Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Zulu" (FR 2013) Kritik – Südafrika fleht um Gerechtigkeit

Autor: Pascal Reis „No brain, no pain.“ Als Kind ist Ali Neumann zusammen mit seiner Mutter den bestialischen Inkatha-Milizen geradeso entwichen, während er mitansehen musste, wie sein Vater gefoltert und bei lebendigen Leibe verbrannt wurde: Ein Schicksal von unzähligen, doch vom Schmerz dieser Tage kann sich Ali bis heute nicht losreißen. Inzwischen als Chef der Mordkommission in Kapstadt tätig, hat Ali seinen Weg gemacht, doch ausgerechnet einer seiner Vorgesetzten gehört zu den Verbrechern jener Tage, die sämtliche Schwarze gefoltert und ermordet haben. Zusammen mit dem weißen Polizisten Brian Epkeen kämpft Ali gegen die stetig steigende Kriminalitätsrate Kapstadts an und stoßen auf die Leiche einer 20-Jährigen, die erst Opfer einer synthetischen Droge und später den Schlägen ihres ...
Filmkritiken

"100 Bloody Acres" (AU 2012) Kritik – Blut und Knochen für den heimischen Garten

Autor: Pascal Reis „He wants my potassium!“ 2005 war es Greg McLean, der uns mit „Wolf Creek“ entlang der sonnigen Westküste hinein in die Abgründe des australischen Hinterlandes führte. „100 Bloody Acres“ von Cameron und Colin Cairnes, der erneut Down Under mit zwei eigenwilligen Ausgeburten des Hinterlandes auf einen Nenner bringt, sieht die Sache mit dem Grauen dieser Areale nicht ganz so eng wie Greg McLean und folgt einer von Grund auf makaberen Prämisse. Lustigerweise, und das hat gewiss seine Gründe, schenken die Regie-Brüder John Jarratt, dem diabolischen Redneck aus „Wolf Creek“, einen konträren Auftritt als Gesetzeshüter, bevor wir ihn Mitte Mai in der Fortsetzung zum erfolgreichen Survival-Terror wieder in seiner fiesen Paraderolle erleben dürfen. Ein wohl interessanterer T...
Filmkritiken

"Jung & Schön" (FR 2013) Kritik – Kann Prostitution auch seelische Freiheit bedeuten?

Autor: Pascal Reis „Es hat mir gefallen, mich zu verabreden.“ Francois Ozon gehört in die Reihe aktiver französischer Filmemacher, die nicht darauf erpicht sind, einer klaren thematischen Kategorisierung unterstellt zu werden. Ob der gebürtige Pariser nun in seinem nächsten Werk wieder eine beschwingte Komödie inszenieren wird, ein Loblied auf die Rhetorik, auf die Möglichkeit, sich seine eigene Welt zu erschaffen oder ob es dann doch einen abgründigen Thriller geben wird, bleibt von Mal zu Mal spannend. Sicher sind Ozons Arbeiten dabei nicht immer auf einer exakten qualitativen Stufe anzutreffen, interessant und vielseitig liest sich sein bisheriges Schaffen ohne Wenn und Aber. Mit seinem vierzehnten Film „Jung & schön“, der ihm gleichzeitig seine erst zweite Einladung für den Wettbew...
Filmkritiken

"Ride Along" (USA 2013) Kritik – Ein Buddy-Movie zum Abgewöhnen

Autor: Pascal Reis „Today is your training day.“ Buddy-Movies gehören in der Filmwelt gewiss nicht zu den Modeerscheinungen, wie sie immer mal wieder eine Hochphase feiern dürfen, dann aber über kurz lang von der Bildfläche verschwinden, wie es beispielsweise mit dem Sandalenfilm geschah, den Ridley Scott 2001 mit „Gladiator“ opulent reanimiert, damit jedoch keinen anhaltenden Trend abzeichnen durfte. Nein, ein Buddy-Movie will sich nicht als definiertes Zeitgeistphänomen verstehen, dafür ist diese Art von Film einfach viel zu beliebt und wird es auch immer bleiben. Man denke dabei nicht nur an Stan Laurel und Oliver Hardy, die mit ihren Auftritten in den legendären „Dick & Doof“-Streichen das Zwerchfell des Zuschauers abermalig zum Erschüttern brachten, oder auch Bud Spencer und Terenc...
Filmkritiken

"Sabotage" (USA 2014) Kritik – Wo die Muskelberge unter Mimikspastik leiden

Autor: Sebastian Groß „We had our fingers in the devil's pussy.“ Neben den hundert Millionen Dollar schweren Massenvernichtungsorgien der großen Studios, in denen ganze Metropolen und damit auch deren Bewohner den Erdboden gleichgemacht werden, hat sich fast schon etwas still und heimlich ein zweiter Actiontrend gebildet. Gemeint sind günstige bis mittelpreisige Actionfilme, die in ihrer Destruktion weitaus realistischer, rauer und vor allem brutaler zu Werke gehen, als die auf Zelluloid gebannten Zerstörungsorgien eines „Man of Steel“ oder „Star Trek Into Darkness“. „Sabotage“ von „Harsh Times“-Regisseur David Ayer ist so ein „kleiner“ Actionfilm. Ein brutaler Reißer, in dem nicht klinisch sauber gestorben wird, sondern in dem das Blut spritzt, Projektile tiefe Wunden ins Fleisch fräsen...
Filmkritiken, Serien

"Game of Thrones" 3. Staffel (USA 2013) Kritik – Fleisch, Stahl und Stagnation

Autor: Sebastian Groß „The Winter is coming... slowly.“ Die TV-Adaption von George R. R Martins literarischer Fantasyreihe gehört zu den erfolgreichsten fiktionalen Stoffen, die aktuell von einem Fernsehsender (in dem Falle der Pay-TV Sender HBO) in Auftrag gegeben und ausgestrahlt wird. Neben „Breaking Bad“, “Mad Men”, „Sons of Anarchy“, „Boardwalk Empire“, „Shameless“ oder „Banshee“ gehört „Game of Thrones“ zur Speerspitze neuer US-Serien, die mit teils komplexen Geschichten, vielschichtigen Figuren und anti-adoleszenten Inhalten nicht nur in Amerika für zufriedene Zuschauer sorgt –und für massive Downloads. Vor allem außerhalb der USA gehören diese Serien zu den am meisten legal wie illegal beschafften Unterhaltungsprodukten, was hierzulande auch daran liegen mag, dass viele Serien eh...
Filmkritiken

"Die Söhne des Generals Yang" (HK 2013) Kritik – Blut ist dicker als Wasser

Autor: Pascal Reis „Die Kunde der Schlacht hinaus in die Welt zu tragen, das gelingt nicht ohne Boten.“ Erst am 30. Januar dieses Jahres, wurde das deutsche Kino mit der amerikanischen Produktion „47 Ronin“ beglückt, die sich mit der mythische Volkserzählung der tapferen Samurai beschäftigte, die ihren Meister rächen wollten und sich Gegnern jeder Art in den Weg stellten. Der Intention hinter Carl Rinschs hochbudgetierten (175 Millionen US-Dollar) Fantasy-Abenteuer war eine ehrenhafte, wollte man doch versuchen die Sehgewohnheiten der westlichen Konventionen an die fernöstliche Kultur anzugleichen. Das Resümee aber musste vernichtend ausfallen, denn obgleich „47 Ronin“ ambitioniert zu Werke ging, vergaß der Film hinter seinem computergenerierten Überdruss gänzlich den Geist des Mythos ...
Filmkritiken

"Captain America 2: The Return of the First Avenger" (USA 2014) Kritik – Comic-Action ohne Titelhelden?

Autor: Jan Görner "You said you got out for a reason." "Dude, Captain America needs me. No better reason to get back in." Armer Captain America. Mit einem Budget von geschätzten 200 Millionen Dollar und einem weltweiten Einspiel von nur rund 350 Millionen stieß der erste Kinoausflug des rot-weiß-blauen Superhelden "Captain America: The First Avenger" (2011) besonders außerhalb der USA auf wenig Gegenliebe. Fraglich ist, ob es überhaupt zu einer Fortsetzung gekommen wäre, wenn "Cap" sich nicht unerlässlich für das Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht hätte. Vielleicht war das Problem, dass Joe Johnstons ("Jurassic Park 3") träge inszeniertes Auftragswerk mit einem schwachen Drehbuch, mangelnder Chemie zwischen den Charakteren und einer unausgewogenen Struktur zu kämpfen hatte. Anderers...
Filmkritiken

"300: Rise of an Empire" (USA 2014) Kritik – Griechische Waschbretter im Blutrausch

Autor: Sebastian Groß "Better we show them, we chose to die on our feet, rather than live on our knees!" 2006 gehörte “300” zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres und katapultierte Regisseur Zack Synder und Hauptdarsteller Gerard Butler auf die A-Liste ihrer Zunft. Die Verfilmung des gleichnamigen Comics von Frank Miller leitete eine Welle von Comicverfilmungen ein, die sich auf ein erwachsenes Publikum konzentrierten, obwohl „300“ in seiner Stilistik und gewalttätigen Glorifizierung vom Kampf und Tod vor allem großen Gefallen bei jüngeren Zuschauern fand, denen es herzlich egal war, dass hinter der ungleichen Schlacht von dreihundert spartanischen Soldaten gegen eine persische Dominanz fast schon debil anmutende Rollenklischees und faschistoider Pathos steckte, dessen Aussage nicht nu...
Filmkritiken

"Saving Mr. Banks" (GB/AU/USA 2013) Kritik – Walt Disney hält seine Versprechen

Autor: Pascal Reis "You think Mary Poppins is saving the children, Mr. Disney?" Dass man seine Versprechen nicht brechen darf, wusste auch schon der große Walt Disney, als er seinen Töchtern bereits in den 1940er Jahren versprach, eine Verfilmung ihres Lieblingsbuches „Mary Poppins“ in die Wege zu leiten. Der Zeichentrickmogul allerdings hat seine Rechnung ohne die Engstirnigkeit der Autorin P.L. Travers gemacht, die sich nach langwierigen Verhandlungen erst im Jahre 1961 nach Hollywood begibt und eine ganz und gar vorlagengetreue Adaption erwartet: Nur mit großem Widerwillen kann sie sich damit arrangieren, dass aus ihrer „Mary Poppins“ eine Musicalinterpretation werden soll, doch bei jeder weiteren winzigen Abweichungen können sich Walt Disney und seine Crew um Drehbuchautor Don DaG...