Kritik: The Suicide Squad (USA 2021)

Eine Gastkritik von Jan Benz

The-Suicide-Squad-2021-Filmkritik
© Warner Bros. Pictures Germany

Vor ziemlich genau drei Jahren sorgte der spektakuläre Studiowechsel von Regisseur James Gunn für einige Aufregung. Nachdem ihn Disney nach zwei äußerst erfolgreichen Guardians of the Galaxy-Filmen wegen zehn Jahre alten, kontroversen Tweets vor die Tür setzte, schlug das konkurrierende Comiclabel von DC nur wenige Monate später zu und verpflichtete den Publikumsliebling für die Fortsetzung bzw. das Reboot der fehlgeschlagenen Verfilmung von Suicide Squad. Zwar hat der Mäusekonzern seine Entscheidung längst rückgängig gemacht und James Gunn übernimmt bei Guardians of the Galaxy Vol. 3 erneut das Zepter, bevor es soweit ist, kommt allerdings erst einmal Gunns DC-Ausflug in die Kinos. Dieser kümmert sich nicht sonderlich darum, die Schwächen seines Vorgängers wettzumachen, sondern kocht brav sein eigenes Süppchen. Dank eines Studios, welches seinem Regisseur dabei weitestgehend freie Hand ließ, wird The Suicide Squad den schwerfällig-düsteren Ton des Vorgängers von David Ayer los und kreiert stattdessen eine knallbunte, völlig durchgeknallte und ultrabrutale Schlachtplatte, die insgesamt Spaß bereitet.

In der Gefängnisanstalt Belle Reeve sitzen nur die größten Schurken und Verbrecher ein, doch um dem verkommenen Alltag des Gefängnisses zu entkommen, gibt es für die meisten nur einen Ausweg: Einen selbstmörderischen Auftrag von Amanda Waller (Viola Davis) anzunehmen, der ihnen Hafterleichterungen verspricht. In diesem Fall bekommen es die Mitglieder des Suicide Squads jedoch mit gewaltbereiten Guerillas und einem riesigen Seestern aus dem All zu tun.

Ein Seestern-Kaiju, John Cena in einem lächerlichen Heldenkostüm und Sylvester Stallone als menschlicher Hai – bereits der Trailer zu The Suicide Squad machte deutlich, dass die Fortsetzung nichts mehr mit ihrem direkten Vorgänger zu tun haben würde. Zwar kehren einige Charaktere, wie Joel Kinnaman als Anführer Rick Flag oder Margot Robbie als Harley Quinn zurück, gesehen haben muss man den schwachen ersten Teil aus dem Jahr 2016 jedoch nicht. The Suicide Squad steht komplett auf eigenen Beinen, was im Superhelden-Genre durchaus mal angenehm ist. Obwohl ich die beiden Guardians of the Galaxy-Filme von James Gunn liebe, war ich im Vorfeld dennoch skeptisch. Zu schlecht waren die meisten DC-Filme in den letzten Jahren und zu abgedreht und beinahe trashig wirkte der Trailer. Dass die Kritiken dann doch vergleichsweise überschwänglich ausfielen, überraschte mich jedoch und das ändert sich leider auch nach meiner Sichtung des Films nicht. Ja, The Suicide Squad ist besser als sein Vorgänger (was auch nicht sonderlich schwer war), aber auch nicht der heilige Gral der Comicverfilmungen. Am ehesten erinnert der Film in seinem Genre, mit seiner Mischung aus schwarzem Humor und blutiger Action, an die beiden Deadpool-Filme mit Ryan Reynolds, gepaart mit vielen bekannten Elementen aus Guardians of the Galaxy. So ist Sylvester Stallones menschlicher Hai zwar ein Hai-light des Films (sorry dafür), seine Figur erinnert jedoch sehr stark an Groot. James Gunn bedient sich auch in Sachen Soundtrack, der Dynamik innerhalb der Superheldengruppierung, und dem Humor bei der Erfolgsformel seiner beiden Marvel-Abenteuer, jedoch alles eine Stufe weniger gelungen, als bei den beiden Vergleichsfilmen. Das sorgt zwar immer noch für eine Menge Spaß auf der Leinwand und dank eines rockigen Soundtracks, sowie einem gutem Pacing, gehen die 132 Minuten ohne Längen über die Bühne, komplett ins Schwarze trifft The Suicide Squad dabei allerdings nicht. Zum einen zünden nach der starken Anfangsszene längst nicht mehr alle Gags, zum anderen wurde es mir doch ein wenig zu abgedreht. Mit all seinen bunten Kostümen, verrückten Charakteren und großspurigen Actionszenen, mutiert The Suicide Squad zu einem ganz schön chaotischen Film, der letztlich aber auch nicht so besonders ist wie er gerne sein möchte. Am Ende erwartet den Zuschauer eben auch hier das gewohnt bombastische CGI-Finale.

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© Warner Bros. Pictures Germany

Wovon ich allerdings noch nicht genug bekommen kann, ist die außerordentliche Brutalität des Films. Im MCU musste sich James Gunn in das enge PG-13-Korsett zwängen, einer der Vorteile der DC-Filme ist es derweil, dass sie nicht unbedingt auf ein familienfreundliches Publikum zugeschnitten sein müssen. The Suicide Squad tritt dabei in die Fußstapfen des bereits erwähnten Deadpool und liefert dank seines R-Ratings einige saftige Gewaltspitzen. Das Blut fließt auch für FSK 16-Maßstäbe gehörig und die blutige Action sorgt auf jeden Fall für einen gesteigerten Unterhaltungsfaktor. Das gilt gleichermaßen für die gelungenen Effekte, die, trotz der betont trashigen Kostüme und einem absurden Endgegner, den Film stets im Blockbustersegment und nicht in der Asylumecke halten. In Sachen Inszenierung weiß The Suicide Squad ebenfalls größtenteils zu überzeugen, lediglich die unzähligen hektischen Kameraschwenks und -flüge waren mir persönlich etwas zu viel des Guten, was zum chaotischen Gesamteindruck passt, den ich vom Film habe.

Zu guter Letzt müssen wir noch über das Ensemble sprechen. Neben den bereits erwähnten Rückkehrern um Margot Robbie, Joel Kinnaman, Viola Davis und Jai Courtney, müssen Fans beispielsweise auf Will Smith in seiner Rolle als Deadshot verzichten. Stattdessen übernehmen Idris Elba als Bloodsport, Michael Rooker als Savant und John Cena als Peacemaker das Zepter, was ihnen auch durchaus gelingt. Das Problem daran ist nur, dass ich mit keinem der Charaktere auch nur ansatzweise mitgefühlt habe. Anders als den Guardians, fehlt es dem Team einfach am emotionalen Unterbau zwischen all dem Nonsens. Am ehesten überzeugten mich dann sogar Stallones King Shark und der Nebencharakter Ratcatcher II (gespielt von Daniela Melchior). Um mehr zu sein, als einfach nur ein unterhaltsamer Superheldenblockbuster, ist das jedoch leider zu wenig.

Fazit: Die bisher hohen Wertungen für James Gunns The Suicide Squad kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Natürlich ist der Film besser als sein schwacher Vorgänger und dank eines rockigen Soundtracks, größtenteils gelungenen Gags, sowie den blutigen Actionszenen macht der Film in seinen 132 Minuten durchaus Laune, für mehr fehlt es allerdings am emotionalen Unterbau der Truppe. Dazu fällt der Film mit seinen bunten Kostümen, den zahlreichen verrückten Charakteren und einer, gelinde gesagt, unschön rasanten Kameraführung recht chaotisch aus und war mir spätestens im Finale gegen den Riesenseestern auch einfach zu abgedreht. The Suicide Squad ist eine unterhaltsame Comicverfilmung, mehr aber auch nicht.

The Suicide Squad startet am 5. August 2021 deutschlandweit in den Kinos. Ab dem 2. Dezember 2021 ist der Film zudem bereits für das Heimkino erhältlich.*

Hier geht es zum Trailer.

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