Kritik: Halloween Ends (USA 2022)

Eine Gastkritik von Jan Benz

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© Universal Pictures International

A psycho meets a freak show. This is a match made in heaven.

44 Jahre nach ihrem ersten blutigen Duell treffen Laurie Strode und Michael Myers jetzt in Halloween Ends ein letztes Mal aufeinander. Wobei die ikonische Horrorfigur in den 13 Filmen der langlebigen Reihe schon so oft das Zeitliche gesegnet hat, dass das nächste Reboot sicher nur um die nächste Ecke bereits auf uns wartet. Der finale Teil der Legacy-Trilogie, welche die früheren Fortsetzungen ignoriert und direkt an das Original von John Carpenter aus dem Jahr 1978 anknüpft, wird aber zumindest für Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis der letzte Auftritt in ihrer Paraderolle sein. Obwohl damit eine Ära zu Ende geht, hielt sich meine Vorfreude auf Halloween Ends stark in Grenzen. Dafür hat Regisseur David Gordon Green nach dem mittelmäßigen Auftakt aus dem Jahr 2018 einen viel zu missratenen Nachfolger inszeniert. Halloween Kills hat im vergangenen Oktober für einen sehr hohen Bodycount gesorgt, so etwas wie Spannung kam bei der blutigen Schlachtplatte allerdings nicht auf. Und von der dämlichen Story will ich gar nicht erst anfangen. Halloween Ends geht nun überraschenderweise in eine ganz andere Richtung, ist dadurch aber trotzdem kein besserer Film geworden.

Vier Jahre sind nach der blutigen Attacke an Halloween vergangen und Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) lebt zusammen mit ihrer Enkeltochter Allyson (Andi Matichak) ein inzwischen relativ normales Leben. Während Laurie ihre Memoiren erfasst, haben die Bewohner von Haddonfield die Gräueltaten von Michael Myers jedoch längst nicht vergessen…

Das eigentliche erstaunliche an Halloween Ends ist, wie sehr er sich doch von seinem Vorgänger unterscheidet. Stand bei Halloween Kills der Horror beziehungsweise die Gewalt im Vordergrund, was zu Lasten der Handlung ging, ist es hier nun genau umgekehrt. Mit einem Horror-Slasher hat das Trilogie-Finale nämlich nicht mehr allzu viel am Hut. Bis Michael Myers im 111 Minuten langen Film das erste Mal zu sehen ist, vergehen knapp 40 Minuten und bis zu seinem ersten Kill dauert es fast eine Stunde (!). Mit dem Vorgänger, wo sich Myers einmal quer durch Haddonfield geschnetzelt hatte, hat dieser Streifen also kaum noch etwas gemein und der Bodycount wurde extrem zurückgefahren. Dafür versuchen David Gordon Green und seine drei Co-Autoren dieses Mal eine Geschichte zu erzählen. Wer nun aber eine Story erwartet, die den finalen Showdown zwischen Laurie Strode und Michael Myers im Kern hat, täuscht sich jedoch gewaltig. Myers ist über weite Strecken des Films überhaupt nicht zu sehen und auch Jamie Lee Curtis spielt als besorgte Großmutter, die in ihrem Büro an ihren Memoiren schreibt, eher eine Nebenfigur. Viel mehr steht ihre Enkeltochter Allyson im Fokus (wir erinnern uns: Im Vorgänger brachte Myers deren Mutter bzw. Lauries Tochter um) und Halloween Ends zaubert stattdessen einen ganz neuen Hauptcharakter aus dem Hut: Babysitter Corey Cunningham (Rohan Campbell). Dieser wird in der Eröffnungsszene des Films eingeführt, in welcher der Junge, auf den er eigentlich aufpassen sollte, ums Leben kommt, und bestimmt fortan das Geschehen.

Halloween-Ends-2022-Michael-Myers
© Universal Pictures International

An dieser Stelle muss ich mal die Filmstarts-Kritik zitieren, die den Film als „Die letzten Jedi der Halloween-Reihe“ bezeichnet hat. Ein durchaus treffender Vergleich, denn Halloween Ends bricht mit mindestens einer Tradition der Reihe, was den Fans auch schon sauer aufstößt. Und auch ich muss sagen, ein Qualitätsnachweis ist dieser Vergleich nicht. Ganz im Gegenteil sogar: Ohne irgendetwas vorwegzunehmen, aber was sich die Macher bei diesem neuen Charakter gedacht haben, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Jedenfalls könnte die Handlung von Halloween Ends nicht aufgeblähter sein und über die viel zu lange Laufzeit hinweg regiert die absolute Langeweile. Dabei müsste der Film doch viel eher den finalen Showdown seiner beiden eigentlichen Hauptcharaktere vorbereiten, der viel zu kurze und lahm inszenierte Endkampf wirkt jedoch eher so, als habe die Marketingabteilung den Autoren noch kurz vor Drehschluss mitgeteilt, dass es bei diesem Film eigentlich um Laurie und Michael gehen sollte. Immerhin sind sie am Ende wenigstens so konsequent, die Reihe dann auch ohne Hintertürchen zu beenden. Eine weitere Fortsetzung ist dieses Mal definitiv ausgeschlossen!

Horror-Fans werden den Horror aber schon mit dem Mikroskop suchen müssen, denn von Spannung oder Grusel fehlt in Halloween Ends jegliche Spur. Dazu kann lediglich der Endkampf für einen ähnlichen hohen Gewaltanteil wie im Vorgänger sorgen, während das Publikum auf die zumindest etwas kreativen Kills des Vorgängers hier ebenfalls verzichten muss. Wenigstens ist die Geschichte dieses Mal nur langweilig und nicht auch noch so dämlich wie zuletzt. Ich muss mich bei dieser Legacy-Trilogie wirklich an jeden Strohhalm klammern…

Fazit; Zum Glück habe ich mir im Vorfeld keine Hoffnungen darauf gemacht, dass das Finale der Trilogie auch nur einen Deut besser werden würde als der missratene zweite Teil. Halloween Ends ist genauso überlang und furchtbar langweilig wie sein Vorgänger. 111 Minuten mäandert der Film vor sich hin und es passiert einfach nichts Interessantes. Michael Myers tritt erst nach 40 Minuten das erste Mal auf den Plan und tötet sein erstes Opfer nach knapp einer Stunde. Ganz im Gegensatz zur blutigen Schlachtplatte von Halloween Kills wurde der Bodycount also extrem reduziert und bei all dem fehlenden Grusel und der nicht vorhandenen Spannung darf sich Halloween Ends auch nur deswegen ein Horrorfilm nennen, weil wenigstens im viel zu kurzen und lahm inszenierten Endkampf ordentlich Blut fließt. Regisseur David Gordon Green versucht stattdessen eine Geschichte zu erzählen, macht jedoch ausgerechnet bei ihrem finalen Aufeinandertreffen Laurie und Michael zu Randfiguren. Stattdessen steht vor allem Neuzugang Corey im Vordergrund, bei dem die Macher mit bisherigen Traditionen der Reihe brechen, was allerdings überhaupt nicht aufgehen will. Wenigstens ist das Ende konsequent und die Story nicht so dämlich wie im Vorgänger. Das sind aber auch die einzig positiven Aspekte, die ich diesem unbefriedigenden Abschluss einer schwachen Trilogie abgewinnen kann.

Hier gehts zum Trailer auf Youtube.

Halloween Ends startet am 13. Oktober 2022 bundesweit im Kino. Ab dem 29. Dezember 2022 ist der Film bereits fürs Heimkino erhältlich.*

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