Schlagwort: 2026

Kritik zu „Possible Love“: Lee Chang-dong und die Macht der Kamera
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Kritik zu „Possible Love“: Lee Chang-dong und die Macht der Kamera

Kritik von Philippe Paturel  - gesehen beim Festival Lumière Lyon 2026 Wer die Kamera hält, hält die Wahrheit - Possible Love von Lee Chang-dong „Bin ich legitimiert, diese Geschichte zu erzählen?“ – „Bin ich nah genug dran?“ – Diese Fragen habe er sich immer wieder gestellt, sagte Lee Chang-dong nach der gestrigen Vorführung von Possible Love beim Festival Lumière in Lyon. Es sind keine Floskeln eines bescheidenen Regisseurs. Es sind die Fragen, um die sein ganzer Film kreist. Acht Jahre nach Burning kehrt der südkoreanische Regisseur mit einer Geschichte zurück, die auf einer offenen Wunde seines Landes beruht. 2009 entließ der Autobauer SsangYong Motor im Zuge einer Umstrukturierung mehr als 2.000 Beschäftigte. Die Arbeiter besetzten das Werk 77 Tage lang. Am Ende stürmte die Poliz...
Kritik zu „Wild Horse Nine“: Zwei CIA-Agenten auf der Osterinsel
Aktuelle Filmnews, Demnächst im Kino, Drama, Filmkritiken, Komödie

Kritik zu „Wild Horse Nine“: Zwei CIA-Agenten auf der Osterinsel

Kritik von Julian Bonsu In Topform, was auch sonst: Wild Horse Nine von Martin McDonagh Martin McDonagh ist bekannt für seine beißfreudigen schwarzen Komödien, die zugleich als Kritik an politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Problemen und Verwerfungen dienen. In seinem letzten Film The Banshees of Inisherin (2022) schilderte er die wehmütige Auflösung einer Freundschaft, die an verletztem Stolz zerbricht. Dieser Film lässt sich als Allegorie für den irischen Bürgerkrieg lesen, der das Land in den 1920er-Jahren zerspaltete. Und sein Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri aus dem Jahr 2017 kommentiert die Ungerechtigkeiten (Polizeiversagen, Korruption) im Umgang mit der Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau im ländlichen Missouri. Mit seinem neuesten Werk Wild...
Kritik zu „Tangles – Durcheinander“: Demenz in Schwarz-Weiß
Aktuelle Filmnews, Animation, Demnächst im Kino, Drama, Filmkritiken

Kritik zu „Tangles – Durcheinander“: Demenz in Schwarz-Weiß

Kritik von Michael Gasch – gesehen im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig Sentimentalität in Schwarz-Weiß - Tangles von Leah Nelson Wir schreiben das Jahr 1999: Sarah (Stimme im Original: Abbi Jacobson) kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter (Stimme: Julia Louis-Dreyfus) beizustehen. In einem schwarz-weißen Animationsstil, der an Graphitzeichnungen erinnert, erzählt der Film fortan Alltagsgeschichten und taucht dabei tief in Kindheitserinnerungen ein, ganz im Stil des Slice-of-Life-Genres, das unspektakuläre Momente des gewöhnlichen Lebens in den Mittelpunkt stellt. Damit wäre Tangles konzeptionell wie auch narrativ bereits ausreichend festgehalten. Und doch gibt es noch mehr über diese liebevolle, zuweilen aber auch recht sentimental erzählte Geschicht...
Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt
Action, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken

Kritik zu „The Death Of Robin Hood“: Die Legende neu erzählt

Kritik von Julian Bonsu – erstmals zu lesen am 12. Juni 2026. Eine etwas andere Neuinterpretation: The Death of Robin Hood von Michael Sarnoski Fast seit der Geburt des Kinos ist Robin Hood eine Schlüsselfigur der Leinwand. Über die Jahre schlüpften schon Größen wie Errol Flynn, Sean Connery, Kevin Costner und Russell Crowe in die Rolle des gutherzigen Banditen und Bogenschützen. Mit dem diesjährigen Film, The Death of Robin Hood, hat Michael Sarnoski (A Quiet Place: Tag Eins) erneut einen Lebensabschnitt der berühmten Legende für die Leinwand adaptiert – dieses Mal mit Hugh Jackman als Held. Interessanterweise wird dieses berühmte Heldentum hier infrage gestellt, und Robin Hoods finales Kapitel wird mit einer ernsten, weitaus düsteren Wendung erzählt. Für diese Dekonstruktion der Iko...
Kritik zu „Geister“: Fatih Akin zurück in Hamburg
Aktuelle Filmnews, Demnächst im Kino, Drama, Filmkritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik zu „Geister“: Fatih Akin zurück in Hamburg

Kritik von Julian Bonsu Zurück in der Heimatstadt Hamburg: Geister von Fatih Akin “Nicht umdrehen, sonst weinen euch die Geister nach.” Mit diesen Worten leitet Fatih Akin seinen neusten Film, die gespenstische Liebesgeschichte Geister, ein. Diese erste Szene, die eine trauernde Familie an einem Hamburger Friedhof zeigt, ist wie in vielen Filmen von Fatih Akin, sehr verheißungsvoll. Nach den beschaulichen Stranddünen und der eher konventionellen Handlung seines letzten Films, dem Coming-of-Age-Drama Amrum (2025), ist dieser Auftakt eine vielversprechende und willkommene Rückkehr zu seinen einzigarten künstlerischen Wurzeln. Auch die Prämisse ist mitreisend: Geister handelt von einer jungen Liebe, die durch eine Tragödie auseinandergerissen wird, und von den Toten, die vierzig Tage lang...
Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama
Aktuelle Filmnews, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film, Im Kino

Kritik zu „Gentle Monster“: Ein relevantes Familiendrama

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 22. Mai 2026, gesehen im Rahmen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Würde ich dich anlügen? - Gentle Monster von Marie Kreutzer Wenn ein Film mit dem musikalischen Klassiker "Would I Lie To You?" von Charles & Eddie beginnt, könnte man das entweder als Zeichen einer zynischen Romanze oder eines zwischenmenschlichen Dramas deuten. Gentle Monster verortet sich im zweiten Kontext und rahmt diese Fangfrage über Vertrauen in ein familienpsychologisches Porträt, in dem der Vorwurf der Kinderpornographie im Raum steht. Zwar wird dieser Begriff den Algorithmen im Internet gar nicht gefallen und doch muss unbedingt über diesen Film gesprochen werden. Nicht nur geht es um eine Familie, die von einem Tag auf den anderen in Trümmer...
Kritik zu „Project Hail Mary?“: Ryan Gosling ist wieder der Astronaut
Abenteuer, DVD & Bluray, Filmkritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik zu „Project Hail Mary?“: Ryan Gosling ist wieder der Astronaut

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 20. März 2026. Ryan Gosling zurück im All: Project Hail Mary von Phil Lord und Christopher Miller Es wäre vermutlich nicht übertrieben zu sagen, dass sich Der Astronaut - Project Hail Mary unter den am heißesten erwarteten Blockbustern dieses Jahres wiederfindet. Christopher Nolans Die Odyssee, Denis Villeneuves Dune 3, Steven Spielbergs Disclosure Day und eben auch dieser Science-Fiction-Film vereinen das Opulente gleich mehrfach: große Namen - in diesem Fall Ryan Gosling (an dem - nach Aufbruch zum Mond - erneut das Schicksal der Menschheit im All hängt) und Sandra Hüller als Protagonisten -, große Bilder, ein großes Budget von knapp 248 Millionen Dollar, große Marketingkampagnen, schlichtweg große Versprechen, einen Kinoabend mit Nachh...
Kritik zu „Teenage Sex And Death At Camp Miasma“: Ein neuer Slasher-Klassiker?
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Kritik zu „Teenage Sex And Death At Camp Miasma“: Ein neuer Slasher-Klassiker?

Kritik von Michael Gasch, erstmals zu lesen am 14. Mai 2026 – gesehen im Rahmen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Ein neuer Slasher-Klassiker: Teenage Sex and Death at Camp Miasma von Jane Schoenbrun Unter den US-amerikanischen Regisseuren des modernen Kinos gibt es zwei, die schon seit Jahren vereinzelt immer wieder durchscheinen. Programmatisch geht es in den Werken von David Robert Mitchell (It Follows, Under the Silver Lake) und Jane Schoenbrun (zuletzt I Saw the TV Glow) um etwas nicht ganz Greifbares in der menschlichen Kultur. Es ist, als würde sie irgendwie über uns stehen – gemeint ist symbolisch die gesamte globalisierte Welt, wird sie doch am meisten von amerikanischer Soft Power geprägt. Nicht etwa ein Produkt des Menschen ist sie, sondern eine eigene und p...
Kritik zu „Everytime“: Der Überraschungsfilm des Jahres
Aktuelle Filmnews, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Im Kino

Kritik zu „Everytime“: Der Überraschungsfilm des Jahres

Kritik von Julian Bonsu Der bisherige Überraschungsfilm des Jahres: Everytime von Sandra Wollner Nach dem tragischen Tod ihrer jugendlichen Tochter Jessie leidet Ella unter unvorstellbarer Trauer. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Kind Melli und Jessies Freund Lux schlägt sie sich durch das Leben in Berlin und später im Urlaub auf den Kanarischen Inseln, wobei alle drei auf ihre eigene Weise versuchen, ihren Verlust zu bewältigen. Sie versuchen nach vorne zu blicken, wollen aber auch die Vergangenheit nicht loslassen. Die Zeit verschwimmt und nimmt allmählich die Form einer Gespenstergeschichte an. Eine Geschichte, so traurig und schön, dass sie noch lange nach dem Abspann nachwirkt. Mit Everytime hat Sandra Wollner den vielleicht eindringlichsten Film des Jahres geschaffen. „Ist das das g...
Kritik zu „Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid
Aktuelle Filmnews, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Im Kino, Komödie

Kritik zu „Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid

Kritik von Julian Bonsu - erstmals zu lesen am 7. Juni 2026. Zurück in Madrid: Bitteres Fest von Pedro Almodóvar Keine zwei Jahre nach seinem englischsprachigen Spielfilmdebüt, The Room Next Door, kehrt Pedro Almodóvar mit seinem neuen Film, Bitteres Fest (Amarga Navidad), in die Kinos zurück - dieses Mal wieder in seiner Muttersprache Spanisch. Für Fans von Almodóvars skurriler, gefühlvoller und bunter Welt ist Bitteres Fest wortwörtlich ein Fest für die Sinne. Endlich kann man für circa zwei Stunden wieder in das sinnliche Madrid seiner Filmwelt eintauchen, in kraftvollem Rot baden und in Alberto Iglesias wunderbar opulenter Filmmusik schwelgen. In der Tat sind diese Eigenschaften, zusammen mit der Darstellung von tiefem Drama in Kombination mit komischem Humor, schon seit Jahrzehnt...