Schlagwort: Review

Filmkritiken

"God Bless America" (USA 2011) Kritik – Probleme sind da, um erschossen zu werden

Autor: Pascal Reis "I didn't kill her because I couldn't have her. I killed her because she wasn't nice." Würde uns ein Fremder auf der Straße begegnen, den Zeigefinger selbstbewusst in unsere Richtung erheben und uns mit felsenfester Überzeugung vorwerfen, dass wir uns viel zu gerne in unserer von Abscheu angetriebenen Feindschaft gegenüber den Medien, der Politik und der abgestumpften Gesellschaft im Allgemeinen verrennen, so hätte dieser Jemand in so gut wie jedem Fall Recht. Es ist nun mal kein Geheimnis mehr, dass wir in einer beschlagenen Ära angekommen sind, in der die Dümmsten und Lautesten immer evidenter in den Fokus gerückt werden. Und ja, es sind immer die Menschen bei der breiten Masse am beliebtesten, die ohne Skrupel agieren, die keinen Wert auf Anstand legen, keine Rück...
Filmkritiken

"The Best Offer" (IT 2012) Kritik – Die Authentizität der Fälschung

Autor: Florian Feick „What is it like, living with a woman? - It's like taking part in an auction sale: You never know, if yours will be the best offer.“ Der Kunstexperte und Auktionator Virgil Oldman (Geoffrey Rush) ist ein mustergültiger Einzelgänger und Snob. So geht er beispielweise nie ohne ein Paar edle Lederhandschuhe aus dem Haus und hüllt seinen Telefonhörer in weißen Samt, der ihn vor Keimen schützen soll. Seinen einzigen Zugang zur Außenwelt stellen sein guter Freund Billy (Donald Sutherland) und sein Assistent Lambert (Dermot Crowley) dar. Eines Tages erhält er den anonymen Anruf einer seltsamen Frau, die ihn um ein Gutachten der Villa ihrer verstorbenen Eltern bittet. Mysteriöse Vorfalle geschehen, Leben werden auf den Kopf gestellt und schwerwiegende Entscheidungen getroffe...
Filmkritiken

"Detachment" (USA 2011) Kritik – Adrien Brody auf der Suche nach sich selbst

Autor: Pascal Reis "A child's intelligent heart can fathom the depth of many dark places, but can it fathom the delicate moment of its own detachment?" Bei seinem Debütfilm aus dem Jahre 1998, kann der britische Regisseur Tony Kaye auch gleichzeitig vom persönlichen und bis dato einzigen Höhenflug in der Filmwelt sprechen. Die Rede ist dabei natürlich vom intensiven Neonazi-Drama „American History X“, bei dem Kaye auch Edward Norton – unvergesslich mit stählerner Physis und demonstrativen Hakenkreuz auf der Brust – zum großen Durchbruch verhalf, um seiner Karriere nur ein Jahr später in David Finchers „Fight Club“ bereits die frühzeitige Krone aufzusetzen. Kaye hat sich jedoch auch in einem anderen Fall im Filmgeschäft einen Namen gemacht: Der Engländer hatte das Privileg, mit dem unant...
Filmkritiken

"Nachtzug nach Lissabon" (DE/PT/CH 2013) Kritik – Geschichte im Konjunktiv

Autor: Jan Görner „Wenn wir jung sind, leben wir als seien wir unsterblich.“ Auf dem Weg zur Arbeit trifft der Lehrer Raimund Gregorius (Jeremy Irons) eines Morgens auf eine junge Frau (Sarah Spale-Bühlmann), die sich von einer Brücke stürzen will. Kurzentschlossen greift der sonst zurückhaltende Mann ein und nimmt die Fremde mit in seine Lateinstunde an einem Berner Gymnasium. Doch mitten im Unterricht verlässt sie Frau das Zimmer, zurück bleibt nur ihr roter Mantel, in dessen Tasche Raimund einen schmalen Philosophieband des portugiesischen Dichters Amadeu de Prado (Jack Huston) findet, zwischen den Seiten Fahrkarten für einen Nachtzug in die Heimat des Autors. Als er die junge Unbekannte jedoch nicht am Bahnhof antrifft, besteigt Raimund schließlich selbst den Zug. Beseelt von dem Wun...
Filmkritiken

"Shootout – Keine Gnade" (USA 2012) Kritik – Sylvester Stallones neuester Rachefeldzug

Autor: Conrad Mildner Die Rückkehr der Action-Stars aus einer längst vergessenen Zeit scheint noch nicht wirklich ihren Höhepunkt erreicht zu haben und dennoch leiden die lang erwarteten Soloprojekte von Arnold Schwarzenegger („The Last Stand“) und Sylvester Stallone („Shootout – Keine Gnade“) unter überschaubaren Zuschauerzahlen. Dabei bringen die Oldschool-Franchises wie „Red“ und „The Expendables“ weiterhin gutes Geld ein. Wahrscheinlich lieben die Fans oder eher das Durchschnittspublikum ihre Action-Ikonen nur im Multipack. Können Stallone und Co. keinen Film mehr alleine tragen? Sobald man „Shootout – Keine Gnade“ gesehen hat, kann man diese Frage mit ruhigen Gewissen verneinen. Stallone kehrt hier eindrucksvoll zurück, sichtlich gealtert, aber mit dem Charme der vergangenen Zeite...
Filmkritiken

"Das Wochenende" (D 2012) Kritik – Kühles Familiendrama im Post-RAF-Gewand

Autor: Florian Feick „Ich wüsste gerne, ob Du etwas vermisst.“ Nach 18 Jahren Freiheitsstrafe wird der ehemalige RAF-Terrorist Jens Kessler (eindringlich introvertiert: Sebastian Koch) überraschenderweise aus der Haft entlassen. Dieses eigentlich freudige Ereignis nimmt seine Schwester Tina (zurückhaltend nuanciert: Barbara Auer) zum Anlass, alte Freunde der gemeinsamen damaligen Zeit übers Wochenende in ihr uriges Landhaus in Brandenburg einzuladen. Dazu gehören sein ehemaliger Genosse Henner (charmant extrovertiert: Sylvester Groth) und seine alte Jugendliebe Inga (solide: Katja Riemann), die mit ihrem Mann Ulrich (bissig: Tobias Moretti) eigentlich nur für einen kurzen Abstecher bleiben wollte. Was ist aus den Menschen geworden, die sich über solch einen langen Zeitraum mehr oder mi...
Filmkritiken

“Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben” (USA 2013) Kritik – John McClane ballert sich durch Russland

Autor: Philippe Paturel “You know what I hate about the Americans? Everything. Especially cowboys.” Sechs Jahre ist es bereits her, dass sich John McClane in „Stirb langsam 4.0“ im Kampf gegen Cyberterroristen behaupten durfte. Schon damals mussten „Stirb langsam“-Fans teils kopfschüttelnd das Kino verlassen - aufgrund der seltsamen Vater-Tochter-Beziehung, der vollkommen übertriebenen Action und vor allem deshalb, weil McClane irgendwie nicht mehr McClane sein durfte. Vergleicht man „Stirb langsam 4.0“ jedoch mit der neuesten Franchise-Ausgeburt, dann lässt sich nur sagen, dass John Moore nach „Max Payne“ und „Das Omen“ ein weiteres Mal seine Talentfreiheit als Regisseur unter Beweis stellt. Sein „Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben“ ist ein inszenatorisches Fiasko, welches bereit...
Filmkritiken

„Bait 3D – Haie im Supermarkt“ (AU 2012) Kritik – Showdown in Reihe 4, links neben den Tütensuppen

Autor: Jan Görner Als die Ankündigung die Runde machte, dass Disney 2013 „Findet Nemo“ noch einmal in 3D in die Kinos bringen würde, war die Reaktion recht einmütig. „Alles schon mal gesehen, daran ändert auch 3D nichts.“ So ähnlich verhält es sich mit der australisch-singaporischen Co-Produktion „Bait 3D – Haie im Supermarkt“ auch. Hier hat man ebenfalls schon mal alles gesehen. Nur eben in besseren Filmen. Nachdem der Rettungsschwimmers Josh (Xavier Samuel) seinen besten Freund und Schwager in spe bei einem Haiangriff verloren hat, quittiert er den Dienst und fängt als Aushilfe in einem Supermarkt an der australischen Goldküste an. Ausgerechnet als Joshs Ex-Verlobte Tina (Sharni Vinson) mit ihrem Neuen im Laden auftaucht, kommt es durch den verzweifelten Räuber Doyle (Julian MacMahon...
Kritik: Das siebente Siegel (SE 1957) – Ein anachronisches Schachspiel um Leben und Tod
Drama, Filmklassiker, Filmkritiken

Kritik: Das siebente Siegel (SE 1957) – Ein anachronisches Schachspiel um Leben und Tod

Wisch die Tränen weg und gefall' Dir in Deiner Gleichgültigkeit. Philosophiestunde à la Ingmar Bergman, verknüpft mit den essenziellen Motiven des generalisierten Menschentums. Dabei kann der Schwede in „Das siebente Siegel“ von seiner leibeigenen Effizienz Gebrauch machen, die anderen Regisseuren in Anbetracht der demonstrativen Metaphorik und der allegorischen Laxheit die nicht den analytischen Kern beinhalten, den man von Bergmans psychologischen Sondierungen der menschlichen Verhaltensmuster durch andere Werke kennenlernte, gefehlt und so in die Knie gezwungen hätte. Ja, „Das siebente Siegel“ erhebt sich nicht durch seine spitzfindige Komplexität, die jedes optionale Charakter-Drama aus dem europäischen Raum in den Schatten stellen würde. Und doch schafft es der Meisterregisseur die...
Filmkritiken

“Hänsel und Gretel: Hexenjäger" (USA 2013) Kritik – Die Gebrüder Grimm Reloaded

Autor: Philippe Paturel "Some people will say that not all witches are evil, that their powers could be used for good. I say burn them all!" Das Schicksal der Geschwister Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) scheint vorherbestimmt. Eines Nachts müssen sie gemeinsam mit ihrem Vater von zu Hause weglaufen, denn etwas Böses bahnt sich an. Tief in die Wälder fliehen sie, bis die beiden Kinder ohne Worte von ihrem Vater zurückgelassen werden. Verängstigt und verloren irren Hänsel und Gretel durch die Wälder, bis sie auf eine Hütte treffen, die nur aus Süßigkeiten zu bestehen scheint. Doch schnell erweist sich das zuckersüße Haus als teuflische Falle einer finsteren Hexe. Doch mit vereinten Kräften kann das Geschwisterpaar den Fängen der Hexe entkommen und ab diesem Moment haben ...