Kritik: Der weiße Hai (USA 1975) – Der Schrecken der Meere jetzt im Mediabook

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Sie werden ein größeres Boot brauchen.

Fragt man nach den erfolgreichsten Regisseuren aller Zeiten, dann kommt man an einem Namen nicht vorbei: Steven Spielberg. Spielberg war immer ein Qualitätsname, auch wenn diese Qualität sich mehr als nur einmal auf der visuellen Ebene breiter entfachen konnte, als auf der Filmischen. Schaut man sich die Karriere des einstigen Meisterregisseurs an, dann wird man feststellen, dass Spielberg nicht nur einen Hit in einem Jahrzehnt ablieferte, sondern gleich eine ganze Handvoll und war dabei nie nur auf ein Genre spezialisiert, sondern auf mehreren, die er für Groß und Klein dementsprechend inszenierte. Da hätten wir seine Sci-Fi-Filme Unheimliche Begegnung mit dritten Art, E.T. – Der Ausserirdische, A.I. – Künstliche Intelligenz und Minority Report. Die Historien-Filme wie Die Farbe Lila, Schindlers Liste, Amistad, Das Reich der Sonne, Der Soldat James Ryan und sein verkanntes Meisterwerk München. Des Weiteren hat Spielberg noch die Indiana Jones-Trilogie, Jurassic Park, Catch Me If You Can und die kleine Genre-Perle Duell zu bieten. Sicher sind das nicht alles die großen Meisterwerk und ob die Oscars für seine Regie ausgerechnet für Schindlers Liste und ganz besonders für Der Soldat James Ryan gerechtfertigt sind lässt sich wohl eher verneinen, aber Spielberg kann einfach inszenieren und vor allem Geschichten für die Familie erzählen, die fesseln, verzaubern und grösstenteils einfach unglaublich viel Spaß machen. Einen ganz anderen Erfolg durfte er 1975 überraschenderweise mit Der Weiße Hai feiern, obwohl sich das zum Entstehungszeitpunkt wirklich niemand vorstellen konnte.

Der kleine Inselbadeort Amity wird von schlimmen Todesfällen bei Badegästen eingeholt. Der neue Polizeichef Brody hat die Vorahnung, dass es sich um einen gefräßigen Hai handelt, doch der schmierige Bürgermeister ist strikt dagegen, die Strände zu sperren, da die Touristensaison bevorsteht. Nachdem einige Bürger sich bereiterklärten, den Hai zu jagen, sollte das Problem eigentlich gelöst sein, doch sie erwischten nicht den richtigen Hai. Der Meeresbiologe Matt und der alte Seebär Quint machen sich zusammen mit Brody auf die Jagd nach dem Unterwasserjäger, denn die Angriffe wollen nicht aufhören.

Warum der Erfolg so unerwartet war, lässt sich durch die Entstehungsgeschichte des Films erklären. Es begann wieder damit, dass sich kein Studio dazu bereit erklärte, das Script von Der Weiße Hai verfilmen zu lassen, denn jeder sah darin nur ein billiges B-Movie, welches niemals den Kinoanforderungen des damaligen Publikums entsprechen würde und kläglich zum Scheitern verurteilt wurde. Universal erklärte sich dennoch bereit, nachdem Steven Spielberg wirklich aufs Extremste kämpfte, ließ ihn gewähren und gab ihm den ersehnten Vertrag. Das erste Problem war überstanden, doch das nächste Hindernis folgte zugleich. Der damalige Star Charles Bronson sollte die Hauptrolle übernehmen, denn Charles Bronson war seinerzeit einer der größten Zuschauermagneten. Auch hier musste Steven Spielberg wieder alles in seine Überredungskünste legen, damit er seinen ganz eigenen Weg endlich gehen konnte. Das nächste Problem war das Drehbuch, mit dem Spielberg einfach nicht zufrieden war, denn es war ihm an allen Stellen zu lasch und stümperhaft, doch er musste anfangen zu drehen und fing vorerst ohne Drehbuch an, um nach dem stundenlangen Dreh noch nachts mit Peter Blenchley und Carl Gottlieb die nächsten Szenen zu schreiben, ganz zum Zorn der Schauspieler, die sich wie von einem Amateur geführt vorkamen und ihm versicherten, dass Der Weiße Hai der schlechteste Film der Geschichte werden würde. Verzögerungen, Unmut, Wut, Streit und eine immer wieder zerstörte Haiattrappe durchzogen die Drehtage, doch das Ergebnis dieses Chaosdrehs ist einer der erfolgreichsten Filme überhaupt.

Der Weiße Hai hat in erster Linie eine stimmige und packende Atmosphäre zu bieten, die sich stetig steigert und gerade in der zweiten Hälfte des Films auf offenem Ozean immer wieder ihren Höhepunkt erreicht. Dazu tragen die tollen und standhaften Kameraeinstellungen von Bill Butler bei, der immer an der richtigen Stelle steht und das Geschehen mit aller Übersicht einfängt und keine Aufnahme verkommen lässt. Ganz besonders ist es jedoch der meisterhafte Score von Steven Spielbergs Stammkomponisten John Williams, der die Anspannung und Unsicherheit der Lage immer hervorragend antreibt und die Unvorhersehbarkeit der Lage perfekt in seine Musik eingebaut hat. Dass Charles Bronson nun nicht die Hauptrolle zugesprochen bekam, sollte inzwischen bekannt sein. Steven Spielberg entschied sich für einen unbekannteren Mann, der aber unverständlicherweise auch nach seinem Auftritt immer noch viel zu unbeachtet blieb: Roy Scheider (French Connection). Roy Scheider spielt den Polizeichef Brody und beweist, dass er einfach ein toller Schauspieler war, der die verschiedenen Facetten seines Charakters ohne Probleme überzeugend ausspielen konnte. Neben ihm konnten auch Robert Shaw (Der Clou) als Veteran Quint und Richard Dreyfuss (Unheimliche Begegnung der dritten Art) als Experte Matt ihre Rollen stark ausfüllen.

Liest man sich die Geschichte von Der Weiße Hai durch, dann ist die Bezeichnung oder Vermutung eines Trash-Movies natürlich gar nicht falsch. Der Badeort Amity in Massachusetts wird vom einem Hai heimgesucht, der sich erst an Teenagern verbeißt und dann auch nicht mehr vor Kindern haltmacht. Der vom Festland stammende Polizeichef Brody sieht diesen Angriff und hätte dabei auch fast seinen eigenen Sohn verloren. Für ihn ist der Fall klar, auch, als der Mörder noch nicht aufgedeckt war: ein riesiger Hai treibt sein Unwesen und die Strände müssen gesperrt werden, auch wenn die Touristensaison und die Feiertrage vor der Tür stehen. Der Bürgermeister und der Stadtrat weigern sich jedoch, denn das Geld und die Touristen können die Männer sich nicht entgehen lassen. Als der Hai dann wieder angreift, wird ein Kopfgeld auf ihn gesetzt und schon bald erklären sich unzählige Menschen dazu bereit nach dem Ungetüm zu suchen und tatsächlich ziehen sie auch einen Hai aus dem Wasser – nur leider den Falschen. Der Haiexperte Matt Hooper und der Kriegsveteran und ehemalige Haijäger Quint treffen auf der Badeinsel ein und wollen sich auf die Suche nach dem weißen Hai begebem, denn beide prophezeien, dass die Angriffe nicht aufhören werden. Zusammen mit Brody, der kein Freund vom nassen Kühl ist, machen sie sich auf den Weg aufs offene Meer und stellen sich dem Kampf.

Der weiße Hai lässt sich so natürlich schon als B-Movie bezeichnen, aber dafür ist er einfach unheimlich spektakulärer und hebt sich ohne Probleme von jeglichen Standards ab. Das fängt mit der Charakterzeichnung selbst an: ein wasserscheuer Inselpolizist, ein vernarbter Kriegsveteran und ein intellektueller vollbärtiger Meeresbiologe. Alle sind sie eher unauffällige Normalos und keine muskelbepackten Helden, die sich dennoch in den Kampf für die Sicherheit der Gesellschaft werfen. Die Männer wagen sich auf das unendliche Blau und sagen dem Hai den Krieg an, doch auf dem Ozean ist der riesige Meeresbewohner der Chef und voll in seinem heimischen Element. Steven Spielberg teilt seinen Film so in zwei klare Abschnitte. Wir haben die Zeit vor dem Angriff der Männer und die Zeit währenddessen, dabei spielt Steven Spielberg nicht nur einmal mit den Erwartungen des Zuschauers und zieht die meiste Spannung daraus, den Hai erst gar nicht richtig zu zeigen, sondern nur die Wasseroberfläche oder den Menschen, der gerade seinem Angriff unterliegt. Der weiße Hai schildert die älteste Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier, Bürger gegen Bestie und Jäger gegen Gejagten. Die Anspannung der Lage ist dabei immer greifbar und dass die Story selbst eigentlich extrem dünn ist, interessiert niemanden. Steven Spielberg weiß es, die ganze Zeit über eine fesselnde Atmosphäre zu erzeugen und die bedrückende Spannung fast bis auf das Limit zu schrauben, dem Zuschauer beim nächsten Strandurlaub den Spaß am Baden endgültig zu nehmen. Das ist grandiose Unterhaltung, beißende Angst und ein nervenzerrender Kampf.

Fazit: Der weiße Hai ist einer der ultimativen Klassiker und dazu noch einer der besten und prägendsten Tierhorrorfilme* aller Zeiten. Mit tollen Darstellern, einem fantastischen Score, einer packenden Atmosphäre und einer hochspannenden Inszenierung wird Steven Spielbergs Der weiße Hai zu einem der Blockbusterfilme, die man im Leben wirklich gesehen haben muss.

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