Schlagwort: 2012

Kritiken

"Motorway" (HK 2012) Kritik – Quietschende Reifen auf den nächtlichen Straßen Hongkongs

Autor: Pascal Reis "Mich hat noch niemand eingeholt!" Die Filmwelt hat uns gelehrt, dass es nicht immer die humanen Mitwirkenden in beliebigen Werken sind, die über die Jahre einen beachtlichen Kultstatus erlangen können, sondern auch die motorisierten Gefährte, die von bestimmten (Anti-)Helden quer durch die Szenerie gescheucht wurden. Unweigerlich denkt man dabei an Frank McQueen und seinen Ford Mustang in „Bullitt", den weißen Dodge Challenger R/T aus „Fluchtpunkt San Francisco", dem in Quentin Tarantinos Grindhouse-Huldigung „Death Proof“ nochmal eine ganz besondere Rolle zugesprochen wurde, oder auch an den legendären Aston Martin DB5, der zuletzt Daniel Craig in „Skyfall“ als stilvolles Fortbewegungsmittel zur Verfügung stand, aber in dem auch schon Sean Connery in den 1960er Jah...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Zero Dark Thirty (USA 2012)

Autor: Conrad Mildner "I'm the motherfucker that found him." Wo waren sie am Tag als Osama Bin Laden starb? Eine Frage die ähnlich bedeutend erscheint, wie das oftmalige Rekapitulieren des 11. Septembers 2001. Eine Katastrophe, die buchstäblich die Welt erschütterte und fast jeder kann sich daran erinnern, wo er an diesem Tag die ersten Bilder gesehen hat. Danach war vieles anders. Das globale Feindbild des islamistischen Terrors war geboren und zwei Angriffskriege folgten. Der Islam rückte urplötzlich in ein unrühmliches Licht. Islamophobie und Sarrazin waren die schreckliche Folge. All diesen komplexen, politischen und gesellschaftlichen Ereignissen zollt Kathryn Bigelows neuer Film „Zero Dark Thirty“ zu keiner Sekunde Tribut. Es interessiert ihn nicht. Der Film erzählt stringent und ä...
Kritiken

"Excision" (USA 2012) Kritik – Kontroverse Realitätsflucht in sozialer Abkapselung

Autor: Pascal Reis "Your girlfriends friend thinks you're gay." - "Excuse me?" - "You're not pretty enough." Man kann sie nur vermissen, die Zeit im Leben, in der man noch unbeschwert und mit tonnenschwerer Naivität auf den Schultern durch die Weltgeschichte spazieren durfte. Eine Zeit, in der es keine erdrückenden Vorurteile gab, in der man den eigenen Körper nicht als wollüstiges Instrument der Befriedigung erkannte und den infamen Fängen der (Geschlechts-)Reife noch getrost abwinken konnte. Doch machen wir uns nichts vor, die Lebenskonstellation verändert sich stetig, das muss sie natürlich auch, die Lügen über den Klapperstorch, der die Kinder bringt, werden durchschaut und die Hormone entpuppen sich als pochende Akkordarbeiter, die der Reizüberflutung durch die Umwelt hilflos die Hä...
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"ParaNorman" (USA 2012) Kritik – George A. Romero würde Beifall klatschen

Autor: Sebastian Groß "It would've been a quiet night too, if it hadn't been for those meddling kids!" Animationsfilme sind wahres Kassengold, zumindest wenn sie den Erwartungen des Publikums entsprechen, und das heißt in den meisten Fällen, dass sie süße wie nette Figuren zeigen, lustig sind und für Jung und Alt geeignet sind. Ein Rezept, welches so auch auf Trickfilme angewandt werden kann, doch genau wie beim Trickfilm gibt es auch bei den Werken aus den Hochleistungsrechnern der Studios immer wieder Vertreter, die die an ihnen gestellte Erwartungen nicht erfüllen können oder es gar nicht wollen. Freak steht auf seinem Spind, am liebsten schaut er Horrorfilme und von Gesellschaft hält Norman nicht viel, dabei ist der elfjährige selten wirklich alleine, denn Norman hat die Gabe die ...
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"Universal Soldier: Day of Reckoning" (USA 2012) Kritik – Scott Adkins wird zum B-Movie-Rächer

Autor: Sebastian Groß "It's not safe here." Mit „Universal Soldier“ inszenierte Roland Emmerich Anfang der 1990er Jahre einen so dummen wie erfolgreichen Actionfilm, der dem Schwaben die Tür zu Hollywood öffnete, während die „Soldiers“ in bescheidenen Sequels fortgesetzt wurden, die meist direkt für den Heimkinomarkt oder das amerikanische Kabelfernsehen produziert wurden. 2012 erschien dann „Day of Reckoning“, der damit beworben wurde, dass mit Scott Adkins, Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren gleich drei Cast-Mitglieder von „The Expendables 2“ dabei sind. Eine übliche Werbemasche, die nicht so überraschend war, wie die Tatsache, dass der neuste Film der Reihe von vielen Kritikern gefeiert wurde. Aber warum? Was macht dieser Teil anders, als seine Vorgänger? Mögen Sie Action? Ha...
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"Act of Valor" (USA 2012) Kritik – Ein menschenverachtendes Machwerk

Autor: Sebastian Groß "That last night at home, you think about how you could of been a better dad, a better husband, that bedtime story you should of read, or that anniversary you forgot. You don't expect your family to understand what you're doing. You just hope they understand you're doing it for them, and when you get home you hope you can pick-up right where you left off." Ein Präsident steht stolz an einem Kampfjet. Um ihn herum haben sich seine Landsmänner versammelt. Er spricht von einem harten Kampf. Davon, dass es Opfer geben wird und vom Stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Nach seinem letzten, großen Satz, den er stolz herausbrüllt, jubeln ihm die Anwesenden zu. Diese Szene stammt aus „Independence Day“ und ist eine von vielen der Filmgeschichte, in denen die Liebe zum Land...
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"Lincoln" (USA/IN 2012) Kritik – Daniel Day-Lewis wächst erneut über sich hinaus

Autor: Pascal Reis "I could write shorter sermons but when I get started I'm too lazy to stop." Wenn sich Steven Spielberg einer historisch relevanten Thematik annimmt, dann gibt es zumeist das unverkennbare Problem, dass sich Regisseur Spielberg weniger um die Historie kümmert, als um das unterhaltsame Inszenieren der umrandeten Geschichte selbst. Als lehrreich oder gar zum Zweck der Aufklärung sollte man sich Werke wie „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“ oder gar „Gefährten“ keinesfalls ansehen. Viel zu manipulativ, patriotisch und gerne auch verlogen geht Spielberg in diesen Filmen vor, nur um den Zuschauer gefesselt vor den Bildschirmen zu halten, um überstiIisiertes Identitfikationsmaterial zu ermöglichen, ohne dabei auf eine ambivalente und durchgehend ehrliche Zeichnung...
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Meine Lieblingsfilme 2012: Conrad-Mildner stellt seine 10 Spitzenreiter vor

Nur noch drei Tage, dann heißt es 2013. Ich bin mal so frei und ignoriere diese wenigen noch kommenden Tage und küre meine zehn Lieblingsfilme 2012. Rückblickend gefiel mir das Jahr recht gut. Es gab viele Star-Regisseure, die zu alter Stärke gelangten sowie auch vielversprechende, junge Filmemacher zu sehen. Leider hat es kein Film einer Regisseurin in meine Liste geschafft. Dafür entschuldige ich mich schon jetzt. Platz 10: "Prometheus" von Ridley Scott Natürlich stand 2012 noch stärker als die letzten Jahre im Zeichen des Weltuntergangs, einem Phänomen, das besonders in den wenigen Tagen vor dem 21. Dezember gehörig anfing zu nerven. Auch Ridley Scotts Sci-Fi-Comeback konnte es sich nicht verkneifen das Thema zu streifen. "Prometheus", der sich glücklicherweise inhaltlich möglichst...
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Meine Lieblingsfilme 2012: Souli stellt seine 10 Favoriten vor

Das Kinojahr 2012 neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, sich noch einmal an all die guten und weniger guten Filme zu erinnern, die man sich dieses Jahr zu Gemüte geführt hat und seine persönliche Top 10 zu küren. Hier also meine persönlichen Highlights des Kinojahres 2012: Platz 10: "Cosmopolis" Robert Pattinson reißt sich von seinem verhassten Twilight-Image los und dreht mit David Cronenberg eine Art „Apocalypse Now“ des Finanzmarktmillionärs Eric Packer. Eric Packer hat nur ein Ziel: Den Friseur. Doch das Ziel scheint unerreichbar, ähnlich wie Captain Willard treibt er durch eine besudelte Stadt, Demonstrationen versperren ihm in seiner geräumigen Limousine den Weg, Frauen kommen und gehen und die Gespräche um Sex wie der Akt selbst sind immer vertreten. Wenn Packer am Ende auf Benn...
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"Beasts of the Southern Wild" (USA 2012) Kritik – Ein kleines Mädchen verzaubert die Welt

"In a million years, when kids go to school, they gonna know: Once there was a Hushpuppy, and she lived with her daddy in The Bathtub." Jedes Jahr aufs Neue trifft sich auf dem Sundance Film Festival in Park City und Salt Lake City die Elite der Independent-Filmindustrie. Und jedes Jahr aufs Neue gibt es auch wieder einen absoluten Überflieger-Film, der auf dem Festival gefeiert wird, als wäre er der alleinige Heilsbringer für die kränkelnde Kommerz-Kinoindustrie. 2012 war dieser Film das Neuzeit-Märchen „Beasts of the Southern Wild“ von Regie-Newcomer Benh Zeitlin, das mit Laienschauspieler, wunderschönen Landschaftsaufnahmen und einem mitreißenden Soundtrack das Sundance-Publikum verzaubern konnte. Doch vom Status eines Meisterwerks ist „Beast of the Southern Wild“ meilenweit entfern...