"Snow White and the Huntsman" (USA 2012) Kritik – Kristen Stewart als Schneewittchen: Ob das gut geht?

“You have eyes huntsman, but you can not see! She is the One! I see an end to darkness!”

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Nach unzähligen Verfilmungen, darunter wohl die bekannteste Disneys „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ aus dem Jahr 1937, sollte es auch 2012 wieder so weit sein: Die Zwergen-Freundin findet den Weg zurück auf die große Leinwand. Und dieses Jahr entschieden sich gleich zwei Studios dazu, Schneewittchen in ein neues Gewand zu stecken. Tarsem Singh bescherte dem Publikum bereits mit „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ ein kunterbuntes, kurzweiliges Abenteuer mit viel Humor. Weniger gelungen ist nun „Snow White and the Huntsman“, ein über zwei Stunden andauerndes Ärgernis, dem es fast gänzlich an Einfallsreichtum und herzerwärmenden Momenten fehlt… und eine mitreißende Handlung wird auch anders geschrieben.

Die erste Frage, welche man sich am Ende des Films stellt, ist, ob Regisseur Rupert Sanders jemals etwas von Schneewittchen gehört, gesehen oder gelesen hat. Schamlos bedient er sich bei anderen Genre-Vertretern wie „Prinzessin Mononoke“ oder „Der Herr der Ringe“, und auch wenn die eine oder andere Szene für sich alleine hervorragend ist, als Einheit funktioniert „Snow White and the Huntsman“ zu keinem Augenblick. Szenen, die episch sein sollen, werden durch Kristen Stewarts ausdruckslose Visage kaputt gemacht, der Handlange (Bruder) der bösen Königin ist eine Witzfigur und kann als Bösewicht nicht ernst genommen werden, und ausgerechnet die vielversprechende Charlize Theron verliert sich als Stiefmütterchen in lästigem Over-Acting.

Noch schlimmer wird es dann, wenn Sanders versucht, einen auf Peter Jackson zu machen. Selten hat man dermaßen unsympathische und unlustige Zwerge gesehen, selten einen scheußlicheren Filmsong gehört, der gerne „Into the West“ wäre (was war hier los Newton Howard?) und auch diese stümperhaft inszenierten Schlachten lassen den Zuschauer fassungslos zurück. Durchaus besser gelungen sind hier die Szenen im verfluchten Wald, die extrem düster gehalten sind und einen gewissen Ekelfaktor garantieren. Besonders die Giftpilze sind grandios und bringen eine philosophische Komponente in das Abenteuer. Anstatt den Film jedoch auf diesem Niveau fortzuführen, verliert sich die Handlung nach dem düsteren Wald in eher platten als philosophischen Bildern und Dialogen. Und die Vorhersehbarkeit, die sich ab diesem Moment einstellt, kann man ohne Frage als „Frechheit“ bezeichnen.

„Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt‘ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen! Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz…“

Bleibt letztendlich nur noch eine Frage im Raum stehen: Was war der Auslöser für diese Neuadaption? Planlos bettet Rupert Sanders Phrasen aus Grimms Vorlage mit ein, neue Facetten kann er dem Märchen gar nicht abgewinnen und ansprechend umgesetzt ist das Ganze auch nicht. Selten war ein Fantasy-Film so arm an Ideen. Das kommt eben dabei raus, wenn man fast nur Amateure an die Arbeit lässt, denn „Snow White and the Huntsman“ gerät spätestens nach einer halben Stunde vollkommen aus dem Ruder. Nur die unfreiwillig komischen Momente, „Thor“ Chris Hemsworth, vereinzelt unterhaltsame Szenen und einige Melodien Newton Howards können diese Peinlichkeit vor schlimmerem Übel bewahren.

Bewertung: 3/10 Sternen

11 Comments

  • Ich stimme dir voll und ganz zu! Kristen Stewart ist einfach grässlich anzuschaun da sie absolut IMMER gleich „schauspielert“. Keine Leistung von ihr, zu viel wie du sagtest von Charlize Theron (enttäuschend), Film hat keine Action die einen in den Bann zieht – einfach alles zu langsam… Nur Chris Hemsworth rettet den Film im Original da er einen hervorragenden und glaubhaften Scotten spiet – Chris und der Trailer sind 1A. Was für ein Schlag ins Gesicht nach der großen Vorfreude!

  • Vollkommen richtige Kritik. wobei ich persönlich mit Charlize Theron overacting nicht ganz einverstanden bin. Der Film ist so la la, hat jedenfalls zu viel Jeanne D’Arc für Snowwhite. Und Kirsten Stewart in der Rolle der Kriegerin-Führerin ist einfach lächerlich.

  • Wenn man eine werkgetreue Umsetzung als Maßstab nimmt, ist der Film echt Murks. Immerhin zeigt die Kritik offen, dass sie aus einer Aversion gegen Stewart heraus geschrieben wurde. Das finde ich ehrlich und angemessener, als sich hinter Scheinargumenten zu verstecken, die man in anderen Artikeln teilweise antrifft.
    Nachvollziehen kann ich nur nicht, wieso Theron „overacting“ bescheinigt wird. Sie ist doch grad einer der Lichtblicke des Films. Vielleicht liegt’s am Kontrast zum etwas faden Spiel der anderen Hauptdarsteller? Ihre Darstellung ist konsistent mit ihrem Charakter, und der Film zeigt eigentlich unmissverständlich, was sie seit ihrer Kindheit antreibt und wie sich daraus eine Obsession entwickelt hat. Vor allem Therons Leistung macht deutlich, dass man als Gegenpart jemand mit mehr Ausstrahlung als Stewart hätte wählen sollen.

    • Weil ich „ausdruckslose Visage“ geschrieben habe, soll ich die Kritik jetzt aus Aversion gegen Stewart geschrieben haben? Aha. 🙂 Ganz im Gegenteil, sie hat mich bereits in „Into the Wild“ überzeugt und ebenso in „On the Road“, der demnächst im Kino startet. Abgesehen davon ist das ein Satzteil in der ganzen Kritik, weiss also nicht, wie du darauf kommst. Ist halt hier nun mal Fakt, dass sie schlecht spielt. Was Theron betrifft, wenn man lachen muss, wenn sie ernsthaft sein will, spricht nicht gerade für sie. Übertriebenes Schauspiel ohne einen Ansatz von charakterlicher Tiefe.

        • Ändert trotzdem nichts daran, dass ich 1. kein „Twilight“- und somit kein Stewart-Hasser bin und sie 2. in anderen Filmen nicht schlecht fand. Nur hier ist sie nun mal die absolute Katastrophe, was ich mit der Aussage auf den Punkt bringen wollte.

          • Ups, sorry, ich wollte dir mit „Aversion“ keinen „Hass“ unterstellen!
            Hass in Reinform ist für mich persönlich ein großes Übel, da früher alle Leute, denen ich diese Emotion entgegengebracht hab, maximal ein Jahr später einen schlimmen Unfall hatten oder eine schwere Krankheit bekamen. Ich glaube natürlich nicht an einen kausalen Zusammenhang, bemühe mich seitdem aber um mehr innere Ausgeglichenheit, selbst wenn mir ein Mitmensch böswillig auf den Senkel geht (xD).

            Ok, wir stimmen also überein, dass Stewarts Performance als Snow White mau war, aber bei Theron müssen wir irgendwann noch in den Boxring ;). Ich hab schon bei Frau Flinkwert geschrieben, dass der olle Geist im Spiegel nach dem ersten Deutschland-EM-Spiel wohl ne Kiste Warsteiner geext hat, dass er Miss Stewart für „fairer“ als Madame Theron erachtet…

            *Handschuhe auspack*
            (xD)

          • Gegen Therons Ausstrahlung spricht ja auch gar nichts, ist viel hübscher als Stewart, nur das ändert auch nichts an ihrem oberflächlichen Schauspiel. Ist auch weniger ihre Schuld als die des katastrophalen Drehbuchs und des Regisseurs, der anscheinend nicht in der Lage ist, seine Schauspieler zu führen.

          • Damn, ich glaube, die Fronten sind da in der Einschätzung verhärtet. Der eine sagt „oberflächlich“, der andere sagt „konsistent mit dem Charakter“. Wie können wir das Dilemma auflösen? Doch eigentlich nur über einen guten altmodischen Fight! 🙂

            (Tyler Durden hatte ja so Recht! Unsere heutige Generation wurde von Frauen aufgezogen und zerredet, was man im Ring Mann gegen Mann austragen sollte!!! Also auf! *Handschuhe rüberwerf* xD)

          • Bist du dir sicher, dass du das im Ring austragen willst? Da wirst du nämlich definitiv den Kürzeren ziehen. 😉 Abgesehen davon, jeder der ein wenig Anspruch an Filme hat, muss zugeben, dass die Königin als Charakter einfach langweilig ist. Ok, im Vergleich zu dem noch schlechter gespielten Bruder ist sie natürlich interessant. 😛

          • Ok, alternativ können wir das gerne auch „Tiger and Dragon“-mäßig in Bambuswipfeln austragen! Wäre visuell gewiss spannender als ein Ringkampf im „Ip Man 2“-Stil 🙂

            Hm, echt? Also ich fand die Königin als Charakter zwar nicht gerade differenziert, wegen ihrer obsessiven Züge aber interessanter als den Rest der Meute.
            Berührt hat mich sonst nur Snow White, aber nicht wegen der Darstellung, sondern wegen der Tatsache, dass sie seit der Kindheit in einem Turm eingesperrt war. So ganz ohne Bücher und DVDs… für mich eine absolute Horrorvorstellung! Kein Wunder, dass sie danach über weite Strecken apathisch und gaga rüberkam (xD).

            LOL, jaaaa, der Bruder war teilweise echt Panne! Hmmm, vermutlich würde ich auch so enden, wenn meine Schwester nach ihrem Filmstudium einen vergleichbaren Zauber abkriegt und die Weltherrschaft an sich reißen will. Nur würd ich mir definitiv die Haare färben! ;D

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