Schlagwort: Komödie

Kritiken

"Ich und mein Ding" (USA 2014) Kritik – Phallus außer Rand und Band

Autor: Pascal Reis „Ich wünsche mir, dass mein Schwanz mich endlich zufrieden lässt!“ Ja ja, die unersättliche Libido, der unbändige Drang, seinen niedersten Gelüsten nachzugeben, wie oft wurde das schon zum Thema verschiedenster Filme gemacht: Dass es sich dabei wahrscheinlich vordergründig um Teenie-Komödie handelt, in denen unbescholtene Halbstarke im Hormontaumel alles unternehmen, um das weibliche Geschlecht begatten zu dürfen und daraus den Entschluss zu ziehen, endlich als echter Mann durch die Weltgeschichte zu stolzieren, ist nicht der einzige Standpunkt, der mit dieser Angelegenheit in Verbindung steht. „Shame“ von Steve McQueen hat die Schattenseite dieses Unterfangens in ihrer pathologischen Ausformung porträtiert: Die Lust auf kompromisslosen Geschlechtsverkehr, die nach ...
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"Kiss the Cook – So schmeckt das Leben" (USA 2014) Kritik – Gaumenorgasmus und die pure Lust am Leben

Autor: Pascal Reis „I'm like a cat playing a piano.“ Wie das manchmal eben so ist, verläuft nicht jeder verheißungsvolle Pfad im Leben eines Menschen permanent in Richtung überschwänglicher Vitalität, auf dem man sich wie auf einem drogeninduzierten Höhenflug an der eigenen Existenz erquicken kann. Manche Träume platzen, weil man winzige Stecknadeln übersehen hat, und wenn es im Privaten schon einige Scherbenhaufen zu beklagen gegeben hat, wartet auch schon der nächste Rückschlag im beruflichen Zweig nicht selten. Carl Casper (Jon Favreau) ist zwar Chef de cuisine im renommierten „Gauloise“, einem gallischen Restaurant im kalifornischen Brentwood, doch die künstlerische Sackgasse scheint unausweichlich: Seit Jahren wurde auf der Speisekarte keine Änderung mehr unternommen, beharrt sein...
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"Top Five" (USA 2014) Kritik – Chris Rock will endlich ernstgenommen werden

Autor: Pascal Reis "I am telling you, everything means something." Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion: Chris Rock meint es mit seinem neusten Streich „Top Five“ verdammt ernst. Und darum geht es im Endeffekt auch – Das kräftezehrenden Gefecht eines Künstlers, der endlich aus der Schublade entfliehen möchte, die ihn berühmt gemacht hat, um der Welt zu beweisen, dass in ihm nicht nur der Klassenkasper steckt, der immer für einen lockeren Spruch zu haben ist, sondern ein durchaus ernstzunehmende Filmemacher steckt, der Größeres im Sinn hat. Um den doch sehr subkulturspezifisch ausgefallenen „Top Five“ richtig am Schopfe packen zu können, ist es von unbedingter Signifikanz, sich im Vorfeld ein Stück weit mit der pulsierende Medienlandschaft der Vereinigten Staate...
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„The Voices“ (DE/USA 2014) Kritik – Ryan Reynolds lässt das Morden nicht

Autor: Pascal Reis „You remember last week when you said that there was an invisible line that separates good from evil and you'd thought you crossed it and I said no no no you're a good boy? I've changed my opinion.“ Nein, Jerry Hickfang (Ryan Reynolds) hat man gern, gar keine Frage, und um seine Sympathieachse zu betonieren braucht „The Voices“ nicht einmal 5 Minuten. Wenn wir unseren Protagonisten im pinken Overall durch die Badewannenfabrik „Milton, Fixture & Faucet“ schlendern sehen und dieser nach einem Lob seines Chefs ein breitgezogenes Dumpfbackengrinsen auflegt, dann scheint die Welt endlich im Gleichgewicht einzurasten, alles blüht farbenfroh, obwohl nirgendwo ein Blümchen zu sehen ist, der Himmel strahlt in einem wunderbar reingespülten Blau, obwohl über unseren Köpfen doch...
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Filmkritiken zu "Männerhort", "Among the Living – Das Böse ist hier" und "Wish I Was Here"

Autor: Pascal Reis „Männerhort“ (DE 2014) von Franziska Meyer Price, u.a. mit Elyas M'Barek, Christoph Maria Herbst und Detlev Buck Die kommerzialisierte Manufaktur deutscher Massenkalauer rodelt und röchelt weiter: Der nächste gelbliche Auswurf in Form von „Männerhort“ darf sich natürlich ebenfalls in eine Reihe zu „Vaterfreuden“ und horrender Konsorten gesellen und zieht den Zuschauer geradewegs in ein überstrahltes (und unterbelichtetes) Paralleluniversum, in dem es wiederholt keine sozialen Schichten zu geben scheint, sondern nur die architektonisch chic verzweigte Neubausiedlung irgendwo in Frankfurt. In den Hauptrollen sehen wir ein Arschloch (Christoph Maria Herbst), einen Schwulen (Detlev Buck) und Elyas M'Barek (würg) – das muss als Charakterisierung genügen, dachten sich David...
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"Wie in alten Zeiten" (FR 2013) Kritik – Pierce Brosnan und Emma Thompson reaktivieren die Vergangenheit

Autor: Pascal Reis „Ich hole mir zurück, was mir gehört!“ Nicht nur der stetig aus den Tag und Nacht brodelnden Hollywoodmanufrakturen quellende Verlogenheits- respektive Betroffenheitspomp á la „Wenn ich bleibe“ oder „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ strapazieren das Nervenkostüm eines jeden klardenkenden Zuschauers aufs Ärgste, auch die gerne mal als 'total fetzig' beworbenen Geronto-Komödien haben bereits ähnlich alarmierenden Spuren in der Filmwelt hinterlassen können: „The Best Exotic Marigold Hotel“ und „Last Vegas“ weckten bisweilen noch Interesse aufgrund ihrer guten Besetzungslisten, waren im Endeffekt aber genauso schrecklich entbehrlich, weil sie ältere/alte Menschen eben nicht ganz ungezwungen die Lust am Leben wiederfinden ließen, ohne sie simultan dazu auf den s...
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"Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" (FR/US 2014) Kritik – Wie der Phönix, der aus der Asche emporstieg

Autor: Pascal Reis „Popularity is the slutty little cousin of prestige.“ Wie schnell läuft man als Schauspieler doch Gefahr, immer und immer wieder auf eine markante Rolle reduziert zu werden. Hören wir beispielsweise den Namen Daniel Radcliffe, dann denken wir automatisch an seine Performance in der achtteiligen „Harry Potter“-Reihe, nicht etwa an seinen Auftritt in Nico Muhlys „Kill Your Darlings – Junge Wilde“, genau wie wir Heath Ledger nicht mit Terry Gilliams „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ assoziieren, sondern mit dem die Zunge schnalzenden und den Speichel durch die Wagentaschen schiebenden Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight“. Die Konsequenzen dieser forcierten Gleichsetzung lassen sich in den eingefallenen Gesichtern, sowie den versiebten Karrieren vieler Künstler...
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"Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" (CA/DE 2013) Kritik – Wir sind zum Glück verpflichtet

Autor: Pascal Reis „Happiness is sometimes loving two women at the same time.“ Was bedeutet es eigentlich, 'glücklich' zu sein? Nach beziehungsweise mit welchen Maßstäben lässt sich Glück überhaupt dimensionieren? Und ganz grundlegend: Was, zum Teufel, ist Glück?! All das sind Fragen, die man sich im Laufe seines Lebens in einer ruhigen Minute vielleicht mal stellen könnte, wohl primär in derlei Perioden, in denen man vom Glauben eingeholt wird, das es für einen selbst momentan so gar nicht rund läuft. Das wirklich Schöne dabei ist: Es gibt keine allgemeingültige Antwort, keine eingeschriebene Auskunft, die dich zufriedengestellt in den gerechten Schlaf entlässt, sondern nur ein konjunktivisches Prinzip. Genauso wenig ist es möglich, die erschlagenden Kräfte der Liebe zu rationalisieren ...
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"Baymax – Riesiges Robowabohu" (USA 2014) Kritik – Die Walt Disney Animationsschmiede empfängt den Marvel-Superhelden-Überdruss

Autor: Pascal Reis „Are you satisfied with your care?“ Die Walt Disney Company ist wieder obenauf: Hatte sich zu Anfang des Millenniums noch angedeutet, dass die Animation Studios im direkten Kampf mit Pixar (inzwischen eine Tochtergesellschaft von Disney) und Dremworks den Kürzeren ziehen werden und somit ihre Vormachtstellung innerhalb des auf tricktechnische Kinderunterhaltung spezialisierten Marktes verlieren sollten, nahm der Aufwärtstrend 2010 mit „Rapunzel – Neu verföhnt“ seinen Lauf und kulminierte mit dem herzerweichenden Märchen „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ in einer kommerziellen Sensation. Und egal wie amtlich die Konkurrenz mit Hits wie „Well-E – Der Letzte räumt die Erde auf“ oder dem „Drachenzähmen leicht gemacht“-Doppel auch aufgefahren hat, „Die Eiskönigin – Völl...
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"Dumm und Dümmehr" (USA 2014) Kritik – Wenn die Dummheit tiefe Falten wirft

Autor: Pascal Reis „Check out the hottiest at 12 o'clock.“ - „That's three hours away. Why can't I check 'em out now?“ In katatonischer Starre kauert er seit 20 geschlagenen Jahren in seinem klapprigen Rollstuhl vor sich hin: Llyod (Jim Carrey) hat den Schmerz seiner unerfüllten Liebe zu Mary Swanson offensichtlich nie überwunden. Jeden Mittwoch, seit eben diesen 20 Jahren, besucht ihn sein treuer Kumpel Harry (Jeff Daniels) nun schon, hat ihm die vollen Windel gewechselt und versucht, Llyod aus seinem scheintoten Zustand zu befreien. Erfolglos, bisher jedenfalls, denn als Harry dieses Mal schon gesenkten Hauptes von dannen ziehen wollte, wird es ihm von seinem langjährigen Freund um die Ohren geschrien: „Verarscht“! Es ist der Eröffnungsgag, episch soll er sein, der die sich über zwei...