Von Schurken und Superhelden – Die besten Comicverfilmungen

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Es ist schon bemerkenswert, in welchen Ausmassen heutzutage grösstenteils gleichgültiges, seelenloses CGI-Spektakel die Landschaft an Comicverfilmungen (darunter das zumeist vollkommen egale Avengers-Universum) beherrscht. Daher möchten wir uns in diesem Special auf die Graphic Novel Verfilmungen besinnen, welche dieser filmischen Ideenarmut konsequent gegenüberstehen. Von manchen Filmen wusstet ihr wahrscheinlich noch gar nicht, dass diese eine Adaption einer Graphic Novel Vorlage sind. Andere wiederum sind so unvergessen, dass diese für euch eher keine Überraschung in dieser Liste darstellen dürften. Welche ist eure Lieblingscomicbuchverfilmung?

Lobende Erwähnungen: Snowpiercer (2013, Bong Joon-ho), Watchmen (2009, Zack Snyder), The Dark Knight (2008, Christopher Nolan), Sin City (2006, Robert Rodriguez), Spider-Man: A New Universe (2018, Bob Persichetti), The Avengers (2012, Joss Whedon), Spider-Man 3 (2007, Sam Raimi), Barbarella (1968, Roger Vardim), Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017, Luc Besson), X-Men 2 (2003, Bryan Singer), Wanted (2008, Timur Bekmambetov)

Platz 10: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010)

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von Edgar Wright u.a. mit Michael Cera und Alison Poll
Autor Graphic Novel: Bryan Lee O’Malley

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt ist einer der besten Filme seines Kinojahres, wurde damals aber leider zu wenig gehypt, um kommerziell in der Liga eines Inception zu spielen, obwohl Regisseur Edgar Wright den besseren Film gemacht hat. So ein filmisches Erlebnis hatte es noch nicht gegeben – gleichsam originell und ein herrlicher Kommentar zu Hollywoods Adaptionsterrorismus. Zugleich ist es auch feuriges Plädoyer zur Rehabilitation der Videospielkunst, die zuletzt dank „WoW“ und „Killerspielen“ öffentlich geächtet wurde. Es wird nochmal an die Ursprünge erinnert, an das NES, Super Mario Bros., Amiga, Atari, C64, Pac-Man, GameBoy, Space Invaders, Dance Dance Revolution, Zelda, Tetris, Pong und viele viele mehr – in Form eines unvergesslichen Liebesfilms.

Platz 9: Batman Begins (2005)

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von Christopher Nolan u.a. mit Christian Bale und Michael Caine

Fün uns der beste Teil von Christopher Nolans Batman-Trilogie, gefolgt von The Dark Knight und dem schwachen  The Dark Knight Rises. Christopher Nolan zeigt uns wie Bruce Wayne zu Batman wurde. Er inszenierte einen tiefgründigen Charakterfilm für Actionfans. Christopher Nolan legt in Batman Begins viel Wert auf Bruces inneren Schmerz, der sich nach dem Mord an seinen Eltern im Kindesalter Jahre später immer noch Vorwürfe macht und sich selbst die Schuld an den Morden gibt. Langeweile kommt nie auf. Batman Begins ist von Anfang an spannend erzählt und inszeniert und bietet interessante Charaktere. Die Darstellung der Geschichte hat ihren Ursprung in diversen Comicbüchern, so z.B. Frank Millers Batman: Year One (1987) und The Dark Knight Returns (1986).

Platz 8: Joker (2019)

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von Todd Phillips u.a. mit Joaquin Phoenix und Robert De Niro

Dieser auf keiner besonderen Vorlage basierende Joker ist der pure Wahnsinn. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, was der Joker anno 2019 für einen darstellt. Ist er ein Kommentar zu psychischen Erkrankungen und zu sozialen Missständen. Eine durch und durch mysteriöse Charakterstudie des bekanntesten DC-Comicbösewichts. Oder nur ein weiteres unvergessliches Stück Kino, welches sehr von Martin Scorseses grössten Werken (Taxi Driver, King of Comedy) inspiriert ist. Auf keinen Fall ist Todd Philipps’ Joker eine weitere nichtssagende 0815-Comicverfilmung, die bereits fünf Minuten nach Verlassen des Kinosaals vergessen ist, sondern ein brandaktuelles, diskussionswürdiges Statement, welches jedoch nur wirklich diejenigen zu Fürchten haben, die rücksichtslos Profit aus dem System auf Kosten des Bürgers schlagen. Jokers Verlangen nach Anerkennung ist ein Appell, die Sorgen, Krankheiten und Ängste der Gesellschaft ernster zu nehmen, ehe irreversible Schäden die Folge sind. Sicherlich, dies macht den 2019er Joker gefährlich, aber auch essenziell, um für ein breites Umdenken zu sorgen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Platz 7: Batmans Rückkehr (1992)

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von Tim Burton u.a. mit Michael Keaton und Michelle Pfeiffer

Tim Burton hatte für die Fortsetzung seines Batman (1989) alle Freiheiten eingefordert und sie auch bekommen. Batman gab uns nur eine Ahnung, was möglich wäre. Schon hier war Gotham City eine einzigartige Megametropole, irgendwo zwischen Blade Runner und Albert Speer, mit kilometerhohen Wolkenkratzern, die mit ihren schrägen Geometrien an den deutschen Expressionismus erinnern. Dazu erschuf Danny Elfman einen opulenten Klangteppich, der dem dunklen Ritter ein ikonisches Thema schenkte. Batman wurde zum abstrakten Symbol, zum Symbol der Angst für die Schurken und zum Symbol der Rettung für die Bürger. Doch es ging noch viel weiter. Erst in Batmans Rückkehr konnte Tim Burton seine ganze Geschichte erzählen. Schon das Plakat zeigten es eindeutig: Batman, Catwoman und der Pinguin, ihre Porträts wie bei einem Totempfahl übereinander getürmt. Sie sind alle gleich anders, als würden sie auf dem Plakat eine Allianz bilden, eine Allianz aus Freaks – unvergesslich, so wie der ganze Film.

Platz 6: V wie Vendetta (2006)

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von James McTeigue u.a. mit Natalie Portman und Hugo Weaving
Autor Graphic Novel: Alan Moore

„Ein Volk sollte keine Angst vor der Regierung haben. Die Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben!“ Das ist der Grundsatz, unter dem V for Vendetta funktioniert. Bis heute hat dieser Film nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren und ist anwendbar auf jedes politische System. Er ist eindeutig nicht das, was man von einer Comicverfilmung erwartet. Zwischendurch zieht er mit brillanter Action und 1a Atmosphäre scharf in die Kurve, doch die meiste Zeit geht es um die politischen Machtverhältnisse in einem totalitären Staat und die Frage, wer dieser V nun eigentlich ist. Ein wichtiger Film, der viele Fragen stellt und Diskussionen fördert. Das erlebt man ja heutzutage in dieser Form leider kaum noch.

Platz 5: Spider-Man (2002)

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von Sam Raimi u.a. mit Tobey Maguire und Kirsten Dunst

Comicverfilmungen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Richtig losgetreten wurde die Welle um die Jahrhundertwende und X-Men gab 2000 den soliden Startschuss. Adaptionen wie Hulk, Daredevil, Hellboy und der geniale Batman Begins folgten. Sam Raimi, von dem nach seiner Tanz der Teufel-Trilogie, die heute zu Recht Kultstatus genießt, erst einmal nichts wirklich Nennenswertes mehr kam, hatte 2002 die große Ehre einen der beliebtesten Comic-Helden überhaupt auf die Leinwand zu bringen: Spider-Man. Die Chance, dass der Schuss nach hinten losgeht, ist natürlich immer gegeben, doch Saimi Raimi bewies wieder sein Talent und inszenierte nicht nur einen richtig guten Film, sondern auch ein klares und würdiges Highlight unter den unzähligen Comicbuchadaptionen.

Platz 4: A History of Violence (2005)

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von David Cronenberg u.a. mit Viggo Mortensen und Maria Bello
Autor Graphic Novel: John Wagner

In David Cronenbergs A History Of Violence geht es Schlag auf Schlag. Das mag viele schockieren und die Gewalt als unnötig erachten lassen. Schaut man jedoch genau hin, so eröffnet sich einem eine der ehrlichsten Auseinandersetzungen mit dem allgegenwärtigen Thema Gewalt. Viggo Mortensen füllt den zwiespältigen Protagonisten mit einer Intensität, die einen immer wieder erschauern lässt. Dabei erinnern seine Gewalthandlungen nicht ohne Grund an Klassiker wie Wer Gewalt sät. Sie spiegeln lediglich das Zerbrechliche in jedem von uns wieder. Und ebenso zeigen sie, dass in jedem von uns Gefühle lauern, die, wenn man sie nicht im Griff hat, zerbersten, gleichsam eines Kopfes, der von einer Schrotflinte in alle Himmelsrichtungen verteilt wird. Den Zuschauer entlarvt David Cronenberg dabei bis auf das Äußerste, was zum Beispiel mit einer zerschmetterten Nase verdeutlicht wird. Der Mann weiß eben, wie man künstlerisch und erzählerisch wertvolle Filme macht. Und A History of Violence ist dabei eine der besten Graphic Novel Verfilmungen.

Platz 3: Spider-Man 2 (2004)

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von Sam Raimi u.a. mit Tobey Maguire und Kirsten Dunst

2002 schlug Sam Raimi mit seiner Comicverfilmung Spider-Man ein wie eine Bombe. Nicht nur über 800 Millionen Dollar spielte der Film ein, er schaffte es auch mit Bravour dem Superhelden einen fühlbaren Charakter zu verpassen. Eine Fortsetzung musste folgen, so viel war klar. Doch die Erwartungen an Sam Raimi waren nicht geringer, als sie es vor dem ersten Teil waren und wie uns die Vergangenheit bereits zu genüge lehrte sind Fortsetzungen nicht gerade oft das Gelbe vom Ei. Die Qualität des Vorgängers wird nicht wirklich oft wieder eingefangen. Zwei Jahre mussten Fans mit ihrer Vorfreude und den Zweifeln kämpfen, bis Spider-Man 2 endlich den Weg in die Kinos fand. Zweifler verstummten schnell und durften sich ungläubig die Augen reiben, denn Sam Raimi erreicht nicht nur die bereits hohe Qualität des Vorgängers, sondern übertraf diese in jedem Punkt.

Platz 2: Oldboy (2003)

von Park Chan-wook u.a. mit Choi Min-sik
Autor Graphic Novel: Garon Tsuchiya

„Es heißt die Menschen kriegen nur Angst, weil sie zu viel Fantasie haben.“ Wohl wahr, denn gezeigt wird in Oldboy nicht viel, und trotzdem ist der Film eine kleine Waffe, welche dem Zuschauer erhebliche Schmerzen und Kopfzerbrechen bereitet. Er ist ein atemstockender Krimi, ein todbringender Thriller und vor allem ist er ein zutiefst erschütterndes, menschliches Drama, in gewissem Maße sogar eine Studie des menschlichen Verhaltens. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, hat definitiv eine der extremsten Erfahrung verpasst. Einer der besten asiatischen Filme aller Zeiten.

Platz 1: Blau ist eine warme Farbe (2013)

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von Abdellatif Kechiche u.a. mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux
Autor Graphic Novel: Julie Maroh

Blau ist eine warme Farbe erinnerte 2013 daran, wie einmalig, leidenschaftlich und exemplarisch ein Kinobesuch sein kann. Fast drei Stunden folgte ich der jungen Adèle und durchlebte zusammen mit ihr die zahlreichen Facetten und Hürden des Erwachsenwerdens. Absolut verdient wurde Regisseur Abdellatif Kechiche für diesen Film die Goldene Palme in Cannes verliehen, denn er macht das Unmögliche möglich: Dieses Liebesdrama fühlte sich selbst für mich als passionierten Kinogänger absolut originär und unverbraucht an. Bei Abdellatif Kechiche scheint alles das Natürlichste der Welt zu sein. Wie er beispielsweise Alltagssituationen – wie die Liebe auf den ersten Blick, das erste Mal, den Schulalltag oder den Streit eines Paares – schildert, ohne dabei typischen Genremustern zu verfallen, ist schlichtweg atemberaubend. Der Höhepunkt (wenn man davon überhaupt sprechen kann, denn sie reißt ja förmlich jede Szene mit einer unglaublichen Präsenz an sich) ist jedoch Adèle Exarchopoulus.

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