Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Can a Song Save Your Life?" (USA 2013) Kritik – John Carney lädt zur musikalischen Großstadthommage

Autor: Pascal Reis „You know, I wasn't trying to win you over. I was telling you to fuck off.“ Mit seinem herrlich zurückgenommenen Musik(er)-Film „Once“ erlangte der irische Filmemacher John Carney internationale Reputation: Die Geschichte über einen Straßenmusiker und eine junge Pianistin, die nicht nur in ihrer gemeinsamen Passion zusammenfinden – natürlich war „Once“ eine Liebeserklärung an die Musik selbst -, versprühte eine ungeschönte Herzenswärme und ließ die beiden Laiendarsteller Glen Hansard und Markéta Irglová ohne jeden Ansatz von Prätention ihrer Wege gehen. Dass Carney inszenatorisch darin zwar noch keine Meisterklasse erreicht hatte, lässt sich nicht verheimlichen, doch die Aufrichtigkeit im Umgang mit seinen Charakteren konnte handwerkliche Mängel ein Stück weit kaschie...
Filmkritiken

"The Expendables 3" (USA 2014) Kritik – Kinderquatsch mit Sly und Co.

Autor: Pascal Reis „Welcome to the 21st century.“ In Zeiten, in denen es der neuste Trend scheint, kolossale Materialschlachten aus dem Hochleistungscomputer auf die Leinwände zu projizieren und Comic-Helden oder Riesenroboter alles in Schutt und Asche legen zu lassen, hatte Sylvester Stallone mit seinem nostalgisch-verklärten Söldner-Actioner „The Expendables“ von 2010 angenehmes Kontrastprogramm in Bezug auf die vorherrschende Gigantomanie der kontemporären Kinolandschaft geboten: Hier gab es ruppige Hau-Drauf-Sequenzen, die nicht an Kinetik interessiert waren, sondern die den physischen Einschlag in geradliniger Old School-Manier in den Fokus rückten. „The Expendables“ hat den 1980er Jahren wie den frühen 1990er Jahren mit reichlich Hämoglobin im Schlepptau Tribut gezollt und den eh...
Filmkritiken

"The Purge 2 – Anarchy" (USA 2014) Kritik – Straßen in Flammen

Autor: Pascal Reis "It's late. You need to leave." Nachdem James DeMonaco mit seinem Home-Invasion-Thriller „The Purge – Die Säuberung“ einen doch recht ansehnlichen Erfolg feiern konnte (der Film spülte fast das Dreißigfache seines 3 Millionen Dollar Budgets in die Kassen), war es, wie es der Trend nun einmal verlangt, nur eine Frage der Zeit, bis sich eine Fortsetzung in den Kinos breitmachen durfte. Dass „The Purge – Die Säuberung“ aber alles andere als ein guter Film war, lässt sich mit Leichtigkeit attestieren, ging dem Drehbuch, dessen Prämisse natürlich Humbug der Extraklasse ist, jede Gesellschaftskritik mit satirischem Einschlag daran verloren, dass sich die Produktion ihrer schieren Blödheit nicht bewusst gewesen war und mit befremdlicher Ernsthaftigkeit sein „12-Stunden-Gesetz...
Filmkritiken

"Im August in Osage County" (USA 2013) Kritik – Wenn Familie nur noch Scherben bedeutet

Autor: Pascal Reis "Eat the fish, bitch!" Wenn man zu lesen bekommt, dass ein Film auf einem Theaterstück von Tracy Letts basiert, dann darf man sich relativ sicher sein, dass darin nicht gerade zimperlich zu Werke geschritten, besitzt die US-Amerikanerin doch eine (sozial-)kritische Durchschlagskraft, die an die pointierten Sittengemälde der Yasmina Reza („Der Gott des Gemetzels) erinnern. Die 2011 veröffentliche White-Trash-Abrechnung „Killer Joe“ von Altmeister William Friedkin („Der Exorzist“) stellte dies mit einem unnachahmlichen Zynismus unter Beweis, in dem Matthew McConaughey („Mud – Kein Ausweg“) dem Trailerpark-Gesocks (darunter Emile Hirsch, Thomas Haden Church und Gina Gershon) den eigenen Fraß bis tief in den Rachen schob – Ein Meisterwerk der jüngeren Filmgeschichte, das...
Filmkritiken

"22 Jump Street" (USA 2014) Kritik – Der chaotische Undercover-Einsatz geht in die zweite Runde

Autor: Sebastian Groß “We're like Batman and Robin, but we're both Batman.” Schmidt und Jenko sind wieder da. Nach dem Erfolg ihres letzten Einsatzes bekommt das ungleiche Cop-Duo einen neuen Auftrag. Diesmal sollen sie am College den Ursprung einer neuen Droge ausfindig machen. Kein einfacher Job, denn die Freundschaft der beiden ungleichen Undercover-Polizisten wird auf der Universität auf eine äußert harte Probe gestellt. Vor einigen Jahren gab es einen kurzlebigen Blockbuster-Trend: bekannte Serienklassiker neu für die große Leinwand neu zu adaptieren. Mit „Charlie’s Angels“, „Wild Wild West“ oder „S.W.A.T. – Die Spezialeinheit“ gelangen damit sogar ein paar kapitale Erfolge. Natürlich war es nicht das erste (und ganz sicher nicht das letzte) Mal, dass eine TV-Serie als Vorlage für...
Filmkritiken

"Nightcrawler": Erster Trailer zum Thriller mit Jake Gyllenhaal

Autor: Pascal Reis Wie mir der Trailer gefällt: Jake Gyllenhaal versackt als Journalist für Recherchen im Sumpf des Verbrechens von Los Angeles. Der Trailer zeigt unmissverständlich auf, dass es in Dan Gilroys "Nightcrawler" äußerst atmosphärisch zur Sache gehen wird. Außerdem scheint der abgemagerte Jake Gyllenhaal erneut eine famose Leistung abzuliefern, aber mit ihm im Cast ist man inzwischen ja eh immer auf der richtigen Seite. "Nightcrawler" gehört auf jeden Fall zu den interessanteren Projekten der nächsten Zeit. Der deutsche Kinostart ist leider noch unbekannt.
Filmkritiken, Serien

"Gilmore Girls" Staffel 1 (USA, 2000) Kritik – Eine bessere Welt

Autor: Sebastian Groß „This is not a herbal tea morning, this is a coffee morning.“ Es gibt Serien, die gelten als geschlechtsuniversell. Gerade im aktuellen Serien-Boom wird wenig Zeit darauf verwendet, eine Serie einer weiblichen oder männlichen Zuschauerschaft einzuordnen. Doch noch immer gibt es sie, die episodenhaften, narrativen Produkte der verschiedenen Sender, die sofort mit einem Geschlecht assoziiert werden. Eine Frau schaut „Spartacus: Blood and Sand“?! Da schnellt so manch eine Augenbraue in die Höhe. Ja, die Gender-Schublade wird gerne und oft (sowie vorschnell) geöffnet. Auch meine Brauen schießen fast schon instinktiv in die Höhe, wenn mir ein Freund erzählt, dass er gerne „Desperate Housewives“ oder „Eine himmlische Familie“ sieht. Zum Kanon dieser „Frauenserien“ gehört...
Filmkritiken, Serien

"Die Brücke – Transit in den Tod" Staffel 2 (SW/DN/D, 2013) Kritik – Hoffnung, die von der Klippe springt

Autor: Sebastian Groß „Die Welt ist größer als wir.“ Das ZDF macht sich. Als einer der ersten Sender Deutschlands überhaupt versuchten sich die Programmverantwortlichen daran, von ihrem Image des „Seniorensenders“ zumindest rudimentär zu trennen. Der Spartenkanal zdf_neo ging on air und auf dem Mainzer Lerchenberg, der Zentrale des zweiten deutschen Fernsehens, versuchte man ein attraktives Programm zu gestalten. Dazu wurden zig hochgelobte Formate eingekauft, die zunächst zwar nur im kleinen neo gesendet wurden, die aber später auch den Sprung ins Hauptprogramm schaften. Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Novum gewesen, wenn im ZDF neben „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Der Alte“ oder „Siska“ auch Serien wie „Luther“ mit Idris Elba und Ruth Wilson oder „Downton Abbey“ mit Maggie Smith ...
Filmkritiken

"Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm" (F, 2013) Kritik – Mit gegenseitigem Hass von München nach Korfu

Autor: Sebastian Groß „Du darfst doch gar nicht fliegen, mit deinen falschen Titten.“ Asche wirbelt umher, eine Wolke aus Ruß und giftigem Dampf rollt unaufhaltsam über die angesengte Landschaft, Brocken aus Stein und Hitze rasen wie Kometen durch die Luft und zerschmettern alles, was sie treffen: Häuser, Autos, den Asphalt der Straßen, auf den die Menschen voller Verzweiflung schreiend um ihr Leben fliehen. Ihre Heimat war einmal, denn ein Vulkan zerstört mit seiner gewaltigen Kraft alles, was in seiner Nähe ist. Was bleibt ist Chaos, Vernichtung und Tod. So würde die Beschreibung einer Katastrophenfilms klingen, in dem ein feuerspeiender Vulkan der Grund dafür ist, dass die Helden um ihr Überleben kämpfen. Bei „Eyjafjallajökull“ (wer den Titel fehlerfrei aussprechen kann sollte überleg...
Filmkritiken

"No Turning Back" (GB/US 2013) Kritik – Tom Hardy möchte seinen Namen reinwaschen

Autor: Pascal Reis "I'm not coming home." Seinen Traum, einen Film, der nur in einer Telefonzelle spielt, konnte sich die britische Legende Alfred Hitchcock („Ein Cocktail für eine Leiche“, „Ich beichte“) dann letztlich zwar nicht mehr verwirklichen (Joel Schumacher mit seinem Thriller „Nicht auflegen!“ aus dem Jahre 2002 hingegen schon), doch der Gedanke von einem Szenario, das sich auf einem komprimiert-limitierten Spielraum entfaltet, einem feurigen Tanz auf dem Bierdeckel sozusagen, mäandert resistent aller Zweifel beständig durch die Filmgeschichte. Erst im Januar war es beispielsweise Robert Redford, der als Skipper in „All Is Lost“ nicht nur das Meer als transzendente Erfahrung erlebte, sondern sich in Sachen Bewegung allein auf sein lädiertes Segelboot beschränken musste. Noch ex...