Drama

Kritik: Crash (CA/FR/GB 1996) – David Cronenbergs apokalyptisches Meisterwerk jetzt in 4K
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Kritik: Crash (CA/FR/GB 1996) – David Cronenbergs apokalyptisches Meisterwerk jetzt in 4K

Beschreibe es mir! James Ballard ist Filmproduzent und treibt es mit einer Kameraassistentin. Seine Frau macht es mit ihrem Fluglehrer. Das Sexualleben der beiden ist am Nullpunkt angekommen. Monotonie und Kälte haben sich in die Beziehung eingeschlichen. Erst als James einen Autounfall hat, kommen neue Gefühle in ihm auf. Die Überlebende des anderen Autos Dr. Remington spürt dasselbe. Beide kommen in die Kreise von Vaughan, einem Besessenen, der den Crash als neue Form der Sexualität proklamiert. Als David Cronenbergs Crash 1996 in Cannes uraufgeführt wurde, verließen Scharen von Leuten den Kinosaal und beschimpften den Film als langweilige Pornografie. Viele andere dagegen sahen in dem Film ein Meisterwerk. Die Jury bezog zu dieser Kontroverse Stellung, indem sie an den Regisseur...
Klassiker-Kritik: Wenn die Gondeln Trauer tragen (GB/IT 1973)
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Klassiker-Kritik: Wenn die Gondeln Trauer tragen (GB/IT 1973)

Christine is dead. She is dead! Dead! Dead! Dead! Dead! Dead! John Baxter (Donald Sutherland) kommt mit seiner Frau Laura (Julie Christie) nach Venedig. Beide trauern um ihre Tochter, die erst kürzlich ertrunken ist. Als sie zwei mysteriösen Schwestern begegnen, geraten beide in den Bann unheimlicher Visionen. Daphne du Maurier sollte jedem Filmfan ein Begriff sein, schuf die britische Autorin doch die Vorlagen zu zahlreichen Filmklassikern, vornehmlich Hitchcock-Werke, von Rebecca (1940) bis Die Vögel (1963). Für die Verfilmung ihrer Erzählung Don't Look Now (zu Deusch: "Dreh dich nicht um") wurde allerdings der aufstrebende Regisseur und ehemalige Kameramann Nicolas Roeg verpflichtet, der aus der symbolreichen Geschichte einen okkultistischen Fieberalptraum schuf, der mit Alfred ...
Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)
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Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)

Criminal lawyers see bad people at their best, divorce lawyers see good people at their worst. Marriage Story ist Noah Baumbachs "Szenen einer Ehe", eine emotionale Achterbahn der Gefühle und nach Roma und dem erst im November erschienen Scorsese-Meisterwerk The Irishman ebenfalls einer der (Netflix-)Filme des Jahres, die erfolgreich in das Rennen um die bedeutendsten Filmawards gingen bzw. gehen werden. Mitreißend, lebensnah, relevant: Der US-amerikanische Autorenregisseur Noah Baumbach hat (nach u.a. Mistress America) eine weitere herausragende Tragikomödie gedreht, welche mitten aus dem Leben des Künstlerpaares Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johannson) erzählt, die seit vielen Jahren scheinbar glücklich miteinander verheiratet sind, einen Sohn haben und in der New Yo...
Kritik: Beale Street (USA 2018)
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Kritik: Beale Street (USA 2018)

Wie auch schon Moonlight ist Barry Jenkins' neues Werk Beale Street ein Film, der vollkommen den Befindlichkeiten seiner Figuren verschrieben ist. Bereits mit seinem Oscar-Gewinner als Bester Film bewies Jenkins 2016 zuvor, dass er ein begnadeter Regisseur der schwebenden Melodramatik und geradezu bestürzenden Intimität ist. Als Konstante erweist sich hierbei ebenso in Beale Street, der auf einem Roman des bedeutenden afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin basiert, das Motiv der Liebe, die in der Geschichte des Films über allem thront. Von Anfang an entfaltet sich Beale Street in Bildern von besonders stilisierter Schönheit als von intimen Momentaufnahmen durchzogenes Leinwand-Poem, in dem die Zeit zwischen den schier endlos eingefangenen Blicken und zärtlichen Berührungen wie ...
Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Der Vorhang fällt
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Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Der Vorhang fällt

Hey, pretty girl, time to wake up. 1999 standen die verwirrten Fragezeichen mal wieder über den Köpfen des Zuschauers. Wenn man nun noch die Information erhält, dass es sich in diesem Jahr um einen Film von Regisseur David Lynch handelte, dann sollte der Groschen gefallen sein, doch dieses Mal war es vollkommen anders. Mit seinem Road-Movie-Drama The Straight Story, in dem David Lynch Richard Farnsworth einen großen Auftritt schenkte, ging der Filmemacher einen sensiblen und philosophischen Weg, der über das Leben und das Alter erzählte und in jeder Szene pures Gefühl übertragen konnte. Seltsam daran ist auf den ersten Blick natürlich gar nichts und auch dieser Film ist bis heute ein besonderes Stück Kino, doch betrachtet man die gesamte Filmografie von Mr. Lynch, dann ist die Überrasch...
Kritik: Border (SE/DK 2018)
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Kritik: Border (SE/DK 2018)

Gefühlt jährlich steigt aus der Menge an Cannes-Filmen ein Genrefilm empor, über den Publikum und Kritik den Rest des Jahres diskutieren. It Follows war so ein Fall. Ali Abassis Außenseiter-Geschichte Gräns hat das Zeug zum diesjährigen Genreliebling zu werden, was schon allein daran liegt, dass der Film sein Genre, das ich ironischerweise schwerlich konkret benennen könnte, äußerts ernst nimmt. Tina (Eva Melander) sieht anders aus als die anderen. Ihre wulstigen Gesichtszüge erinnern ein wenig an das Vampir-Makeup aus der TV-Serie Buffy. Ihr dementer Vater (Sten Ljunggren) lebt im Pflegeheim. Ihr Zuhause ist ein kleines Haus in den schwedischen Wäldern, das sie sich mit dem Hundetrainer Roland (Jorgen Thorsson) teilt, der nicht wirklich Interesse an ihrem Leben zeigt und seine Hunde re...
Kritik: Green Book – Eine besondere Freundschaft (USA 2018)
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Kritik: Green Book – Eine besondere Freundschaft (USA 2018)

Peter und Bobby Farrelly sind in Hollywood nicht gerade für ihre feingeistigen Komödien bekannt. Das Regie-Duo bevorzugte bei ihren größten Hits wie Dumm und Dümmer, Verrückt nach Mary oder Ich, beide & sie eher die Holzhammer-Methode: Zoten, Flachwitze und Slapstick definierten ihre Filme. Trotzdem waren die Arbeiten des Regie-Duos selten fies oder verletzend. Zwar zielten ihre Witze auf alles und jeden ab und trafen bevorzugt unter der Gürtellinie und dennoch wurden die Außenseiter, gesellschaftlichen Verlierer und schrägen Charaktere immer mit Herz gezeichnet. Insofern ist es eigentlich gar nicht so verwunderlich, dass sich Peter Farrelly mit Green Book – Eine besondere Freundschaft (mal wieder ein Titelzusatz des Schreckens) an einer reinen Feelgood-Komödie versucht und diese (ha...
Kritik: Creed II – Rocky’s Legacy (USA 2018)
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Kritik: Creed II – Rocky’s Legacy (USA 2018)

Rocky Balboa, der Boxer mit den Eisenfäusten, ist einfach nicht totzukriegen. Selbst dann nicht, wenn Sylvester Stallone vor Altersschwäche röchelnd in den Seilen hängt und sein Alter Ego eigentlich nur noch als Mentor im Rocky-Spin-Off Creed auftreten sollte. Die Betonung liegt auf „eigentlich“, denn das Stehaufmännchen Balboa ist auch in Creed II - Rocky's Legacy nach wie vor der Star. Rocky verteilt verbale Vernunftsschellen, steht seinem Schützling mit Rat und Tat zur Seite und unterhält sich mit Grabsteinen - alles beim Alten also. Wie sehr Adonis Creed, seines Zeichens Sohn des legendären „King of Sting“ Apollo Creed, im Schatten seines Mentors steht, zeigt sich bereits daran, dass sich der Protagonist auch diesmal den Filmtitel mit Rocky teilen muss. Der Zusatz Rocky’s Legacy (Roc...
Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)
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Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)

Sometimes a lady likes to have some fun. Als mittlerweile großer Fan des Griechen Yorgos Lanthimos, dem 2009 mit der Satire Dogtooth der internationale Durchbruch gelang (inklusive einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film), waren meine Erwartungen an sein neustes Regieprojekt fast unerreichbar hoch. Doch Yorgos Lanthimos liefert nach The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte (2015) und The Killing of A Sacred Deer (2017) ein weiteres grotesk-komisches Meisterstück ab, dieses Mal am englischen Königshof Anfang des 18. Jahrhunderts verortet. Yorgos Lanthimos arbeitete beim Dreh von The Favourite - Intrigen und Irrsinn nach The Lobster das zweite Mal mit Rachel Weisz zusammen, die dieses Mal Lady Sarah, die enge Vertraute von Queen Anne (Olivia Colman), spiel...
Kritik: Beautiful Boy (US 2018)
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Kritik: Beautiful Boy (US 2018)

Do you know how much I love you? I love you more than everything. Eigentlich hatte ich geplant, meine Gedanke zu den ersten Tagen beim BFI London Film Festival in einem Recap bestehend aus Kurzkritiken festzuhalten. Als ich zu schreiben anfing, merkte ich jedoch, dass es mir am Herzen liegt, erst einmal etwas zu dem diskussionswürdigen Drogenabhängigkeitsdrama Beautiful Boy zu Papier zu bringen, welches auf einer wahren Geschichte basiert und von David Sheff (Steve Carell) und seinem Sohn Nic (Timothée Chalamet) erzählt, deren Leben aufgrund von Nics stetig zunehmender Crystal Meth Sucht immer weiter entgleitet. Es gibt immer wieder Momente, in denen Nic den Drogen zu entfliehen versucht, doch er fällt immer wieder zurück und verfällt immer weiter seiner Sucht - ein Teufelskreis. Se...