Kritik: Shazam! (USA 2019)

 

Shazam!, 2019, Film, Kritik

I choose you as champion.

Die Geschichte des DC-Comichelden Captain Marvel aka Shazam steckt eine voller Namensirrungen und -wirrungen. Ursprünglich 1939 von dem Autoren/Zeichner-Duo Bill Parker und C. C. Beck für den New Yorker Verlag Fawcett Comic kreiert, wurde die Figur des wandelbaren Helden 1972 von DC-Comics übernommen. Aufgrund eines Rechtsstreit zwischen Fawcett- und DC-Comics im Jahre 1953, pausierte die Reihe bis zur Übernahme des Charakters durch DC vollständig. In der Zwischenzeit kreierte DC-Rivale Marvel einen eigenen Superhelden namens „Captain Marvel“ und sicherte sich die Namensrechte – Das Chaos war perfekt. Fortan durften die neuen Comics des wiederbelenten DC-Superhelden Captain Marvel nicht mehr unter dem altbekannten Namen geführt werden, auch wenn er in den Geschichten weiterhin als solcher vorgestellt werden durfte. Um dem ganzen Namenswirrwarr ein Ende zu setzen, entschied sich DC-Comics im Jahre 2012, Billy Batsons Superheldenidentität endgültig in Shazam umzubenennen. Den Höhepunkt dieses absurden Namenskampfes der Comicgiganten dürfte jedoch in diesem Jahr erreicht sein, in welchem beide Superhelden mit knapp einem Monat unterschied ihr Leinwanddebüt feiern. Zufall? Wohl kaum.

Der 14-jährige Billy Batson (Asher Angel) hat es in seinem Leben nie einfach gehabt. Bereits früh von seiner Mutter in ein Waisenhaus gegeben, kämpft sich Billy von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, ohne jedoch jemals ein neues zu Hause zu finden. Zu groß ist das Bedürfnis, eines Tages seine leibliche Mutter (Caroline Palmer) aufzuspüren. Ein Wunsch, der Billy in erster Linie jede Menge Ärger einbringt. Seine letzte Chance ist die Pflegefamilie der Eheleute Victor (Cooper Andrews) und Rosa Vasquez (Marta Milans), die bereits einigen Waisenkindern eine neue Heimat bieten. Doch seine Welt wird richtig auf den Kopf gestellt, als er auf den Magier Shazam (Djimon Hounsou) trifft, der Billy mit übermenschlichen Kräften ausstattet. Mit dem Ausruf „Shazam!“ verwandelt er sich in den gleichnamigen Superhelden (Zachary Levi), bleibt jedoch im Geiste ein pubertierender Teenager. Schulalltag, Erwachsenwerden und plötzliche Superkräfte muss Billy fortan unter einen Hut bringen.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Shazam! von Regisseur David F. Sandberg (Lights Out) zu einem der besten DC-Filme des DCEU werden sollte und als perfekter Startpunkt eines neuen, locker verknüpften Heldenuniversums dienen könnte. Zwar ordnet sich Shazam! durch etliche kleine Querverweise und Anspielungen in das DCEU ein, verzichtet aber (größtenteils) darauf, anderen Heldenfiguren des Universums einen nennenswerten Platz im Film einzuräumen. Anders als nach den Trailern zu erwarten war, ist Shazam! nicht nur simpler Klamauk, sondern ein erstaunlich bodenständiger Superheldenfilm. Dies liegt vor allem daran, dass Billy Batson bzw. Shazam zwar einerseits ein übermenschlicher Superheld mit magischen Fähigkeiten ist, andererseits aber den Verstand eines launigen Teenagers besitzt. Bevor die neu gewonnen Kräfte aufopferungsvoll für das Gerechte und Gute in der Welt eingesetzt werden, wird erst einmal Bier im nächsten Supermarkt besorgt, ein Stripclub besucht oder eben Mädchen beeindruckt – eben das, was man als pubertierender Teenager so macht. Shazam! ist dadurch gerade in der ersten Hälfte eher ein vergnüglicher Coming-of-Age Film, statt handelsübliches Superheldenspektakel.

Dies ändert sich nicht einmal mit dem Auftritt des diabolischen Antagonisten Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong), der mit Hilfe der sieben Todsünden zum mächtigsten Wesen der Erde aufsteigen möchte. Die Zusammentreffen mit dem angehenden Helden Shazam stehen trotz des verhältnismäßig geringen Budgets von 80 Millionen US-Dollar in Sachen Tricktechnik der Konkurrenz in nichts nach, bleiben jedoch fernab von Zerstörungsorgien à la Superman, sondern gleichen eher einem amüsanten Katz-und-Maus-Spiel durch die Innenstadt Philadelphias. Selbst der Showdown auf dem Weihnachtsmarkt erstickt nicht im sonst üblichen Effektgewitter, sondern wird immer wieder durch humoristische Einspieler entschleunigt. So wird das finale Aufeinandertreffen in luftigen Höhen zwischen Dr. Thaddeus Sivana und Shazam von Superhelden-untypischen Kommunikationsproblemen gestört. Wie sich andere Superhelden verstehen, wenn einen in luftigen Höhen der Wind um die Ohren pfeift, bleibt nach dieser Szene ein Rätsel.

Fazit: So langsam scheint das DCEU in die Spur zu finden. Shazam! ist ein wunderbar leichtherziger Superheldenfilm, der den aktuellen Zeitgeist trifft und die Freude am Besonderen wiederaufleben lässt.

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