Schlagwort: Drama

Kritik: Beale Street (USA 2018)
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Kritik: Beale Street (USA 2018)

Wie auch schon Moonlight ist Barry Jenkins' neues Werk Beale Street ein Film, der vollkommen den Befindlichkeiten seiner Figuren verschrieben ist. Bereits mit seinem Oscar-Gewinner als Bester Film bewies Jenkins 2016 zuvor, dass er ein begnadeter Regisseur der schwebenden Melodramatik und geradezu bestürzenden Intimität ist. Als Konstante erweist sich hierbei ebenso in Beale Street, der auf einem Roman des bedeutenden afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin basiert, das Motiv der Liebe, die in der Geschichte des Films über allem thront. Von Anfang an entfaltet sich Beale Street in Bildern von besonders stilisierter Schönheit als von intimen Momentaufnahmen durchzogenes Leinwand-Poem, in dem die Zeit zwischen den schier endlos eingefangenen Blicken und zärtlichen Berührungen wie ...
Kritik: Glass (USA 2019)
Filme, Im Kino, Kritiken, Science Fiction / Fantasy, Slider

Kritik: Glass (USA 2019)

This is not a cartoon. This is the real world. Wohl kaum jemand hätte es vor einigen Jahren noch für möglich gehalten, dass eines der neuesten Superhelden-Universen im Kino plötzlich durch den berüchtigten Autorenfilmer M. Night Shyamalan entsteht. Ein unerwarteter Twist, das ewige Markenzeichen des sympathischen Amerikaners, am Ende seines letzten Films Split sorgte jedoch für genau diese Entwicklung. War der Streifen zuvor noch ein verschrobener Psycho-Thriller, der die insgesamt 24 multiplen Persönlichkeiten der von James McAvoy mit stürmischer Wandelbarkeit verkörperten Hauptfigur als horrorartige Bedrohung in Szene setzte, wandelte sich Split durch die finale Enthüllung schlagartig zu einem Teil von etwas wesentlich Größerem. Mit dem Auftritt von David Dunn aus Shyamalans Unbreakab...
Kritik: Aufbruch zum Mond (USA 2018)
Damien Chazelle, Drama, Im Kino, Kritiken, Regisseure, Science Fiction / Fantasy, Slider

Kritik: Aufbruch zum Mond (USA 2018)

That's one small step for man, one giant leap for mankind.Es erscheint nur konsequent, dass sich Damien Chazelle in Aufbruch zum Mond mit dem Astronauten Neil Armstrong beschäftigt. Schon in seinem vorherigen Film La La Land tanzten und sangen sich Ryan Gosling und Emma Stone durch ein Los Angeles, das als City of Stars funkelte und das Paar auch in das bekannte Griffith-Observatorium führte, wo sich ihr Blick nach oben in den Himmel richtete. Während Damien Chazelle seine Figuren schließlich zum Schweben brachte und beide als Silhouetten über den Wolken in den Sternen tanzen ließ, ist Aufbruch zum Mond nun die Geschichte des Mannes, dem es tatsächlich gelungen ist, als erster Mensch überhaupt den Mond zu betreten. Damit stellt der vierte Spielfilm des erst 33-jährigen Regisseurs, ...
Kritik: First Reformed (USA 2017)
Drama, Filme, Kritiken, Slider, Streaming

Kritik: First Reformed (USA 2017)

Even a pastor needs a pastor.Ernst Toller (Ethan Hawke, Boyhood) betreut eine beschauliche Kirchengemeinde im Staate New York. Er macht seine Arbeit gut, er macht seine Arbeit vor allem gewissenhaft und mit Herzblut. Toller, ein ehemaliger Militärpriester und seit dem Tod seines Sohnes mit Schuldgefühlen beladen, denen kein Mensch auf lange Sicht standhalten kann, befindet sich jedoch im Bruch mit den theologischen wie moralischen Grundsätzen, die sein Glaube ihm voraussetzt. Das Haus Gottes, der Ort der Einkehr, des Schutzes und des Rückhalts scheint sich langsam von dem Reverend zu entfremden. Er findet keine Möglichkeit, sich mit Gott in Verbindung zu setzen, eben genau aufgrund dieser unermesslichen Schuld, die sich auf seinen Schultern abgeladen hat. Neue Kommunikationswege mü...
Kritik: Feinde – Hostiles (USA 2018)
Drama, Filme, Heimkino, Kritiken, Slider, Western

Kritik: Feinde – Hostiles (USA 2018)

„Sometimes I envy the finality of death. The certainty. And I have to drive those thoughts away when I wake.“Wenn Scott Cooper (Crazy Heart) seinen Film damit eröffnet, wie Rosalie Quaid (Rosamunde Pike, Gone Girl – Das perfekte Opfer) blutverschmiert und tränenunterlaufen mitansehen muss, wie ein Trupp Komantschen ihre Familie kaltblütig abschlachtet, dann hat das Methode. Jene Bilder stehen nicht für sich selbst, verweisen keinesfalls auf die reine Brutalität der Indianer, sondern einen den Zuschauer mit der eigentlichen Hauptfigur des Filmes, Captain Joseph J. Blocker (Christian Bale, The Dark Knight-Trilogie). Der nämlich hat aufgehört, die Jahre zu zählen, seitdem er sein Handwerk darauf versteht, Indianer auslöschen. Sein Hass allerdings ist nach all den Leichen, die er aufge...
Kritik: A Beautiful Day (USA 2017)
Drama, Filme, Heimkino, Kritiken, Thriller

Kritik: A Beautiful Day (USA 2017)

They said you were brutal. - I can be.Unter einer Plastiktüte scheint Joe, der Protagonist von Lynne Ramsays neuem Film A Beautiful Day, direkt zu Beginn seine letzten Atemzüge zu tätigen. Das schwere Schnaufen innerhalb kurzer Sekundentakte bedeutet für den bulligen, schweigsamen Mann allerdings nicht das Ende, denn plötzlich ist da wieder etwas, ein Geräusch oder ein kurzes Bild vor Joes geistigem Auge, das ihn ins Leben zurückpeitscht. Kurze Gedankenblitze und schockierende Erinnerungsfetzen aus Joes geschädigter Seele, die Kindheitstrauma, Kriegsschrecken und Tatort-Grausamkeiten umfassen, lässt die Regisseurin immer wieder wie kleine Splitter in die Handlung ihres Films einbrechen, der ohnehin wie die brüchige, fiebertraumähnliche Variante eines gewöhnlichen Action-Thrillers e...
Netflix-Kritik: Mute (GB, DE 2018)
Filme, Kritiken, Netflix, Slider

Netflix-Kritik: Mute (GB, DE 2018)

Do you know what it is to make your dreams come true, Leo? Man sollte meinen dem filmischen Einfallsreichtum seien keine Grenzen gesetzt, dem kreativen Entdeckergeist ständen alle Wege offen. Tatsächlich haben sich jedoch im Laufe der Jahre etliche Motive verfestigt, Bilder eingebrannt, von denen sich Filmemacher nur schwerlich lösen können. Das Abbild der dystopischen Großstadt, in seiner Dynamik von Fritz Lang in Metropolis erdacht und optisch unwiderruflich von Ridley Scotts Meilenstein Blade Runner geprägt, ist ein treffendes Beispiel. Unendliche Hochhausblöcke, dekoriert in Neonlicht, ausstaffiert mit Hologrammen. Strenge Klassengesellschaften, Ober- trifft auf Unterschicht. Sterile Innenräume, gläserne Fronten, dreckige Gassen mit sonderbaren Gestalten. Vormals kraftvolle Bilder, ...
Kritik: Maria Magdalena (GB 2018)
Drama, Filme, Kritiken

Kritik: Maria Magdalena (GB 2018)

„I will not be silent, I will be heard.“Nachdem er mit seinem ersten Langfilm Lion die auf wahren Hintergründen beruhende Geschichte des in Indien geborenen Schriftstellers Saroo Brierley inszenierte, der im Kindesalter sein Zuhause verlor, von einem australischen Paar adoptiert wurde und schließlich im Erwachsenenalter mithilfe von Google Earth seine Heimat wiederfinden konnte, widmet sich Regisseur Garth Davis in seinem neuen Werk einem biblischen Stoff. Dabei handelt es sich bei dem Film, in dem Joaquin Phoenix die Rolle des Jesus spielt, in erster Linie um eine Art Ehrwürdigung für die titelgebende Maria Magdalena, die Jesus neben den anderen männlichen Aposteln begleitet haben soll und auch bei dessen Auferstehung am Grab als einzige Zeugin anwesend war. Den Überlieferungen de...
Kritik: Downsizing (USA 2017)
Filme, Kritiken

Kritik: Downsizing (USA 2017)

Downsizing is about saving yourself. We live like kings. Stell dir vor du wärst 12cm groß. Was würdest du tun? Anhand dieser sicherlich nicht neuen, aber dennoch kreativen und interessanten Prämisse, entwirft Regisseur Alexander Payne eine gesellschaftskritische Tragikomödie, die leider keinem ihrer Bestandteile wirklich gerecht wird. Dieses Werk nennt sich Downsizing und sein Titel ist gleichsam der Name eines wissenschaftlichen Wunders, einer neuartigen Methode, die es erlaubt alles und jeden in eine Miniatur seiner selbst zu verwandeln – mit Ausnahme einiger Fische und Meeresfrüchte. Verkauft wird dieser Durchbruch in der Forschung als Rettung der Menschheit. Klimaerwärmung, Überbevölkerung, Wasser- und Nahrungsknappheit – alle Probleme scheinen wie weggewischt, wenn der Mensch plötz...
Kritik: Blade of the Immortal (JP 2017)
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Kritik: Blade of the Immortal (JP 2017)

But do right and wrong matter when it's for people you love?Was für ein beachtliches Jubiläum: Nicht einmal das 60. Lebensjahr hat Takashi Miike erreicht und dennoch seinen bereits 100. Film abgeliefert. Miike, der Inbegriff eines Alles- und Vielfilmers; eine wahre Lichtgestalt der asiatischen Kulturlandschaft, deren Output natürlich auch wunderbar aufzeigt, dass Quantität nicht über Qualität siegt. Dennoch bleibt der Regisseur, der uns kontroversen Zündstoff wie Ichi the Killer, Visitor Q, Audition und Lesson of the Evil geschenkt hat, immer eine interessante Adresse, eben weil man als Zuschauer nie genau weiß und bestimmen kann, worauf man sich nun wirklich einlassen muss – und über wie viele Kunstschaffende lässt sich das heutzutage schon noch sagen? Mit Blade of the Immortal,...