Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Die neun Pforten" (FR 1999) Kritik – Eine teuflische Reise

"Dieses Buch ist eine Anleitung den Teufel herbei zu rufen." Meisterregisseur Roman Polanski ist kein unerfahrener im Bereich des Okkulten. 1968 schrieb er mit dem Okkult-Horror 'Rosemary's Baby' Filmgeschichte. Gute 30 Jahre später betritt er mit 'Die neun Pforten' wieder das Genre und überzeugt auf ganzer Linie. Die langsamen und ruhigen Schnitte wirken angenehm zurückhaltend, genau wie die tolle Kameraführung von Darius Khondji, denn die sorgt für äußerst stimmige und tolle Einstellungen von Frankreich. Der schaurige Score von Wojciech Kilar ist ebenfalls ein absolute Highlight und untermalt die Szenen grandios und lässt eine hochspannende und bedrohliche Atmosphäre entstehen. Polanski beweist wieder einmal ein tolles Gespür für Besetzungen. Mit Johnny Depp steht ihm einer der best...
Filmkritiken

"The Grey" (USA 2012) Kritik – Liam Neeson im Kampf um das Überleben

"Once more into the fray, into the last good fight I’ll ever know. Live and die on this day…" Von Regisseur Joe Carnahan weiß man nie so genau, was einen als nächstes erwartet. Sein bester Film, der Cop-Thriller 'Narc', liegt nun auch schon bald 10 Jahre zurück. Danach kamen das hyperaktive Feuerwerk 'Smokin' Aces' und die Serienverfilmung von 'Das A-Team'. Sehenswert waren beide nicht wirklich und außer viel Geballer gab es nichts zu sehen. Jetzt steht das heißerwartete Survival-Drama 'The Grey', basierend auf der Kurzgeschichte von Ian McKenzie Jeffers, vor der Tür. Carnahan inszeniert endlich wieder einen guten Film, schöpft aber nicht seine ganzen Möglichkeiten aus. An erster Stelle muss man sagen, ohne dabei zu übertreiben: 'The Grey' ist exzellent fotografiert. Die Aufnahmen der ...
Filmkritiken

"Viva Riva" (Kongo 2010) Kritik – Auf den Straßen der Gewalt

"Geld ist wie Gift. Es bringt dich um." Wenn man Afrika aus filmischer Sicht betrachtet, dann wird man lange Zeit keine großen Erfolge finden. 2005 machte sich Südafrika mit 'Tsotsi' bemerkbar und der Oscar für den besten ausländischen Film folgte. Fünf Jahre später, im Jahr 2010, dürfen wir uns wieder über ein afrikanisches Highlight freuen. Dieses Mal aus dem Kongo. Mit dem Crime-Thriller 'Viva Riva' inszeniert Djo Tund wa Munga seinen ersten Langfilm und kann mit viel Authentizität auffahren, muss allerdings klare Abstriche in der Charakterzeichnung machen. Das dreckige kongolesische Straßenleben wird von Kameramann Antoine Rooh in grobe und kraftvolle Bilder verpackt und überträgt den brodelnden Alltag der Hauptstadt stark auf den Zuschauer. Die Musik von Louis Vyncke & Congopunq p...
Kritik: Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956) – Zwischen Lügen und Verzweiflung
Drama, Filmkritiken, Thriller

Kritik: Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956) – Zwischen Lügen und Verzweiflung

Sie können es gar nicht riskieren zu schießen! Im Jahr 1956 ging Meisterregisseur Alfred Hitchcock einen einmaligen Schritt. Er inszenierte ein zeitgenössisches Remake von einem seiner eigenen Filme. 'Der Mann, der zuviel wusste' erschien zum ersten Mal 1934 und Hitchcock passt sich im Remake lediglich der Zeit an und verlagert seine Drehorte. Der Film selbst ist für einen Hitchcock leider eine leichte Enttäuschung, bleibt aber in jedem Fall überdurchschnittlich. 'Der Mann, der zuviel wusste' wird durch satte und auffällige Farben geprägt. Kameramann Robert Burks fängt die Atmosphäre in äußerst stimmige Bilder ein überträgt sowohl die Hitze Marokkos und die graue Kälte Londons auf den Zuschauer. Der Soundtrack wird von Bernard Herrmann beigesteuert, einem der besten Komponisten überhau...
Drama, Filmkritiken

Kritik: Good Will Hunting (USA 1997) – Ein Genie zwischen Mathematik und Liebe

You're not perfect, sport, and let me save you the suspense: this girl you've met, she's not perfect either. But the question is whether or not you're perfect for each other. Der Traum von Unendlichkeit: Manche brauchen dafür nicht einmal ihre Augen schließen und sind mittendrin, während andere ihm Zeit ihres Lebens hinterher eifern und infolgedessen unter ihm begraben werden. Good Will Hunting berichtet von beiden Segmenten, um seinen Fokus aber auf eine weitere Möglichkeit zu legen, die sich quasi zwischen alle Stühle setzt: Will Hunting (Matt Damon) nämlich könnte sich durch sein kognitives Vermögen problemlos für die Nachwelt unsterblich machen. Er könnte nicht nur das Titelplatt renommierter Zeitschriften zieren, ihm würden ganze Bücher gewidmet, Kapitel in Geschichtsbüchern würden...
Drama, Filmkritiken

Kritik: Tödliche Versprechen (USA 2007) – Cronenberg und die russische Mafia

Manchmal liegen Geburt und Tod nah beieinander. David Cronenberg ist mit Sicherheit kein Regisseur für die breite Zuschauermasse. Mit Filmen wie Videodrome, Die Fliege und Naked Lunch* sicherte sich Cronenberg eine nicht allzu große, aber treue Fanschar um sich. 2005 ging der kanadische Regisseur mit A History of Violence auf größeres Publikum zu und überzeugte dabei ebenfalls in allen Punkten. Doch 2007 schaffte er mit Tödliche Versprechen für mich sein ganz besonderes Highlight und inszeniert einen der besten Mafiafilme überhaupt. Die Londoner Hebamme Anna muss miterleben, wie eine namenlose osteuropäische Prostituierte bei der Geburt ihres Babys stirbt. Anna setzt alles daran, die Angehörigen des verlassenen Säuglings zu finden. Ihre einzigen Hinweise sind ein russisches Tagebuch und ...
Filmkritiken

"American Psycho" (USA 2000) Kritik – Der Wahnsinn trägt Armani

"Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion, abgesehen von Gier und Abscheu." Mit der Romanverfilmung 'American Psycho' von Mary Harron kam 2000 ein Film in die Kinos, der nicht nur die Kritikermeinungen spaltete, sondern auch das Publikum ließ er nicht selten mit gemischten Gefühlen zurück. Die einen, hier natürlich auch die Fans des Romans, wurden maßlos enttäuscht. Die anderen kamen beim Psycho-Thriller auf ihre erwarteten Kosten. Zur zweiten Gruppe würde ich auch mich zählen, denn 'American Psycho' ist spannendes und satirisches Kino, mit viel Interpretationsfreiheit, auch wenn ich dann doch etwas mehr erwartet hätte. Ein Meisterwerk ist der Film dennoch sicher nicht. Die Welt, in die uns 'American Psycho' zie...
Filmkritiken

"This Boy’s Life" (USA 1993) Kritik – DiCaprios erster großer Auftritt

"Das ist mein Haus und ich hab das Sagen! Verstanden?!" Welcher 18 Jährige Junge hat schon das große Privileg, in seinem ersten großen Filmauftritt, an der Seite von einer Schauspielgröße wie Robert De Niro zu spielen? Tja, niemand geringere als Leonardo DiCaprio. In Michael Caton-Jones Jugend-Drama 'This Boy's Life' aus dem Jahre 1993, begeistern nicht nur die Darsteller, sondern auch Caton-Jones' emotionale und starke Inszenierung. David Watkins Bilder, die das 50er Jahre Leben in Amerika einfangen, sind schön stimmig und nostalgisch. Dabei verzichtet Watkins auf unnötige Sperenzchen und fängt das Geschehen in standhaften und unaufgeregten Aufnahmen ein. Auch der unaufdringliche und gefühlvolle Score von Carter Burwell trägt seinen Teil zur tollen Atmosphäre bei und schafft es, den Z...
Filmkritiken

"L.A. Crash" (USA 2004) Kritik – Kitsch, Klischees und Verlogenheit

"Du brauchst dich doch nur mal umzusehen. Du findest nirgendwo 'ne hellere, sichere und besser beleuchtete Straße als hier, aber die weiße Frau da sieht zwei Schwarze, die die Straße runterschländern und ohne weiteres an der Uni studieren könnten und was ist? Sie kriegt Panik." Mit seinem Debütfilm 'Red Hot' aus dem Jahr 1993, riss Paul Haggis so rein gar nichts. Auch als Drehbuchautor konnte er sich zuvor nicht in den Vordergrund rücken. Doch seine Zeit sollte noch kommen. Und so segelte 2005 auch die erste Oscar Nominierung fürs Drehbuch von 'Million Dollar Baby' ins Haus. Das wäre der verdiente Oscar gewesen. Bei der Oscar Verleihung 2006 ging die persönliche Erfolgsserie aber weiter. Für sein Episoden-Drama 'L.A. Crash' konnte Haggis nicht nur den Oscar für das beste Drehbuch einste...
Filmkritiken

"Das Schweigen der Lämmer" (USA 1991) Kritik – Im Netz des Kannibalen

"Die große Bedeutung des Schmetterlings liegt in der Metamorphose. Die Larve, bzw. Raupe wird zur Puppe, die sich nunmehr in Schönheit verwandelt. Unser Billy will sich auch verwandeln." Jonathan Demmes Verfilmung des gleichnamigen Buches 'Das Schweigen der Lämmer' war 1991 sein bisher größter Erfolg. Bei den Oscar-Verleihungen gewann der Film 5 Oscars und zwar die wichtigsten: bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch und das völlig zu Recht. 'Das Schweigen der Lämmer' ist ein Psycho-Thriller der absoluten Sonderklasse. Die FBI-Auszubildende Clairce Starling bekommt es mit einem schweren Brocken zu tun. Das FBI ist schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach dem Serienkiller Buffalo Kid, der sich jedoch hervorragend versteck...