Schlagwort: 2016

Kritik: Hell or High Water (USA 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Hell or High Water (USA 2016)

I've been poor my whole life, like a disease passing from generation to generation. But not my boys, not anymore. Dominics Meinung 12 Millionen Dollar. Diese Summe hat die komplette Produktion von Hell or High Water veranschlagt und auch wenn bereits bessere Filme für deutlich weniger Geld gedreht wurden, so ist die Summe trotzdem erstaunlich. Vieles an David Mackenzies Film erweckt den Eindruck er wäre kostspieliger gewesen. In vorderster Front sind es natürlich Darsteller wie Jeff Bridges, Chris Pine und Ben Foster, die den Eindruck einer Multimillionen-Dollar-Produktion evozieren. Doch auch darüber hinaus sind beinahe alle Facetten des Films, angefangen bei der Optik über Kostüme und Ausstattung bis hin zum Soundtrack, hochwertig eingefangen. Natürlich sind 12 Millionen dennoch eine...
Kritik: Die Taschendiebin (KR 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Die Taschendiebin (KR 2016)

Ich stehe Ihnen zu Diensten. Der südkoreanische Regisseur und Autor Park Chan-wook, der uns Werke wie Oldboy oder Durst geschenkt hat, kehrt nach seinem Ausflug in die amerikanische Filmbrache glücklicherweise (obgleich Stoker kein kompletter Reinfall war) in seine Heimat zurück und inszeniert mit Die Taschendiebin (der im weiteren Verlauf The Handmaiden genannt wird – aus offensichtlichen Gründen) eine visuell betörend eingefangene und unheimlich stimmig erzählte Thriller-Romanze, die man durch ihre ruhige Erzählstruktur und dem feinfühligen Umgang mit der Mise en Scène guten Gewissens als sein erwachsenstes Werk beschreiben könnte. Schon auf den ersten Blick offenbart The Handmaiden eine Vielzahl an optischen Reizen, sei es seine düstere Atmosphäre, die stilsicher durchgetakteten Bil...
Kritik: Sully (USA 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Sully (USA 2016)

I've had 40 years in the air but in the end, I'm going to be judged by 208 seconds. Es ist ein Bild, welches um die Welt ging und später von den Medien zum Wunder vom Hudson erhoben wurde: Ein Passierflugzeug treibt dort im Wellengang des Hudson Rivers. Menschen sammeln sich auf den Tragflächen des Luftfahrzeugs. Die eigentliche Tragödie wurde in ein Mirakel aufgelöst, denn: Dass eine Notwasserung, wie sie Captain Chelsey Sullenbeger infolge eines Vogelschlags, der beide Triebwerke außer Kraft setzte, am 15. Januar 2009 erfolgreich umsetzte, noch unwahrscheinlicher als ein Absturz ist, zeigt die hypothetische Unvorstellbarkeit dieses Landemanövers doch eigentlich ganz wunderbar auf. Der Tod der 155 Insassen des Airbus A320-214 wäre, bleibt man theoretischen Parametern treu, beschlossene...
Kritik: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (GB/US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (GB/US 2016)

I love house elves. My uncle is a house elf. Harry Potter ist ein Phänomen, anders kann man es nicht sagen. Die Buchreihe von J.K. Rowling darf angesichts ihrer Massenwirksamkeit guten Gewissens zu den wichtigsten literarischen Ergüssen der jüngeren Vergangenheit gezählt werden und hat mir ihrer magischen Welt den Nerv zahlreicher junger, aber auch erwachsener Leser getroffen. Völlig zu Recht gilt Harry Potter als prägendes Werk für unzählige junge Erwachsene, die in ihrer Kindheit und Jugend mit den Abenteuern des bekannten Zauberers groß geworden sind und auch wenn man sich über die Qualität der dazugehörigen Filme streiten kann, so gehören sie dennoch dazu. Nachdem es nach dem Ende des letzten Teils eine Zeit lang still um das magische Universum wurde, folgte alsbald das Unvermeidlic...
Kritik: Nerve (USA 2016)
Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: Nerve (USA 2016)

Are you a watcher or a player? Wer hätte gedacht, dass sich Henry Joost und Ariel Schulman nach Paranormal Activity 3 und Paranormal Activity 4 noch einmal derartig rehabilitieren können? Mit Nerve knüpfen die beiden Regisseure mühelos an die bestechenden Qualitäten ihres Debüts Catfish an, in dem das Duo bereits 2010 auf innovative Weise einen zurecht hohe Wellen schlagenden Kommentar zur brandaktuellen "Social Media"–Thematik lieferten. Mit der Verfilmung des Romans von Jeanne Ryan ist den beiden nun wieder ein beeindruckender, von pulsierendem Lebensgefühl durchzogener Film geglückt, dessen Veröffentlichung kaum passender geschehen konnte als momentan, wo Pokémon Go Millionen von Menschen mit dem Smartphone wie getrieben durch die Öffentlichkeit jagt. Nerve ist bunt, laut und schri...
Kritik: War Dogs (USA 2016)
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Kritik: War Dogs (USA 2016)

Everyone's fighting over the same pie and ignoring the crumbs. I live off crumbs. Es gibt eine emblematische Szene in War Dogs, die die Tonalität des Filmes adäquat auf den Punkt bringt. Während eines Ausfluges zur Waffenmesse von Las Vegas, ein regelrechtes Schlaraffenland für Narren großkalibriger Gebrauchsgegenstände, treffen die beiden Hauptakteure, Efraim Diveroli (Jonah Hill, Das ist das Ende) und David Packouz (Miles Teller, Whiplash) auf Henry Girard (Bradley Cooper, American Hustle), einem in der Branche ikonengleichen Waffenschieber, der es sogar auf die Terrorliste der Vereinigten Staaten geschafft hat. Efraim jedenfalls stellt diese sinistre Erscheinung aus dem Off als jene Person vor, die 2006 den Strick für Saddam Husseins Hinrichtung besorgt hat. Hier geht es nicht mehr ...
Kritik: Paterson (USA 2016)
Drama, Filme, Kritiken

Kritik: Paterson (USA 2016)

When you’re a child you learn there are three dimensions: height, width and depth, like a shoebox. Then later you hear there’s a fourth dimension: time. Jim Jarmusch ist ein Meister darin, einfache, alltägliche Routinen aus ihrer einfachen Alltäglichkeit zu erheben. Wir haben es hier schließlich mit einem Filmemacher zu tun, der in Coffee and Cigarettes einen ganzen Film eben diesen zwei Lastern und den zufälligen Gesprächen die darum entstehen gewidmet hat. Seine Figuren legen großen Wert auf Gemütlichkeit, auf gewohnte Abläufe und kleine Rituale. Sollten diese einmal gestört werden, was Jarmusch selten zulässt, so scheint dies plötzlich ein wahrhaft großer Konfliktpunkt zu sein. Es ist dabei seltsam beruhigend, Figuren, wie den Hotelrezeptionisten in Mystery Train, den Taxifahrern...
Video: Filmfest Hamburg 2016 – The Woman Who Left, Einfach das Ende der Welt & The Ornithologist
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Video: Filmfest Hamburg 2016 – The Woman Who Left, Einfach das Ende der Welt & The Ornithologist

Mein vorletzter Tag auf dem Filmfest Hamburg hatte einen langen Start, denn er begann mit dem neuen Film von Lav Diaz. The Woman Who Left geht vier Stunden und gibt sich viel Raum zum Erzählen. Perfekt, um zusammen mit Sophie Charlotte Rieger (Die Filmlöwin) und Lucas Barwenczik (Longtake-Podcast) über Filmlänge im Allgemeinen zu sprechen. Darüberhinaus besprechen wir noch Einfach das Ende der Welt von Xavier Dolan und den surrealen The Ornithologist von João Pedro Rodrigues.
Video: Filmfest Hamburg 2016 – Amerikanisches Idyll, Godless, Certain Women & Rester Vertical
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Video: Filmfest Hamburg 2016 – Amerikanisches Idyll, Godless, Certain Women & Rester Vertical

Am dritten Tag des Festivals habe ich mich wieder mit Sophie Charlotte Rieger (Die Filmlöwin) zusammen gefunden, um das Gesehene gemeinsam zu verarbeiten. Dabei wurden wir wortstark von Lucas Barwenczik (Longtake-Filmpodcast) unterstützt und freunden uns nebenbei mit einer Gruppe Segway-Fahrer*innen an. Wir sprechen u.a. über Ewan McGregors Regiedebüt, Frauen in Montana, Sex ohne Instagram-Filter und maximal tristes Arthouse-Kino direkt aus der Hölle. Have Fun!
Video: Filmfest Hamburg 2016 – Diskussion über Elle von Paul Verhoeven
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Video: Filmfest Hamburg 2016 – Diskussion über Elle von Paul Verhoeven

Das Filmfest Hamburg hat seine Pforten geöffnet und die Filmkritikerin Sophie Charlotte Rieger (Die Filmlöwin) und mich sogleich in eine finstere Schlucht geworfen. Dennoch kann es wohl keinen besseren Festival-Einstiegsfilm als Elle von Altmeister Paul Verhoeven geben. Wir diskutieren in unserem ersten Festivalbericht daher über Rape Culture, Vergewaltigungsfetische, die Abbildung von Gewalt im Allgemeinen und die irritierende Vermischung all dieser Komponenten in einem hitchcock-esken Thriller. Viel Spaß, wünschen wir trotzdem! Elle soll im Frühjahr 2017 in die deutschen Kinos kommen.