Kritik: Lost in Translation (USA 2003) – Coppolas Meisterwerk jetzt im limitierten Mediabook

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Je mehr man über sich selbst und über das, was man will, weiß, desto weniger lässt man an sich ran.

Inzwischen sollte allen anspruchsvollen Kinogängern vollkommen bewusst sein, dass es nie wirklich die angepriesenen High-Budget-Produktionen sind, die wirklich für alle Ewigkeit im Gedächtnis bleiben, denn dafür liefern diese Filme einfach zu wenig Bleibendes und von positiven Nährstoffen kann auch nur selten die Rede sein. Wenn wir ehrlich sind, dann beeindrucken uns die kleinen, unscheinbaren Werke immer deutlich mehr, weil sie es in beeindruckender Art und Weise geschafft haben, mit wenigen Mitteln etwas ganz Großes auf die Beine zu stellen. Und hier kommen wir dann auch auf den Namen Sofia Coppola zurück, die Tochter von Regie-Legende Francis Ford Coppola, dem wir für alle Ewigkeit dankbar sein können, dass er uns die Der Pate-Trilogie und Apocalypse Now geschenkt hat. Aber Mrs. Coppola wurde die große Karriere schon in frühen Jahren nicht zugetraut, denn ihr miserables Mitwirken in Der Pate III war ein schauspielerisches Debakel. Hinter der Kamera ist Sofia Coppola deutlich besser aufgehoben, wie wir zum Glück feststellen durften, doch wer hätte gedacht, dass sie im Jahre 2003 mit Lost in Translation gleich einen der besten Filme nach der Jahrtausendwende inszeniert?

Bob Harris ist ein alternder Schauspieler, dessen besten Jahre lang in der Vergangenheit zurückliegen. Sein neuster Auftrag, ein Werbespot für eine beliebte Whiskey-Marke, führt Bob direkt in das bunte Tokio. Hier ist natürlich alles ganz anders und die Schlaflosigkeit, mit der Bob sich herumschlagen muss, macht den Aufenthalt in der fremden Kultur auch nicht besser. Aber Bob ist mit dem Problem nicht allein, denn Charlotte, eine junge verheiratete Frau, die gerade ihr Philosophiestudium absolviert hat, fühlt sich ebenso einsam. Ihr Mann ist Fotograf und ständig unterwegs, während Charlotte nur im Hotelzimmer sitzt und sich vollkommen isoliert und einsam fühlt. Bob und Charlotte laufen sich immer wieder über den Weg, bis sie endlich ins Gespräch kommen und ihren ersten Abend gemeinsam verbringen. Eine ganz besondere Freundschaft bahnt sich mitten in der Millionenmetropole Tokio an, doch die Zeit der Abreise rückt für Bob immer näher.

Bei der Oscar-Verleihung im Jahre 2004 war Lost in Translation gleich für fünf Trophäen nominiert. Am Ende gab es dann zwar nur einen Goldjungen für das beste Originaldrehbuch, ebenfalls verfasst von Sofia Coppola, doch Preise und Auszeichnungen machen keinen guten Film aus, auch wenn das Drehbuch natürlich vollkommen zu Recht den Oscar gewonnen hat. Allerdings hat Sofia Coppola auch einen begeisternden Cast zusammengestellt, oder besser gesagt, ein nahezu perfektes Hauptdarstellerduo, welches so wunderbar harmoniert und dadurch immer wieder vergessen lässt, dass es sich hier nur um einen Film handelt. An erster Stelle steht Bill Murray, den man mit Klassikern wie Ghostbusters* und Und täglich grüßt das Murmeltier* längst zu schätzen gelernt hat. Was Murray jedoch als Altstar Bob Harris leistet, gleicht einer Offenbarung, denn die mimische Bandbreite, mit der Murray hier vorgeht, ist so sorgfältig, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen. Die humorvollen Szenen sind urkomisch und doch besitzen sie immer diesen ernsten Unterton. Man kauft ihm einfach jedes Wort ab. Das gilt auch für die 19 jährige Scarlett Johansson als Charlotte, die mit ihrer zarten Weiblichkeit den wunderbaren Gegenpart gibt und die sanfte Beziehung hervorragend abrundet.

Lost in Translation zieht uns in das ferne Tokio und damit in eine kulturelle Welt, die jedem Menschen, der sich nie mit dem Verhalten und den Bewohnern der Stadt vertraut gemacht, vollkommen fremd und eigenartig erscheint. Egal ob Tag oder Nacht, das Farbenmeer flackert durchgehend und die chaotische Eigenart der Japaner ist wahrlich ein Fall für sich. Dementsprechend identifizieren kann man sich auch mit Bob und Charlotte, die sich wie zwei Verlorene in der neuen Metropole fühlen und ihr auch vollkommen ausgeliefert sind. So lässt sich Lost in Translation zu Anfang als eine Art Culture Clash bezeichnen, in dem zwei Amerikaner hilflos versuchen, sich in der neuen Welt zurechtzufinden und ihren Problemen dabei nicht zu erliegen. Nach und nach lernen wir so unsere beiden Protagonisten kennen, die sich immer wieder begegnen, aber noch nicht bemerken, in welchem Sinne sie eigentlich zusammengehören. Bob, der Schauspieler der älteren Generation, die Schlaflosigkeit und die Eheprobleme. Charlotte, die Philosophieabsolventin, die noch nicht weiß, in welche Richtung ihr Leben nach dem Studium gehen soll, die selber nicht einschlafen kann und ebenfalls längst an ihrer Ehe zweifelt. Zusammen können sie es schaffen, die Probleme aus dem Blickfeld zu räumen und den wahren Wert des Daseins zu erkennen.

Sofia Coppola besticht durchgehend mit ihrem ruhigen Erzähltempo, welches zu keiner Sekunde schleppend wirkt, sondern die Charaktere und ihr wankendes Innenleben immer weiter offenbart. Zwei Menschen finden sich in der Fremde und geben sich selbst den liebevollen Halt, den sie im Farbenmeer von Tokio, in der Isolation des Hotelzimmers und dem eigentlichen Wahnsinn der Metropole, verloren haben. Lost in Translation ist die authentische Geschichte über zwei Charaktere, die seit der Ankunft mit den gleichen Problemen ringen und nur in den gemeinsamen Stunden den fühlbaren Frieden mit sich selbst finden können. Zwischen Tragik und Komik wird ein intimes Netz aus Melancholie, Authentizität und echten Gefühlen gesponnen, das sich zu keinem Zeitpunkt in abgedroschenen Rührseligkeiten verläuft oder den Fehler macht, die sexuelle Ebene zu betreten. Hier geht es um Nähe, Zärtlichkeit und um die gegenseitige Annahme, um Seelenverwandtschaft, menschliche Fehler und um Ehrlichkeit. Lost in Translation ist warmherziges, berührendes und wunderschönes Kino zum immer wieder neu Verlieben.

Fazit: Sofia Coppola lieferte mit Lost in Translation ihren bis heute einzigen wirklich herausragenden Film ab. Ruhig, sensibel, ehrlich, zärtlich und in jeder Szene fühlbar. Mit zwei tollen Hauptdarstellern (die nicht nur sympathisch sind, sondern auch die liebevolle Möglichkeit zum Identifizieren geben), einem unaufdringlichen Soundtrack und einer grandiosen Inszenierung, die mit ihrer berührenden Wärme immer wieder voll ins Schwarze trifft. Ein wunderschöner, aber auch konsequenter Film, der mit einem unvergesslichen Ende die Emotionen schlussendlich zum Überkochen bringt.

Lost in Translation ist ab dem 12. Dezember 2020 im limitierten Mediabook sowie als limitierte Piece of Art Box erhältlich. Falls unsere Kritik Dein Interesse geweckt hat, dann unterstütze uns gerne, indem Du den Film über einen der folgenden Links bestellst.*

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1 Comment

  • Einer der romantischsten Filme der letzten 10 Jahre – mindestens. Und dabei erzählt LOST IN TRANSLATION nicht einmal eine (klassische) Liebesgeschichte. Dieses Suchen und Finden nach einem Fixpunkt im Leben, das längst aus den Bahnen geworfen zu sein scheint und sich in dem Verlorensein in der fremden Stadt Tokio manifestiert, ist herzergreifend. Und daran hat neben dem Drehbuch insbesondere das fabelhafte Darstellerduo Murray und Johansson mitgewirkt, die beide zu Glanzleistungen auflaufen.

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