Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Perfect Sense" (GB 2011) Kritik – Liebe von Sinnen

"Eines Tages. Eines Tages wirst du dich verlieben und du wirst leiden." Der britische Filmemacher David Mackenzie ist eher einer der spezielleren, aber genauso besonderen Regisseure. Mit sensiblen Filmen wie 'Young Adam' und 'Hallom Foe', konnte Mackenzie verdiente Aufmerksamkeit bekommen, doch für den großen Durchbruch sollte es nie reichen. Nach seinem letzten Spielfilm 'Toy Boy' mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle, der von allen Seiten reichlich böse und vernichtende Worte zu hören bekam, wurde es für MacKenzie wieder Zeit, zurück in die alte Spur zu finden. Im Jahr 2011 kam sein neuer Film 'Perfect Sense' in ausgewählte Kinos und MacKenzie inszenierte nicht nur einen richtig guten Film, sondern zeigte uns auch etwas vollkommen Neues. Michael ist Chefkoch und führt offensichtlich e...
Filmkritiken

"Der unglaubliche Hulk" (USA 2008) Kritik – Die durchschnittliche Rückkehr

"Wenn ich das, was ich heute weiß, in meinen Körper von vor 10 Jahren stecken könnte, würde ich nicht gegen mich selbst kämpfen wollen!" 5 Jahre sollte es dauern, bis sich das beliebte grüne Monster Hulk nach Ang Lees gescheiterter Interpretation 2003 wieder über die großen Leinwände hermachte. Ein neuer Versuch sollte es also werde und keine Fortsetzung, wie es auch heute noch von vielen fälschlicherweise angenommen wird. Auf dem Regiestuhl fand sich diesmal der französische Regisseur Louis Leterrier wieder, der vorher die ersten zwei 'Transporter'-Filme mit Jason Statham in der Hauptrolle inszenierte. Mit Action kannte sich der Mann also aus, aber würde das auch für eine würdige neue Hulk-Verfilmung reichen? Wohl nicht ganz. 'Der unglaubliche Hulk' ist zwar klar besser als Ang Lees sc...
Filmkritiken

"Candy" (AU 2006) Kritik – Die Reise der Engel

"Es sprach viel für uns. Wir hatten den geheimen Klebstoff gefunden, der alles zusammen hielt. An einem perfekten Ort, zu dem der Lärm nicht vordringen konnte. Unsere Welt war absolut vollkommen." Bei Drogenfilmen liegt die Messlatte in Sachen Qualität inzwischen extrem hoch. Bei Vertretern wie 'Trainspotting', 'Enter the Void' und dem wohl besten Genre-Beitrag 'Requiem for a Dream' von Darren Aronofsky haben es neue Filme mit der gleichen oder ähnlichen Thematik äußerst schwer zu begeistern oder etwas Neues zu bieten. Mit der australischen Drogen-Romanze Candy von 2006 gelang Regisseur Neil Armfield zwar sicher kein Meisterwerk, aber er schaffte einen tragischen und äußerst ernüchternden Blick in die rosige Welt zweier Verlorener. Für die talentierte Malerin Candy und dem Philosophen ...
Filmkritiken

"American Pie – Klassentreffen" (USA 2012) Kritik – Alte Zeiten sollte man ruhen lassen

"Was ist? Haben Sie sich an ihrem eigenen Schwanz verschluckt?" Jede kennt sie. Jeder hat sie gesehen und jeder betrachtet den Apfelkuchen im Supermarkt seitdem mit etwas anderen Augen. Die Rede ist natürlich von der 'American Pie'-Reihe. 9 Jahre sind ins Land gegangen, als wir zum letzten Mal mit Jim, Stifler und Co. auf der Chaos-Hochzeit im dritten Teil zusammen waren. Nun schreiben wir das Jahr 2012 und unsere Chaoten-Truppe darf im richtigen vierten Teil wieder die Kinos unsicher machen und auf den Putz hauen. Mit Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg auf den Regiestühlen hatte man zwei Männer, die im Komödien-Genre keine Neulinge waren und wir alle sind doch etwas neugierig gewesen, was uns 'American Pie - Klassentreffen' so zu bieten hat. Die Antwort ist eine eindeutige: rein gar ni...
Filmkritiken

"Captain America" (USA 2011) Kritik – Oh Captain, mein Captain

Autor: Pascal Reis "Are you two...Do you..Fondue?" Dass es sich diverse Marvel-Helden nicht haben nehmen lassen, sich in so manch schwerwiegendem Kapitel der reellen Menschheitshistorie einzumischen, um in diesen dann nach Belieben herumzupfuschen, ist ja keine sonderliche Überraschung mehr. Da der Marvel-Kosmos doch geradewegs in unser Universum installiert wurde, besteht eben beispielsweise auch die abstruse Möglichkeit, Magneto aus der „X-Men“-Saga konspirativ des Mordes an John F. Kennedy zu bezichtigen. Seltsam hingegen wird es, wenn wir uns auf einem Terrain bewegen, in dem es nicht mehr um den primär phantastischen Charakter der Comic-Vorlage geschert wird und das Wildern in den Geschichtsbüchern keiner handlungsorientierten Kontextualisierung unterliegt, sondern einer felsenfes...
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"Hulk" (USA 2003) Kritik – Grüne Langeweile

"Weißt du was mir am meisten Angst macht? Wenn ich nicht mehr dagegen ankämpfen kann und total die Kontrolle verliere, dann genieße ich das…" Bryan Singer nahm sich 2000 der Verfilmung von den großen 'X-Men' an. Singer hatte sich vorher unter anderem mit Die üblichen Verdächtigen einen klaren Namen machen können und seine 'X-Men'-Version konnte sich auch durchaus sehen lassen. 2 Jahre später kam der nächste eher unübliche Genre-Regisseur mit einer Comic-Verfilmung um die Ecke. Gemeint ist Sam Raimi, der uns einst 'Tanz der Teufel' schenkte und mit seinem tollen 'Spider-Man' eine der besten Comic-Verfilmungen überhaupt geschaffen hatte. Dann kam das Jahr 2003 und der taiwanesische Regisseur Ang Lee, der vorher Perlen wie 'Der Eissturm' und 'Tiger & Dragon' drehte, mischte sich in die bun...
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"Brick" (USA 2005) Kritik – Joseph Gordon-Levitt und die Suche nach Wahrheit

"Ich setz mir den Schuss. Wenn ich nicht sterbe ist alles klar zwischen uns." Einen guten Krimi mit allem was da so zugehört kriegt man eigentlich mindestens einmal im Jahr in jedem Fall geboten. Die schlechten Genre-Beiträge nehmen allerdings wie fast immer die Überhand. Und selbst die guten Filme haben manchmal die gleichen Probleme und bieten nur selten etwas wirklich Neues. Frischer Wind fehlte also mal wieder. Zum Glück kam dieser Wind aber im Jahr 2005 wieder. Der bis dato unbekannte Regisseur Rian Johnson sorgte mit seinem Erstling 'Brick' für reichlich Wirbel und war nicht auf wenigen Festivals der klare Liebling. Das ist auch allemal verdient gewesen, denn 'Brick' ist feinstes Film noir im Indie-Mantel. Brendan fühlt sich allein immer am wohlsten. Als seine Ex-Freundin Emily ...
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"Glaubensfrage" (USA 2008) Kritik – Gefangen inmitten schwerer Zweifel

"Bei der Verfolgung von Unrecht kann es passieren, dass man sich von Gott entfernt." John Patrick Shanley dürfte wohl eher den Theaterfans ein richtiger Begriff sein. In der Filmwelt tat sich Shanley hingegen eher schwer und schrieb Drehbücher zu durchschnittlichen bis schwachen Filmen wie 'Mondsüchtig' oder auch 'Vier Dinos in New York'. Als Regisseur versuchte er sich erfolglos 1990 bei 'Joe gegen den Vulkan', zu dem er auch das Drehbuch schrieb, mit namenhafte Besetzung wie Tom Hanks und Meg Ryan. 18 Jahre sollte es dauern, bis Shanley sich wieder auf den Regiestuhl wagte, doch dieses Mal sollte es anders werden. Mit 'Glaubensfrage' brachte er sein eigenes preisgekröntes Theaterstück "Doubt: A Parabel" auf die große Leinwand und inszenierte einen guten Film mit brandaktuellem Thema. ...
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Klassiker-Tipp der Woche "Stand by Me" (USA 1986) Kritik – Ein ganz persönliches Geheimnis

"Viele Gedanken schossen uns durch den Kopf, doch wir sprachen kaum." Mit Filmen wie 'Harry und Sally', 'Misery' und 'Eine Frage der Ehre' konnte sich Regisseur Rob Reiner einen Namen machen und mehrere Male seine Qualität unter Beweis stellen. Mit 'Misery' inszenierte Reiner aber nicht seine einzige gelungene Adaption eines Stephen King Vorlage. Seine dritter Kinofilm 'Stand by' Me aus dem Jahr 1986, basierte ebenfalls schon auf der Novelle "Die Leiche" von Stephen King, der sich als Autor sicher nicht nur in der Horrorecke wohlfühlte. Das Wort gelungen wird 'Stand by Me' allerdings nicht im Ansatz gerecht, denn Rainer inszenierte hier nicht nur einen der schönsten Jugendfilme überhaupt, sondern auch einen der besten Filme, der längst zu Recht als zeitloser Klassiker gilt. Castle Rock...
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"Auf kurze Distanz" (USA 1986) Kritik – Sean Penn im Kampf gegen den eigenen Vater

"Ich hab die ganze Nacht auf dich gewartet." James Foley ist auch einer dieser Regisseure aus der Rubrik: solider Kerl, aber nach wie vor unbekannt. Verdient oder unverdient ist auch hier schwer zu bestimmen, denn außer 'Glangerry Glen Ross' mit dem einmaligen Besetzung: Al Pacino, Jack Lemmon, Alec Baldwin und Kevin Spacey (!) in den Hauptrollen, kam kein wirklicher Kracher mehr. Im Jahr 1996 folgte zwar der knackige Thriller 'Fear' mit Mark Wahlberg, aber im Endeffekt war es auch nur ein Film für die Langeweile und zwischendurch. Zuletzt schlug sich Foley leider auch noch mit seinem Machwerk 'Verführung einer Fremden' selber K.O. Wenn man seine Filmographie aber nochmal genauer anguckt, dann sticht da noch ein anderer Film heraus. Und zwar sein zweiter Spielfilm 'Auf kurze Distanz' a...