Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Magic, Magic" (USA 2013) Kritik – Roman Polanski hat einen Erben gefunden

Autor: Pascal Reis "Please don't shoot." Chile, das Land am „Ende der Welt, wo der Teufel seinen Poncho verlor“, so ein Sprichwort, ist gerade aufgrund seiner klimatischen Kontradiktion für Globe-Trotter interessant: Dort gibt es nämlich nicht nur die Anmut des pazifischen Ozeans zu bestaunen, sondern auch die schneebedeckten Gipfel der Anden, grüne Seenregionen und spröde Wüsten – Für Naturdokumentationen also ein echtes Schlaraffenland. Filmisch aber konnte uns der letzte Ausflug in das südamerikanische Land im Januar mit „Aftershock“ nicht gerade in Verzückung setzen. Eli Roth, der dort als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent in Personalunion fungierte, präsentierte einen blutig-zynischen Genre-Film, dem so ziemlich alles missraten ist, was einem solchen Projekt nur missraten kann...
Kritik: The Raid 2 (ID 2014) – Action, so rein und einnehmend, als wäre es das erste Mal
Action, Filme, Filmkritiken

Kritik: The Raid 2 (ID 2014) – Action, so rein und einnehmend, als wäre es das erste Mal

Autor: Sebastian Groß So etwas wie einen sauberen Krieg gibt es nicht. Laut deutscher Rechtsprechung handelt es sich dann um Pornografie, wenn ein Film mit seinen expliziten Bildern darauf abzielt, profan gesagt, den Zuschauer aufzugeilen. So gesehen ist die Bezeichnung Action-Porno für „The Raid“ aus dem Jahre 2011 durchaus passend. Der Waliser Gareth Evans inszenierte mit diesem simplen, aber höchst effektiven Reißer einen der meist gelobten Actionfilme des neuen Jahrtausends. Dank diverser positiver Stimmen und dem daraus resultierenden Hype gelang „The Raid“ sogar der Sprung ins ausländische Kino. Für einen indonesischen Film durchaus eine Seltenheit. Und so scharte sich um Evans dritten Spielfilm eine große Anhängerschaft, denn er erschuf mit „The Raid“ ein Werk, welches in ...
Filmkritiken, Serien

"Orphan Black" 1. Staffel (CA 2013) Kritik – Die Tatiana Maslany Show

Autor: Sebastian Groß „Plato would've thought we were gods. But we're not.“ Bei der letzten Verleihung der Golden Globes, gab es zwei Darstellerinnen die für ihre Leistung als beste Hauptdarstellerin in eine Drama-Serie nominiert waren, die dem deutschen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit absolut unbekannt waren: Denn neben Robin Wright, Julianna Margulies und Kerry Washington, durften auch Taylor Schilling und Tatiana Maslany kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners in die Kamera lächeln. Am Ende bekam Wright den Award. Schilling, die für die gefeierte Netflix-Produktion „Orange is the New Black“ nominiert war und Maslany gingen leer aus, aber zumindest waren ihre Gesichter kurzzeitig dem internationalen Publikum vorgestellt worden. Immerhin etwas, denn beide Frauen hätten den Preis ...
Filmkritiken

"A Million Ways to Die in the West" (USA 2014) Kritik – Nichts los im Wilden Westen

Autor: Pascal Reis "You really shouldn't drink and horse." Albert ist Inhaber einer Schaffarm und seine Person wird vom Großteil der Bevölkerung des Kleinstadt Old Stumpf eher mit Spott gehandelt. Durch die von der harten Hand seines Vaters geprägte Kindheit sieht Albert im Wilden Westen nur Tod und Ödnis, was ihn selbst zu einem echten Angsthasen gemacht hat, der nicht mal den Weg zum Plumpsklo ohne Bedanken antreten kann. Als ihn dann auch noch seine Freundin Louise verlässt und in die Arme des Schnurrbartträgers Foy flüchtet, sieht sich Albert endgültig auf dem Tiefpunkt angekommen. Mit Anna kommt eines Tages jedoch eine Frau in sein Kaff, die ihm anfangs dabei helfen möchte, zurück zu seiner Louise zu finden, doch zwischen Albert und Anna beginnt das Knistern ebenfalls langsam. Was A...
Filmkritiken, Serien

"Hannibal" 2. Staffel (USA 2014) Kritik – Von der Dissonanz zur Komposition

Autor: Pascal Reis „Put your head back. Close your eyes. Wade into the quiet of the stream.“ Die erste Staffel von „Hannibal“ hatte mit erheblichen Startschwierigkeiten mannigfacher Causa zu kämpfen und schmälerte zu Anfang noch die Hoffnungen darauf, erneut in den Genuss eines ähnlich hochkarätigen Formats à la „Game of Thrones“, „Walking Dead“ oder „Mad Men“ zu kommen. Ja, die Qualität von „Hannibal“ blieb vorerst im Verborgenen, der Erzählfluss stagnierte gewaltig und den Charakteren gelang es einfach nicht, ein rechtes Interesse für ihre misslichen Lagen zu generieren. Das Blatt wendete sich schließlich noch, Mads Mikkelsen bewies erneut, warum er inzwischen zu den Besten seiner Zunft gehörte und „Hannibal“ zog die Daumenschrauben von Folge zu Folge, bis zum tollen Finale, gekonnt fe...
Filmkritiken, Serien

"Hannibal" 1. Staffel (USA 2013) Kritik – Geschichte wird mit Blut geschrieben

Autor: Pascal Reis „Who's hungry?“ Wenn literarische Entitäten auf die Leinwand projiziert werden, sind es, logischerweise, die Anhänger jenes Stoffes, deren Welt erst mal einmal ins Wanken gerät, die sich das laute Aufschreien nicht verkneifen und dem Projekt per se jedwede Daseinsberechtigung abzusprechen versuchen. Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einen Roman bis ins kleinste Detail ganz und gar vorlagengetreu filmisch umzusetzen, würde diese Behandlungsweise doch eigentlich jeglichen zeitlichen wie dramaturgischen Rahmen des Kinos an und für sich sprengen. Wie aber würde der Umgang mit einer Buchvorlage aussehen, wenn man sie in Serie gießt, um ihr so eine enorme künstlerische Spannweite zur Entfaltung entgegenzubringen? Das BBC-Format „Sherlock“ beweist mit ihrer launige...
Filmkritiken

"Wolf Creek 2" (AU 2013) Kritik – Touristen raus! Touristen raus! Touristen raus!

Autor: Pascal Reis „We're stuck in the middle of nowhere and this place gives me the creeps.“ Beinahe ganze zehn Jahre sollten erst verstreichen, bis es der von Genre-Geeks heißerwartete zweite Teil vom australischen Terror-Manifest „Wolf Creek“ auch in Deutschland in die Kinos schaffen würde. Aber wie soll eine solche Fortsetzung, gerade auch bei diesen relativ „einfachen“ Verhältnissen, die „Wolf Creek“ aber überdurchschnittlich zu pflegen wusste, schon ausfallen? Wie soll man diesen Stoff noch reizend weiterentwickeln, ohne sich in gängigen Kaskaden der Gewalt zu verstricken und jene nach Strich und Faden zu zelebrieren? „Wolf Creek 2“ zeigt, dass es auch heutzutage durchaus möglich ist, einen Horror-Film angemessen weiterzudenken, in dem man Schwerpunkte konsequent verlagert, um sich...
Filmkritiken, Serien

"True Detective" 1. Staffel (USA 2014) Kritik – Die Antithese des Buddy-Movies

Autor: Pascal Reis "I don't sleep, I just dream." Menschliche Silhouetten legen sich über den Bildschirm, gespickt, umklammert und gleichzeitig entrückt und verfremdet von Landschaftsfragmenten, maroden Gebäudekulissen, ornamentierten Gegenständen. Alles verschmilzt inmitten motivischer Symbolik, wird eins, um mit dem nächsten Wimpernschlag schon wieder voneinander getrennt zu werden, sich abzustoßen, Grenzen innerhalb dieser Kadrage aufzuweisen, während The Handsome Family mit „Far from Any Road“ das Geschehen musikalisch so passend wie abwegig begleitet. Diese Sequenz, das Opening von „True Detective, lässt Großes erahnen, es nimmt den Zuschauer gefangen, öffnet ihm die Pforten in eine neue Welt. Diese neunzig Sekunden sind in ihrer symbiotischen Stilistik für die Ewigkeit; einprägsam...
Filmkritiken

"Urlaubsreif" (USA 2014) Kritik – Tolle Familien, armes Afrika

Autor: Sebastian Groß „Wir beiden brauchen diesen Fist Bump.“ Mit besonders vielen Regisseuren hat Adam Sandler noch nicht zusammengearbeitet. Mit Dennis Dugan drehte er gleich 8 Filme, mit Frank Coraci ist „Urlaubsreif“ die vierte Zusammenarbeit. Mit Dugan lieferte Sandler komödiantische Hits wie „Leg dich nicht mit Zohan an“ ab, aber auch Totalausfälle wie „Jack & Jill“ und das elend konformistische Sandler-Buddy-Treffen „Kindsköpfe“. Das Duo Coraci/Sandler hingegen legen meist mehr Wert auf - trotz Chaos-Klamauk - liebenswerten Witz, der (zu) oft die Grenzen zur Schmerzgrenze des Kitschigen sprengt, dafür aber nicht das Nervenkostüm seines Publikums mit teils derben Infantilitäten herausfordert. Ihr „Eine Hochzeit zum Verlieben“ aus dem Jahre 1997 markiert darüber hinaus auch das er...
Filmkritiken

"Godzilla" (JP/US 2014) Kritik – Ein Herz für Monster

Autor: Jan Görner „Es wird uns alle in die Steinzeit schicken!“ Selten lässt sich ein Kult genau datieren. Doch im Falle von "Godzilla" begann alles am 01. März 1954 als die Besatzung des japanischen Fischerbootes "Glücklicher Drache V" unweit des Bikini-Atolls in das Einflussgebiet eines US-amerikanischen Nuklearwaffentests tags zuvor geriet. Menschen und Boot wurden schwer verstrahlt. Ein Besatzungsmitglied starb noch im selben Jahr, weitere sechs an den Spätfolgen. In Japan, das immer noch mit dem Schrecken von Hiroshima und Nagasaki zu kämpfen hatte, löste der Fall eine Welle der Empörung aus, die sich schließlich in Ishirô Hondas Überraschugserfolg "Godzilla" niederschlug. Mit der eilig heruntergekurbelten Fortsetzung zum Vorjahreshit "Godzilla kehrt zurück" wurde schließlich ein ...