Schlagwort: Review

Filmkritiken

"Dumm und Dümmehr" (USA 2014) Kritik – Wenn die Dummheit tiefe Falten wirft

Autor: Pascal Reis „Check out the hottiest at 12 o'clock.“ - „That's three hours away. Why can't I check 'em out now?“ In katatonischer Starre kauert er seit 20 geschlagenen Jahren in seinem klapprigen Rollstuhl vor sich hin: Llyod (Jim Carrey) hat den Schmerz seiner unerfüllten Liebe zu Mary Swanson offensichtlich nie überwunden. Jeden Mittwoch, seit eben diesen 20 Jahren, besucht ihn sein treuer Kumpel Harry (Jeff Daniels) nun schon, hat ihm die vollen Windel gewechselt und versucht, Llyod aus seinem scheintoten Zustand zu befreien. Erfolglos, bisher jedenfalls, denn als Harry dieses Mal schon gesenkten Hauptes von dannen ziehen wollte, wird es ihm von seinem langjährigen Freund um die Ohren geschrien: „Verarscht“! Es ist der Eröffnungsgag, episch soll er sein, der die sich über zwei...
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"The Interview" (USA 2014) Kritik – Seth Rogen und James Franco pfeifen zur Revolution

Autor: Pascal Reis „They hate us 'cause they ain't us.“ Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht, wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco ...
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"Open Windows" (ES/FR/US 2014) Kritik – Wie viel Menschlichkeit bleibt im digitalen Zeitalter?

Autor: Pascal Reis „Ich will Ihnen nur helfen, es ihr heimzuzahlen.“ Der Begriff 'Fleischbeschau' sollte Sasha Grey nicht allzu fremd sein. Als Pornodarstellerin hat sie sich einen Ruf damit aufgebauten, immerzu bis an die Grenzen zu gehen und in einer Szene auch mal einen Verschleiß von über einem Dutzend Männern aufzuweisen. Sasha Grey hat diese freizügige und gesellschaftlich immer noch mit Verachtung gestraften Form der Selbstverwirklichung aus eigenen Stücken gewählt, wollte sie doch zum Aushängeschild moderner Pornographie heranwachsen und den Zuschauer zur Kreativität animieren, anstatt ihn einfach nur blindlings konsumieren zu lassen. Die Tage, in denen Ganzkörperbesamungen auf der Agenda von Frau Grey standen, sind inzwischen jedoch passe. Unter der Regie von Steven Soderbergh ...
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"Let’s be Cops – Die Party Bullen" (USA 2014) Kritik – Sheriffs mit Plastikmarken

Autor: Pascal Reis „I feel like Danny Glover before he got too old for this shit.“ Seitdem Jonah Hill und Channing Tatum in den quickfidelen Meta-Komödien „21 & 22 Jump Street“ die Leinwände als tapsig-liebenswertes Cop-Duo unsicher gemacht haben, ziehen sie sich wieder wie ein trendiger Rattenschwanz durch die Kinolandschaft: Unbedarft-nonchalante Buddy-Movies. Dass allerdings nicht jedes von diesen (Sub-)Genre-Vehikeln in der gleichen Liga wie etwa Phil Lords Überraschungserfolg von 2012 spielen kann und wird, hat zuletzt schon Tim Story mit seinem derben Fehlschlag „Ride Along“ bewiesen, in dem sich Nervsack Kevin Hart und Grummelbacke Ice Cube zum Affen machen ließen. Die Bankkonten der Beiden hat dieser schäbige Schandfleck von Film nicht gestört, ebenso wenig waren finanzielle Verl...
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"The Equalizer" (USA 2014) Kritik – Denzel Washington sorgt für ein fragwürdiges Gleichgewicht

Autor: Pascal Reis „Wer um Regen betet, muss auch den Matsch verkraften.“ Seine Reputation in der Filmwelt verläuft in einem doch eher überschaubaren Rahmen; in Fan-Kreisen, speziell auf den Comic-Markt bezogen, darf sich der von Marvel ins Leben gerufene Punisher hingegen höchster Wertschätzung erfreuen. Frank Castle, so sein bürgerlicher Name, hat sich auf die Agenda geschrieben, die Stadt von jeglichem Gesocks der Unterwelt zu befreien. Und da ihm der Polizei- wie Justizapparat in ihren Mitteln nicht angemessen genug erscheinen, nimmt der Mann im ikonischen Totenkopf-Shirt die Dinge nun mal gerne selber in die Hand. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre gab es eine amerikanische Fernsehserie zu begutachten, die sich einer ähnlichen, unter ethischen Voraussetzungen nicht minder beden...
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"Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones" (USA 2014) Kritik – Wie schwer wiegt die Schuld?

Autor: Pascal Reis „Let her go or you'll to be looking behind you for the rest of your worthless life.“ Als Drehbuchautor hat sich Scott Frank unlängst in Hollywood etabliert und seine Skripts zu Barry Sonnenfelds „Schnappt Shorty“ oder Steven Spielbergs „Minority Report“ veranschaulichen sein Talent in Sachen Plot-Konstruktion und Charakter-Entwicklung wohl vorbehaltlos. Mit seiner ersten Regiearbeit „Die Regeln der Gewalt“ von 2007 stellte Frank dann simultan zu seinen Fähigkeiten als Schreiberling unter Beweis, dass er auch als Regisseur nicht unbedingt hilflos agiert, sondern mindestens dazu in der Lage ist, einen überdurchschnittlichen Thriller um Schuld und Sühne zu modellieren. Danach sollten sieben lange Jahre ins Land streichen, bis sich Scott Frank wieder dazu entschlossen hat,...
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"Katakomben" (USA 2012) Kritik – Das Knochenlabyrinth unter den Straßen von Paris

Autor: Pascal Reis „According to mythology, that is the inscription over the Gates of Hell.“ In manchen Kreisen sorgt man bereits für kollektive Ermüdungserscheinungen, wenn man die Worte 'Found-Footage' nur ausspricht. Nachvollziehen kann man diese vorherrschende Unterwältigung ja schon irgendwie, verlaufen doch sämtliche Filme, die sich dieser Ästhetik bekräftigen, doch nach dem gleichen Muster und tauschen ihren Anspruch auf Realitätsnähe schnellstmöglich gegen die simpelsten Retorten-Schocks aus. Wirklich plastisch war in letzter Zeit eigentlich nur Ti Wests Jonestown-Reflexion „The Sacrament“, in dem es die Regie-Hoffnung verstand, eine beklemmende Atmosphäre nicht nur zu behaupten, sondern fühlbar auf den Zuschauer zu übertragen und die Extremsituation filmisch immer weiter zu ve...
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"Dead Snow 2: Red vs. Dead" (IS/NO 2014) Kritik – Deutsche Panzer rollen wieder

Autor: Pascal Reis „Jesus, Maria and Joseph Stalin!“ Sein Ausflug in die Vereinigten Staaten konnte Tommy Wirkola zwar als durchaus erfolgreichen Schritt in seiner noch jungen Karriere verifizieren, so richtig aber wollte seine Verwurstung grimmscher Märchen mit „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ dann doch nicht zünden. Im Endeffekt hat Wirkola einen Film gedreht, der geradewegs in die Videotheken hätte gelangen müssen – Ähnlich wie sein inzwischen kultisch gefeierter Vorgänger „Dead Snow“. Zwischen „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ und „Dead Snow“ aber gibt es nicht nur in den Produktionsbedingungen und der folgenden (Heim-)Kino-Auswertung Differenzen. Entscheidender ist, dass „Dead Snow“ im Gegensatz zum neuinterpretierten Märchenstoff wirklich Freude bereiten konnte, anstatt die offensichtlich...
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"Dracula Untold" (USA 2014) Kritik – Zahnlose Geburtsstunde des Fürsten der Dunkelheit

Autor: Pascal Reis „What kind of man crawls into his own grave in search of hope?“ Mit weit über 250 Auftritten in den verschiedensten Filmen zählt Graf Dracula wenig überraschend zu den prominentesten Literaturfigur, die jemals ihr Unwesen auf der Leinwand treiben durften. Die Qualität der jeweiligen Werke lässt sich wohl in jeder Güteklasse antreffen, vom miserablen Trash, zur zielgruppenorientierten Nullnummer bis hin zur fundierten Meisterleistung. Den Grafen respektive den Fokus der Narration jedoch erleben wir immerzu in einer Phase, in der die Metamorphose vom Menschen zum Fürsten der Dunkelheit längst abgeschlossen scheint. Es ist die mühsame Akzeptanz der eigenen Untersterblichkeit, den der dramaturgischen Effekt ins Visier nimmt, Gesetz dem Fall, man manifestiert Dracula als ei...
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"The Sacrament" (USA 2013) Kritik – Kameraschwenk hinter den Vorhang der Scheinheiligkeit

Autor: Pascal Reis „We were doing something great down here. We were gonna change the world.“ Nicht unscheinbar in seinem Gebaren, aber doch reichlich übergangen musste Ti West seine ersten Gehversuche in der Filmwelt erfahren: „The Roost – Angriff der Fledermäuse“ und „Trigger Man“ wurden zwar hier und da mit positiven Stimmen versehen, wirklich ins Blickfeld eines öffentlichen Interesses haben es diese Filme aber gewiss nicht geschafft. Von „Cabin Fever 2: Spring Fever“, der Fortsetzung von Eli Roth gewiefter Retro-Party „Cabin Fever“, distanzierte sich West anschließend auch echt bald, hat ihm das Studio doch einige gewaltige Stöcke zwischen die Beine geworfen, die seinem künstlerischen Ausdruck einen massiven Riegel vorschoben. 2009 sorgte Ti West dann aber für Furore, wenngleich s...