Schlagwort: Rezension

Kritik: Nomadland (USA 2020)
Drama, Festivals, Kritiken

Kritik: Nomadland (USA 2020)

Unser Dank für diese englischsprachige Gastkritik geht an Cliff Galiher, Filmexperte & -liebhaber aus Kalifornien, der Nomadland bereits digital im Rahmen des diesjährigen 45. Toronto International Film Festival gesehen hat. I’m not homeless, I’m just houseless. Chloé Zhao continues to weave a cinematic tapestry from the vast heartland of America. As Nomadland begins, Fern (Frances McDormand) is leaving her home in the small factory town on the edge of the Nevada desert, just as it ceases to exist - the factory offering the majority of the local jobs has closed, everyone has gone and the postal code has been discontinued. Piling her household into a storage facility and her most essential treasures and provisions into a white van, she sets off onto the endless road. Fern seems well...
Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit
Horror, Kritiken

Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit

Am meisten fürchten wir uns vor den Gefahren, die wir glauben zu spüren, aber nicht sehen können. Deshalb empfinden wir Unbehagen in der Dunkelheit und horchen erschreckt auf, wenn das große unbekannte Haus plötzlich Geräusche von sich zu geben scheint. Ti Wests anachronistischer Genre-Beitrag ist in erster Linie eine nostalgische Erinnerung an das ehrenwerte Terrorkino der 1980er-Jahre. Mit voyeuristischer Lusthaftigkeit und dokumentarischen Grobkorn-Einstellungen zelebriert er seine leichtfüßig inszenierte Exposition, deren hitchcockesker Spannungsbogen genau an den richtigen Stellen mit beidseitigen Ausbrüchen ausgestattet ist. Sein The House of the Devil ist die ehrende Verneigung vor den Tugenden des amerikanischen Horrorfilms und dessen Schöpfern. Virtuos werden Genre-Sujets modul...
Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)
Drama, Festivals, Filme, Kritiken, Netflix, Slider

Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)

Criminal lawyers see bad people at their best, divorce lawyers see good people at their worst. Marriage Story ist Noah Baumbachs "Szenen einer Ehe", eine emotionale Achterbahn der Gefühle und nach Roma und dem erst im November erschienen Scorsese-Meisterwerk The Irishman ebenfalls einer der (Netflix-)Filme des Jahres, die erfolgreich in das Rennen um die bedeutendsten Filmawards gingen bzw. gehen werden. Mitreißend, lebensnah, relevant: Der US-amerikanische Autorenregisseur Noah Baumbach hat (nach u.a. Mistress America) eine weitere herausragende Tragikomödie gedreht, welche mitten aus dem Leben des Künstlerpaares Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johannson) erzählt, die seit vielen Jahren scheinbar glücklich miteinander verheiratet sind, einen Sohn haben und in der New Yo...
Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)
Drama, Filme, Im Kino, Komödie, Kritiken, Regisseure, Slider, Yorgos Lanthimos

Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)

Sometimes a lady likes to have some fun. Als mittlerweile großer Fan des Griechen Yorgos Lanthimos, dem 2009 mit der Satire Dogtooth der internationale Durchbruch gelang (inklusive einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film), waren meine Erwartungen an sein neustes Regieprojekt fast unerreichbar hoch. Doch Yorgos Lanthimos liefert nach The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte (2015) und The Killing of A Sacred Deer (2017) ein weiteres grotesk-komisches Meisterstück ab, dieses Mal am englischen Königshof Anfang des 18. Jahrhunderts verortet. Yorgos Lanthimos arbeitete beim Dreh von The Favourite - Intrigen und Irrsinn nach The Lobster das zweite Mal mit Rachel Weisz zusammen, die dieses Mal Lady Sarah, die enge Vertraute von Queen Anne (Olivia Colman), spiel...
Kritik: The Killing of a Sacred Deer (US 2017)
Drama, Festivals, Kritiken, Thriller

Kritik: The Killing of a Sacred Deer (US 2017)

Es ist nun offiziell, der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos (Dogtooth) und der irische Schauspieler Colin Farrell (Brügge sehen... und sterben?) sind das neue Dreamteam des abseitigen Independentkinos. Nach der dystopischen, tragikomischen Romanze The Lobster, die mich letzten Jahr vollkommen unerwartet in ihren Bann gezogen hat und es sogar in meine Top 3 des Jahres schaffte, schieben die beiden nun auf dem diesjährigen Cannes Filmfestival eine angsteinflößende, bitterböse, vielseitig interpretierbare Gesellschaftstragödie hinterher. Die Buhrufe des Publikums beim Einsetzen des Abspanns überraschten mich also nicht. Lanthimos neuer Film The Killing of a Sacred Deer ist nämlich ein durch und durch verstörendes Psychohorrorrätsel über gesellschaftliche, insbesondere familiäre Abgrün...
Kritik: Sieben Minuten nach Mitternacht (ES/US 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: Sieben Minuten nach Mitternacht (ES/US 2016)

This story is about a boy too old to be a kid, too young to be an adult... and a nightmare. Ganz zu Beginn von J.A. Bayonas fantastischem Coming-of-Age Drama wird Hauptprotagonist Conor (Lewis MacDougall) als jemand vorgestellt, der kein Kind mehr sein kann, aber auch noch nicht die Reife eines Erwachsenen besitzt, sich aber trotzdem wie einer verhalten muss. Das klassische Strickmuster des Coming-of-Age Films, bei welchem sich ein jugendlicher Protagonist langsam vom Schutzraum der Kindheit verabschieden und dadurch lernen muss langsam selbst Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen, wird auch hier aufgegriffen und zum Thema gemacht. Man hat es bei der Verfilmung des gleichnamigen Gewinners des deutschen Jugendliteraturpreises 2012 also zunächst mit einer sehr klassischen...
Kritiken

"The Avengers 2: Age of Ultron" (USA 2015) Kritik – Elf Filme und kein bisschen leise

Autor: Jan Görner "I know you're good people. I know you mean well. But you just didn't think it through. There is only one path to peace... your extermination." Beseelt von den besten Absichten aktiviert Tony Stark (Robert Downey Jr.) ein außeriridisches Roboterprogramm, das als Friedensstifter die Avengers überflüssig machen soll. Das Resultat ist der kybernetische Übergegner Ultron (James Spader), der seine Mission als Vernichtung der Heldentruppe missversteht. Unterstützt von den mächtigen Mutantenzwillingen Quicksilver und Scarlet Witch, die ein erbitterter Hass gegen Stark mit Ultron vereint, macht dieser Jagd auf die Avengers, die diesmal jede Unterstützung gebrauchen können, die sie kriegen. "The Avengers 2" wirft den Zuschauer dabei ohne viel Federlesen gleich in die Action. E...
Kritik: Interstellar (USA 2014) – Christopher Nolans inspirierende Reise in den Weltraum
Christopher Nolan, Kritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Interstellar (USA 2014) – Christopher Nolans inspirierende Reise in den Weltraum

Nachdem sich selbst eingefleischte Nolan-Fans einigen konnten, dass sein letztes Werk „The Dark Knight Rises“ zahlreiche Ungereimtheiten aufweist und der von ihm produzierte „Man of Steel“ ähnlich enttäuschend ist, war mit Spannung zu erwarten, ob sich der ehemalige Meisterwerk-Regisseur tatsächlich auf einem Abwärtstrend befindet. Ursprünglich für Steven Spielberg entwickelt, klingt die Idee eines emotionalen Science-Fiction-Abenteuers, dessen Prämisse im Trailer mit "Love is the one thing that transcends time and space." beworben wird, auch nicht gerade nach dem typischen Stoff für den sonst so kühl inszenierenden Briten. Zumindest die Produktionshintergründe sorgten unter Cinephilen für Vorfreude: Zum Großteil ohne Computereffekte an detaillierten Sets gedreht, über eine Stunde mit ri...
Kritiken

"The Rover" (AU/USA 2013) Kritik – Robert Pattinson in einer Welt nach dem großen Kollaps

Autor: Felix Haenel "No one ever came after me. And that hurt me more than getting my heart broken." Als Fans des britischen Kubrick-Nachfolgers Jonathan Glazer ("Sexy Beast", "Birth") Wind davon bekamen, dass "Under the Skin" hierzulande keine angemessene Kinoauswertung erfahren werde, war die Empörung groß. Eine cinephile Rettungskampagne wurde gestartet, die den zuständigen Verleih mit Fragen bombardierte und eine Stellungnahme forderte, was für weitreichenden Medienrummel in renommierten Tageszeitungen sorgte. Wie könne es sein, dass ein mit Scarlett Johansson starbesetzter Science-Fiction-Film, der seit 10 Jahren in Arbeit war und auf Festivals gefeiert wurde, es nicht in die hiesigen Kinos schaffe? Wieso sichere man sich die Rechte an etwas, was man nicht zu unterstützen gewillt is...
Kritiken

"Transformers 4: Ära des Untergangs" (US 2014) Kritik – Ära des Unverstands

Autor: Jan Görner In einer Folge der Ausnahme-Sitcom "30 Rock" läuft Protagonistin Liz Lemon (Tina Fey) in einer Alptraumvision durch die Straßen New Yorks. In der Angst als Comedy-Autorin einer aussterbenden Spezies anzugehören, stößt sie auf ein Plakat: "Transformers 5: Planet of Earth" steht da drauf. Und drunter: "Written by no one". Fast möchte man den Autoren dieses Gags für ihr prophetisches Gespür (drei Monate vor Start des dritten Teils) Beifall spenden. Denn tatsächlich scheinen sich Regisseur Michael Bay ("Pain & Gain") und (Noch?-) Autor Ehren Kruger („Transformers 3“) darauf verständigt zu haben, dass das Erfolgsgeheimnis von der "Transformers"-Reihe nur auf eine Weise verfeinert werden kann: Die Menschlichkeit muss weg! Schrieb ich im Mai dieses Jahres noch, Gareth Edwards...