Schlagwort: Review

Filmkritiken

"Ein MordsTeam" (FR 2012) Kritik – Omar Sy wird zum französischen Axel Foley

Autor: Pascal Reis "Der soziale Frieden hat seinen Preis." „Ziemlich beste Freunde“ war nicht nur stellvertretend für das Jahr 2012 ein echter Kassenschlager, Olivier Nakache und Eric Toledano inszenierte gleichwohl eine Komödie, die zu den kommerziell erfolgreichsten überhaupt zählt und selbst bei den Oscars ein Wörtchen mitsprechen durfte. Warum sich also auch David Charhons Buddy-Komödie „Ein MordsTeam“ auf die großen Leinwände dieser Welt wagen durfte, liegt auf Hand: Die Popularität und die Massensympathien für Omar Sy. Einen ähnlichen Marketingschachzug konnte man zuletzt auch bei Jennifer Lawarence erkennen, die für ihre Performance in David O. Russells „Silver Linings“ noch den Goldjungen entgegennehmen durfte, um kurze Zeit später schon wieder im grauenhaft schlechten „The Hous...
Filmkritiken

"Violet & Daisy" (USA 2011) Kritik – Hanni und Nanni: Die Todesengel von morgen

Autor: Pascal Reis "Wir sind nicht hier um ihre Badewanne zu schrubben." Es sorgt immer wieder für großes Aufsehen, setzt man Schauspieler auf einen Rollentypus an, der für ihr Alter weder passend, noch aus pädagogischer Sicht in irgendeiner Art und Weise angebracht scheint. Man erinnert sich da an Wes Andersons filmgewordene Prätention „Moonrise Kingdom“, in dem ein Mädchen, mit den Zehen quasi noch in den Kinderschuhen steckend, für ihren Fluchtkumpanen und Herzallerliebsten, ebenfalls noch reichlich bubenhaft, vor idyllischem Strandpanorama als Fotomodell posiert und agiert. Für noch mehr Trubel und Furore zeigte sich Matthew Vaughns in der Realität angesiedelten Comic-Adaption „Kick-Ass“ aus dem Jahre 2011 verantwortlich, in dem sich die damals 11-jährige Chloe Grace Moretz im haut...
Kritik: Venus im Pelz (FR/PL 2013) – Roman Polanski ein weiteres Mal zwischen Schein und Sein
Drama, Filme, Filmkritiken, Französischer Film

Kritik: Venus im Pelz (FR/PL 2013) – Roman Polanski ein weiteres Mal zwischen Schein und Sein

Meine bessere Hälfte, sagt man das noch? - Wieso, was sagt man denn heutzutage? - "Arschloch". 80 Jahre hat Altmeister Roman Polanski (Rosemarys Baby) bereits auf dem Buckel, doch das kann ihn nicht davon abhalten, sich weiterhin seiner Leidenschaft für das Filmemachen und das Theater zu widmen. Doch wo sein letzter Film Der Gott des Gemetzels, eine Adaption von Yasmina Rezas gefeiertem, gleichnamigen Bühnenstück, nicht gänzlich überzeugen konnte und sich in oberflächlicher, eintöniger Kritik am Bildungsbürger verlor - von Subtext keine Spur - ist Venus im Pelz nun eine von Roman Polanskis persönlichsten Arbeiten geworden und nach Der Ghostwriter (2010) ein weiteres Zeugnis dafür, dass man von ihm jederzeit eine Glanzleistung erwarten sollte. Seine Adaption von Leopold von Sacher-Masoch...
Filmkritiken

"Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum" (USA 2013) Kritik – Eine glitschige Heldengeschichte

Autor: Pascal Reis "You're a freak of nature!" Theo ist eine herkömmliche Gartenschnecke, nur eine von vielen, doch im Gegensatz zu seinen ihn belächelnden Artgenossen träumt Theo einen ganz großen Traum: Er möchte gegen sein Idol Guy Gagné beim Indy-500-Rennen in Indianapolis antreten und ihm mal zeigen, wer der wahre Chef auf der Rennstrecke ist. Das Problem ist eben nur, das Theo eine Schnecke ist und daher nicht nur ein unbedeutendes Leben unter den Füßen der Menschen führt, sondern auch gähnend langsam in seiner Fortbewegung ist. Als Theo eines Abends von einer Brücke mal wieder den Verkehr beobachtet und durch einen Unfall in das Nitro-Einspritzsystem vom Verbrennungsmotor eines Sportwagens gerät und dadurch seine DNA schlagartig verändert, kommt Theo seinem Traum ein ganzes Stüc...
Filmkritiken

"¡No!" (CE/FR/US 2012) Kritik – Ein pragmatischer Marketingfeldzug durch die Mechanismen der Diktatur

Autor: Pascal Reis "Ein Regenbogen?" Steht das nicht für die Schwuchteln?" Dass das politisch-engagierte Kino nicht nur kontinental große Bestätigung erhält, sondern auch auf dem globalen Filmmarkt immer wieder neuen Zuwachs beim Gedeihen bestaunen darf, zeigt sich an dem internationalen Output. Natürlich sind die 1970er Jahre schon lange vergangen und kinematographische Großkaliber à la „Die drei Tage des Condor“ (Sydney Pollack, 1975), „Die Unbestechlichen“ (Alan J. Pakula, 1976) oder „I wie Ikarus“ (Henri Verneuil, 1979) rühmen sich heute als echtes Kulturgut, dessen Qualitäten nur noch schwerlich erreicht werden – Von der damaligen Kontinuität darf lediglich im stillen Kämmerlein geträumt werden. Aber auch heutzutage gibt es cineastische Genre-Glücksgriffe wie „Carlos – Der Schakal...
Filmkritiken

"Gravity" (USA 2013) Kritik – Im Weltall hört dich niemand schreien

Autor: Jan Görner „I hate space.“ Nicht erst seit gestern beschweren sich Filmfreunde darüber, dass Trailer immer häufiger nicht nur ihren Film bewerben, sondern ganze Handlungselemente vorwegnehmen. Wozu sollte man das fertige Produkt anschauen, wenn doch die ganzen coolen Szenen doch schon im zweiminütigen Werbefilmchen verbraten wurden. Im Falle von Alfonso Cuaróns Weltraumerfahrung „Gravity“ habe ich, obwohl ich mich nicht auf den Hype einlassen wollte, tunlichst alle möglichen Spoiler vermieden. Doch ganz gleich, ob man nur die Vorschau kennt oder die gesamte Story, einen Begriff davon, was einem bevorsteht, hat man dennoch nicht. Um bei der Montage eines neuartigen Bildsensors am Hubble-Weltraumteleskop zu assistieren, befindet sich die Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone (Sandra Bu...
Filmkritiken

"2 Guns" (USA 2013) Kritik – Konventionelles Action-Kino der gefälligen Sorte

Autor: Florian Feick „You're my people and we have a code. You fight for the guy that's fighting next to you.“ Bobby (Denzel Washington) will zusammen mit seinem Gefährten Stig (Mark Wahlberg) nur noch diese eine Bank ausrauben, dann kann er mithilfe des Geldes als Beweis den legendären Drogenbaron Papi Greco (Edward James Olmos) hinter Gittern bringen. Mit dem einzigen Ziel sie zu zerschlagen, hat der alternde DEA-Agent im Auftrag seiner Vorgesetzten unbemerkt das empfindliche Netz der mexikanischen Rauschgift-Mafia infiltriert. Dass er dabei auch seinen treuen und talentierten Komplizen, den kleinkriminellen Stig, mit wird verhaften müssen, nimmt er ohne große Überlegungen in Kauf. Was er nicht weiß: Auch Stig ist im Auftrag eines staatlichen Vorgesetzten, nämlich der U.S. Navy, unterw...
Filmkritiken

"Prakti.com" (USA 2013) Kritik – Generation Werbepublikum

Autor: Jan Görner "Was Sie brauchen ist Googliness." Im Abspann zu Shawn Levys Komödie „Prakti.com“ versichern die Produzenten, keinerlei finanzielle Zuwendungen von der Tabakindustrie erhalten zu haben. Und tatsächlich: Als Raucher wird wohl niemand den Kinosaal verlassen. Dafür ist das ca. 60-Millionen-Dollar-Projekt in weiten Teilen nichts weiter als ein abendfüllender Werbefilm für die Internetsuchmaschine Google. Noch unglaublicher ist die Tatsache, dass dafür offenbar kein einziger Cent geflossen sein soll. Synergie, die populäre Wirtschafstheorie von der Potenzierung der Marktmacht, lautet das Zauberwort, denn was für Google gut ist, kann für ein Filmstudio nicht schlecht sein. „Prakti.com“ ist ein Sinnbild für alles, was derzeit in Hollywood falsch läuft. Als Außendienstler sind...
Kritik: Take This Waltz (CA 2011)
Drama, Filmkritiken, Komödie

Kritik: Take This Waltz (CA 2011)

I just bought a new melon baller and I'd like to gouge out your eyes with it. Es ist schon ein Trauerspiel: Während seichte Teenie-Romanzen beinahe Schlag auf Schlag das moderne Kino überschwemmen, dürfen wirklich reife Auseinandersetzungen über die Liebe und ihre Auswirkungen nur sporadisch über die Leinwände flimmern. Und werden dann auch noch vom Publikum weitestgehend übergangen, weil entweder die heuchlerischen Posterboy-Illusionen nicht gefüttert werden oder die Geschichte einfach zu real wirkt und dem Zuschauer zu nahe treten könnte, weil er sich wiedererkennen und gegebenenfalls so manches schmerzhaftes Eingeständnis bewerkstelligen müsste. Qualitätsware der Marke Liebe von Michael Haneke oder auch Derek Cianfrance Indie-Meisterwerk Blue Valentine lassen den geneigten Cineasten ...
Filmkritiken

"Gone in 60 Seconds – Die Blechpiraten“ (USA 1974) Kritik – H.B. Halicki lässt die Reifen qualmen

Autor: Pascal Reis "So viele schlechte Menschen gibt es doch gar nicht!" Es ist der Coup ihres Lebens: Für einen südamerikanischen Auftraggeber soll Maindrian Pace, ein exzellenter Autodieb, der für die Öffentlichkeit nur als Versicherungsdetektiv bekannt ist, zusammen mit seinem Team ganze 48 Luxusautos ihren Besitzern entledigen. Dass die Männer ihr verbrecherisches Handwerk verstehen, lässt sich unschwer daran erkennen, dass zu Anfang ein Auto nach dem anderen ohne große Schwierigkeiten gestohlen werden kann, bis sie allerdings auf einen Ford Mustang aus dem Jahre 1973 stoßen, der den Raubzug komplettieren soll. „Eleanor“, so der Deckname des Traumwagens, bereitet Pace so einige Sorgen, denn von nun an kleben die Cops an seiner Heckstange und die wollen erst dann ruhen, wenn die Bande...