Kritik: James Bond 007: Skyfall (GB 2012) – Sein Hobby ist Auferstehung

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England… MI6… so old-fashioned!

James Bond ist sichtbar älter, zerbrechlicher und nachdenklicher geworden. Nach seinem eiskalten Rachefeldzug im eher bescheidenen Quantum Of Solace, in dem der Franzose Mathieu Amalric Daniel Craig das Leben schwer machte, wird nun der MI6 und damit einhergehend Großbritannien von Cyber-Terroristen bedroht. Schneller als der Blitz erscheint James Bond (Daniel Craig), der vom MI6 eigentlich für tot erklärt wurde, auf dem Dienstplan, um dieses Mal die Vernichtung des MI6 abzuwenden. Was in einer unglaublich virtuos inszenierten Verfolgungsjagd seinen Anfang nimmt, entwickelt sich schnell zu einem bedrohlichen, sehr realen Thriller, der auf so viel Drama und Düsternis setzt wie kein Bond-Film zuvor. An die Klasse von Casino Royale kann Qualitätsgarant Sam Mendes (American Beauty, Jarhead) allerdings auch nicht anknüpfen.

Lange hält Regisseur Sam Mendes den Gegenspieler, in Person von Javier Bardem (No Country For Old Men), im Geheimen. Die klimaxartige Einführung ist dann so zynisch wie genial. Javier Bardem steigt aus einem Aufzug und stolziert auf charismatischste Weise in Richtung des gefesselten Daniel Craig und erzählt diesem dermaßen cool eine Anekdote, dass man ihm am liebsten sofort den nächsten Oscar für den besten Nebendarsteller in die Hand drücken möchte. Allerdings steht und fällt das neue Bond-Abenteuer auch mit dem Erscheinen des Bösewichts. Sobald sich Javier Bardem in das Leinwandgeschehen einmischt, bekommt man ihn so gut wie in jeder Szene zu sehen und so freut man sich, dass nach dem blassen Mathieu Amalric der neue Antagonist wieder deutlich mehr Screen Time und psychologische Tiefe verliehen bekommen hat. Neben Javier Bardem und Daniel Craig hat dieses Mal überraschenderweise aber auch Judi Dench eine größere Rolle. Das eröffnet zwar vollkommen neue Perspektiven, allerdings kommt dadurch, trotz der attraktiven Bond-Girls, die Sexiness eindeutig zu kurz. Sowohl Bérénice Marlohe als auch Naomi Harris dienen lediglich als Schmückwerk und haben in Bonds neuester Mission eher wenig zu melden. Ein weiterer Schwachpunkt ist die unspektakuläre Story, denn die Cyber-Terroristen-Handlung weiß nach dem ähnlich gelagerten Stirb Langsam 4.0 nur noch wenig zu begeistern. Das Gleiche gilt für die Nebenhandlung, die einem bereits aus Goldeneye bekannt vorkommen sollte.

Begeistern kann Skyfall in Sachen Storytelling also nicht. Stattdessen wird spioniert, gemordet, geschossen und verraten soweit das Auge reicht. Willkommen im 21. Jahrhundert, willkommen bei Skyfall, wo klassische Bond-Elemente mit rasanter Action und modernster Technik vermischt werden, Bond-Fans ebenso begeistert sein werden wie Freunde von harter Action und tiefgründigen Dramen. Warum Sam Mendes zu viele seiner Joker viel zu früh ausspielt, ist ein Problem für sich, aufgrund dessen die spätere Handlung nicht immer zu packen vermag. Temporeich bleibt es aber trotzdem, dank Roger Deakins Kameraaufnahmen, die ein wahrer Blickfang sind, und dem unberechenbarsten Antagonisten seit No Country For Old Men, der erneut psychotisch von Spaniens Schauspielwunderkind Javier Bardem verkörpert wird. Somit hat Skyfall eigentlich alles zu bieten, was man von einem zeitgenössischen Bond erwartet, nur aber eben nicht mehr. Sam Mendes kann nicht alle Elemente überzeugend in Einklang bringen, wodurch das Geschehen nicht vollends überzeugen kann. Ob es nötig ist, auch James Bond eine Herkunft zu verleihen und somit etwas vom Mythos der Figur zu nehmen, muss dabei wohl jeder für sich entscheiden.

Fazit: Im Großen und Ganzen hat der mittlerweile 23. Bond ein paar Überraschungen, beeindruckende Schauwerte, exotische Locations, rasante Action, aber auch genug ruhige Momente für den anspruchsvollen Connaisseur zu bieten. Man wird halt nur leider nie das Gefühl los, dass aus Skyfall so viel mehr hätte gemacht werden können. Zum Glück wissen Javier Bardem und die brillante Inszenierung des Duos Mendes/Deakins auf kluge Weise die erzählerischen Schwächen und kleinere Logiklücken zu kaschieren. Und Daniel Craig darf dieses Mal sogar wieder Gefühle zeigen. Wunderbar!

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