Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Extrem laut und unglaublich nah" (USA 2011) Kritik – Aufgeblasene Gefühle ohne Ende

"Nur Menschen können Tränen weinen, wussten Sie das?" Jeder der den 11. September miterlebt hat, und wenn es nur am Fernsehbildschirm war, wird diese furchtbaren Bilder niemals vergessen. Nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt stand still. Tausende fanden ihr Ende in den flammenden Trümmern. Auch über 10 Jahre später ist der Schmerz noch tief in den Menschen verankert, vor allem bei denen, die Angehörige dabei verloren haben. Stephan Daldrys Romanverfilmung 'Extrem laut und unglaublich nah' aus dem Jahr 2011 nimmt den Anschlag auf das World Trade Center als Rahmenhandlung und verliert sich in seiner eigentlichen Story in aufdringlicher Rührseligkeit und aufgeblasenen Gefühlen. Optisch gibt es hier jedoch keinerlei Aussetzer oder Mängel. Kameramann Chris Menges fängt in warmen Hochgl...
Filmkritiken

"Buried" (ES 2010) Kritik – Ein Film zum Vergraben

"Sie müssen mir helfen, ich kriege keine Luft mehr!" Frischer Wind muss ins Kino! Irgendwie denkt man sich immer öfter, alles schon mal woanders gesehen zu haben. Der spanische Regisseur Rodrigo Cortés hatte mit dem Thriller 'Buried' von 2010 die Chance etwas Neues zu bieten, verliert sich aber leider in Langweile und Emotionslosigkeit. Visuell gibt es gar nichts zu meckern. Die Bilder aus dem Sarg sind schön grob, dicht und authentisch. Kameramann Eduard Grau ist jedoch nicht nur einmal viel zu nah an Reynolds und sorgt, trotz des kleinen Raums, gelegentlich dafür, dass man die Übersicht verliert. Der Soundtrack von Victor Reyes bietet nichts Besonderes, sie soll eben den Nervenkitzel der schrecklichen Lage unterstreichen. Den gewünschten Nervenkitzel bekommt man nur leider nie zu spü...
Filmkritiken

"Narc" (USA 2002) Kritik – Im Drogensumpf von Detroit

"Wieso lassen sie zu, das mich dieser verdammte Abschaum aus der Gosse mit Dreck bewerfen kann?!" Was konnte man 2002 von einem völlig unbekannten Regisseur wie Joe Carnahan schon erwarten? Nach seinem Debütfilm mit dem tollen Titel 'Blut, Blei, Bullen und Benzin' blieb Carnahan unbeachtet. Mit seinem zweiten Film 'Narc' begibt er sich ins Thriller-Genre und beeindruckt mit einem spannenden und konsequenten Krimi mitten im Drogenmilieu. Der Drogenuntergrund von Detroit wurde in dreckigen und erschreckend farblosen Bildern festgehalten. Einzig ein leichter Blauschimmer begleitet die Aufnahmen. Alex Nepomniaschy arbeitet vor allem mit der Handkamera. Das entwickelt eine ganz besondere Wirkung und zieht den Zuschauer immer direkt mit den Polizisten ins Geschehen. Man wird ein Teil dieser ...
Filmkritiken

"Die Brücken am Fluss" (USA 1995) Kritik – Clint Eastwood beweist viel Gefühl

"Ich glaube, für Besessenheit gibt es keine Gründe. Man ist einfach besessen." Romanverfilmungen sind immer eine Sache für sich. Ist ein Buch erst mal in der Bestsellerliste gelandet, dann ist die Verfilmung und eine wahrscheinliche Enttäuschung vorprogrammiert. Wenn sich aber ein Regisseur wie Clint Eastwood einem schwülstigen und vor Kitsch triefenden Roman wie 'Die Brücken am Fluss' annimmt, dann darf man als Zuschauer auf das Ergebnis gespannt sein. Mit dem gleichnamigen Film 'Die Brücke am Fluss' inszeniert Eastwood 1995 einen sensiblen und hochdramatischen Liebesfilm und verzichtet dabei zum Glück auf die schrecklich übertriebene Rührseligkeit. Das friedliche Landleben in Iowa wurde von Eastwoods Stammkameramann Jack N. Green wieder in harmonische und wärmende Bilder gepackt. Ebe...
Filmkritiken

"Enter the Void" (FR 2009) Kritik – Gaspar Noés spiritueller Rausch durch die Zeit

"Ich bin kein Junkie..." Die Jahre vergingen und es wurde still um Skandalregisseur Gaspar Noé. Nach 'Menschenfeind' und 'Irreversibel' hat Noé seinen Standpunkt in der Filmwelt deutlich klargemacht. Provokant, schonungslos und doch mitreißend. 2009, 7 Jahre nach 'Irreversibel', klopft Noé wieder an die Tür und hat seinen neusten Film 'Enter the Void' mit im Gepäck. 'Enter the Void' ist ein intensiver Drogenrausch, der den Zuschauer unaufhaltsam in seinen Sog zieht, allerdings einige schwere Längen mit sich bringt. Oscar und Linda waren lange Zeit getrennt, nun leben die Geschwister zusammen in Tokio. Sie strippt und er vertickt Drogen. Einer der Deals geht gehörig schief und Oscar wird auf einem versifften Klo erschossen. Sein Körper stirbt, doch sein Geist bleibt und schwebt durch di...
Filmkritiken

Klassiker-Tipp der Woche "…denn sie wissen nicht, was sie tun" (USA 1955) Kritik – Die ewige Rebellion

"Mein Gott, ich möchte einen Tag mal erleben, an dem ich nicht ganz durcheinander bin, einen Tag, an dem ich nicht das Gefühl habe, dass ich mich schämen muss." Der bekannteste Rebell der Filmgeschichte kehrt nach seinem ersten großen Auftritt in 'Jenseits von Eden' wieder zurück. Natürlich kann die Rede hier nur von James Dean sein. Der unglaubliche Mythos um seine Person ist noch bis heute beständig und schier unsterblich. In Nicholas Rays '...denn sie wissen nicht, was sie tun' von 1955 tauchen wir direkt in die verlorene Generation dieser Zeit und erleben ein impulsives und einfühlsames Jugenddrama, das aber aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so wirkungsvoll erscheint, wie im Erscheinungsjahr. Auch '...denn sie wissen nicht, was sie tun' überzeugt an erster Stelle durch seine große...
Kritik: Menschenfeind (FR 1998) – Der grenzenlose Hass
Drama, Filme, Filmkritiken, Französischer Film

Kritik: Menschenfeind (FR 1998) – Der grenzenlose Hass

Die Menschen glauben sie sind frei, doch es gibt keine Freiheit. Der französische Filmemacher Gaspar Noé ist wieder einer dieser Regisseure, der die Filmwelt in zwei klare Gruppen spaltet. Die einen hassen seine unverschönte, deprimierende und deutliche Art. Der andere Teil liebt ihn und sieht endlose Kunst in seinen Filmen. Mit seinem ersten Spielfilm 'Menschenfeind' aus dem Jahr 1998 zeigte Noé gleich, dass er keine Gefangenen macht und inszeniert ein durch und durch pessimistischen und brettharten Blick in eine hasserfüllte Seele. Die Atmosphäre in 'Menschenfeind' ist durchgehend angespannt, bedrängend und pures Unwohlsein macht sich breit. Die groben und harten Bilder wurden von Kameramann Dominique Colin in starke und ernüchternde Aufnahmen verpackt. Eine musikalische Untermalung ...
Filmkritiken

"Perfect World" (USA 1993) Kritik – Freundschaft und Verbrechen

"Werden Sie mich erschießen?" Seit sieben Jahrzehnten ist Clint Eastwood schon in der Filmwelt vertreten und beglückt seine Fans mit einer tollen Leistung (vor und hinter der Kamera) nach der anderen. Eines seiner größten Jahre ist wohl 1993, in dem Eastwood nicht nur mit 'Erbarmungslos' dem Western zum letzten Mal die Ehre erwies. Er inszenierte auch das einfühlsame Road-Movie 'Perfect World', das leider viel zu oft schlecht wegkommt, obwohl es ohne weiteres zu Eastwoods besten Arbeiten gehört. Schwerverbrecher Butch Haynes nimmt nach einem geglückten Gefängnisausbruch den achtjährigen Philip als Geisel. Auf der gemeinsamen Flucht wachsen die beiden immer mehr zusammen. Ein Riesenaufgebot von Gesetzeshütern klebt ihnen dabei allerdings schon längst an den Fersen. Das Texas der 60er J...
Filmkritiken

"Mysterious Skin" (USA 2004) Kritik – Liebe, Schmerz und verdrängte Wahrheiten

"Ich war sein Liebling." Immer wieder gibt es diese Filme, die aus verschiedensten Gründen den Weg ins Kino nicht finden und so auch nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. Einer dieser Fälle ist Gregg Arakis Außenseiter-Drama 'Mysterious Skin' aus dem Jahr 2004. Araki inszeniert einen emotionalen und gleichermaßen schockierenden Film rund um das Tabu-Thema Pädophilie. Die eindringlichen Bilder von Steve Gainer wurden gleichermaßen mit Kälte und Wärme durchzogen, die sich genau mit der Gefühlswelt des Zuschauers anpassen können. Der feine Score umwandert die Szenen unaufdringlich und bringt uns den Film, in Verbindung mit den tollen Aufnahmen, näher. Die Atmosphäre hält den Zuschauer durchgehend gefesselt und das Wegsehen wird unmöglich gemacht. Joseph Gordon-Levitt da...
Filmkritiken

"GoodFellas" (USA 1990) Kritik – Drei Jahrzehnte in der Mafia

"Wenn man zu einer Bande gehört, sagt einem niemals jemand, dass man dich umbringen will. So läuft das nicht. Es gibt keine großen Auseinandersetzungen oder Flüche wie im Film. Deine Mörder kommen mit einem Lächeln. Sie kommen als deine Freunde, als Leute, die sich dein ganzes Leben lang um dich gekümmert haben. Und sie kommen immer dann, wenn man ganz unten ist und ihre Hilfe am nötigsten braucht." Als Fan von Gangster-Filmen, ganz besonders über die Mafia, sind die Filme von Martin Scorsese für mich natürlich unumgänglich und schon fast heilig. Mit seinem sechsfach Oscar nominierten Film 'GoodFellas', über den wahren Aufstieg und Fall des Gangsters Henry Hill, liefert Scorsese mal wieder einen der besten Genre-Beiträge und auch einen der besten Filme aller Zeiten ab. Wenn Scorsese si...