Schlagwort: Review

Filmkritiken

„Die Tribute von Panem 2 – Catching Fire“ (USA 2013) Kritik – Keine Sieger, nur Überlebende

Autor: Jan Görner „Remember who the real enemy is.“ Die Parodie, behauptet der Volksmund, sei die höchste Form der Verehrung. Doch wer einen Blick auf „Die Pute von Panem –The Starving Games“, die neuste Spoof-Nachgeburt (die Hauptfigur heißt Fatniss, wie drollig!) der Regisseure Jason Friedberg und Aaron Seltzer werfen konnte, der musste doch stark an dieser Weisheit zweifeln. So eine Art der „Verehrung“ hat nun wirklich niemand verdient, insbesondere nicht eine der Überraschungen des Kinojahres 2012, „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ (OT: „The Hunger Games“). Nun kommt die heiß ersehnte Fortsetzung in die deutschen Kinos und kann tatsächlich die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. „Die Tribute von Panem 2 – Catching Fire“ weckt dabei weniger das Verlangen nach einer Persifla...
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"Malavita – The Family" (FR/US 2013) Kritik – Robert De Niro fällt zurück in alte Muster

Autor: Pascal Reis "I didn't kill him, I took him to the hospital." Wenn sich drei Titanen der Branche wie Luc Besson („Léon – der Profi“), Robert De Niro („Die durch die Hölle gehen“) und Martin Scorsese („Taxi Driver“) für eine Kollaboration zusammenraufen, dann ist das für den geneigten Filmfreund ein klarer Grund zur Freude. Inzwischen haben die Namen Besson und De Niro zwar reichlich vom Glanz ihrer Hochzeiten eingebüßt und müssen sich der qualitative Kontinuität des sympathische Italo-Amerikaner Martin Scorsese, der hier in Person des Produzenten auftritt, gnadenlos unterordnen. Doch Hoffnungen auf eine positive Überraschung, die damit auch für De Niro und Besson weiterhin als künstlerische Reanimation verstanden werden darf, besteht in der Kinematographie prinzipiell ja schließli...
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„Last Vegas“ (USA 2013) Kritik – Robert De Niro und Co lassen die Fetzen fliegen

Autor: Jan Görner „I’m gonna go find some water, take all my damn pills then we’re gonna get this damn party started.“ Dass sich die Generation 60 Plus schon lange zur marktrelevanten Zielgruppe gemausert hat, erkennt auch, wer sich die Kinospielpläne der letzten Jahre ansieht. Neudeutsch als „Bestager“ bezeichnet genießen Senioren in „Best Exotic Marigold Hotel“ den Ruhestand oder zeigen als Weltraumveteranen dem Astronautennachwuchs in Clint Eastwoods „Space Cowboys“ was sie noch auf dem Kasten haben. In Jon Turteltaubs („Duell der Magier“) Rentner-Comedy „Last Vegas“ dürfen sich nun vier Oscar-Gewinner im Spielerparadies nochmal auf die Pauke hauen. Seit ihrer gemeinsamen Kindheit in Brooklyn waren Paddy (Robert De Niro), Billy (Michael Douglas), Archie (Morgan Freeman) und Sam (Kevi...
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"Escape Plan" (USA 2013) Kritik – Stallone und Schwarzenegger hinter schwedischen Gardinen

Autor: Pascal Reis You hit like a vegetarian. Eigentlich ist Ray Breslin (Sylvester Stallone) ein Experte in Sachen Sicherheitsvorkehrungen und nur wenige Leute können ihm in diesem Metier das Wasser reichen. Seine Kompetenzen sorgen dafür, die Hohlräume in Gefängnissen aufzuspüren und konsequent auszumerzen. Als sich Breslin in einem High-Tech-Hochsicherheitstrakt, dem sogenannten „Grab“, einschleusen lässt, um quasi verdeckt die Schwachstellen zu analysieren, bemerkt der Fachmann plötzlich, dass ihm eine Falle gestellt wurde und mit seiner baldigen Entlassung nicht mehr zu rechnen ist. Unter der Fuchtel des sadistischen Anstaltsleiter Hobbes (Jim Cavenziel), wird Breslin das Leben zusätzlich immer schwerer gemacht, bis er den eigenwilligen Mitgefangenen Emil Rottmayer (Arnold Schwarz...
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"You’re Next" (USA 2011) Kritik – Im Nirgendwo schwingen die Irren wieder ihre Äxte

Autor: Pascal Reis "Sie beobachten uns seit Tagen." Masken jeder Art von Gestaltung und Manifestation sind seit jeher ein fester Bestandteil der generalisierten Filmhistorik. Dabei sind es nicht einmal nur die obligatorischen Kostümfilme, in denen ein rigoroser Ball mit seinem überwältigenden Maskenmeer als unvergesslicher Höhepunkt auf den Zuschauer wartet und diesen in im von blaublütiger Dekadenz getränkten Tanzsaal langsam an sich reißt und mit anmutiger Leichtigkeit verschlingt. Auch aus menschlicher Sicht spielen derartige Verkleidungen eine brisante Rolle für das eigene Seelenkorsett. Das Stichwort dabei ist die 'Identitätssuche', die es einem Menschen ermöglicht, das eigene Sein hinter einer losen Hülle zu verbergen, so seine Sehnsüchte gegebenenfalls konkret zu intensivieren un...
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"The Act of Killing" (DK/GB/NO 2012) Kritik – Eine Expedition ins dunkle Herz der Menschlichkeit

Autor: Pascal Reis "I believe even God has secrets." Ein Straftat jeder Art beginnt immer mit einer akzidentiellen Variation der folgenschweren Entwendung: Ob es der konkrete Diebstahl ist, der Eigentumsdelikt, in dem das Hab und Gut einer Person gezielt geraubt wird, der unsittliche Voyeurismus, in dem die Privatsphäre eines Menschen miss- und verachtet wird und natürlich der Extremfall Mord, in dem das Leben, alles, was ein Individuum von Grund auf besitzen durfte, zerschlagen und beendet wird. Und hierbei spielt es keine Rolle, von welchen Seiten ein solch radikales Verbrechen legitimiert ab, ob aus politischer, religiöser oder emotionaler Sicht, egal wie affektiert und nachvollziehbar dieser Schritt aus dem menschlichen Blickwinkel auch gewesen sein mag, ein Mord bleibt immer ein Mor...
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„Ender’s Game – Das große Spiel“ (USA 2013) Kritik – Der bessere Kindersoldat

Autor: Jan Görner “In the moment when I truly understand my enemy, understand him well enough to defeat him, then in that very moment I also love him.” Wird die Kinosaison 2013 in die Geschichte eingehen als das Jahr, das uns zwei Sci-Fi-Abenteuer mit Kindersoldaten beschert hat? Während sich im Juni das Familienunternehmen „Smith & Sohn“ in „After Earth“ vergeblich um Publikum bemühten, bringt Regisseur Gavin Hood („X-Men Origins: Wolverine“) mit „Ender’s Game – Das große Spiel“ nun einen der größten Science-Fiction-Romane der letzten 30 Jahre auf die Leinwand. Dabei begibt sich der südafrikanische Oscar-Gewinner (Bester nicht-englischsprachiger Film 2005 für „Tsotsi“) in ein Minenfeld, denn er muss nicht nur der Vorlage gerecht werden, Hood hat auch mit moralischen Fragen zu kämpfen, w...
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„Drecksau” und „Finsterworld“ – Unsere Kritiken zu den Kinostarts der Woche

Autoren: Conrad Mildner, Philippe Paturel "Drecksau" von Jon S. Baird, u.a. mit James McAvoy James McAvoy als korrupter, schottischer Cop Bruce Robertson, der vor nichts zurückschreckt, um befördert zu werden. Anfangs ist „Drecksau“ eine wirklich mehr als gelungene schwarzhumorige Krimikomödie, die ungemein viel Spaß macht. Die Pointen sitzen, kommen teilweise knüppelhart und selten hat man in den letzten Jahren einen dermaßen asozialen und unsympathischen Charakter wie Bruce (kongenial von McAvoy gespielt) erlebt, den man trotzdem nur abfeiern kann. Doch leider ist „Drecksau“ am Ende einer dieser Filme, die das Tempo aufgrund der limitierten Möglichkeiten der simplen Story nicht halten können und meinen, sie müssten in der Mitte des Films einen neuen Pfad einschlagen. Weg von der Krim...
Kritik: Prisoners (USA 2013) – Wie weit darf ein Mensch gehen?
Drama, Filme, Filmkritiken, Thriller

Kritik: Prisoners (USA 2013) – Wie weit darf ein Mensch gehen?

Pray for the best, but prepare for the worst. Detective Lokis krampfhaftes Blinzeln steht symptomatisch für die psychische Belastung, der er sich Tag für Tag aussetzt. Mal ist es erträglich, oft aber eine zermürbende Tortur. Lokis Verstand funktioniert wie ein sich ständig um die eigene Achse kreisendes Uhrwerk; wie eine Präzisionsmaschine, die winzige Details und Einzelheiten in ihre logische Ordnung bringt. Fehlt jedoch ein winziges Teilchen, wird deutlich, dass Loki längst nicht mehr zu den frischen Ermittlern seines Bundes zählt, sondern in seiner abgekämpften, bis zum Hals tätowierten Hülle dem mentalen Zusammenbruch eher auf die Schliche gekommen ist, als der eigentlichen Auflösung des tiefschürfenden Falles um die zwei vermissten Mädchen. Jake Gyllenhaal gibt diesen Loki mit eine...
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"Alles eine Frage der Zeit" (GB 2013) Kritik – Der Zauber des Moments

Autor: Jan Görner „Tim, my dear son, this is gonna sound strange…” Spätestens seit der für viele formativen Jugenderfahrung „Zurück in die Zukunft“ kann man vom Zeitreisefilm als Genre sprechen. “I don’t want to talk about time travel because if we start talking about it then we’re going to be here all day talking about it, making diagrams with straws.” wusste schon Bruce Willis in Rian Johnsons letztjährigem Achtungserfolg “Looper”. Und in der Tat: Wann haben Zeitreisen schon mal ernsthaft Sinn ergeben? Regisseur Richard Curtis interessiert sich in seiner romantischen Tragikomödie „Alles eine Frage der Zeit“ (OT: „About Time“) konsequenterweise auch nicht für technische Feinheiten und logische Widersprüche. Für ihn geht es um die Charaktere. Und damit um viel, viel mehr. Mit gerade 21 ...