Schlagwort: Review

Filmkritiken, Serien

"Gilmore Girls" Staffel 1 (USA, 2000) Kritik – Eine bessere Welt

Autor: Sebastian Groß „This is not a herbal tea morning, this is a coffee morning.“ Es gibt Serien, die gelten als geschlechtsuniversell. Gerade im aktuellen Serien-Boom wird wenig Zeit darauf verwendet, eine Serie einer weiblichen oder männlichen Zuschauerschaft einzuordnen. Doch noch immer gibt es sie, die episodenhaften, narrativen Produkte der verschiedenen Sender, die sofort mit einem Geschlecht assoziiert werden. Eine Frau schaut „Spartacus: Blood and Sand“?! Da schnellt so manch eine Augenbraue in die Höhe. Ja, die Gender-Schublade wird gerne und oft (sowie vorschnell) geöffnet. Auch meine Brauen schießen fast schon instinktiv in die Höhe, wenn mir ein Freund erzählt, dass er gerne „Desperate Housewives“ oder „Eine himmlische Familie“ sieht. Zum Kanon dieser „Frauenserien“ gehört...
Filmkritiken

"Transformers 4: Ära des Untergangs" (US 2014) Kritik – Ära des Unverstands

Autor: Jan Görner In einer Folge der Ausnahme-Sitcom "30 Rock" läuft Protagonistin Liz Lemon (Tina Fey) in einer Alptraumvision durch die Straßen New Yorks. In der Angst als Comedy-Autorin einer aussterbenden Spezies anzugehören, stößt sie auf ein Plakat: "Transformers 5: Planet of Earth" steht da drauf. Und drunter: "Written by no one". Fast möchte man den Autoren dieses Gags für ihr prophetisches Gespür (drei Monate vor Start des dritten Teils) Beifall spenden. Denn tatsächlich scheinen sich Regisseur Michael Bay ("Pain & Gain") und (Noch?-) Autor Ehren Kruger („Transformers 3“) darauf verständigt zu haben, dass das Erfolgsgeheimnis von der "Transformers"-Reihe nur auf eine Weise verfeinert werden kann: Die Menschlichkeit muss weg! Schrieb ich im Mai dieses Jahres noch, Gareth Edwards...
Filmkritiken, Serien

"Die Brücke – Transit in den Tod" Staffel 2 (SW/DN/D, 2013) Kritik – Hoffnung, die von der Klippe springt

Autor: Sebastian Groß „Die Welt ist größer als wir.“ Das ZDF macht sich. Als einer der ersten Sender Deutschlands überhaupt versuchten sich die Programmverantwortlichen daran, von ihrem Image des „Seniorensenders“ zumindest rudimentär zu trennen. Der Spartenkanal zdf_neo ging on air und auf dem Mainzer Lerchenberg, der Zentrale des zweiten deutschen Fernsehens, versuchte man ein attraktives Programm zu gestalten. Dazu wurden zig hochgelobte Formate eingekauft, die zunächst zwar nur im kleinen neo gesendet wurden, die aber später auch den Sprung ins Hauptprogramm schaften. Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Novum gewesen, wenn im ZDF neben „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Der Alte“ oder „Siska“ auch Serien wie „Luther“ mit Idris Elba und Ruth Wilson oder „Downton Abbey“ mit Maggie Smith ...
Filmkritiken

"Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm" (F, 2013) Kritik – Mit gegenseitigem Hass von München nach Korfu

Autor: Sebastian Groß „Du darfst doch gar nicht fliegen, mit deinen falschen Titten.“ Asche wirbelt umher, eine Wolke aus Ruß und giftigem Dampf rollt unaufhaltsam über die angesengte Landschaft, Brocken aus Stein und Hitze rasen wie Kometen durch die Luft und zerschmettern alles, was sie treffen: Häuser, Autos, den Asphalt der Straßen, auf den die Menschen voller Verzweiflung schreiend um ihr Leben fliehen. Ihre Heimat war einmal, denn ein Vulkan zerstört mit seiner gewaltigen Kraft alles, was in seiner Nähe ist. Was bleibt ist Chaos, Vernichtung und Tod. So würde die Beschreibung einer Katastrophenfilms klingen, in dem ein feuerspeiender Vulkan der Grund dafür ist, dass die Helden um ihr Überleben kämpfen. Bei „Eyjafjallajökull“ (wer den Titel fehlerfrei aussprechen kann sollte überleg...
Filmkritiken

"No Turning Back" (GB/US 2013) Kritik – Tom Hardy möchte seinen Namen reinwaschen

Autor: Pascal Reis "I'm not coming home." Seinen Traum, einen Film, der nur in einer Telefonzelle spielt, konnte sich die britische Legende Alfred Hitchcock („Ein Cocktail für eine Leiche“, „Ich beichte“) dann letztlich zwar nicht mehr verwirklichen (Joel Schumacher mit seinem Thriller „Nicht auflegen!“ aus dem Jahre 2002 hingegen schon), doch der Gedanke von einem Szenario, das sich auf einem komprimiert-limitierten Spielraum entfaltet, einem feurigen Tanz auf dem Bierdeckel sozusagen, mäandert resistent aller Zweifel beständig durch die Filmgeschichte. Erst im Januar war es beispielsweise Robert Redford, der als Skipper in „All Is Lost“ nicht nur das Meer als transzendente Erfahrung erlebte, sondern sich in Sachen Bewegung allein auf sein lädiertes Segelboot beschränken musste. Noch ex...
Filmkritiken

"Magic, Magic" (USA 2013) Kritik – Roman Polanski hat einen Erben gefunden

Autor: Pascal Reis "Please don't shoot." Chile, das Land am „Ende der Welt, wo der Teufel seinen Poncho verlor“, so ein Sprichwort, ist gerade aufgrund seiner klimatischen Kontradiktion für Globe-Trotter interessant: Dort gibt es nämlich nicht nur die Anmut des pazifischen Ozeans zu bestaunen, sondern auch die schneebedeckten Gipfel der Anden, grüne Seenregionen und spröde Wüsten – Für Naturdokumentationen also ein echtes Schlaraffenland. Filmisch aber konnte uns der letzte Ausflug in das südamerikanische Land im Januar mit „Aftershock“ nicht gerade in Verzückung setzen. Eli Roth, der dort als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent in Personalunion fungierte, präsentierte einen blutig-zynischen Genre-Film, dem so ziemlich alles missraten ist, was einem solchen Projekt nur missraten kann...
Kritik: The Raid 2 (ID 2014) – Action, so rein und einnehmend, als wäre es das erste Mal
Action, Filme, Filmkritiken

Kritik: The Raid 2 (ID 2014) – Action, so rein und einnehmend, als wäre es das erste Mal

Autor: Sebastian Groß So etwas wie einen sauberen Krieg gibt es nicht. Laut deutscher Rechtsprechung handelt es sich dann um Pornografie, wenn ein Film mit seinen expliziten Bildern darauf abzielt, profan gesagt, den Zuschauer aufzugeilen. So gesehen ist die Bezeichnung Action-Porno für „The Raid“ aus dem Jahre 2011 durchaus passend. Der Waliser Gareth Evans inszenierte mit diesem simplen, aber höchst effektiven Reißer einen der meist gelobten Actionfilme des neuen Jahrtausends. Dank diverser positiver Stimmen und dem daraus resultierenden Hype gelang „The Raid“ sogar der Sprung ins ausländische Kino. Für einen indonesischen Film durchaus eine Seltenheit. Und so scharte sich um Evans dritten Spielfilm eine große Anhängerschaft, denn er erschuf mit „The Raid“ ein Werk, welches in ...
Filmkritiken, Serien

"Orphan Black" 1. Staffel (CA 2013) Kritik – Die Tatiana Maslany Show

Autor: Sebastian Groß „Plato would've thought we were gods. But we're not.“ Bei der letzten Verleihung der Golden Globes, gab es zwei Darstellerinnen die für ihre Leistung als beste Hauptdarstellerin in eine Drama-Serie nominiert waren, die dem deutschen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit absolut unbekannt waren: Denn neben Robin Wright, Julianna Margulies und Kerry Washington, durften auch Taylor Schilling und Tatiana Maslany kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners in die Kamera lächeln. Am Ende bekam Wright den Award. Schilling, die für die gefeierte Netflix-Produktion „Orange is the New Black“ nominiert war und Maslany gingen leer aus, aber zumindest waren ihre Gesichter kurzzeitig dem internationalen Publikum vorgestellt worden. Immerhin etwas, denn beide Frauen hätten den Preis ...
Filmkritiken

"A Million Ways to Die in the West" (USA 2014) Kritik – Nichts los im Wilden Westen

Autor: Pascal Reis "You really shouldn't drink and horse." Albert ist Inhaber einer Schaffarm und seine Person wird vom Großteil der Bevölkerung des Kleinstadt Old Stumpf eher mit Spott gehandelt. Durch die von der harten Hand seines Vaters geprägte Kindheit sieht Albert im Wilden Westen nur Tod und Ödnis, was ihn selbst zu einem echten Angsthasen gemacht hat, der nicht mal den Weg zum Plumpsklo ohne Bedanken antreten kann. Als ihn dann auch noch seine Freundin Louise verlässt und in die Arme des Schnurrbartträgers Foy flüchtet, sieht sich Albert endgültig auf dem Tiefpunkt angekommen. Mit Anna kommt eines Tages jedoch eine Frau in sein Kaff, die ihm anfangs dabei helfen möchte, zurück zu seiner Louise zu finden, doch zwischen Albert und Anna beginnt das Knistern ebenfalls langsam. Was A...
Filmkritiken, Serien

"Hannibal" 2. Staffel (USA 2014) Kritik – Von der Dissonanz zur Komposition

Autor: Pascal Reis „Put your head back. Close your eyes. Wade into the quiet of the stream.“ Die erste Staffel von „Hannibal“ hatte mit erheblichen Startschwierigkeiten mannigfacher Causa zu kämpfen und schmälerte zu Anfang noch die Hoffnungen darauf, erneut in den Genuss eines ähnlich hochkarätigen Formats à la „Game of Thrones“, „Walking Dead“ oder „Mad Men“ zu kommen. Ja, die Qualität von „Hannibal“ blieb vorerst im Verborgenen, der Erzählfluss stagnierte gewaltig und den Charakteren gelang es einfach nicht, ein rechtes Interesse für ihre misslichen Lagen zu generieren. Das Blatt wendete sich schließlich noch, Mads Mikkelsen bewies erneut, warum er inzwischen zu den Besten seiner Zunft gehörte und „Hannibal“ zog die Daumenschrauben von Folge zu Folge, bis zum tollen Finale, gekonnt fe...