Schlagwort: Review

Filmkritiken

"Pacific Rim" (USA 2013) Kritik – Magie, Monster und Moneten

Autor: Conrad Mildner „Today we are cancelling the apocalypse!“ Was haben mein achtjähriges Ich beim „Jenga“-Spielen und das „Intergalactic“-Musikvideo der Beastie Boys gemeinsam? Richtig, den natürlich menschlichen Fetisch für Zerstörung; kein Geheimrezept, aber eine Triebfeder, die im aktuellen Blockbusterkino unverzichtbar geworden ist und seit „Jurassic Park“ stetig absurder werdende Früchte getragen hat. Auch in Guillermo del Toros offenkundig auf Krawall gebürsteten „Pacific Rim“ kann die Zerstörung gar nicht groß genug sein. Im Zentrum des Films steht nicht nur der übliche Fetisch, sondern auch das schwarze Loch seines Konsums. Höher, weiter, schneller und vor allem größer muss es werden und alles davor dagewesene in den Schatten stellen. Anders geht es nicht. Das Prinzip der Über...
Filmkritiken

"Die Unfassbaren – Now You See Me" (US/FR 2013) Kritik – Die Welt der Illusionen: Ein offenes Geheimnis

Autor: Pascal Reis "Je genauer Sie hinsehen, desto weniger sehen Sie." Atlas ist ein arroganter Meister seiner Klasse und kann durch die Macht der Illusionen nicht nur sein Publikum ins Staunen versetzen, sondern auch die Frauenwelt haltlos in sein Schlafzimmer locken. Als der charismatische Magier, seine ehemalige Assistentin Henley, dem gewitzten Mentalisten Merritt und dem Touristenabzocker Jack jeweils eine Tarotkarte zugesteckt bekommt, auf der sich eine Adresse für ein Appartement befindet, stößt das Quartett auf die Blaupausen eines nie in die Tat umgesetzten Tricks. Ein Jahr vergeht und die Magiertruppe füllt unter dem Namen „Die vier Reiter“ die größten Hallen von Las Vegas. Mit der Ankündigung, eine Bank in Paris auszurauben, die in beinahe 9000 Kilometern Entfernen liegt, wir...
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Filmfest München Recap Nr. 3: „Only God Forgives“, „As I Lay Dying“, „Blue Is the Warmest Color”, „Le temps de l’aventure” und „Nina“

Autor: Philippe Paturel „Only God Forgives“ von Nicolas Winding Refn, u.a. mit Ryan Gosling „Only God Forgives” ist der wohl am meisten verachtete Film der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes. Auch auf dem Münchner Filmfest setzte sich die Abneigung gegen Refns neuste Arbeit größtenteils fort. Ich kann die Kritik jedoch nur teilweise nachvollziehen. Jemand, der mit „Valhalla Rising“ oder „Drive“ schon nicht warm geworden ist, der wird mit dieser düsteren Unterweltparabel ebenfalls seine Schwierigkeiten haben. Refn führt seine Gewalttrilogie konsequent zu Ende und hat seinen, im positiven Sinne, bisher abstoßendsten Film gedreht, der nur so mit Symbolik überladen ist, die sich hauptsächlich in Form von physischer Gewalt zeigt. Den Gewaltausbrüchen in „Only God Forgives“ vorzuwerfen, das...
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Filmfest München Recap Nr. 2: „Das Glück der großen Dinge“, „Night Across the Street“, „Die schönen Tage“ und „Augustine“

Autor: Philippe Paturel „Das Glück der großen Dinge“ von Scott McGehee, u.a. mit Julianne Moore Das gute alte Thema: Der Eherechtsstreit. In diesem Fall geht es darum, wer die kleine Maisie bekommt. Der unerträgliche Karrierevater Beale (Steve Coogan) oder die noch nervigere Mutter Susanna (Julianne Moore), die an nichts anderes denkt, als an ihre Gesangslaufbahn. Eines muss man den Regisseuren Scott McGehee und David Siegel lassen: Mit dem Casting der beiden Eltern haben sie einen Coup gelandet, denn sowohl Moore als auch Coogan überzeugen in den Rollen der Eltern, denen man für ihre Verantwortungslosigkeit für ihr Kind immer wieder gerne eine Links und eine Rechts mitgeben würde. Der Rest des Dramas ist Familienpathos, das durchschnittlicher nicht sein könnte. Die amerikanischen Kritik...
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Filmfest München Recap Nr. 1: „The Immigrant“, „Drug War“, „The Last Time I Saw Macao“ und „Le Noir (Te) Vous Va Si Bien“

Autor: Philippe Paturel „The Immigrant“ von James Gray, u.a. mit Marion Cotillard Mein erster Film auf dem Münchner Filmfest war meine bisher schönste Erfahrung. „The Immigrant“ erzählt in großen Bildern, deren Wucht an Klassiker wie „Der Pate“ oder „Es war einmal in Amerika“ erinnern, von zwei polnischen Schwestern, die in die USA einwandern. Doch es läuft für die beiden anders als geplant. Ewa (Marion Cotillard) und ihre Schwester werden während der Einreise getrennt und Ewa muss sich dem schmierigen Bruno (Joaquix Phoenix) anvertrauen, um ihre Schwester aus den Händen der Einwanderungsbehörde zu retten. Dabei gerät sie unaufhaltsam in die Prostitution, bis der charismatische Magier Orlando (Jeremy Renner) auf Ewas Radar erscheint und ihr Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht. James ...
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"The Grandmaster" (CN/FR/HK 2013) Kritik – Martial-Arts-Ikone Ip Man kämpft wieder auf großer Leinwand

Autor: Florian Feick „Denke gut nach. Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen.“ Die südchinesische Stadt Foshan in den 1930er-Jahren. Strömender Regen, der einer Sintflut gleicht. Ein schwarz gekleideter Mann mit einem charmanten weißen Hut. Eine Gruppe formiert sich. Es kommt zum Kampf. Einer gegen alle. Schläge und Tritte prasseln nieder wie der Regen, der ihre Seelen reinwäscht. Holzwägen zerbersten, Knochen brechen. Parade, Konter, Sieg. Wir begleiten den noch jungen Kung Fu-Anhänger Ip-Man (Tony Leung) bei seiner Mission, Wing Chun (so der ursprüngliche Name des Stils) auch über den Süden Chinas hinaus bei Kampfkünstlern zu etablieren. Damit dies jedoch ermöglicht werden kann, muss sich der aufstrebende Sportler zunächst einmal selbst einen Namen machen. Allmählich realisiert er, dass...
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"Gambit – Der Masterplan" (USA 2012) Kritik – Solider Plan, viele Komplikationen

Autor: Florian Feick „Der Mann ist ein hoffnungsloser Ignorant.“ Harry Deane (Colin Firth) hat es satt. Keinen Tag länger will er für den Mann arbeiten, den er am allermeisten verabscheut. In einem Job, der für ihn gerade genug abwirft, um in seiner kleinen Erdgeschoss-Wohnung leidlich über die Runden zu kommen und nichts anderes zu tun als arbeiten zu müssen, während sein Vorgesetzter als einer der wohlhabendsten Männer Londons die Frucht von Harrys Arbeit erntet und ein dekadentes Leben in Saus und Braus führt. Die Falten auf seinem Gesicht werden prägnanter und er dadurch auch nicht gerade attraktiver, viele Freunde hat er nicht und das Glück will und will einfach nicht an seine Tür klopfen. Höchste Zeit, denkt er sich, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Spontan trifft er de...
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"Herzensbrecher" (CA 2010) Kritik – Die imaginäre Autorität der Liebe

Autor: Pascal Reis "Hast du dich in letzter Zeit verliebt?" Knapp 10 Minuten haben sie tosend applaudiert, die Kritiker und Journalisten im Kinosaal der Filmfestspiele von Cannes, als der damals 19-jährige Xavier Dolan sein Erstlingswerk „I Killed My Mother“ vorstellen durfte. Was für eine Ehre für einen jungen, beeinflussbaren und aufstrebender Künstler. Stehende Ovationen gab es, die nicht nur dem jungen Filmgeist geschuldet waren, der in seiner jugendlichen Blüte und der umfassenden Bandbreite an verschiedenen (Set-)Positionen, die für dieses Alter schon beeindruckenden genug waren, sondern auch wegen Dolans informaler Weitsicht, die jeden pubertären Tellerrand überquerte und ein menschliches und damit vollkommen ehrliches Porträt über den Generationskonflikt im innerfamiliären Bü...
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"Walkabout" (GB 1971) Kritik – Im Herzen der Natur

Autor: Pascal Reis "I don't suppose it matters which way we go." Genau wie Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ aus dem Jahre 1975, ist auch Nicolas Roegs 1971 entstandener „Walkabout“ von immenser Bedeutung für das australische Kino, schließlich waren genau diese beiden Werke für die daraus resultierende Filmwelle aus Down Under verantwortlich und legten den hochklassigen Grundstein für alles, was folgen sollte. Wo sich Weir in seinem ästhetischen Mysterium ganz der atmosphärischen Sogwirkung verschrieben hat und zu eigenen Interpretationen einlud, schlägt auch Nicolas Roeg einen ganz eigeen Weg ein und inszenierte einen Film, der den Zuschauer nicht Händchen haltend durch die Szenerie begleitet, sondern ihm die Rolle des beobachtenden und mitfühlenden Gefährten erlaubt. „Walkabout...
Kritik: After Earth (USA 2013) – Will Smith und der überforderte Kindersoldat
Abenteuer, Filme, Filmkritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: After Earth (USA 2013) – Will Smith und der überforderte Kindersoldat

Danger is real. Fear is a choice. Im Vorfeld des ontologischen Alien-Dramas Signs machte das US-Magazin Newsweek 2003 mit einer Coverstory über Regisseur M. Night Shyamalan auf. Der Titel: "The Next Spielberg". Wie sich die Zeiten ändern. 2012 musste Newsweek nach fast 80 Jahren endgültig die Segel streichen und auch Shyamalans Nachruhm aus The Sixth Sense-Tagen ist längst verweht. Nach einigen brachialen Bruchlandungen, die von selbstbeweihräuchernd (Lady in the Water), konfus (Die Legende von Aang) bis zu ergreifend einfältig (The Happening) reichten, versucht der Anfang 40-Jährige mit After Earth nun an alte Erfolge anzuknüpfen, aber bleibt sich doch treu. Nach einer Bruchlandung finden sich der junge Kadett Kitai Raige (Jaden Smith) und sein Vater und kommandierender Offizier Cyphe...