Venedig 2021: L’Événement – Der Gewinner des goldenen Löwen

– gesehen im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2021 –

Das-Ereignis-2021-Film-Kritik-Trailer
© Prokino Filmverleih

Der Gewinner des diesjährigen Goldenen Löwen steht fest. Und wie schon in Cannes gewinnt auch in Venedig dieses Jahr ein Film von einer französischen Regisseurin den Hauptpreis. Es ist  Der Niemals Selten Manchmal Immer* des französischen Kinos, jedoch setzt Audrey Diwan seine Zuschauer*innen in die 60er Jahre zurück, als es ungewollt schwanger gewordenen Frauen noch verboten war Abtreibungungen durchführen zu lassen. Herausgekommen ist ein wirklich exzellenter Coming-of-Age-Film, der inbesondere dank Anamaria Vartolomeis einnehmenden Schauspiels begeistert. Mit ihrer Darstellung der Studentin Anne vermittelt Vartolomei bewegend und glaubhaft die Einsamkeit junger, unfreiwillig schwanger gewordener Frauen. Audrey Diwans virtuose Regie ist hier ebenfalls hervorzuheben, denn insbesodere ohne die fantastische Arbeit mit der Kamera, welche Vartolomei stets aus nächster Nähe begleitet, hätten die verzweifelte Suche Annes nach einem Ausweg sowie ihre körperlichen und seelischen Qualen nicht so überzeugend abgebildet werden können. Das Ganze gipfelt sogar in einer cronenbergschen Entschlossenheit, die letzten zwanzig Minuten gehören zum Intensivsten, was dieses Filmjahr hervorgebracht hat. Und selbst wenn die Handlung im Frankreich vor 1975 angesiedelt ist, als Abtreibungen noch mit dem Gefängnis bestraft wurden, schadet es sich sicherlich nicht, auch heutzutage daran zu erinnern, dass es noch immer die Frauen sind, die am meisten an einer ungewollten Schwangerschaft leiden. Andernorts ist dieses Thema nämlich leider nach wie vor brandaktuell. [Trailer]

Die weiteren Auszeichnungen im Folgenden im Überblick. Hier ist inbesondere hervorzuheben, dass meiner Meinung nach Kristen Stewart für ihre Leistung im originellen Lady Di Biopic Spencer hätte ausgezeichnet werden müssen:

– Großer Preis der Jury: „È stata la mano di Dio (Die Hand Gottes)“ von Paolo Sorrentino (nicht der beste Film des italienischen Regisseurs, aber trotzdem absolut sehenswert)

– Silberner Löwe für die beste Regie: Jane Campion für „The Power of the Dog“ (meine Kritik hierzu gibt es zu einem späteren Zeitpunkt)

– Preis für das beste Drehbuch: Maggie Gyllenhaal für „The Lost Daughter“ von Maggie Gyllenhaal (sehenswert)

– Preis für die beste Schauspielerin: Penélope Cruz für „Madres paralelas“ von Pedro Almodóvar (als Almodovár-Fan sage ich: okay, aber überbewertet!)

– Preis für den besten Schauspieler: John Arcilla für „On the Job: The Missing 8“ von Erik Matti (nicht gesehen)

– Spezialpreis der Jury: „Il buco“ von Michelangelo Frammartino (nicht gesehen)

– Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller: Filippo Scotti für „È stata la mano di Dio (Die Hand Gottes)“ von Paolo Sorrentino

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