Schlagwort: Michelle Williams

Kritik: Manchester by the Sea (US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Manchester by the Sea (US 2016)

I said a lot of terrible things to you. My heart was broken, and I know yours is broken, too. Das Unaussprechliche bestimmt das Leben von Lee Chandler (Casey Affleck). Die Vorgeschichte, die Exposition, vieler Filmfiguren muss meistens irgendwie erzählt werden. Die Handlung braucht eine Basis, ein Setup, um sich entwickeln zu können. Oftmals werden diese Vorgeschichten in Dialoge zu Beginn verpackt. Die Exposition in Manchester by the Sea befindet sich allerdings lange Zeit in einer schwarzen, schweren, fest verschlossenen Truhe in Lees Kopf. Die Schweigsamkeit des jungen Mannes, seine Unfähigkeit selbst einfachsten Smalltalk zu führen, verweist stetig auf die Unaussprechlichkeit seiner Vorgeschichte. Wie wurde er zu dem, was er ist? Was ist geschehen? Wie kann er erlöst werden? Die...
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"Take This Waltz" (CA 2011) Kritik – Drum prüfe wer sich ewig bindet

Autor: Pascal Reis "I just bought a new melon baller and I'd like to gouge out your eyes with it." Es ist schon ein Trauerspiel: Während seichte Teenie-Romanzen beinahe Schlag auf Schlag das moderne Kino überschwemmen, dürfen wirklich reife Auseinandersetzung über die Liebe und ihre Auswirkungen nur sporadisch über die Leinwände flimmern – Und werden dann auch noch vom Publikum weitestgehend übergangen, weil entweder die heuchlerischen Posterboy-Illusionen nicht gefüttert werden oder die Geschichte einfach zu real wirkt und dem Zuschauer zu nahe treten könnte, weil er sich wiedererkannt und gegebenenfalls so manches schmerzhaftes Eingeständnis bewerkstelligen muss. Qualitätsware der Marke „Liebe“ von Michael Haneke oder auch Derek Cianfrance Indie-Meisterwerk „Blue Valentine“ lassen den ...
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"Brokeback Mountain" (USA 2005) Kritik – Ang Lee auf der Höhe seines Schaffens

"Hast du nie das Gefühl, ich weiß auch nicht, wenn du durch die Stadt gehst und dich jemand anguckt, ganz misstrauisch, als ob er es wüsste. Dann gehst du weiter und auf einmal gucken dich alle an, als ob sie es auch wüssten." Der taiwanesische Regisseur Ang Lee ist einer der ausländischen Filmemacher, die sich nicht den Hollywoodgesetzen beugen und mit einer subtilen und feinen Art seine Filme dem richtigen und ausgewählten Publikum näherbringt. Angefangen hat das so richtig 1994 mit 'Eat Drink Man Woman', danach kam 'Sinn und Sinnlichkeit' und 1997 inszenierte er das gesellschaftskritische Meisterwerk 'Der Eissturm'. Der Western 'Ride with the Devil' trug ebenfalls seine Handschrift und konnte sich als Perle des Genres bezeichnen lassen, genau wie sein Oscarkandidat 'Tiger & Dragon' 2...
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"My Week With Marilyn" (USA 2011) Kritik – Das Leben eines Filmstars

"All the people see is Marilyn Monroe. As soon as they realize who I really am, they run." "My Week With Marilyn" ist ein Drama über die Verhältnisse zwischen den Beteiligten des Filmdrehs von "Der Prinz und die Tänzerin" aus dem Jahr 1957. Da hätten wir Laurence Olivier (Kenneth Branagh) als Regisseur und Hauptdarsteller, der auf dem Set immer wieder Schwierigkeiten mit seiner Protagonistin Marilyn Monroe (Michelle Williams) hatte. Als sein Regieassistent Colin Clark eine Affäre mit Monroe startet, glaubt er schließlich die Lösung gefunden zu haben, Monroe zu ihrer schauspielerischen Höchstleistung zu bringen und den Dreh doch noch erfolgreich zu beenden. Es ist seit eh und je problematisch, das Leben von Ikonen zu verfilmen. Zumeist schafften es die Verantwortlichen nicht, zwischen d...
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"Shutter Island" (USA 2010) Kritik – Im Angesicht des Wahnsinns

"Was wäre schlimmer, zu leben wie ein Monster, oder als guter Mann zu sterben?" Die gemeinsamen Jahre zwischen Martin Scorsese und Robert De Niro sind lang vorbei. Doch der Meisterregisseur hat einen neuen Stammschauspieler gefunden: Leonardo DiCaprio. Die Qualität von De Niro hat er zwar noch nicht ganz erreicht, doch das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Nach 'Gangs of New York', 'Aviator' und 'Departed' kam es 2010 zur vierten und bis lang letzten Zusammenarbeit des Traumgespanns in 'Shutter Island'. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dennis Lehane erweist sich als nervenzerrender und äußerst vielschichtiger Psycho-Thriller. Kameramann Robert Richardson leistet vorzügliche Arbeit. Die Bilder sind unheimlich düster und ein unwohles und angespanntes Gefühl tritt durchgeh...
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"State of Mind" (USA 2003) Kritik – Die Geschichte eines außergewöhnlichen Mörders

"Es gibt zwei Möglichkeiten wie man die Welt sehen kann. Entweder man sieht die Traurigkeit, die hinter den Fassaden der Leute steckt, oder man beschließt, sie nicht an sich ranzulassen. Das Herz kann einem nicht gebrochen werden, wenn man nicht zulässt dass die Welt einen berührt." Und wieder widme ich mich einem Film der wieder einmal völlig an mir vorbeigegangen ist. Wie ich dann trotzdem auf den Film gestoßen bin? Durch seinen Hauptdarsteller, wer könnte es bei mir zurzeit auch anderes sein, Ryan Gosling. Mit dem unscheinbaren Indie-Drama 'State of Mind' von 2003 inszeniert Regisseur Matthey Ryan Hoge einen zwar durchaus hochwertigen aber unaufdringlichen Einblick in das Seelenleben eines Mörders. Und genau das ist auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt des Films. Das 'State of M...
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"Blue Valentine" (USA 2010) Kritik – Eine bittere Erkenntnis

"Ich meine, die verbringen ihr Leben damit nach dem Traummann zu suchen und dann nehmen sie den Kerl der n' guten Job hat und nicht abhaut." Hach ja, wie kommen mir doch diese schrecklich schmalzigen RomComs mit ihrer Friede, Freude, Eierkuchen, am Ende sind wir ewig zusammen-Stimmung inzwischen aus den Ohren. Seit geraumer Zeit überschwemmen sie unaufhaltsam die Kinos und finden dazu noch ihr Publikum. Ich hab diesem Genre jedenfalls schon lange den Rücken zugedreht und doch wird man immer wieder damit konfrontiert. Umso erfrischender ist es, wenn Filme gedreht werden die eine Beziehung endlich realistisch beleuchten. Deren Cianfrances 'Blue Valentine' ist so ein Fall. Cianfrance schafft es ein herzzerreißendes Meisterwerk über die Höhen, aber vor allem über die Tiefen einer Beziehung ...
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"Meek’s Cutoff" (2010) Kritik – Der vielleicht langweiligste Film aller Zeiten!

Inhalt: Eine Gruppe von Siedlern zieht durch Amerika auf der Suche nach Wasser. Irgendwo im Nirgendwo von Oregon verlieren sie schließlich die Orientierung. Über die Aussage des Films brauche ich keine Worte verlieren, denn eine solche gibt es nicht. Es sei denn, die Regisseurin wollte betonen, dass wir den Ablauf unseres Lebens nicht selbst bestimmen können. Schwachsinn! Getreu dem Motto "Von nichts kommt nichts" schuf Kelly Reichardt mit "Meek's Cutoff" also einen Film, der dem Begriff 'bedeutunglos' eine vollkommen neue Dimension verleiht. Es scheint, als wollte die Dame ihr Projekt möglichst realistisch gestalten. Das geht allerdings ab der ersten Sekunde nach hinten los. Die amateurhaftesten Kameraaufnahmen, die ich jemals im Kino zu Gesicht bekommen habe, schrecklich unterfordert...
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"Blue Valentine" (USA 2010) Kritik – Gosling und Williams sind nicht zu toppen

Das Leben spielt einem schon manchmal einen Streich. Erst bekommt man monatelang keine wirklich herausragenden Filme zu sehen. Und nun darf ich innerhalb weniger Tage an zwei herzzereißenden, kraftvollen Meisterwerken teilhaben. Die Rede ist von 'The Tree of Life' und 'Blue Valentine'. "So, a child molester and a little kid are walking into the forest. They go deeper and deeper into the woods and it gets darker and darker out. Finally, the kid looks up at the child molester and says, "Gee, mister. It's dark out here. I'm getting really scared." The child molester says, "You think you're scared? I have to walk out of here by myself!" Welcher Film auch immer dieses Jahr gezeigt wurde und noch gezeigt werden wird, ihr werdet keine besseren schauspielerischen Leistungen sehen, als die von ...