „Suicide Squad“ oder der traurige Tiefpunkt „Justice League“. Hoffnung verlieh dem Franchise erst Patty Jenkins „Wonder Woman“ im Jahr 2017. Nachdem die Amazone am Ende von „Batman v Superman“ ihr Debüt gefeiert hatte, kam ihr erster Solo-Auftritt sehr gut an. Der Film hatte im letzten Drittel zwar mit einigen Problemen zu kämpfen, trotzdem kamen Fans endlich in den Genuss eines guten DC-Films. Andere Filme wie „Aquaman“ oder der vom DCEU losgelöste „Joker“ sollten dem Beispiel folgen. Mehr als drei Jahre danach und zahlreiche Corona-Verschiebungen später, erscheint „Wonder Woman 1984“ endlich auch hierzulande. Nachdem der Film in den USA im Dezember als erster Film parallel im Kino und beim Streaming-Dienst HBO Max Premiere feierte, startet der Film in Deutschland noch vor seinem immer noch geplanten Kinostart auf Sky Ticket. Eine gute Sache, denn das Kinoticket für die Fortsetzung sollte man sich trotz der angeschlagenen Kino-Branche wirklich sparen. Dafür ist „Wonder Woman 1984“ ein viel zu großes Fiasko und eine dicke Enttäuschung.

Während „Wonder Woman“ zu Zeiten des ersten Weltkriegs spielte und am Ende den Bogen zur Gegenwart schlug, kümmert sich „Wonder Woman 1984“, wie sollte es anders sein, um die Zeit dazwischen. Fast 70 Jahre nach dem Ende des Krieges und dem Tod ihrer großen Liebe Steve (Chris Pine), arbeitet Diana Prince aka Wonder Woman (Gal Gadot) als leitende Anthropologin im Smithsonian Institute in Washington, wünscht sich jedoch nichts sehnlicher als ihre große Liebe zurück. Gut dass ein mysteriöses Artefakt den Weg ins Institut findet und ihr genau diesen Wunsch erfüllt. Doch hinter dem Stein sind noch andere her, wie der Zwielichte Investor Maxwell Lord (Pedro Pascal).

Die Rückkehr von Chris Pine wurde ja bereits in den Trailern verraten, richtig aufgehen will die Entscheidung jedoch nicht, immerhin hatte Chris Pine in einer schönen Szene am Ende des ersten Films das zeitliche Gesegnet. Seine Rückkehr wirkt daher wie aufgewärmt, zumal er in „Wonder Woman 1984“ ohnehin nicht viel mehr zu tun hat, als den lustigen Sidekick von Diana zu spielen. Die Fortsetzung dreht dabei das Prinzip des ersten Films um. Dort war es Steve, der Diana die Welt der Menschen zeigte, hier ist es  nun Diana, die Steve zeigt was sich in den letzten 66 Jahren verändert hat. Das Chris Pine kein Komödien-Experte ist merkt man ihm an, im Gegensatz zum Rest des Films ist sein Auftritt jedoch noch passabel. Denn das große Problem von „Wonder Woman 1984“ ist wie so oft das grottenschlechte Drehbuch. Dave Callaham, Autor von Meisterwerken wie „Godzilla“ und „Zombieland 2“, gelingt es nicht ein zusammenhängendes Drehbuch zu kreieren. Stattdessen besteht „Wonder Woman 1984“ aus zahlreichen Versatzstücken die nie zueinander finden. Angefangen bei der endlos langen und eigentlich komplett unspektakulären Eröffnung (einem Wettkampf der Amazonen), die dem Zuschauer wie im Rest des Films seine Botschaft mit dem Holzhammer einbläut, geht es zu einem absurden Überfall in einer Einkaufsmeile über, dessen Humor völlig deplatziert wirkt. Und diese krude Mischung zieht sich bis zum Ende des Films durch, während nichts wirklich funktionieren will. Was schade ist: Gal Gadot, die eigentlich wieder eine gute Figur abgibt, bleibt als Wonder Woman erstaunlich blass. Was daran liegt das Callaham nicht wirklich etwas mit ihr anzufangen weiß (Ist ja nur der Hauptcharakter) und zum einen an den geradezu lächerlichen Bösewichten, die dem Film und Gadot jegliche Luft zum Atmen nehmen. Da wäre zum einen Pedro Pascal als Investor Maxwell Lord, der sich später als größenwahnsinniges Genie durch den Film brüllt.

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© Warner Bros.

Pascal dreht dabei völlig frei und sein Bösewicht ist so dermaßen überzogen und hoffnungslos Over-the-Top, dass es unfreiwillig komisch wirkt. Obwohl ich den „Game of Thrones“-Star normalerweise sehr gerne sehe, das war nichts. Noch schlimmer steht es aber um den zweiten Bösewicht, gespielt von Kristen Wiig. Sie spielt die unsichere Wissenschaftlerin Barbara, die im ersten Drittel mit ihrer Tollpatschigkeit dem Zuschauer ordentlich auf die Nerven geht. Im zweiten Drittel macht sie dann die „Spiderman“-Verwandlung durch und entdeckt ihre Kräfte, was man jedoch schon unzählige Male besser gesehen hat. Der Witz mit dem Gewichtheben ist inzwischen halt auch von vorgestern. Das alles verblasst jedoch im Hinblick auf das letzte Drittel, in dem sich Barbara in eine Raubkatze verwandelt. Wer auch immer dem Studio gesagt hat, es wäre eine gute Idee ein Jahr nach „Cats“ erneut einen Menschen in ein computergeneriertes Katzenfell zu stecken: Ist es nicht! Der finale Kampf zwischen ihr und Wonder Woman sorgt für schlimme „Cats“-Flashbacks (Ich bin noch immer nicht bereit dafür) und da Wonder Woman mit ihrer glänzenden Gold-Rüstung an den Start geht, ist der Endkampf eine echte Trash-Perle. Nur eben eine sündhaft teure. Die Raubkatze bleibt jedoch nicht der einzige Totalausfall in diesem 200 Millionen Dollar Blockbuster. Gerade die Szenen in denen Diana ihren inneren Superman kanalisiert und über den Wolken fliegt, sehen verdammt künstlich aus. Da erwarte ich von einem Blockbuster in dieser Größenordnung deutlich mehr. Zumal die Flugeinlage für mich auch keinen Sinn ergibt und schlicht lächerlich wirkt. Woher kommt diese Fähigkeit? Bei Superman hat Zack Snyder es wenigstens mit der geringen Schwerkraft erklärt, hier wartet man vergeblich auf eine Erklärung.

Es sind letzten Endes alle Puzzleteile, die den Film zu dem Fiasko machen, welches er ist. Da kann auch ein Hans Zimmer mit seinem Soundtrack nichts daran ändern. „Wonder Woman 1984“ leidet an einem schlechten Drehbuch, fürchterlichen Bösewichten und einer kruden Mischung aus Holzhammer-Botschaften und unpassendem Humor. Regisseurin Patty Jenkins gelingt es nicht die Versatzstücke zusammenzubringen und scheitert stattdessen mit unspektakulären Action-Szenen und einer viel zu langen Laufzeit auch am inszenatorischen Anspruch. Schade, denn nach der langen Corona-Pause hatte ich verdammt Lust auf einen unterhaltsamen Blockbuster. Wer so etwas sehen will, sollte um „Wonder Woman 1984“ jedoch einen großen Bogen machen.

Fazit: Wonder Woman konnte mich im Jahr 2017 zwar nicht restlos begeistern, dafür hatte der Film gerade im letzten Drittel mit zu vielen Problemen zu kämpfen, sehenswert war der Auftakt von Gal Gadot als Amazone trotzdem. Dieses Prädikat kann ich der Fortsetzung leider nicht mehr aussprechen. Im Gegenteil: Wonder Woman 1984 ist eine einzige Enttäuschung. Gal Gadot macht zwar weiter eine gute Figur, aufgrund des katastrophalen Drehbuchs bleibt die Amazone jedoch erstaunlich blass. Umso überzogener sind dafür die Bösewichte. Pedro Pascal dreht völlig frei und sein Bösewicht ist so dermaßen übetrieben gespielt, dass es fast schon wieder lustig ist. Kristen Wiig ist zudem kaum zu ertragen: Im ersten Drittel nervt ihr Charakter mit ihrer Tollpatschigkeit, im zweiten Drittel macht sie die schon hundertmal besser gesehene Wandlung zum Superhelden durch (inklusive des obligatorischen Gewichthebens) und im letzten Drittel setzt die gruselige Cats-Reinkarnation dem ganzen die Krone auf. In der Fortsetzung will nichts richtig funktionieren, weil das Drehbuch immer wieder billige Abkürzungen nimmt (Wonder Woman kann plötzlich einen Jet unsichtbar machen? Wie praktisch!) und auf die absurdesten Ideen kommt (Wünsche werden via Satellit übertragen? Und wieso kann Diana plötzlich fliegen?). Zudem wirken die CGI-Effekte in vielen Szenen sehr künstlich und der Humor die meiste Zeit über unpassend. Dass der Film mit seinen 151 Minuten dann auch noch viel zu lang ist, tut sein Übriges. Wonder Woman 1984 ist ein sündhaft teures Trashfest, um das man tunlichst einen großen Bogen machen sollte.

Wonder Woman 1984 erscheint am 2. September 2021 auf DVD und (4K) Blu-ray. Falls du dir trotz unserer negativen Kritik den Film für deine Sammlung zulegen möchtest, dann unterstütze uns gerne, indem Du diesen über einen der folgenden Links bestellst.*

Hier geht es zum Trailer.

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