Schlagwort: Rezension

Kritik: Nomadland (USA 2020)
Drama, DVD & Bluray, Kritiken

Kritik: Nomadland (USA 2020)

Mein Dank für diese englischsprachige Gastkritik geht an Cliff Galiher, Filmexperte & -liebhaber aus Kalifornien, der Nomadland im September 2020 digital im Rahmen des 45. Toronto International Film Festival gesehen hat. I’m not homeless, I’m just houseless. Chloé Zhao continues to weave a cinematic tapestry from the vast heartland of America. As Nomadland begins, Fern (Frances McDormand) is leaving her home in the small factory town on the edge of the Nevada desert, just as it ceases to exist - the factory offering the majority of the local jobs has closed, everyone has gone and the postal code has been discontinued. Piling her household into a storage facility and her most essential treasures and provisions into a white van, she sets off onto the endless road. Fern seems well sui...
Kritik: Dune (USA 2021)
Im Kino, Kritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Dune (USA 2021)

– gesehen im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2021 – There's a crusade coming. Vorgestern premierte eine der heißerwartetsten Kinoproduktionen des Jahres zumindest schon mal in Venedig. Seitdem versuche ich zu verstehen, woher der Festivalhype und einige Lobhudeleien kommen. Wie ich jedoch mittlerweile erleichtert feststellen durfte, halten sich die unkritischen Stimmen, welche Dune zum größten Science-Fiction-Film seit 2001 - Eine Odyssee im Weltraum erklären, mittlerweile in Grenzen. Und immer mehr Stimmen erheben sich, von "a bombastic, impersonal imperial space tragedy" (thefilmstage.com) bis "the boring homework before the juicy stuff starts happening" (The Hollywood Reporter), die in ihren ganz eigenen Worten beschreiben, wie sehr sie Dune für misslun...
Kritik: Saw – Spiral (USA 2021)
Horror, Im Kino, Kritiken

Kritik: Saw – Spiral (USA 2021)

Eine Gastkritik von Jan Benz Whoever did this has another motive - they're targeting cops. Knappe vier Monate nach dem US-Kinostart, kommen nun endlich auch die deutschen Kinobesucher in den Genuss von Saw: Spiral. Ursprünglich sollte die Folterhorrorreihe im Jahr 2010 mit dem siebten Teil Saw 3D - Vollendung zu Ende gehen, doch das erfolgreichste Horrorfranchise nach Conjuring lässt man bei Lionsgate eben ungern ruhen. 2017 folgte mit dem wenig gelungenen Ableger Jigsaw eine ebenso unblutige wie langweilige Fortsetzung und nun ein Spin-off, welches zeitlich nach den bisherigen Teilen spielt. Trotzdem ist Saw: Spiral der interessanteste Teil seit langem, immerhin kam US-Comedian Chris Rock mit einer eigenen Idee auf Lionsgate zu und wir haben es dank ihm, Max Minghella und Samu...
Venedig-Kritik: Last Night in Soho (USA, GB 2021)
Demnächst im Kino, Festivals, Horror, Kritiken

Venedig-Kritik: Last Night in Soho (USA, GB 2021)

– gesehen im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2021 – When the past lets you in, the truth will come out. Last Night in Soho – das ist der lang erwartete neue Film vom britischen Regietausendsassa Edgar Wright (Baby Driver, Hot Fuzz*), der damit zum blutigsten aller Genres zurückfindet, welches ihn vor fast zwei Jahrzehnten berühmt machte: Mit der Zombiekomödie Shaun of the Dead startete Edgar Wright 2004 in seine bis heute erfolgreiche Karriere, welche er auch später hauptsächlich mit Komödien weiter prägte. Mit dem ersten Trailer von Last Night in Soho kündigt sich dann vor Monaten allerdings, erstmals in Edgar Wrights Karriere, ein düsterer Psychothriller an. Seinen eigenen Worten zufolge von Genremeilensteinen wie Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tr...
Kritik: Promising Young Woman (USA/GB 2020)
Im Kino, Kritiken, Thriller

Kritik: Promising Young Woman (USA/GB 2020)

Eine Gastkritik von Sascha Böß Eine Kassandra auf Rachefeldzug Cassie (Carey Mulligan) hatte eine vielversprechende Zukunft. Sie war eine erfolgreiche und fleißige Medizinstudentin, bis eines Tages ihre beste Freundin Nina auf einer Party von Kommilitonen vergewaltigt wird und sich später das Leben nimmt. Seitdem ist Cassie eine gebrochene Frau und sinnt auf Rache. Emerald Fennels Regiedebüt Promising Young Woman ist kein typischer Rape-Revenge-Thriller, er ist anderseits auch keine Dekonstruktion dessen (wie zuletzt beispielsweise Revenge). Anders als bei typischen Vertretern dieses Genres wie Das letzte Haus links (1972) und Ich spuck auf dein Grab (1978) wird die weibliche Hauptfigur in diesem Film durch das „Trauma“ nicht erst die „starke (=maskuline) Frau“, die in ihr eigentlich ...
Kritik: Quo Vadis, Aida? (BIH 2020) –  Die offene Wunde Europas
Drama, Im Kino, Kritiken

Kritik: Quo Vadis, Aida? (BIH 2020) – Die offene Wunde Europas

Eine Gastkritik von Sascha Böß In der für den besten fremdsprachigen Film Oscar-nominierten internationalen Koproduktion Quo Vadis, Aida erzählt die bosnische und mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Jasmila Žbanić (Esmas Geheimnis, 2006; Zwischen uns das Paradies, 2010) die folgenschweren Ereignisse um Srebrenica während des Bosnienkriegs im Juni 1995, die später als Völkermord bzw. Genozid von Srebrenica in die europäische Geschichte eingehen sollten, bei dem mehr als 8000 muslimisch-bosnische Jungen und Männer im Alter von 13-78 Jahren ermordet wurden. Was dieses Drama dabei von Anfang an von anderen Kriegsfilmen unterschiedet, ist die weibliche Perspektive und das in gleich dreifacher Hinscht: Nicht nur die Regisseurin und die Kamerafrau (Christine A. Maier) bestimmen unseren Blickw...
Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit
Horror, Kritiken

Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit

Eine Gastkritik von Florian Feick Am meisten fürchten wir uns vor den Gefahren, die wir glauben zu spüren, aber nicht sehen können. Deshalb empfinden wir Unbehagen in der Dunkelheit und horchen erschreckt auf, wenn das große unbekannte Haus plötzlich Geräusche von sich zu geben scheint. Ti Wests anachronistischer Genre-Beitrag ist in erster Linie eine nostalgische Erinnerung an das ehrenwerte Terrorkino der 1980er-Jahre. Mit voyeuristischer Lusthaftigkeit und dokumentarischen Grobkorn-Einstellungen zelebriert er seine leichtfüßig inszenierte Exposition, deren hitchcockesker Spannungsbogen genau an den richtigen Stellen mit beidseitigen Ausbrüchen ausgestattet ist. Sein The House of the Devil ist die ehrende Verneigung vor den Tugenden des amerikanischen Horrorfilms und dessen Schöpfern...
Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)
Drama, Festivals, Filme, Kritiken, Netflix, Slider

Netflix-Kritik: Marriage Story (USA 2019)

Criminal lawyers see bad people at their best, divorce lawyers see good people at their worst. Marriage Story ist Noah Baumbachs "Szenen einer Ehe", eine emotionale Achterbahn der Gefühle und nach Roma und dem erst im November erschienen Scorsese-Meisterwerk The Irishman ebenfalls einer der (Netflix-)Filme des Jahres, die erfolgreich in das Rennen um die bedeutendsten Filmawards gingen bzw. gehen werden. Mitreißend, lebensnah, relevant: Der US-amerikanische Autorenregisseur Noah Baumbach hat (nach u.a. Mistress America) eine weitere herausragende Tragikomödie gedreht, welche mitten aus dem Leben des Künstlerpaares Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johannson) erzählt, die seit vielen Jahren scheinbar glücklich miteinander verheiratet sind, einen Sohn haben und in der New Yo...
Kritik: Blau ist eine warme Farbe (FR 2013) – Der Geschmack des Erwachsenwerdens
Amazon Prime, Drama, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Blau ist eine warme Farbe (FR 2013) – Der Geschmack des Erwachsenwerdens

Nothing happens by chance. Die fünfzehnjährige Adèle (Adèle Exarchopoulos) träumt von der großen Liebe und sie glaubt, diese in Thomas, einem Mitschüler, gefunden zu haben. Doch eines Tages begegnet sie dieser jungen Dame mit blauen Haaren auf der Straße. Dieses kurze Aufeinandertreffen bringt ihr bisheriges Leben komplett aus den Fugen, da Adèle erstmals ihre Hingezogenheit zu Frauen wahrnimmt. Wer hat schon zu Beginn des diesjährigen Cannes-Filmfestivals damit gerechnet, dass ein dreistündiges lesbisches Liebesdrama die goldene Palme mit nach Hause nehmen würde? Ich zumindest nicht, auch wenn ich im Nachhinein gestehen muss, dass es ein wenig offensichtlich war, dass Blau ist eine warme Farbe im aktuellen Geschehen Frankreichs, der Debatte um die Gleichstellung der Ehe, den Preis mit...
Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)
Drama, Komödie, Kritiken

Kritik: The Favourite – Intrigen und Irrsinn (US/GB 2018)

Sometimes a lady likes to have some fun. Als mittlerweile großer Fan des Griechen Yorgos Lanthimos, dem 2009 mit der Satire Dogtooth der internationale Durchbruch gelang (inklusive einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film), waren meine Erwartungen an sein neustes Regieprojekt fast unerreichbar hoch. Doch Yorgos Lanthimos liefert nach The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte (2015) und The Killing of A Sacred Deer (2017) ein weiteres grotesk-komisches Meisterstück ab, dieses Mal am englischen Königshof Anfang des 18. Jahrhunderts verortet. Yorgos Lanthimos arbeitete beim Dreh von The Favourite - Intrigen und Irrsinn nach The Lobster das zweite Mal mit Rachel Weisz zusammen, die dieses Mal Lady Sarah, die enge Vertraute von Queen Anne (Olivia Colman), spiel...